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Millennium - Nur ein Anruf weniger

von Miss-i
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
Javier Esposito Kate Beckett OC (Own Character) Richard Castle
08.03.2016
06.08.2020
33
61.474
5
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Dieses Kapitel
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07.10.2016 1.967
 
Vergebung: Teil 2


Javier Esposito hasste Krankenhäuser. Die Nähe zum Tod war er gewohnt, doch die zum Sterben, Leiden und Kranksein nicht. Und besonders auf einer Krebsstation wie dieser waren die drei Aspekte besonders stark vertreten. Umso erleichterter war er, als sie das Zimmer von Kelly Adams erreicht hatten. Der halbe Weg war geschafft. Und Viveca hatte mit ihrem Grund, weshalb sie herkommen wollte, recht gehabt. Die Räumlichkeiten waren angenehm belüftet und nicht so heiß wie zum Beispiel die Klassenzimmer in einer Grundschule.

„Hallo Mrs. Adams“, Viveca stellte sich als erste vor, „Agent Inga Hansson, FBI. Das ist mein Kollege Javier Esposito vom NYPD.“ Die ehemals wahrscheinlich rotblonde Frau sah sie verwundert und überrascht an, fragte, was denn nur passiert war. Espo beobachtete seine Kollegin mit dem falschen Namen dabei wie sie sich eine rote Locke aus der Stirn strich, noch einmal durchatmete und der Krebspatientin dann die Hiobsbotschaft überbrachte.

Kelly Adams war nicht dazu fähig, zu antworten. Sie weinte und konnte sich einfach nicht beruhigen. Auch ihr Lebensgefährte Luke Jefferson schaffte es nicht und so entstand eine lange Phase des Nichts-tuns. Schließlich räusperte Kelly sich und sah die Besucher an.

„Wie?“
„Föhn in der Badewanne“, Espo stand direkt neben der Schwedin und trotzdem hatte er sie fast nicht gehört, so leise sprach sie. Kelly nickte.
„Okay. Letzte Nacht?“

„Wir gehen davon aus. Mrs. Adams…“, auch er meldete sich nun zu Wort und kam einen Schritt näher.
„Ms. Ich bin geschieden.“
„Ms. Adams… gab es irgendjemanden, der Brian oder Ihnen schaden wollte?“

„Das kann ich mir nicht vorstellen. Uns kann man nicht noch mehr schaden, als es der Krebs schon tut.“
„Wenn ich fragen darf… welche Art von Krebs… haben Sie?“, vorsichtig sah Espo erst Kelly, dann Luke an. Letzterer warf ihm einen finsteren Blick zu.

„Leukämie, genau wie Brian. Man konnte uns nicht mehr helfen. Brian bekam zwar eine Knochenmarkspende von seinem Vater, aber ich… sie sagen, ich hätte noch zwei Wochen. Die Medikamente schlagen nicht mehr an.“

„Dürfte ich einen Moment mit Ihnen unter vier Augen reden?“, fragte Viveca. Kelly nickte und Espo bedeutete Luke Jefferson, ihm aus dem Raum zu folgen.
„Ms. Adams… sie erinnern sich sicher an Xenon“, sofort saß die angesprochene Aufrecht in den Laken.

„Erwähnen Sie diesen Namen nicht, sie wissen nicht, wovon sie da reden!“
„Sie haben ja keine Ahnung…“, Kelly konnte es bei dieser Lautstärke natürlich nicht gehört haben.
„Was ist mit diesem Mann?“, ihr Gegenüber erfüllte nur ihren Job, Kelly sollte sich also etwas zurückhalten. Gegen die Tränen kam sie allerdings immer noch nicht an.

„Ich weiß, was er ihnen angetan hat. Es ist fünfzehn Jahre her, nicht wahr? Sie waren die Erste, man hielt es für einen Einzelfall. Welche Foltermethode hat er bei Ihnen angewandt?“
„Er hat mit einer Waffe auf mich geschossen. Aus immer größerer Entfernung“, das leichte Zittern und der durchkommende Akzent in der Stimme der Rothaarigen ließ sie Vertrauen fassen.

„Weiß sonst noch jemand von… ihm?“
„Nein. Nur mein Ex. Brian durfte ich damit nicht belasten und Luke… nein. Um ehrlich zu sein, bin ich nur mit ihm zusammen, damit Brian jemanden nach meinem Tod hat. Aber jetzt…“, sie unterbrach sich selbst und unterdrückte erneut aufkommende Schluchzer.
„Okay. Danke, das war’s erstmal. Mein Beileid.“ Kelly nickte.


„Du und die Gerichtsmedizinerin…“, fing Viveca an, als Luke Jefferson wieder zu seiner Freundin ins Zimmer gegangen war und neben Espo auf dem Gang stand.
„Lanie?“
„Ja, genau. Was läuft da?“

„Wieso fragst du?“, verwirrt sah er sie an und lief fast gegen eine Wagen mit Medikamenten, dem er im letzten Moment noch ausweichen konnte.
„Ich weiß gerne, wen ich um mich habe. Und ihrem Blick nach, ist das was.“
„Es ist kompliziert“, gab er zu und bog neben ihr um die nächste Ecke.

„Ist es das nicht immer? Aber im Ernst: Ihr solltet klären, was auch immer es zu klären gibt. Wenn sie schon versucht, mich mit ihrem bloßen Blick zu erdolchen, dann ist da eine Menge Unausgesprochenes im Raum. Und hör auf, mich anzusehen, als gäbe es nichts Anderes. Ich weiß ja, dass ich grandios aussehe, aber man muss es mir nicht ständig zeigen.“

„Ich sehe dich bestimmt nicht auf diese Weise an“, sie sog erschrocken die Luft ein und drückte sich an die Wand, weg vom nächsten Flur, „Was ist?“
„Familie auf zwei Uhr“, gab sie leise zurück und Detective Esposito schielte um die Ecke.
„Deine Mutter?“

„Und Schwester. Verdammt“, sie löste sich von der Wand und setzte sich auf einen der leeren Wartestühle, die Ellbogen auf die Knie und den Kopf in die Hände gestützt. Er sah sich kurz um, dann setzte er sich zögerlich neben sie.
„Bei meiner Schwester wurde damals ein Tumor an der rechten Niere entdeckt. Nach mehr als einem Jahr hat sie den Kampf gewonnen und es kam auch nicht mehr zurück. Jetzt wahrscheinlich doch“, antwortete sie auf seine unausgesprochene Frage.

„Wieso ist sie wieder in den Staaten? Sie war bis vor kurzem noch in Schweden, dachte ich.“
„Soweit ich weiß war das auch so. Bis zur Beerdigung meines Onkels und dem Gerücht, dass ich noch lebe“, sie raufte sich die Haare.
„Wirst du jetzt weinen?“

„Nein. Habe ich mir abgewöhnt.“ Es herrschte eine seltsame Stille, für mindestens eine Minute.
„Du wärst gerne bei ihr?“, fragte er dann und sah sie von der Seite an. Die roten Haare der Perücke bildeten eine Art Vorhang vor ihrem Gesicht.
„Natürlich wäre ich das. Immer wenn ich im Krankenhaus war und aufgewacht bin, war jemand aus meiner Familie da und das kann Hjördis jetzt nicht zurückgeben.“

„Kam das oft vor?“
„Na ja, Blinddarm. Und eine Schussverletzung“, sie strich sich die Haare aus dem Nacken und drehte sich so, dass er die große Narbe an ihrem Hals sehen konnte.
„Was ist da passiert?“, ihm war der Schock ins Gesicht geschrieben. Dass sie eine Verletzung wie diese überhaupt überlebt hatte, grenzte an ein Wunder.

„Einer meiner ersten Einsätze bei einer Razzia. Wir glaubten, die Oberhand zu haben, doch man lockte unsere Truppe in einen Hinterhalt. Eine Kugel traf mich direkt oberhalb der Schusssicheren Weste. Ich hatte nicht einmal Zeit, etwas zu spüren, so schnell wurde alles schwarz. Als ich nach mehreren Wochen aufgewacht bin, saßen meine Eltern und meine Schwester neben mir im Raum. Es war so knapp gewesen. Fast wäre meine Luftröhre betroffen gewesen und dann würde ich jetzt nicht hier sitzen. Ich habe meinen Großvater getroffen. Er starb, als ich fünf war. Er sagte mir, dass meine Zeit noch nicht gekommen war und… und dass ich weiterkämpfen musste… er wusste von allem. Und er war mir nicht böse… er wollte, dass… dass ich für die da bin, die ich… liebe. Und immer wieder versage ich aufs Neue. Warum?“, sie sah in seine Richtung. Ihre Augen passten zur tränenerstickten Stimme, die sich immer wieder selbst unterbrach.

Ja, warum? Eine gute Frage, von der er die Antwort nicht wusste. Er wusste ja nicht einmal, was sie mit <allem> meinte.
„Du versagst nicht. Jeden Tag machst du die Welt ein Stück besser.“
„Ach ja? Und weshalb läuft Xenon dann noch immer frei rum?“, zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit sah sie ihn direkt an.

„Eine Person alleine kann das nicht schaffen. Lass dir dabei helfen“, er legte eine Hand auf ihre rechte Schulter und sie sprang förmlich auf.
„Dann lass uns keine Zeit verschwenden. Ich muss nur noch einmal mit meinen Kollegen telefonieren.“ Er nickte zustimmend.


Währenddessen schlugen sich Beckett und Castle durch die Gänge der Grundschule, die Brian bis her besucht hatte und bald verlassen hätte.
„Langsam bezweifle ich, dass ich das hier in ein paar Jahren überleben werde“, Kate schaffte es im letzten Moment, einer Horde Drittklässler auszuweichen, die durch den Gang in die Pause rannten.

„Du hast es damals doch auch überlebt“, erwiderte Castle nur und deutete auf die Tür des Direktorats.
„Ja, aber da war ich diejenige, die durch die Gänge gerannt ist“, sie klopfte an und ein <herein> ertönte. Die beiden traten ein und fanden Principal Perkins hinter seinem Schreibtisch sitzend vor.

„Principal Perkins, ich bin Detective Kate Beckett, das ist Richard Castle. Wir ermitteln im Mordfall Brian Adams.“
„Brian ist tot?“, er machte eine kurze Pause, „Wie kann ich ihnen helfen?“
„Wir möchten mit seinen Lehrern und Klassenkameraden reden. Ist denn noch niemandem aufgefallen, dass er heute nicht da ist?“

„Das passiert öfter, wegen seiner Krankheit“, ächzend erhob er sich und kam um den Tisch herum, „Folgen Sie mir doch bitte. Die Klasse müsste gerade Englischunterricht haben. Aber bitte… gehen Sie behutsam mit den Kindern um. Sie wissen zwar, wie schlecht es Brian manchmal ging, aber dass er so schnell von uns gehen würde…“
„Klar“, unterbrach Castle ihn. Perkins nickte und führte sie zur Klasse. Neugierig musterten viele Paare Kinderaugen die Unbekannten und Perkins, der nun leise einige Worte mit dem Lehrer wechselte, um ihn über die Situation aufzuklären. Dieser wurde direkt etwas blasser, als er es sowieso schon war. Dann verabschiedete Perkins sich.

„Kinder, diese beiden Herrschaften möchten euch gerne ein paar Fragen stellen, und ich möchte euch bitten, sie ehrlich zu beantworten“, der junge Mann – vielleicht Referendar – stellte sich noch als Mr. Morris vor, dann wandte sich Beckett an die Gruppe.

„Hey, ich heiße Kate und das ist Rick. Wir möchten gerne etwas mehr über Brian, euren Mitschüler erfahren“, begann sie und bemühte sich, zu lächeln.
„Hatte er irgendwelchen Ärger? Mit einem von euch, in der Familie, mit den Lehrern?“, fügte Rick hinzu und sah gespannt in die Runde. In der letzten Reihe hob ein Mädchen zaghaft die Hand und wurde aufgerufen.

„Was ist denn mit Brian?“, Kate schluckte. Was sollte sie den Kindern denn jetzt sagen? Dass ihr Mitschüler ermordet wurde?
„Arianna, wenn du etwas weißt, dann antworte doch bitte einfach auf die Frage, ja?“, Mr. Morris schien die Kinder gut unter Kontrolle zu haben, denn Arianna nickte nur und fing dann an, zu erzählen.

„Bei uns gab es keinen Ärger mit Brian.“
„Genau!“, rief ein Junge von der Fensterfront dazwischen, „Er ist ja krank und da muss man doch nett zu ihm sein.“
„Unterbrich mich nicht, Max!“, zischte Arianna aufgebracht, strich sich die blonden Haare aus dem Gesicht und wandte sich wieder den Erwachsenen zu, „Brian ist ein netter Typ. Unscheinbar und so, aber nett, halt. Aber zuhause gab’s wohl mal Ärger wegen irgendwas.“

„Sein neuer Dad! Der versteht sich nicht gut mit ihm, aber seine Mum ist voll korrekt“, ergänzte Max und sah die Unbekannten dann erwartungsvoll an.
„Das können Sie Max glauben, er und Brian sind seit Ewigkeiten Freunde“, pflichtete ihm ein anderer Junge bei.

„Danke. Wann habt ihr denn das letzte Mal mit Brian geredet?“, fragte Castle und sah sich das Skelett im vorderen Bereich des Raumes genauer an. Kate betete, dass er es nicht anfassen würde.
„Gestern Mittag, bei Schulschluss“, meldete sich Arianna wieder zu Wort. Kate nickte den Kindern lächelnd zu.

„Das war’s auch schon. Wenn euch noch etwas einfällt, sagt ihr es bitte eurem Lehrer, ja?“, eifriges Nicken ging durch die Reihen, dann verabschiedeten Rick und Kate sich und verließen die Schule.
„Reden wir nicht noch mit den Lehrern?“, fragte Castle verwirrt, als sie ins Auto stieg.

„Nein. Kindermund tut Wahrheit kund, bessere Informationsquellen können wir gar nicht bekommen.“
„Du hast das übrigens ganz toll gemacht.“
„Findest du?“
„Ja.“
„Danke“, sie startete den Wagen und reihte sich in den Verkehr in Richtung Revier ein.
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Ja, ich weiß... ich habe mir so viel Zeit gelassen :( Und es tut mir auch schrecklich leid! Aber: Kein Bock mehr auf den Fall xD Der wird nächstes Mal auch abgeschlossen... puh. Wer mehr Ausreden will, kann sich melden :D
Aber okay. Heute bin ich blond. Na ja, so halb. Strähnchen halt^^ Und ich bin alt, seit 5 Tagen schon :) Ich hoffe ja, dass noch jemand dabei ist, der mir eine kleine Rückmeldung da lässt?
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