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Millennium - Nur ein Anruf weniger

von Miss-i
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
Javier Esposito Kate Beckett OC (Own Character) Richard Castle
08.03.2016
06.08.2020
33
61.474
5
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Dieses Kapitel
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17.08.2018 2.145
 
Vergebung: Teil 9


Heather Johns sprang sofort aus dem Wagen, als die Räder zum Stehen kamen und sie das blonde Mädchen am Straßenrand entdeckte. Sie stand neben einer älteren Dame, die offenbar die Besitzerin des Handys war, mit dem Amy telefonierte.

„Amy?“, Heather stoppte vor ihr und das Mädchen nickte, „Schön, dich endlich kennen zu lernen. Ich habe schon sehr viel von dir gehört. Darf ich mal?“, sie deutete auf das Handy und Amy reichte es ihr. „Wir haben sie, es ist alles in Ordnung.“ Vom anderen Ende der Leitung ertönte ein kollektives erleichtertes Aufatmen, bis sich Castle zu Wort meldete.

„Sie sind keine Sekunde zu früh. Ich bin gerade mit meiner Geschichte fertig geworden.“
„Was für eine Geschichte?“, verwirrt sah sie das Mädchen an und Amy kicherte.
„Von dem Igel und der Giraffe-“
„Ich verstehe schon. Danke für ihre Hilfe, Mr. Castle.“

„Aber gerne doch“, sie legte auf, gab der Dame das Handy zurück und bedankte sich überschwänglich, bevor sie fragte, ob sie einen Mann gesehen hätte, der Amy fluchtartig verlassen hatte. Die Frau verneinte jedoch und innerlich fluchte die Agentin, dann lächelte sie ihre Mitmenschen jedoch an und brachte Amy zum Rettungswagen, der sich in der Nähe positioniert hatte, damit man sich um sie kümmerte.


Als Kate Beckett und Javier Esposito an der alten Schwimmhalle ankamen, war das FBI ebenfalls vor Ort und schwärmte aus, um in der Umgebung nach Anzeichen auf den Verbleib von Xenon – oder auch Thomas Keaton – zu suchen. Sobald sie den Wagen geparkt und abgeschaltet hatte, sprang Kate aus dem Wagen und suchte mit ihren Blicken den Bürgersteig ab. Auch Espo stieg aus und tat es ihr gleich. Fast gleichzeitig entdeckten sie ein kleines blondes Mädchen, das mit einer Decke um die Schultern in der Öffnung eines Rettungswagens saß und aus einer Wasserflasche trank.

„Sie haben sie gefunden“, stellte Esposito zufrieden fest, doch Beckett runzelte die Stirn.
„Jemand anderen suchen wir aber trotzdem noch.“
„Wir haben aber keine Anhaltspunkte für ihren Aufenthaltsort.“
„Vielleicht haben wir das doch“, Kate sah ihn grübelnd an, „Denk an Amys Anruf. Hat sie nicht gesagt, dass sie sagen soll, dass Xenon verschwunden ist?“

„Ja, das hat sie gesagt, wieso?“
„Genau, wieso hat sie es so formuliert? Entweder hat Xenon ihr das aufgetragen, als er noch hier war, um uns in die Irre zu führen – und davon sind wir bisher allesamt ausgegangen –, oder-“
„Oder jemand anders hat sie und Xenon gefunden und wollte Amy beschützen, indem sie an einer viel befahrenen, öffentlichen Straße nach Hilfe sucht.“

„Weil diese Person entweder irgendwo festsitzt oder von unserem Täter mitgenommen wurde.“ Beide sahen sich einen Moment stumm und angespannt an, bevor sie sich in Bewegung setzten und schnellen Schrittes auf Amy zugingen.
„Verdammt, ich hasse diese Frau“, bei Espos Kommentar konnte Kate nur halb zustimmend nickten. Warum sollte man auch Probleme auf einfache Weise lösen, wenn es auch kompliziert ging?

„Hallo Amy, ich bin Kate, du hast mit mir telefoniert. Geht es dir gut?“, Kate lächelte das Mädchen an und Amy drehte den Verschluss ihrer Plastikflasche zu, bevor sie sie neben sich abstellte.
„Ja, alles in Ordnung. Ich hab nur ein bisschen Hunger und bin müde, aber sonst ist alles in Ordnung.“

„Das freut uns sehr. Ist dir vielleicht noch etwas eingefallen, wo Xenon hinwollte zum Beispiel?“
Amy überlegte kurz fieberhaft. „Er wollte nur weg. In ein anderes Land, glaube ich. Mehr hat er wirklich nicht gesagt. Aber vielleicht erinnere ich mich auch nicht mehr so gut, ich hatte solche Angst da drinnen…“

„Da drinnen?“, fragte Espo nach und mischte sich damit ebenfalls in das Gespräch ein.
„Im Schwimmbad. Er hat uns im Sprungbecken festgebunden.“ Espo starrte sie an und ein mulmiges Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus.
Uns? Amy, kann es sein, dass eine Kollegin von uns dich gefunden hat?“

Amy riss die Augen auf und sprang auf die Füße. „Daran habe ich gar nicht mehr gedacht! Sie sitzt noch  da fest- …und das Wasser, das ist alles meine Schuld! Ich sollte doch was sagen und dann-!“, sie war die Tränen nahe und Kate hockte sich neben sie, legte einen Arm um die schmalen Schultern und versuchte, sie zu beruhigen.

„Ganz ruhig, es wird alles gut. Wir sind ja jetzt da“, Kate bemühte sich um ein Lächeln, sah Espo im nächsten Moment jedoch angespannt an. Dieser bedankte sich bei Amy für die Informationen, drehte sich um und lief zur Schwimmhalle auf der gegenüberliegenden Straßenseite.


Javier Esposito betrat die Halle und wurde von einer allumfassenden Dunkelheit begrüßt, jedoch schien aus dem Bereich hinter den Umkleiden und Schränken Licht zu brennen. Er durchquerte die Eingangshalle, trat durch eine der Umkleiden und blieb bei den Schränken stehen. Das Licht kam eindeutig aus dem Bereich mit den Schwimmbecken. Er holte seine Waffe hervor und ging weiter, den Lauf vor sich schussbereit auf den Boden gerichtet. Nur zur Sicherheit.

„Hallo? Ist da jemand?“, Vivecas Stimme hallte von den gefliesten Wänden wieder und Espo ging ein bisschen schneller, allerdings immer noch vorsichtig. Immerhin konnte das hier genauso gut eine gut inszenierte Falle von Xenon sein.
Er kam um die Ecke und sah Vivecas Kopf an der Wasseroberfläche des fast komplett gefüllten Sprungbeckens.

„Oh Gott sei Dank!“, Erleichterung huschte über ihr Gesicht, während sie sich krampfhaft über Wasser hielt, „Hilf mir“, ihr Kopf ging kurz unter, dann kam sie wieder hoch, „Tu was!“ Sofort ließ er seine Waffe fallen und folgte ihrer gekreischten Anordnung. Er suchte nach einer Möglichkeit, das Wasser abzudrehen, fand jedoch keine in seiner Unmittelbaren Nähe.

„Beeil dich, mir steht das Wasser bis zum Hals… im wahrsten Sinne des Wortes!“ Er kam wieder an den Beckenrand.
„Dann solltest du den Kopf nicht hängen lassen“, er holte sein Handy heraus und rief Beckett an.
„Beckett? Ich habe sie gefunden. Sie sitzt in einem der Becken fest und das Wasser steigt stetig weiter, kannst du nach einer Möglichkeit suchen, es abzuschalten? … Danke.“

Dann legte er auf und wandte sich wieder an sie. „Womit hat er dich festgebunden?“
„Eisenkette und Handschellen, bitte tu doch endlich was!“
Er sah sich flüchtig im Raum um, dann erinnerte er sich an etwas. „Ich bin gleich wieder da“, damit ging er wieder zurück in die Dunkelheit.

„Du kannst mich doch nicht alleine lassen! Komm sofort zurück! Javi!“ Ihre Rufe verstummten und er hoffte, dass sie sich nur aufs Überleben beschränken wollte und nicht schon untergegangen war. Er ging zurück in die Eingangshalle und hinter den Tresen. Dort nahm er die Feuerwehraxt aus einem Kasten an der Wand, den er beim Hineingehen aus dem Augenwinkel gesehen hatte. Die Axt war etwas schwerer, als er erwartet hatte und so hielt er sie mit beiden Händen fest – eine unten am Griff, die andere Oben knapp unter dem Kopf –, während er zurück zum Sprungbecken lief.

Dort angekommen stellte er mit Schrecken fest, dass Beckett es noch nicht geschafft hatte, die Wasserzufuhr zu stoppen. Viveca hielt sich noch immer angestrengt oben und hatte den Kopf in den Nacken gelegt, sodass ihr Gesicht noch über der Oberfläche, der Rest ihres Körpers jedoch Unterwasser war. Er legte schnell seine Waffe am Boden ab, bevor er mit der Axt in den Händen ins Wasser sprang – wohlwissend, dass er dadurch den Wasserstand noch einmal anheben würde. Es musste jetzt schnell gehen.

Espo tauchte ein Stück weiter nach unten und zu dem Rohr, an dem sie gefesselt war. Er sah sich das Rohr kurz an und ließ die Axt sinken, um an der Kette zu ziehen und sie vielleicht doch auf diese Weise zu lockern – natürlich ohne Erfolg. Viveca holte ein letztes Mal tief Luft und tauchte zu ihm hinunter. Er sah sie an, während er weiterzog und sie schüttelte energisch den Kopf, ihre Haare hingen nun teilweise vor ihren Augen und nahmen ihr die Sicht.

Er verstand den Hinweis, dass sie das schon mehr als genug versucht hatte und drehte sich kopfüber in die Senkrechte, um die Axt vom Boden aufzuheben. Seine Ohren knackten unangenehm; für einen Druckausgleich hatte er jetzt wirklich keine Zeit. Espo griff die Axt genauso wie vorher, diesmal war sie nur um einiges leichter, und stieß sich mit den Füßen am Boden ab. Auf der richtigen Höhe angekommen, holte er mit der Axt aus und sah Viveca nach Bestätigung suchend an. Sie nickte kurz, für mehr hatte sie keine Luft übrig. Auch für Esposito wurde der Sauerstoff langsam knapp und er kniff die Augen leicht zusammen, um das Rohr besser sehen zu können, verringerte den Abstand zwischen sich und der Wand und holte aus.

Selbst unter der Wasseroberfläche schallte das Geräusch der Begegnung von Axt, Kette und Rohr durch den Raum und klang viel zu laut in den Augen der beiden Tauchenden. Der nächste Schlag war genauso laut, der darauffolgende schon etwas leiser. Die Kette war bereits zur Hälfte aufgesprungen. Der Wasserwiderstand hatte die Wucht von Espos Schlägen doch um einiges Abgefangen und seine Arme wurden schwer.

Schnell schwamm er wieder nach oben und holte erneut tief Luft, bevor er wieder zu ihr hinuntertauchte. Er setzte erneut zum Schlag an und während die Axt auf die Kette traf, das angebrochene Glied endlich zersprang und der eiserne Strick sich entzweite, sah er eine Menge Luftblasen in seinem Augenwinkel, als Viveca die Luft nicht mehr anhalten konnte.

Gerade noch rechtzeitig, dachte er. Er hätte sich nicht eine Minute länger Zeit lassen dürfen.
Sie strampelte sich nach oben – ihre Hände waren ja immer noch gefesselt – und so umgriff er ihre Beine und schob sie mit sich an die Oberfläche, wo sie japsend nach Luft schnappten und er nach ihrer Hüfte griff, um sie oben zu halten.

„Geht  es dir gut?“, fragte er atemlos. Espo wischte sich übers Gesicht, als ein Wassertropfen seine Nase hinunterlaufen wollte.
Sie hustete und nickte. „Du musst mich nicht festhalten.“

„Na gut“, er ließ sie wieder los. Prompt ging ihr Kopf wieder unter und sie trat gegen das Wasser unter ihr. Er verdrehte die Augen und zog sie am Arm wieder hoch. „Ich denke, dass muss ich erstmal doch.“ Damit schwamm er hinüber zu Beckenrand und zog sie mit sich, schob sie dann vor sich auf den Beckenrand und hievte sich selbst dann aus dem Wasser.

Vollkommen regungslos lagen beide keuchend nebeneinander, die Beine noch im Wasser, während keiner etwas zu sagen wagte.
„Nächstes Mal sagst du vorher Bescheid, wenn du mich in eine Sackgasse schickst und danach ertrinken willst“, schließlich war er es, der die Stille brach.

„Es war keine Sackgasse. Ihr habt doch die Hütte gefunden, oder?“, sie klang müde, das hörte sie selbst. Eine Nachwirkung des Hydromorphons. Xenon hatte sie wirklich erfolgreich ausgeknockt. Woher sie die Kraft genommen hatte, sich so lange über Wasser zu halten, war ihr selbst schleierhaft.

„Du wusstest von der Hütte?“, sie nickte und er richtete sich ruckartig auf, „Aber… wenn du wusstest, wo seine Eltern wohnen, wieso hast du ihn dann nicht schon viel früher-“
„Seine Eltern?!“, auch Viveca versuchte sich nun aufzurichten, allerdings fiel sie wieder nach hinten, als sie das Gleichgewicht nicht halten konnte und ihre gebundenen Hände ihr nicht beim Abstützen halfen. „Ich hatte keine Ahnung, dass sie da sind… wie heißt er?“

„Thomas Keaton.“
Sie atmete ein paar Mal durch und schien in ihrer Erinnerung zu kramen. Dann blinzelte sie und richtete sich nochmal auf, diesmal langsamer. Er bedeutete ihr, sich umzudrehen und sie bemühte jeden ihrer Muskeln dazu zu verwenden. Espo zog einen Schlüssel aus seiner durchnässten Hosentasche und versuchte, ihn in die Handschellen zu stecken, um sie aufzuschließen. Der Schlüssel passte und nur Sekunden später klickte es, und Viveca sog ihre Hände nach vorne, schüttelte die Arme aus und rieb sich die Handgelenke.

„Polizeihandschellen, wie zum Teufel ist er daran gekommen?“, fragte er mehr sich selbst als die Agentin.
„Habt ihr Xenon schon gefasst?“

„Nein. Aber Amy hat uns schon gesagt, dass er wahrscheinlich ins Ausland will und vorher bei seinen Eltern vorbeischaut. Wir haben schon jemanden dorthin geschickt. Hier in der Gegend scheint er aber nicht zu sein. Deine Kollegen überwachen mittlerweile auch die Bahnverbindungen und die Flughäfen. Fällt dir noch was ein? Nur, falls wir ihn so nicht finden?“

„Nicht direkt. Sein Name kommt mir so bekannt vor, aber ich komme nicht drauf, woher.“
„Denk weiter. In der Zwischenzeit sollten wir vielleicht hier raus.“
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Hi^^ Nur noch ein paar Kapitel, die ich bis spätestens November hochgeladen haben will (Vorabi und so) und das auch schaffen werde (hoffentlich, duh... xD) Jedenfalls lief vor einigen Wochen ja Titanic auf dem Privatsender meines Vertrauens. Da war dieses Kapitel in meinem Kopf schon fertig, nur noch nicht getippt. Und was muss ich da sehen?! Jack hängt an nem Rohr fest und Rose holt die Feueraxt und zerschlägt die Kette (ohne hinzugucken, höhö xD)! Da hab ich erstmal überlegt, ob ich das noch ändern soll, war dann aber zu faul. Und ganz ehrlich: Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt keine Ahnung mehr, dass diese Szene existiert. Falls euch es also bekannt vorkommt, wahrscheinlich wegen Titanic :D
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