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(K)Eine Hochzeit und andere Unfälle

von Luischen
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
10.03.2016
24.03.2016
15
20.239
 
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10.03.2016 1.281
 
Ich sackte erschöpft zusammen. Ich war gelaufen, wusste nicht wie lange und wie weit ich gelaufen war, doch es war eine ziemliche Strecke gewesen, denn meine Beine gaben nun einfach nach. Ich landete mitten in einer Pfütze, doch es war mir egal. Unaufhörlich liefen Tränen mein Gesicht herunter. Sofort waren Schritte neben mir zu hören und Jemand mir aufhalf. „Hey, hey, was ist denn passiert?“, fragte eine ruhige Stimme und ich wurde vorsichtig in ein paar Arme gezogen. „Ist schon gut, schon gut.“, sagte die Stimme und begann mir sanft über den Rücken zu streichen „Hey Jungs, könnt ihr mir mal helfen?“, sofort waren noch mehr Schritte zu hören. „Was ist denn hier passiert?“ „Nils wo hast du die Frau im Brautkleid her?“ „Scheiße, hast du in der Pause eine Hochzeit gecrashed?“ „Nein Jungs. Ich… ich weiß nicht was hier los ist. Sie ist zusammen gebrochen und ziemlich am Weinen. Könnt ihr mir vielleicht helfen sie rein zu bringen? Sie ist ziemlich kalt.“. Nils, das war also der Mann der mir aufgeholfen hatte, legte seinen Arm um meine Hüfte und schob mich vorsichtig.
Es wurde wärmer um mich herum. Wir waren wohl rein gegangen. Ich wurde auf einen Stuhl gedrückt, dann legte man mir eine Jacke über die Schultern. Sanft wurde mein Kinn hochgeschoben. „Hi.“, ich erkannte sofort wer da vor mir hockte. Es war Nils Egtermeyer, einer der Kochprofis. Besorgt sah er mich an. „Was ist denn passiert?“, fragte er und hielt meinen Kopf mit seinen Händen fest. Ich bekam kein Wort heraus. Ich war einfach nur am Ende mit den Nerven und den Kräften. Doch ich wollte ihm eine Antwort geben und so öffnete ich meine Hand und reichte ihm den zerknüllten Zettel.

Sofort waren auch die anderen Kochprofis an seiner Seite. Nils glättete den Zettel und begann vorzulesen. „Hallo du naive Kuh. Dachtest du wirklich, dass ich dich fette Qualle heute heirate? Du hast es mir alles abgekauft. Von Anfang an war das nur eine Verarsche. Du hast mich in der Schule dran bekommen, dafür sollst du jetzt leiden. Wie konntest du glauben, dass ich nach unserer Schulzeit, nach all meinen Beleidigungen dir gegenüber, mich in dich verlieben könnte? Du hast vielleicht dafür gesorgt, dass ich von der Schule fliege, ich sorge dafür, dass du gedemütigt wirst! Ich habe es all unseren Freunden erzählt und wie du siehst hat es dir Keiner erzählt. Auch deine Alena nicht. Die werde ich nämlich an deiner Stelle heiraten. Du hast eine Woche um deine Sachen aus der Wohnung zu holen, so lange sind wir nämlich auf Hochzeitsreise. Danach will ich dich nie wieder sehen. Dass du nicht mehr in der Bar arbeitest, sollte klar sein. Genieß dein restliches, wertloses Leben. Leck mich. Tom.“.

Stille. Die Worte waren in meinen Kopf eingebrannt. Ich hatte es mitsprechen können, während Nils vorgelesen hatte. Mein Blick war wieder Richtung Boden gegangen, auf den die Tränen nun tropften. Ich wollte nicht sehen, wie mitleidig ich nun angesehen wurde. Ich ertrug es einfach nicht. Dann hörte ich wie Papier zerknüllt wurde. Wieder wurde mein Kinn angehoben. Dieses Mal blickte ich in Frank Oehlers Gesicht. „Hör mir mal zu mein Kind. Wenn das Jemand mit dir getan hat, dann ist der ehrlos! Ein Mann sollte eine Frau auf Händen tragen und sie nicht demütigen wollen!“.
Ich konnte die Wut in seinen Worten spüren, konnte aber nichts dazu sagen, denn innerlich hatte ich das Gefühl, dass Tom sehr wohl Recht hatte. Ich war ziemlich dick und kam mir jetzt noch dicker vor als sonst schon. Sonst hatte ich das Gefühl gehabt eben ein Bisschen zu viel zu haben, aber ich hatte mich nie so elendig schlecht und fett gefühlt wie jetzt. Ich wollte einfach nur weg sein. Nicht mehr existieren um Niemanden mit meinem Aussehen zu belästigen. Doch Fo hielt mein Kinn hoch, zwang mich ihn anzusehen. „Hast du mich verstanden? Lass dich nicht von so was runterziehen! Er hat nicht Recht.“. Vorsichtig fuhr er mir mit dem Finger unter den Augen her.
„Können wir irgendwen für dich anrufen? Können wir dich zu deiner Familie bringen?“, ich begann noch heftiger zu weinen und schüttelte den Kopf „Ich… Ich bin alleine.“, brachte ich hervor. Das waren die ersten Worte die mir über die Lippen kamen, auch wenn nur unter wirklichen Schmerzen war. Ich konnte den Gedanken kaum ertragen nun Niemanden mehr zu haben. „Wohnen deine Eltern weit weg?“, fragte Fo vorsichtig. Jetzt brach ich vollkommen zusammen. Ich sackte in mich zusammen, rutschte von dem Stuhl herunter. Man konnte nur von Glück reden, dass Fo mich fing. „Sie sind tot.“, flüsterte ich. Sofort wurde ich ganz eng an seine Brust gezogen. „Das tut mir so leid mein Kind.“, antwortete er genauso leise. Vorsichtig strich er mir immer wieder über den Rücken. „Wir lassen dich nicht alleine.“, sagte er und zog mich mit nach oben, während er aufstand. „Du bist nicht alleine ok?“.

Und Fo hielt sein Versprechen. Ich konnte nicht verstehen warum, aber die Kochprofis halfen mir meine Sachen aus der Wohnung zu holen und mich erst einmal in einem Hotel unterzubringen. Sie halfen mir, doch dann war ihre Mission zu Ende und sie konnten natürlich nicht bleiben. Sie hatten ihre Restaurants und mussten sich darum kümmern. Fo hatte mir sogar angeboten, dass ich mit zu ihm kommen könnte, doch ich wollte es nicht. Früher oder später musste ich wieder auf eigenen Beinen stehen und damit wollte ich gleich anfangen. Ich suchte mir eine neue Wohnung ein paar Städte weiter, suchte mir einen neuen Job in einer Bar und kämpfte mich so gut ich konnte aus diesem Loch wieder heraus.
Ich wusste dass ich nicht alleine war. Schnell lernte ich neue Leute kennen, machte mir Freunde, baute mir etwas Neues auf. Fo rief mich fast täglich an, kontrollierte ob es mir gut ging und ich spielte diese Rolle gut. Nach außen hin ging es mir besser. Ich lächelte, arbeitete und hatte neue Freunde, innerlich aber war ich ein Wrack. Ich schlief kaum noch. Toms Worte waren immer noch tief in meinen Kopf eingebrannt und nur weil ich immer wieder an seine Worte denken musste, nahm ich fast keine Nahrung mehr zu mir. Gerade so viel um nicht zusammen zu klappen. Ich wollte nicht dass Jemand bemerkte, wie es mir wirklich ging. Niemand sollte hinter meine Fassade blicken können, denn das letzte Mal als ich Jemandem vertraut hatte, hatte ich alles verloren. Ein zweites Mal würde ich das sicher nicht durchstehen.

Es waren Monate vergangen, seit ich hergezogen war. Ich stand hinter der Theke meiner Bar und putze. Wenn das geschafft war, hatte auch ich endlich Feierabend. Ich war müde, meine Füße taten weh und ich wollte einfach nur in mein Bett fallen. „Das wars. Ich packs jetzt.“, sagte ich an meinen Kollegen Ronny gewandt. Er lächelte mich an „Ich mache dann gleich dicht.“ „Wir sehen uns morgen.“, lächelte ich, packte meine Tasche und machte mich auf den Heimweg. Ich kramte mein Handy aus der Tasche und blickte auf den Display. 10 verpasste Anrufe. Ein wenig verwirrt sah ich die Liste an. Nils hatte doch tatsächlich versucht mich zu erreichen. Ich wusste nicht ob er noch wach war, dennoch rief ich ihn zurück.
„Egtermeyer?“, brummte er „Hi. Luisa hier. Habe ich dich geweckt?“, fragte ich „Nein. Aber wo warst du? Ich habe mir Sorgen gemacht.“ „Ich war arbeiten.“, lachte ich. Wieder ein Brummen von ihm „Hatte ich vergessen.“ „Was gibt’s denn so wichtiges?“ „Ich bin in deiner Stadt und wollte nach dir sehen.“ „Ach echt? Wo bist du? Ich mache mich gerade auf den Heimweg.“ „Ich sitze in einer Kneipe. Flawless oder so.“ „Ich hole dich ab.“, lachte ich, war die Kneipe doch nur um die Ecke von meiner Wohnung.
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