Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Millennium - Nur ein Anruf weniger

von Miss-i
GeschichteDrama, Krimi / P16 / Gen
Javier Esposito Kate Beckett OC (Own Character) Richard Castle
08.03.2016
06.08.2020
33
61.474
5
Alle Kapitel
79 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
17.04.2016 2.106
 
Verdammnis: Teil 1


Kate schlug die Augen auf. Sie lag auf einem Bett, allein. War sie wieder in dem Keller? Ruckartig richtete sie sich auf und erkannte das Schlafzimmer im Loft. Keine gute Idee, wie sie feststellen musste. Sie schwang die Beine über die Bettkante und begab sich so schnell sie konnte ins Bad, in welchem sie sich über die Kloschüssel beugte. Mit einer Hand hielt sie sich an dem Porzellan fest, mit der anderen hielt sie sich die Haare zurück.

Sie keuchte und ließ sich auf dem Boden nieder. Für einen Moment verharrte sie, dann hörte sie ein Geräusch. Sie erstarrte und sah sich um. Im Bad war niemand außer ihr. Sie erhob sich und schlich vorsichtig zur Tür.

Auch das Schlafzimmer war leer. Sie ging zu ihrem Nachttisch und griff nach ihrer Waffe, welche sie entsicherte. Mit der Waffe im Anschlag ging sie in Richtung Arbeitszimmer und steckte den Kopf durch die Tür um sich aufmerksam umzusehen. Keiner da. Sie ließ ihre Waffe sinken und zog sich langsam zurück.

Wieder ein Geräusch – ein Klappern. Sie richtete ihre Waffe auf die Tür zum Wohnzimmer und öffnete diese. Schnell versteckte sie die Waffe hinter ihrem Rücken, sicherte sie und warf sie blind nach hinten. Durch den geräuschvollen Aufprall sah Castle auf und lächelte sie an.

„Guten Morgen. Habe ich dich geweckt?“, fragte er und wandte sich wieder der Pfanne auf dem Herd zu.
„Morgen. Nein, ich bin auch so wach geworden“, ohne große Umschweife und ohne den Blick schweifen zu lassen ging sie lächelnd zu ihm hinüber und legte von hinten die Arme um seinen Körper.

„Wie geht’s dem Bauch?“, fragte er grinsend.
„Dem geht es super. Nur die Person, der der Bauch gehört, hat Hunger“, erwiderte sie und warf einen Blick in die Pfanne. Pancakes.
„Dagegen lässt sich was machen. Dein Retter ist schon dabei, dir zu helfen“.
„Da bin ich aber froh“, schmunzelnd ließ sie von ihm ab und setzte sich an den Tresen.

Ein Klicken im Türschloss ertönte, während Rick ihr einen Teller hinstellte.
„Das wird Mutter sein“, murmelte er und stellte sich wieder an den Herd.
„Kein Wort zu ihr, bitte“, bat sie ihn, woraufhin sie einen verwirrten Blick erntete. Im nächsten Moment ging die Tür auf und Martha betrat das Loft. Sie warf die Hände erleichtert in die Luft.

„Oh, Gott sei Dank. Katherine, dir geht es gut. Richard, du hättest mich auch einfach anrufen können, anstatt mir eine Nachricht zu schicken“, sie kam zu den beiden hinüber und legte Kate eine Hand auf die Schulter.
„Ich dachte, ich störe dich lieber nicht bei der Probe, Mutter. Außerdem war gestern alles etwas hektisch, da hatte ich einfach keine Zeit dafür“, entschuldigte er sein Verhalten und schob auch ihr einige Pancakes unter die Nase.

„Entschuldigung angenommen“, lachte Martha und setzte sich, um sich über ihr Frühstück herzumachen. Noch bevor sie zu essen begann, fragte sie an Kate gerichtet: „Wie geht es dir?“.
Diese schaute nervös auf. „Gut, wirklich. Es ist ja nichts passiert. Ich möchte nur noch Xenon hinter Gitter bringen und diese Frau finden, aber das wird sich geben“, antwortete sie ausführlich.

Rick schaltete den Herd aus und kam mit zwei Tassen Kaffee zu ihnen herum. Er stellte sie ab, kam dann mit seiner eigenen zurück und stellte sich neben seine Frau.

„Das kann ich verstehen. Ach übrigens, wir haben in ein paar Tagen Premiere, falls ihr Interesse habt…“, die rothaarige Schauspielerin versuchte, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken. Denn obwohl Kate unentwegt lächelte, erreichte es nie ihre Augen. Im Gegenteil. Martha erkannte Angst und Sorge darin, sobald das Thema auf die Entführung gelenkt wurde.

„Das ist eine klasse Idee, Mutter. Allerdings nur, solange ihr nicht wieder einen Mord inszeniert“, amüsiert nippte Castle an seinem Kaffee. Es war zwar das beste Geburtstagsgeschenk gewesen, das man ihm hätte machen können, aber noch einmal so reingelegt zu werden, darauf konnte er beim besten Willen verzichten.

„Keine Angst, wir spielen den Sommernachtstraum. Obwohl das mit dem Mord eine gute Idee wäre… merke ich mir für die Zukunft. Was habt ihr für Pläne für heute? Katherine, du gehst doch nicht etwa schon wieder arbeiten, oder?“.

„Nein, Captain Gates hat ihr heute frei gegeben. Ich habe heute Morgen etwas herumtelefoniert und wir haben einen Termin beim Arzt bekommen“, er legte einen Arm um Kate, welche erschrocken u ihm aufsah.

„Arzt? Ist doch etwas passiert?“, fragte seine Mutter besorgt.
„Nein, also doch… äh, ich meine, nur zur Vorsorge… lieber einmal zu viel zum Arzt gehen, als einmal zu wenig“, Kates Todesblick ließ von ihm ab. Sie stand auf und brachte ihren leeren Teller zur Spüle. Gerade noch hatte er die Kurve gekriegt. Sein Glück.

„Na das kann ich verstehen“, auch Martha erhob sich um aufzuräumen.
Die Tür zum Loft ging auf. Vor Schreck wirbelte Kate herum und trat einen Schritt zurück, woraufhin ihr Rücken gegen Ricks Brust prallte. Er legte seine Arme um sie und seinen Kopf vorsichtig auf ihren. Als Kate sah, dass es nur Alexis war, die das Loft betreten hatte, entspannte sie sich wieder etwas.

„Kate! Du bist wieder da“, das Mädchen kam auf sie zu und umarmte sie, was gar nicht so leicht war, da Kate nun zwischen zwei Castles war, die sie umarmten. Würde Martha nun auch noch hinzukommen, könnte man gut und gerne von einem Gruppenkuscheln reden.

Alexis löste sich schließlich aus der Umarmung und sah sie lächelnd an.
„Ich hätte es dir nie verziehen, wenn du nicht zurückgekommen wärst“, meinte sie gespielt ernst. Das entlockte Kate ein kleines Lachen.

„Na da bin ich ja froh, dass ich wieder hier bin“, und das stimmte sogar. So froh, diese Menschen in ihrer Nähe zu haben, war sie noch nie zuvor gewesen. Trotzdem dachte sie an den Moment, als Alexis hereingekommen war oder vorhin, als sie Rick in der Küche hantieren gehört hatte.

„Ich bin gleich wieder da“, sie schüttelte die Arme ihres Mannes ab und ging ins Schlafzimmer, um zu telefonieren.


Am Nachmittag hatten Ryan und Esposito Bill Elbers, Viveca Olofssons Exfreund, auf dem Revier und befragten ihn. Sie hatten stundenlang auf einen Hinweis zu Xenon oder der Frau gewartet, doch schließlich hatte Captain Gates sie wieder mit dem Olofsson-Mord beauftragt, schließlich musste es auch an dieser Front weitergehen.

„Mr. Elbers, wann hatten Sie das letzte Mal Kontakt zu Viveca Olofsson?“, fragte Ryan als Einstieg in das Gespräch. Bill verzog das Gesicht.

„Vor fast drei Wochen. Es… war wunderschön. Und furchtbar“, er machte eine kurze Pause und sah nervös von einem Detective zum anderen, „Muss ich… wirklich alles erzählen?“.
„Ja. Solange es nicht zu detailreich wird“, antwortete Esposito und lehnte sich nach vorne. Sie hatten sich nicht in den Verhörraum gesetzt.

„Nun gut… also, wir waren am See im Centralpark. Wir waren nun schon fast zehn Jahre zusammen und ich… ich wollte ihr einen Antrag machen. Wissen Sie, wenn sich eine Beziehung seit dem College – und das manchmal sogar als Fernbeziehung – hält, dann weiß man, dass diese Person die Richtige ist, um den Rest seines Lebens mit eben dieser zu verbringen. Und so habe ich mich mit Veca gefühlt. Nennen Sie mich einen hoffnungslosen Romantiker, aber so bin ich nunmal. Wir sind also nachts in den Park, zu dieser einen fetten Eiche, die in der Nähe des Sees steht und ich wollte gerade anfangen, da unterbrach sie mich. Sie meinte, sie müsse mit mir reden. Und dann sagte sie, dass es nicht mehr passte zwischen uns, dass wir getrennte Wege gehen sollten. Ich fragte sie warum, und sie meinte, ihr Job würde nichts Anderes erlauben und dann… ist sie einfach… weggegangen“, die letzten Worte waren kaum zu verstehen gewesen, da er von einer Welle aus Tränen überrollt wurde. Ryan und Espo warfen sich eindeutige Blicke zu und warteten, bis er sich wieder etwas gefangen hatte.

„Verzeihung“, murmelte er und fuhr sich durch das etwas längere, schwarze Haar.
„Kein Problem. Sagen sie eines, Mr. Elbers. Sie waren doch sicher wütend auf Viveca. Sie wollen sie an sich binden und sie stößt Sie von sich… da kann man schon mal ausrasten“, fing Espo wieder an.

„Viveca trennt sich nach einer langjährigen Beziehung von Ihnen und ein paar Tage später ist sie nicht mehr aufzufinden. Ein Zufall? Ich denke nicht“, führte Ryan die Ansätze seines Partners zu Ende aus.

„Nein… nein, ich habe nichts mehr mit ihr zu tun. Ich schwöre Ihnen, dass ich nichts mit ihrem Tod zu tun habe. Ich könnte Ihr nie wehtun“, wieder überströmten Tränen Bills Gesicht.
„Sie sagten, sie trennte sich von Ihnen wegen Ihres  Jobs, was hatte sie für einen Job? Laut unserer Akten über sie war sie arbeitslos“, Espo sah ein, dass es nichts brachte, ihn zu Vivecas Tod zu befragen. Er lachte kurz auf.

„Viveca? Arbeitslos? Guter Witz. Und weshalb steht das nicht in ihren Akten?“.
Die Tür flog auf und Gates kam herein.
„Entschuldigen Sie die Störung, aber auf einer Verkehrskamera wurde Becketts Retterin gesichtet“, informierte sie die beiden Detectives, die sofort aufsprangen, sich den Zettel aus Gates‘ Hand nahmen und das Revier verließen.

„Kann ich gehen?“, fragte Bill Elbers zögerlich.
„Äh… ja, ich denke schon. Halten Sie sich bitte für weitere Fragen bereit“. Bill nickte, stand dann auf und ging.


„Kate, jetzt erzähl mir endlich, wo du heute Vormittag warst“, es dämmerte bereits, als Castle  und Beckett wieder im Loft ankamen.
„Wieso willst du das unbedingt wissen?“, stellte sie die Gegenfrage.
„Weil du völlig fertig warst, als du los bist und relativ entspannt wieder zurückkamst“.

Kate atmete geräuschvoll aus. „Willst du damit andeuten, dass ich dich betrüge?“.
„Was? Nein, ich will nur wissen, wo du warst. Ich mache mir Sorgen, okay? Das letzte Mal, als ich nicht wusste, wo du warst, wurdest du gerade von einem durchgeknallten Irren gefoltert“.

„Genau deshalb war ich weg! Ich erkenne mich selbst nicht mehr“.
„Dann rede! Rede mit mir oder mit Lanie, mit deinem Dad. Kate, man hört dir doch zu!“.
„Deshalb war ich ja weg! Ich war bei Dr. Burke“, nun fing sie doch tatsächlich an zu heulen.

„Bei deinem Psychiater?“.
„Ja, bei meinem Psychiater“.
„Wieso hast du nichts gesagt?“, vorher war das Gespräch mehr ein gegenseitiges Anschreien gewesen, nun war es mehr ein Flüstern.
„Ich wollte nicht, dass du mich so siehst. So... ängstlich, so verletzt, so schwach. Ich habe mich bemüht, aber… immer wenn jemand hier reinkommt, denke ich, es wäre Xenon. Immer, wenn ich ein Geräusch höre, denke ich, er hätte es ausgelöst. Zum ersten Mal seit dem Schuss auf mich schlafe ich wieder mit meiner Waffe im Nachttisch. Und ich gebe es jetzt zu: ich habe Angst. So unendlich große Angst. Und ich weiß nicht, ob ich je wieder normal leben kann“, es fiel ihr schwer, darüber zu sprechen. Das war es auch schon heute Morgen, als sie bei Dr. Burke auf dem Sessel saß.

„Ich kann dir dabei doch helfen. Ich bin für dich da und helfe dir, wo ich nur kann“, er zog sie in eine Umarmung, „Tu mir das bitte nicht an. Verkriech dich nicht, versuch nicht, ganz allein damit klar zu kommen“, bat er und sie nickte gegen seine Schulter.

„Und ich habe noch eine Frage. Weshalb wolltest du meiner Mutter nichts sagen?“, fragte er nach einem Moment des Schweigens. Kate schob ihn auf Armeslänge von ihm weg.

„Sie hätten so viele Fragen gestellt, auf die wir keine Antworten hätten. Ich wollte nicht völlig unvorbereitet da auftauchen und mir erschien der Moment nicht sehr passend. Morgen aber gerne. Willst du, dass ich dabei bin?“.

Er verstand sie. Sehr gut sogar. An diese Seite des ganzen hatte er noch nicht gedacht. Allerdings war es ihm sehr schwer gefallen, seiner Familie gegenüber Stillschweigen zu bewahren.

„Das fragst du noch? Natürlich will ich das“, er lächelte sie an.
„Okay, denn… ich denke, es wäre besser, wenn ich mit meinem Dad allein darüber rede“, sein Lächeln erlosch.

„Versteh mich bitte nicht falsch… aber ich glaube, dass es für ihn einfacher wird, wenn nur ich da bin“, sie versuchte, es zu erklären, doch sie konnte es nicht, ohne den Mord an ihrer Mutter zu erwähnen. Das und die Tatsache, dass Jim sich überrannt fühlen würde, bewegten sie zu dieser Bitte.

„Ich versteh schon. Kein Problem, tu, was du für richtig hältst. Ich stehe dir dabei nicht im Weg“, nun lächelte er wieder.
„Danke“, sie meinte es ernst. Sie war ihm extrem dankbar.
_____

So, zum Wochenstart morgen ein neues Kapitel für euch, ich bin endlich mal wieder ausgeschlafen und mein Knie wurde besser, jetzt ist es wieder schlimmer, aber gut :) Ich danke wie immer für euer Feedback, besonders den Leuten, die sich regelmäßig melden ;) Vielleicht traut der Rest sich ja auch mal? :D (Keine Angst, ich beiße nur noch selten^^)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast