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Millennium - Nur ein Anruf weniger

von Miss-i
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
Javier Esposito Kate Beckett OC (Own Character) Richard Castle
08.03.2016
06.08.2020
33
61.474
5
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Dieses Kapitel
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11.07.2016 1.962
 
Vergebung: Teil 1


„Hör auf, ich werde langsam fett“, lachend schob Kate den vollen Teller von sich, den Rick ihr vor die Nase gestellt hatte.
„Ach was… du musst doch was essen!“, erwiderte er nur schmunzelnd.
„Habe ich schon. Und wenn du so weitermachst, dauert es nicht mehr ein paar Monate, bis ich eine Kugel schiebe. Das ist dann schon in ein paar Wochen soweit.“

Drauf wusste er keine wirkliche Antwort, also ging er einfach um den Tisch herum und küsste sie, während er eine Hand auf ihren Bauch legte.
„Wann willst du eigentlich mit Gates reden?“, fragte er.
„Ich weiß nicht. Bald? Sobald wir Xenon haben.“

„Aber das kann noch dauern. Er ist clever. Was denkst du, wo er sich gerade aufhält?“
„Ich weiß es nicht. An seiner Stelle hätte ich so schnell wie möglich die Stadt und vielleicht sogar das Land verlassen.“
„Das kann sein. Aber dann kommt er so schnell auch nicht wieder. Versprich mir, mit dem Captain zu reden. Ich finde es nicht gut, wenn du in Gesellschaft von Menschen bist, die mit Schusswaffen herumfuchteln.“

„Keine Sorge, mir wird schon nichts passieren.“
„Du kennst das doch aus den Filmen. Wenn jemand sowas hört, geht im nächsten Moment eine Bombe hoch oder die Person wird erschossen. Beides davon würde mir nicht gefallen.“ Kate kam nicht umhin, zu schmunzeln und erhob sich.
„Wir müssten uns auch bald einen Namen überlegen“, sie wechselte das Thema und sah in Ricks flehende Augen. Sie wusste genauso gut wie er, dass das Thema zu Streit führen würde.

„Wir haben doch noch fast ein halbes Jahr Zeit“, versuchte er abzulenken. Ohne Erfolg.
„Trotzdem. Man muss doch nicht immer ewig warten“, er schien immer noch nicht überzeugt, „Wir können ja mit dem Nachnamen anfangen.“
„Na gut“, in der Hoffnung, sie würde mit dem Thema aufhören, stimmte er schließlich zu und schloss die Tür hinter ihnen ab. Außerdem hoffte er auf einen neuen Fall. Seit Wochen gab es nichts mehr zu tun – von der Schreibtischarbeit einmal abgesehen. Das führte dazu, dass die Laune der Detectives täglich sank, während die Temperaturen erbarmungslos das Thermometer hinaufkletterten.

„Also, deiner oder meiner?“, fragte Kate und startete den Motor, als sie beide ins Auto eingestiegen waren. Sie hatte bei der Hochzeit nicht seinen Namen angenommen, schließlich war sie eine der letzten Becketts.
„Deiner. Es ist zwar kaum möglich, aber so wird die Presse vielleicht weniger auf ihn aufmerksam.“
„Guter Einwand.“

Rick grinste vor sich hin. Das war ja noch relativ schnell von statten gegangen.
„Irgendwelche Vorschläge?“, verwirrt sah er auf.
„Hm?“, machte er. Er war vollkommen in seinen Gedanken versunken, er hatte gar nicht mitbekommen, was Kate gesagt hatte.
„Ich hatte nach dem Vornamen gefragt. Ob du irgendwelche Vorschläge hast. Und nein, Cosmo ist keine Option.“

„Dann nicht. Hast du eine Idee?“
„Ja.“
„Nämlich?“
„Hunter. Nach Jackson Hunt, deinem vermeintlichen Vater“, erwiderte sie schmunzelnd und parkte in eine der Lücken vor dem Revier ein.
„Würden wir nicht in einem Auto sitzen, würde ich dir jetzt um den Hals fallen. Die Idee ist toll“, sie sah zu ihm hinüber und seine Mimik sagte genau das Gleiche. Auch sie konnte sich ein breites Lächeln nicht verkneifen.


„Lebt sie noch?“, fragte Castle belustigt, als sie den Hauptraum des 12. Reviers betraten. Esposito saß an seinem Computer und schlug eifrig auf seine Tastatur ein, während Viveca halb auf ihrem Schreibtisch lag. Als Espo seine Kollegen bemerkte, sah er auf und musste sich ein Lachen verkneifen.

„Ich glaube schon. Aber ihren Aussagen der letzten halben Stunde zu folge, ist sie kurz davor, zu schmelzen und damit einen grausamen Hitze-Tod zu sterben.“
„Das ist nicht witzig… mir sind manchmal 25 Grad schon zu warm“, gab Viveca nur nuschelnd zurück.

„Ich kann dich beruhigen, wir haben die 32 erreicht und die Klimaanlage ist mal wieder kaputt“, sofort nach dem ersten Klingeln riss Espo den Telefonhörer aus der Halterung. Gab es endlich einen neuen Fall?
„Danke, wir sind unterwegs“, er legte auf, „Sorry Beckett, unser Fall.“

„Wie kommst du denn darauf? Wir kommen auch mit“, sie streckte die Hand nach ihm aus, „Adresse?“
„Komm mit, zerflossenes Etwas“, er stand auf und schlug der Schwedin leicht auf die Schulter, dann übergab er Beckett die Adresse. Sie ging zu ihrem Schreibtisch und legte ihre Waffe an.
„Ich glaube, ich klebe fest“, erwiderte Viveca nur und schaffte es schließlich doch, sich aufzuraffen und nach der roten Perücke zu greifen.

„Oh Gott, wie siehst du denn aus? Du bist so rot wie deine Fake-Haare.“
„So geht’s mir auch. Du als verdammter Südländer kannst das vielleicht ab, aber ich geh langsam ein.“
„Nimm doch einfach diese Armstulpen-Dinger ab! Die sind doch unvorteilhaft bei dem Wetter“, er deutete auf die gelben Stoffstücke, die sie heute trug. Gelb war auch was Neues.

„Die gehören eben zu mir“, gab sie mürrisch zurück und stieg in den Aufzug, er folgte. Was hatte er denn jetzt wieder falsch gemacht, dass ihre Stimmung so schnell umschlug? Seit zwei ein halb Wochen passte er genauestens auf, was er von sich gab und glücklicher Weise lief die Zusammenarbeit unbeeinflusst, gut und entspannt. Erinnern konnte er sich allerdings immer noch nicht an diesen einen bestimmten Abend.

„Ich hab‘ es gut gemeint“, brach er die Stille und sie schnaubte.
„Ist ja gut…“
Ihm riss nun endgültig der Geduldsfaden. „Was ist denn so besonders an diesen Dingern?“, er packte den oberen Rand des einen Stoffes und riss ihn ihr übers Handgelenk. Erschrocken wich sie zurück, während er wie in einer Art Trance auf die vielen Narben an ihren Unterarmen starrte. Sie schluckte und bedeckte die blasse Haut wieder.

„Sag nichts“, sie würdigte ihn keines Blickes. Er hielt sich wenige Sekunden daran.
„Wann ist das passiert?“, fragte er leise und hielt ihr den Stoff hin, den sie zögerlich ergriff und sich über den Arm stülpte.
„Vor zehn Jahren. Ich war jemand anderes“, der Aufzug hielt im Erdgeschoss und sie stieg aus, er folgte ihr auf Schritt und Tritt.

„Warum hast du dich geritzt? Dein Leben muss doch mehr als perfekt gewesen sein.“ Sie drehte sich ruckartig zu ihm um, sodass er fast in sie reinlief.
„Du hast keine Ahnung. Meine kaputte Familie und mein kaputtes Leben, es war damals schon fast so schlimm wie heute, also lass mich mit dem Mist von damals in Ruhe“, zischte sie und drehte sich dann wieder um.

„Moment mal! Deine kaputte Familie? Ihr hattet genug Geld, um gut über die Runden zu kommen. Bei euch konnte nicht nur einer eine Ausbildung machen, der sich dafür zu schade war und es vergeigt hat. Oder? Ihr ward immerhin eine ganze Familie“, am Schluss wurde er etwas leiser, um einem gegenseitigen Anschreien zu entgehen.

Seine Partnerin stieg einfach ins Auto und knallte die Tür zu, also blieb ihm nichts Anderes übrig, als ebenfalls einzusteigen. Schnell startete er den Wagen.
„Tut mir leid“, sagte sie nach der ersten Kurve leise.
„Mir auch“, sie drehte sich zu ihm.

„Kommt das nur mir so vor oder agieren wir wie ein altes Ehepaar?“
„Na ja, wir hatten schon Sex miteinander also…“
„Ist das jetzt deine Grunderklärung für alles?“
„Könnte man so sagen.“
„Du bist wirklich unmöglich“, schmunzelte sie, dann wurde sie wieder ernst, „Zurück zum Fall. Wissen wir schon ungefähr, was passiert ist?“
„Verdacht auf Selbstmord, genaueres wurde mir noch nicht gesagt.“ Sie nickte, den Rest der Fahrt verbrachten sie schweigend.


Kate staunte nicht schlecht, als sie und Castle die Villa erreichten, in der das Mordopfer sich befinden würde.
„Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und sage, dass das Motiv Gier war. Erbschaftsstreit“, gab Rick von sich, als sie durch das monochrome Wohnzimmer gingen und Espo begegneten, der sie auch gleich in Empfang nahm.

„Unser Opfer heißt Brian Adams“, er war leicht blass, genoss aber sichtlich die klimatisierten Räume.
„Summer of ’69?“, fragte Castle und folgte zusammen mit Kate Espo die Treppe hinauf.
„Nein. Er ist 8.“
„Ein Kind?“, entsetzt griff Kate nach dem Treppengeländer.

„Ja“, Espo schluckte, als sie im Bad ankamen, in welchem Viveca schon mit Lanie stand und die mit Wasser gefüllte Badewanne betrachtete.
„Oh Gott. Wollte er sich selbst töten?“, fragte Castle und deutete auf den Föhn, der im Wasser neben dem dünnen Körper schwamm.
„Ich denke nicht“, Viveca musste sich erst räuspern, bevor sie weitersprach, „Hier ist irgendwas faul. Welcher Neunjährige will sich das Leben nehmen?“

„Vielleicht war es ein Unfall.“
„Unwahrscheinlich. Außerdem: Wieso sollte er hier einen Föhn geben?“, sie deutete auf den Föhn und dann auf die Glatze des Jungen. Kate hockte sich neben die Wanne.
„Die Haare sind ausgefallen. Die Rippen scheinen durch und er sieht müde aus. Krebs?“

„Ja, ich denke schon. Seine Mutter… Kelly Adams“, sofort sprang Kate auf.
„Die Kelly Adams?“
„Ja“, die Schwedin wandte den Blick ab.
„Glaubst du, er war es?“
„Nein. Das ist nicht seine Art.“

„Wer war was?“, fragte Esposito verwirrt nach.
„Xenon. Entschuldigt mich“, Viveca verließ den Raum, um zu telefonieren.
„Beckett, woher weißt du von Kelly?“, wandte der Detective sich nun an seine andere Kollegin. Diese zögerte mit der Antwort.

„Ich habe die Akte gesehen und sie war auch eins von Xenons opfern“, erwiderte sie dann leise, woraufhin sie einen mitleidigen Wir-reden-später-Blick von Lanie bekam.
„Und er könnte es nicht gewesen sein?“, fragte Castle.
„Ich geh mal die Spezialistin fragen“, damit verabschiedete sich Espo und verließ ebenfalls den Raum.

„Kate, wenn dir das hier alles zu viel wird, dann rede mit dem Captain und-“, Kate ließ ihre Freundin nicht ausreden.
„Ja, ich weiß. Aber es geht mir wirklich gut. Macht euch keine Sorgen. Wer hat ihn gefunden?“

„Die Haushälterin. Seine Mutter musste gestern Abend ins Krankenhaus, weil ihr Zustand sie sehr verschlechtert hatte. Da war er wohl schon im Bett und hat geschlafen. Heute Morgen kam sie hier an und wollte ihn wecken, er hat nicht mehr geschlafen, also hat sie ihn gesucht.“
„Wo ist sie jetzt?“
„Ich glaube im Kinderzimmer. Sie weint sehr viel und wir haben sie nur mit Mühe hier rausgekriegt.“
„Danke“, und schon war Lanie wieder alleine im Raum und widmete sich dem Jungen.


Als Esposito das Wohnzimmer erreichte, telefonierte Viveca immer noch. Er wollte nicht lauschen, das gehörte sich nicht. Aber er konnte ja nichts dafür, dass er zufällig mithörte.
„Nein, ich versichere dir, dass ich nichts damit zu tun habe… Heather, ich hatte seit fast zehn Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr!... Ja… Nein, halte mich da bitte raus… Danke… Bis dann“, sie legte auf und drehte sich zu ihm um. Dann erstarrte sie.

„Wie viel hast du gehört?“, fragte sie vorsichtig.
„Nicht viel. Zu wem hattest du keinen Kontakt mehr?“
„Wie gesagt, lass mich mit dem Mist von damals in Ruhe“, er nickte.
„Hast du geweint?“
„Nein“, eine glatte Lüge, aber er beließ es dabei. Vorerst.
Castle und Beckett stießen wieder zu ihnen.

„Rosie, die Haushälterin hat ihn heute Morgen gefunden und sofort die Polizei gerufen. Es war bis auf den Jungen niemand im Haus, seine Eltern haben sich vor ein paar Jahren scheiden lassen. Sein Vater ist irgendwo in Europa und seine Mutter hat die letzte Nacht im Krankenhaus verbracht. Die Chemo schlägt nicht mehr an“, berichtete Kate und musterte ihre Kollegen. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass irgendetwas vorgefallen war. Allerdings konnte es auch nur der Fall sein, der für eine bedrückte Stimmung sorgte. „Wer redet mit seiner Mutter?“

„Ich mach das“, Viveca meldete sich sofort freiwillig.
„Gut, wir fahren in Brians Schule und reden mal mit den Lehrern, ob es an der Front etwas Unauffälliges gab“, damit gingen die Ermittler auseinander, in der Hoffnung, diesen Fall so schnell wie möglich abzuschließen.
_________

Nein, ich orientiere mich nicht an den Kindern aus Crossfire. Das würde meine ganze Planung durcheinander bringen ;)
Die nächsten zwei Wochen bin ich weg, also genießt das Kapitel und lasst mir doch ein kleines Review da^^
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