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Millennium - Nur ein Anruf weniger

von Miss-i
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
Javier Esposito Kate Beckett OC (Own Character) Richard Castle
08.03.2016
06.08.2020
33
61.474
5
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12.07.2018 1.930
 
Vergebung: Teil 8


Viveca schlug langsam die Augen auf und starrte an die Decke. Jede Zelle ihres Körpers schmerzte und war kraftlos. Nur mit Mühe schaffte sie es schließlich, sich zu drehen und den Kopf zu heben. Ein stechender Schmerz fuhr ihr in die linke Seite und sie krümmte sich leicht, sah dann verschwommen das kleine Mädchen in der Ecke stehen und an der Kette ziehen.
„Ist er wirklich weg?“, fragte sie matt und zwang sich dazu, sich aufrecht hinzusetzen. Das Hydromorphon hatte sie wirklich erfolgreich außer Gefecht gesetzt.

„Er hat gesagt, er will das Land verlassen und muss sich noch um seine Eltern kümmern. Ich glaube nicht, dass er wiederkommt“, sie machte eine Pause und schluchzte, „Wir werden hier drinnen sterben.“
„Keine Panik“, sie bemühte sich wirklich, das Mädchen zu beruhigen, nur schien das nicht wirklich möglich zu sein.

„Ich habe aber Panik! Wir sitzen in einem Sprungbecken in einem leerstehenden Schwimmbad fest und kommen hier nicht ohne fremde Hilfe raus. Wenn uns keine findet, und danach sieht es ganz aus, dann war es das!“ Sie zog und rüttelte immer fester an der Kette. Viveca beobachtete, dass das Rohr langsam aber sicher begann, immer weiter nachzugeben und zu wackeln. Mühsam schaffte sie es auf die Knie zu kommen und musste dann schnaufend eine Pause machen, bevor sie sich ganz auf die Füße stemmte und sich vollends aufrichtete. Verschwitzt lehnte sie an der Wand und kam wieder zu Atem.

Amys Rohr schwang mittlerweile bei jedem Ruck beachtlich mit und so beschloss die Agentin, es ihrer Tochter gleich zu tun du ebenfalls zu versuchen, die Fesseln irgendwie zu lösen. Das Rohr hinter ihr war jedoch um einiges dicker und bewegte sich nicht einen Zentimeter, so sehr sie sich auch anstrengte und so kräftig sie auch zerrte.
„Ich glaube, ich hab es gleich“, kam es dann aus der anderen Ecke des Beckens und Viveca sah, dass Amy Recht hatte. Das Rohr war mittlerweile mit einer dicken Einbuchtung versehen und ruckelte immer stärker.

Mit einem lauten Scheppern brach das Stück schließlich aus seiner Halterung – kein Wunder, dass die Schwimmhalle saniert werden sollte, bei solchen Rohrkonstruktionen – und Amy stolperte nach hinten. Die Kette klimperte über den Boden als Amy sich wieder aufrappelte und zu Viveca lief. Diese drehte sich ein wenig und half dem Mädchen dabei, die Fesseln an ihren Handgelenken zu lockern. Im Gegensatz zur Agentin hatte Xenon Amy nur mit einem Seil und nicht mit Handschellen festgebunden und nur wenige Zeit später konnte sie sich wieder frei bewegen.

„Amy…“, Viveca nickte in die Ecke hinter dem Mädchen. Dieses drehte sich um und erschrak.
„Oh oh.“ Aus dem Rohr schoss das Wasser nun hinaus. Es hatte keinen großen Durchmesser, aber die Geschwindigkeit des Wasserstrahls glich diesen Vorteil wieder aus. Amy wirbelte herum und zusammen zogen beide an der Kette. Das Rohr rührte sich noch immer kein Stück. Langsam wurde auch Viveca sehr nervös und ihr Herzschlag wurde schneller.

„Es hat keinen Sinn“, stellte sie dann fest, als das Wasser aus der Ecke bereits in ihre Richtung floss und begann, sich über den Rest des Bodens zu verteilen.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Amy und ihr war die Angst deutlich anzusehen.
„Hör zu“, hätte sie es gekonnt, hätte Viveca dem Mädchen nun eine Hand auf die Schulter gelegt, „Du wirst jetzt hier raus gehen und die Polizei rufen, ja?“
„Aber was ist mit dir?“

„Deswegen sollst du ja meine Kollegen holen. Du wirst folgendes machen“, Amy sah unglücklich zur Seite, „Konzentrier dich bitte.“ Amy sah sie wieder an und nickte.
„Alles klar“, ihre Stimme zitterte, aber ihre Augen zeigten ihre Entschlossenheit.

„Du wirst gleich auf meine Schultern steigen und dann hebe ich dich auf den Vorsprung an der Wand. Da wirst du dich raufziehen und dann ganz vorsichtig zum Einstieg gehen, verstanden?“ Amy nickte. „Wenn du oben angekommen bist, gehst du in den Gang dir direkt gegenüber. Du gehst weiter geradeaus, bis du rechts abbiegen kannst. So gelangst du zu den Sammelumkleiden. Du gehst durch die für Männer hindurch und danach einmal nach links und weiter geradeaus. Du kommst an eine kleine blaue Tür, das ist der Hinterausgang der Halle, der immer offen ist. Dieser Weg ist kürzer als es vorne zu versuchen.“ Viveca war diesen Weg oft mit Bill gegangen, als er Wettkämpfe geschwommen ist und sie nach dem Sieg mit zum Team genommen hatte.

„Rechts, Umkleide, links, blaue Tür. Okay, was dann?“
„Du stehst auf einem kleinen von Bäumen umgebenen Weg. Du gehst wieder nach links und kommst an eine normale Straße. Dort sind eigentlich immer Menschen, du fragst den erstbesten, ob er oder sie die die Polizei anrufen können. Sag, dass du in Gefahr bist und lass dich ans Morddezernat des 12. Reviers weiterleiten. Das sind meine direkten Kollegen. Sie wissen, wer du bist, wenn du ihnen deinen Namen sagst. Dann sagst du ihnen, wo wir sind und dass Xenon verschwunden ist.“

„Nochmal links und dann das 12. Revier. Verstanden.“
„Danach wartest du an einer vielbefahrenen Kreuzung oder einem andere Ort mit vielen Menschen, falls Xenon sich hier doch noch irgendwo herumtreibt. Ich komme dich später suchen.“
Amy nickte heftig und blinzelte die Tränen weg, dann umarmte sie ihr Gegenüber.

„Bereit?“ Wieder nickte das  Mädchen und Viveca hockte sich langsam hin – das Hydromorphon wirkte noch immer etwas nach. Vorsichtig kletterte Amy auf ihren Rücken und stellte sich dann auf ihre Schultern, hielt sich an der Wand vor ihr fest. „Okay“, auf ihr Stichwort hin drückte Viveca – ebenfalls langsam – die Beine durch und beförderte sie somit stückweise weiter nach oben.

Amy zögerte kurz aus Angst zu fallen, dann nahm sie all ihren Mut zusammen und kletterte von Vivecas Schultern auf die Fliesen des Vorsprungs. Dort hockte sie jetzt einen Moment lang unbequem, bevor sie sich traute, sich aufzurichten. Erschrocken über die Höhe griff sie den Beckenrand und hielt sich fest.
„Ich bin oben“, rief sie dann leise hinunter und sah aus dem Augenwinkel, dass Viveca sich zu ihr umdrehte.

„Sehr gut, sei bloß vorsichtig“, Viveca beobachtete, wie Amy nickte und sich dann ganz langsam seitlich den Vorsprung entlang begab und schließlich voller Erleichterung den Einstieg erreichte und hinaus kletterte.
„Keine Sorge, ich schaffe das“, verkündete sie oben angekommen und lief los, in den Gang, den die Agentin ihr beschrieben hatte.
„Und bitte beeil dich“, sagte Viveca in den Raum hinein, obwohl sie wusste, dass Amy es nicht mehr hören würde. Sie seufzte. Mittlerweile stand das Wasser bis zu ihren Knöcheln. Das konnte ja noch heiter werden.


„Sie hat ihr Handy nicht mitgenommen, es ist immer noch in ihrer Wohnung“, informierte Detective Javier Esposito seine Kollegen über das Ergebnis seiner Handyortung. Kate saß noch immer hinter ihrem Computer und überprüfte die Bilder der Verkehrskameras, um vielleicht eine neue Spur zu finden. Bisher jedoch ohne Erfolg. Wegen der großen Materialmenge hatte Castle ebenfalls einen Computer zugewiesen bekommen und tat das gleiche mit einem anderen Teil der Bilder. Die Agenten um sie herum wussten nicht, woran sie arbeiteten, jedoch wurden auch sie langsam unruhig, was vorwiegend an der schieren Zeit lag, in der Amy bereits gesucht wurde. Jeder von ihnen wusste, dass jede Sekunde zählte und so wurde das Arbeitstempo noch einmal erhöht, was einerseits zu einer höheren Lautstärke, andererseits aber auch zu einer größeren Anspannung führte.

„Bisher auch nichts auf den Überwachungsbildern. Bei dir?“, Castles Frage richtete sich an Kate, die jedoch verneinend den Kopf schüttelte.
„Entweder eskaliert hier gerade alles“, Espo ließ sich auf seinen Stuhl fallen, „oder sie will einfach nicht gefunden werden. Und ich wüsste nicht, auf welches Pferd ich hier setzen würde.“

„Aber irgendetwas müssen wir doch tun können-“, ihr Telefon klingelte und Kate nahm ab. Sofort sprang sie alarmiert auf und schaltete auf Lautsprecher. Dann bat sie, alle leise zu sein. „Es ist Amy“, flüsterte sie, dann hörte man ihm nun totenstillen Raum nur die Stimme des kleinen Mädchens. Auch Captain Gates kam aus ihrem Büro, verwundert über die plötzliche Stille.

„Hallo? Hier ist Amy Robinson.“
„Hallo Amy, mein Name ist Kate. Geht es dir gut?“, fragte Kate so einfühlsam sie konnte und bedeutete irgendeinem ihr unbekannten Agenten, den Anruf zurückzuverfolgen.
„Ja, mir schon. Ich soll sagen, dass Xenon verschwunden ist.“

„Ist er wirklich nicht mehr bei dir?“, fragte sie erstaunt und sah in die anderen verwunderten und angespannten Gesichter.
„Nein, er ist weg. Er will in ein anderes Land, das hat er gesagt. Und er will sich um seine Eltern kümmern.“
„Schickt sofort jemanden zu den Keatons“, gab Gates leise die Anweisung an einige der Detectives weiter, die auch vorher schon bei der Hütte gewesen waren.

„Bist du in Sicherheit?“
„Ich stehe auf einer Straße mit vielen Leuten… ist das sicher?“
„Erst einmal ja“, Kate lächelte und bemühte sich darum, dass Amy es auch in ihrer Stimme hören konnte, „Wo genau bist du denn?“
„Hier war ich noch nie, auch nicht in der Schwimmhalle-“

„Eine Schwimmhalle?“, unterbrach Kate und Castle schwang sich an seinen Rechner, um nach möglichen Optionen zu suchen.
„Ja, eine alte. Sie ist geschlossen und alle Fenster waren abgedeckt. Mit Platten.“
„Ich verstehe. Sie wird also saniert?“
„Ja, kann sein.“

Es entstand eine Pause, dann hatte Castle die momentan einzige Schwimmhalle gefunden, die gerade wegen Bauarbeiten nicht in Betrieb war. Er zeigte ein <Daumen hoch> in Kates Richtung, die das nickend zur Kenntnis nahm und sich wieder auf das Telefonat konzentrierte. Castle kam zu ihr und deutete auf das Telefon, während die anderen sich bereit zum Aufbruch machten und Anweisungen von einer Seite zur anderen durch den Raum geworfen wurden. Das FBI hatte die Adresse des Schwimmbads an sich gerissen und war mittlerweile zum Großteil aus dem Raum geschwärmt.

„Okay, wir werden gleich bei dir sein, Amy“, sie nickte Castle dankbar zu und stand auf, „Ich bin auch gleich da, ein sehr netter Mensch wird solange am Telefon bleiben und sich mit dir unterhalten, ja?“
„In Ordnung, bis gleich.“

„Bis gleich, Amy“, Kate stellte den Lautsprecher wieder ab, gab das Telefon an Castle weiter und flüsterte einen Dank. Ihr war es zum Ende hin viel zu schwer gefallen, das Gespräch aufrecht zu erhalten und war dankbar dafür, dass er es bemerkt hatte und nun übernahm. Er hatte mit Mädchen in Amys Alter mehr Erfahrung, Alexis war schließlich auch einmal zehn gewesen. Kate war beunruhigt, wusste – oder besser: hoffte – jedoch, dass es mit ihrem eigenen Kind leichter werden würde. Und außerdem hatte sie bis dahin noch ein bisschen Zeit, sich daran zu gewöhnen.

„Hallöchen, mein Name ist Rick und ich werde in den nächsten Minuten dein Unterhaltungsprogramm darstellen.“  Vom anderen Ende der Leitung hörte man ein leises Lachen.
„Du bist lustig“, Rick lächelte nach ihrer Antwort.

„Magst du Geschichten?“
„Ja.“
„Kennst du schon die von der Giraffe und dem Igel?“ Kate und Espo machten sich auf den Weg nach draußen und nickten jeweils einmal Captain Gates zu, die sich dann zu Lanie und Castle stellte und dem Gespräch mit gespannten Nerven folgte. Es konnte auch eine Falle sein, gut von Xenon inszeniert. Aber so weit durfte keiner von ihnen denken.
„Also, es war einmal im Tierreich, ein kleiner mürrischer Igel, der immer seinen Willen bekommen musste…“, und so begann Castle, die in Gates Augen hirnrissigste Geschichte zu erzählen, die sie je gehört hatte.
_________

Soo, das Ende ist doof geworden, aber egal^^ Ich wusste nicht, was ich noch machen sollte und ich wollte gerne, dass Kate mit hinfährt. Das ist eigentlich der einzige Grund, weshalb ich Castle übernehmen lassen habe (weil das sonst etwas unlogisch ist aber muss eben) :D
Hier ist jetzt erstmal drei Wochen lang Pause, weil Urlaub ohne Wlan. Danach kommen aber sicher noch einige Kapitel hoch :)
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