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Millennium - Nur ein Anruf weniger

von Miss-i
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
Javier Esposito Kate Beckett OC (Own Character) Richard Castle
08.03.2016
06.08.2020
33
61.474
5
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04.07.2018 2.090
 
Vergebung: Teil 7


Das Waldgebiet um eine kleine Holzhütte etwas außerhalb der Stadt wurde von etwa einem Dutzend Detectives und drei Spürhunden durchsucht. Castle wartete bei den Wagen, um niemandem im Weg zu stehen und sah Detective Esposito dabei zu, wie er zu der kleinen Hütte ging und gegen die Tür klopfte.

„NYPD, öffnen sie sofort die Tür!“, auf die Idee, dass die Hütte momentan bewohnt war, waren sie dadurch gekommen, dass die gesamte Umgebung der Hütte nach köstlichen Pancakes roch, die jemand drinnen gerade erst vor kurzem zubereitet haben musste. Die Tür öffnete sich und ein älteres Paar stand im Türrahmen, erschrocken durch den Blick in den Lauf einer Waffe. Espo ließ sie sinken.

„Entschuldigen Sie bitte die Störung. Wir suchen ein vermisstes Mädchen, haben Sie sie hier in der Nähe gesehen? Oder“, er holte sein Handy heraus und zeigte ihnen das Phantombild, „war dieser Mann hier?“ Castle entschloss sich dazu, näher an das Geschehen heranzutreten und ging zur Hütte hinüber. Gerade als er ankam, antwortete die Frau.
„Nein, ein Mädchen haben wir hier nicht gesehen, hier kommt nie jemand vorbei, wissen Sie? Aber wie… wieso suchen Sie denn nach Thomas?“


Kate saß noch immer an ihrem Schreibtisch und klickte sich gelangweilt durch die verschiedenen Winkel der Verkehrskameraaufnahmen, in der Hoffnung, Amy oder Xenon auf einem der Bilder zu finden. Sie saß seit dem Aufbruch der anderen an dieser Aufgabe, bisher jedoch ohne Erfolg.

Langsam glaubte Kate, dass es wohl noch eine Ewigkeit dauern würde, bis man sie erlöste. Vielleicht suchte sie auch im völlig falschen Teil der Stadt. Einige Agents halfen ihr mit der Spezialtechnik bei der Auswertung eines anderen gigantischen Datenstapels, doch Kate verließ sich lieber auf ihre eigenen Augen anstatt auf eine Maschine, die jederzeit ein wichtiges Detail vergessen konnte. Sie erreichte die heutige Mittagszeit und die Bilder, die in dieser Zeit von der Straße gemacht wurden, in der Vivecas Wohnung lag. Kate wollte einfach sicher gehen, dass die Frau nichts Unüberlegtes tat und sich selbst oder andere in Gefahr brachte.

Alles schien harmlos. Sie sah Espo, der seinen Wagen parkte, im Wohnhaus verschwand und nach einer Weile wieder herauskam und wegfuhr. Sie wollte die nächsten unauffälligen Bilder schon überspringen, als sie plötzlich Viveca sah, die schnellen Schrittes ihr Wohnhaus verließ und in Richtung Osten ging. Kate speicherte das Bild ab und suchte die nächste Kamera, um ihren Weg zu verfolgen. Sie fand die passende Stelle und Uhrzeit und wiederholte diesen Prozess noch einige Male, dann verschwand Viveca von der Bildfläche, als sie eine U-Bahnstation betrat. Kate fluchte und lehnte sich zurück. Danach konnte sie überall hin verschwunden sein. Doch etwas war faul an der ganzen Sache. Sie war gegangen, gleich nachdem Espo sie besucht und sie zu Xenon befragt hatte. Und in diesem Moment wurde Kate klar, dass Viveca bereits wusste, wo Xenon war.

Sie holte ihr Handy heraus und rief sie an, jedoch ging nach endlosem Klingeln nur der Anrufbeantworter ran und Kate fluchte erneut, als sie schließlich auflegte.


Genau in diesem Moment öffneten sich die Fahrstuhltüren und Castle und Espo kamen in den Hauptraum des 12. Reviers.
Kate sprang sofort auf, ihr Herz schlug unangenehm heftig gegen ihre Rippen und in ihrem Magen machte sich eine große Übelkeit breit. Zudem hatte sie zulange gesessen, um einfach so schnell aufzustehen und ihr Kreislauf fuhr eine Runde Achterbahn. Sofort kam Castle besorgt auf sie zu und hielt sie am Arm fest.
„Kate, geht es dir gut? Du siehst gar nicht gut aus.“

„Es ist alles in Ordnung, Rick. Na ja, nicht ganz. Wir haben ein Problem. Espo, ich habe Neuigkeiten.“
„Wir auch“, seine knappe Antwort überraschte sie und sie sah, wie er den Kopf in Gates‘ Büro steckte und sich dann an einem der Computer des FBI zu schaffen machte. Gates kam unterdessen heraus und informierte die Agenten, die in den Nebenräumen ihrer Arbeit nachgegangen waren. Sie alle versammelten sich um die Tische im Hauptraum und warteten gespannt.

Espo rief ein Bild auf, welches dann auf eines der interaktiven Whiteboards des FBI projiziert wurde. Kate erschrak, als sie erkannte, was es war.
„Das“, Espo deutete auf das Bild neben sich, einen Führerschein, „ist Thomas Keaton. Uns ist dieser Mann allerdings eher unter dem Namen Xenon bekannt. Eine Hütte im Wald außerhalb der Stadt diente ihm einmal als Ort für seine Verbrechen. Wir waren heute dort und trafen ein nettes älteres Ehepaar, die Eltern unseres Gesuchten. Sie hatten keine Ahnung, dass die Behörden schon seit einigen Jahren hinter ihrem Sohn her sind, und waren überrascht, dass er ein Mädchen entführt haben soll. Amy Robinson konnten wir dort nicht finden, aber wir wissen jetzt, wie unser Mann aussieht und heißt.“ Der Fahrstuhl kam erneut an und Lanie kam heraus und auf die Gruppe zu.

„Ich habe auf dem Weg hierher die Gerichtsmedizin informiert“, Espo hatte sie als erstes entdeckt, „Ich wollte wissen, ob Keatons DNS bereits im System ist.“
„Ist sie“, Lanie drängte sich an einigen Agents vorbei in die Mitte der Runde, „Wir haben seine Fingerabdrücke und konnten sie mit einem winzigen Teilabdruck aus dem Haus in Queens, in dem er sich vor einigen Wochen aufgehalten hat, abgleichen. Soweit stimmen sie überein. Wegen eines Autounfalls als Fahranfänger haben wir einige wenige DNS Ergebnisse, jedoch fehlt uns eine weitere Probe zum Abgleich. Keatons damaliger Zahnarzt hat auch eine umfangreiche Akte über ihn, jedoch war er seit seinem neunzehnten Lebensjahr nicht mehr dort.“

„Sehr gut, vielen Dank“, Espo nickte ihr nach ihrer kurzen Zusammenfassung zu und wandte sich dann an Kate, „Beckett, ich würde dich bitten, ihn für uns noch einmal eindeutig zu identifizieren.“
Kate nickte. „Das ist er. Er hat allerdings mittlerweile einen anderen Haarschnitt, aber die Gesichtszüge sind eindeutig die gleichen.“
„Sie haben es gehört“, Heather Johns meldete sich zu Wort und wandte sich an ihre Leute, „Sie wissen, wie er aussieht und wie er heißt. Finden Sie ihn, das kann ja wohl nicht unmöglich sein.“

Die Versammlung löste sich auf und Gates trat an ihr Team heran.
„Sie haben alle hervorragende Arbeit geleistet. Im Gegensatz zu diesem Haufen dort drüben, der seit Stunden keinerlei neue Ergebnisse liefert.“
„Captain-“, Esposito meldete sich zu Wort, wurde jedoch sofort wieder unterbrochen.

„Ich weiß, dass Sie darüber mit Agent Olofsson geredet haben“, sie sprach nun sehr leise, damit niemand davon hörte, „Und ich habe nichts dagegen, dass wir deswegen nun unseren Mann kennen und ein Gesicht und einen Namen haben.“
Espo schluckte, hielt aber den Mund. Gates wandte sich an Kate.
„Detective Beckett, wir finden ihn“, sie machte eine Pausse und Kate nickte, „Und übernehmen Sie sich nicht. In ihrem Zustand.“

„Sir?“, Kate war durch und durch verwirrt.
„Spielen Sie mir nichts vor. Wann hatten Sie geplant, mir von ihrem Untermieter zu erzählen?“
Innerhalb von Sekunden färbten Kates Wangen sich rot und der Rest ihres Gesichts kreidebleich.
„Nach diesem Fall, Captain“, Castle schritt ein und setzte sein charmantestes Grinsen auf, „Ich war ja schon viel früher dafür, aber sie wollte das Team nicht im Stich lassen.“

Gates nickte langsam, wenig überzeugt. „Mh-hm. Ich verstehe. Sie gehen nach Hause, wenn es Ihnen in irgendeiner Form schlecht geht und ich verlange, dass Sie gefährliche Außeneinsätze vermeiden.“
„Ja, Sir… nur eine Frage: Woher wussten Sie davon?“
„Ganz einfach“, Gates wandte sich zum Gehen, „Ich bin nicht blöd.“ Damit verschwand sie wieder in ihrem Büro.

„Oh mein Gott“, stieß Castle aus, „Sie sieht alles, hört alles und weiß alles. Wir sind hier nicht mehr sicher.“
„Also ich bin froh, dass es kein Geheimnis mehr ist“, Lanie legte eine Hand auf Kates Schulter, „Wer weiß, wie lange du noch gezögert hättest.“
„Mehr Leute müssen es jetzt erst einmal sowieso noch nicht erfahren“, grummelte Kate und ließ den Blick durch den Raum wandern, bis sie an ihrem Computer hängen blieb. Eine Art Stromschlag durchzuckte sie. „Espo, kannst du versuchen, Viveca zu erreichen? Bei mir ging sie nicht ans Telefon.“

Ihr Kollege runzelte verwirrt die Stirn, dann zog er sein Hand heraus und versuchte es ebenfalls. Kate wartete angespannt auf eine Reaktion von seiner Seite.
„Mailbox. Was willst du denn von ihr?“, er legte auf und steckte das Handy wieder in die Tasche.
„Ich denke, dass sie weiß, wo Keaton ist“, sie ging zu ihrem Computer und rief die Bilder auf, die sie abgespeichert hatte. Die anderen drei folgten ihr und versammelten sich so, dass sie ebenfalls auf den Bildschirm sehen konnten. Gleichzeitig überprüften Espo und Castle, dass niemand sonst zuhörte oder zusah.

„Gleich nach deinem Besuch bei ihr, hat sie ihre Wohnung verlassen. Ich konnte ihren Weg bis zu einem gewissen Punkt verfolgen, aber dann ist sie in eine U-Bahnstation gegangen und könnte jetzt überall sein. Mich macht es nur stutzig, dass sie genau dann gegangen ist, als du wieder gegangen bist, Espo. Was hast du mit ihr besprochen?“
„Ich habe ihr nur die Fotos gezeigt“, er machte eine Pause, schloss die Augen und atmete mit bitterem Gesichtsausdruck durch, „und sie hat mich mit diesem verdammten Waldweg in eine Sackgasse geschickt.“

„Na ja, so würde ich es nicht sehen“, mischte sich Castle ein, „Immerhin haben wir Xenons Namen und ein Foto bekommen.“
„Natürlich ist das gut“, Esposito klang etwas gereizt, „aber nicht, wenn wir nach einem vermissten Mädchen suchen, dass-“, er brach ab und erinnerte sich an sein Versprechen, Amys Entstehungsgeschichte für sich zu behalten, „…dass mittlerweile auch schon tot sein könnte.“

„An diese Möglichkeit sollten wir im Moment lieber noch gar nicht denken“, Kate drehte sich zu ihren Mitstreitern um und stemmte die Hände in die Hüften. „Also, wo könnte sie hingegangen sein?“


Amy saß weiterhin zitternd in der Ecke und zog an ihren Fesseln. Seit Ewigkeiten versuchte sie, sich irgendwie loszumachen und zu entkommen. Wieder schlug weit entfernt eine Tür zu und sie stoppte ihre Versuche, wissend, dass er gleich wieder zu ihnen kommen würde. Die Agentin lag noch immer reglos auf dem Beckenboden und kämpfte mit den Folgen der Injektion, würde ihr also nicht helfen können.

Xenon spazierte gemütlich und locker pfeifend am Beckenrand über ihnen entlang und kletterte schließlich wieder hinein, stellte die Leiter an die Wand und stand schließlich wieder mitten im Becken. Er klatschte in die Hände.

„Mädels! Ich habe das Gefühl, dass wir nicht mehr so viel Zeit zusammen verbringen werden. Ich bin nicht sonderlich blöd und ich weiß, dass ein paar von deiner Sorte“, er zeigte auf Viveca, „bei meinen Eltern waren, die natürlich ganz hilfsbereit waren und mich verraten haben!“ Er schrie den letzten Teil des Satzes, der dann von den Wänden des Beckens wiederhallte.

„Deswegen muss ich mich kurz um sie kümmern und danach verschwinden. Hey, hörst du mir überhaupt zu?!“, er trat Viveca in die Seite, die sich dann stöhnend auf den Rücken rollte. „Weißt du, Vivi, vielleicht gehe ich ja in deine Heimat und versuche es dort noch einmal neu? Oder irgendwelche anderen Länder, die Mädchen wie dich haben“, er beugte sich zu ihr hinunter und tätschelte ihre Wange, „Auf Nimmerwiedersehen. Ich werde dich sehr vermissen, mein Lieblingsmädchen.“

Dann richtete er sich auf, drehte sich um und ging vor Amy in die Hocke.
„Weißt du kleine, ich kenne dich gerade mal ein paar Tage und ich bin trotzdem sehr geneigt, dich mitzunehmen. Allerdings glaube ich, dass du ein Mama-Kind bist. Und dass du mir, wie soll ich sagen… zur Last fallen würdest. Gerade an der Grenze. Deshalb lasse ich dich hier, aber du sollst wissen, dass dein Daddy immer auf dich aufpassen wird. Auch wenn er gerade ganz woanders ist und dort seinen Spaß ohne dich Göre hat.“ Er legte ihr eine Hand auf den Kopf zog sie zu sich, küsste sie dann auf die Stirn und erhob sich. Die ganze Zeit ignorierte er ihr zittern und die panischen Blicke, die sie dauerhaft aussendete, wenn er da war. Er ging zurück zur Leiter, kletterte auf den Vorsprung und zog sie hoch, am festen Einstieg hielt er inne, drehte sich zu ihnen und grinste.

„Macht‘s gut, meine Lieben.“ Damit stieg er die letzten Stufen hoch und verschwand aus Amys Sichtfeld. Sie war verwirrt von seinen Worten, wusste aber, dass sie einem Menschen wie ihm nicht unbedingt Glauben schenken sollte. Sie wartete und horchte, wie seine Schritte immer leiser wurden und schließlich eine Tür ins Schloss fiel. Sie wartete noch weitere Minuten, um sicherzugehen, dass er weg war, bevor sie sich bewegte.
„Viveca, wach auf!“, rief sie, „Er ist gegangen, wir müssen hier raus!“
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HAHA! Ja, ich hab mich tatsächlich mal rangesetzt und ein Kapitel produziert. Das nächste ist sogar auch schon fast fertig (insgesamt sind es auch nur noch 2 oder 3 Stück, die kommen werden^^) #proud
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