Per aspera ad astra

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
06.03.2016
06.03.2016
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Disclaimer: Satoshi Tajiri hat Pokémon erfunden, Game Freak die Spiele entwickelt – kurzum: Ich leihe nur aus, ich verdiene hiermit kein Geld, ergo gehört mir gar nichts. Lediglich die Idee zu dieser Story und natürlich auch deren Umsetzung ist meinem Hirn entsprungen. :)

Anmerkung:
Das hier ist ein Wettbewerbsbeitrag. Den Wettbewerb findet ihr hier. Wenn euch die Geschichte gefallen hat, so könnt ihr mir dies gerne zeigen, indem ihr mir zwischen dem 7.3. und dem 14.3.2016 (Anfang/Ende je 10:00) eine Empfehlung gebt, da über die Anzahl der Empfehlungen der Wettbewerb entschieden wird. ;-)

Titel: Per aspera ad astra
Inhalt: Champsein ist nicht einfach. Das muss auch Ash Ketchum aus Alabastia feststellen, der sich diesen Job eigentlich anders vorgestellt hat. Besonders, seit er immer häufiger mit Pikachu streitet und sich schließlich eine eisige Mauer der Missgunst zwischen ihnen ausbreitet, könnte er nicht unzufriedener sein. Und so fällt es ihm leicht, einen Wunsch zu formulieren, als er zufällig auf das legendäre Pokémon Ho-Oh trifft: Pikachu verstehen, ihre Freundschaft retten, zurück zu dem Punkt gehen, an dem sie die besten Kumpel waren. Dass er daraufhin kopfüber in das merkwürdigste Abenteuer stürzt, das er sich nur hätte vorstellen können, war allerdings nicht geplant gewesen... // Eine Geschichte über Freundschaft und den Mut, für sich selbst einstehen zu können.

Vorwort:
So, hier kommt wieder etwas zu Pokémon. Zwar richtet sich der Wettbewerb auf die Pokémonspiele, da es aber nicht verboten ist, die Animecharaktere zu verwenden, werdet ihr hier eine kurze, fünf Kapitel lange Story über Ash und Pikachu lesen. :-) Ich beziehe mich dabei auf Helges Ausspruch (Quelle: siehe oben genannter Link): „Es sollte bei den Geschichten also irgendwo um Pokémon gehen, die Abenteuer erleben. Es muss sich dabei nicht mal um die Pokémon handeln, die bei Pokémon Super Mystery Dungeon vorkommen. Das ist die ganze Einschränkung. Relativ harmlos, oder?“ – Also habe ich kurzerhand die Animecharaktere genommen und daher, wenn man es denn so nennen möchte, eine Art Crossover erstellt.
Wer darauf keine Lust hat und lieber eigen erdachte Charaktere und Pokémon lesen möchte, der kann sich unter den anderen Storys zu diesem Wettbewerb umschauen, denn dort finden sich eine ganze Menge davon. Wer den Anime jedoch genauso liebt wie ich und gerne Geschichten mit einem etwas... äh... reiferen Ash liest, der fühle sich bitte eingeladen, herabzuscrollen und gleich anzufangen, das erste Kapitel zu lesen.
Ich hoffe, euch gefällt die Geschichte, denn mir hat das Schreiben unheimlich viel Spaß gemacht! :-) Review sind gerne gesehen, besonders auch, wenn euch Fehler oder andere kritikwürdige Dinge aufgefallen sind, aber wie oben schon erwähnt würde ich mich hier auch besonders über Empfehlungen freuen.
Ach ja, zum Titel möchte ich noch sagen: Das ist Latein und heißt so ungefähr „durch/über das Raue/Beschwerliche zu den Sternen“. Ich finde, kein Spruch beschreibt Ashs Werdegang besser als dieser, weil er ja wirklich hart und vor allem lange dafür kämpft, Champion zu werden. In dieser Geschichte kämpft er bis zu seinem Glück sogar noch fünf Kapitel länger, aber da ich ein Fan von Happy Ends bin, wird er trotz allem asperum schlussendlich wohl doch noch seine astra erreichen. :)
Vielen Dank an meine Schwester fürs Betalesen!

Einen schönen Abend wünscht euch
  Kreuzspinne. =)



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Per aspera ad astra



Kapitel 1 – Traumjob



„Und ist das denn zu glauben! Dragoran liegt am Boden, der Schiedsrichter will noch keine Entscheidung fällen, aber – doch! Er hat die grüne Flagge erhoben! Liebe Einwohner von Kanto, dies ist das Ende eines spektakulären Kampfes und wir haben einen neuen Champion! Meine Damen und Herren, Siegfried ist geschlagen, begrüßen Sie mit mir –“

„– Ash Ketchum aus Alabastia, den Champion, den großartigen Trainer, die neue Hoffnung der Region, den Idioten, der sich das irgendwie anders vorgestellt hat...“, vollendete Ash sein Gedankenkino leise. Er war schlecht gelaunt und angesichts des großen Berges an Papier, der sich vor ihm auftürmte und nach seinen Unterschriften schrie, war dies auch keine Überraschung.

Seufzend stand er auf und streckte sich. Sein Blick fiel auf Pikachu, der auf einem mit Samt bezogenen Kissen in einer Ecke schlief und damit keine adäquate Ablenkung bot. Das kleine Elektropokémon zuckte im Schlaf und er hätte zu gerne gewusst, was es träumte.
Auch das Fenster seines Büros zeigte zwar einen wunderschönen Ausblick auf das Indigoplateau, aber nach so vielen Jahren war selbst dieser Anblick öde geworden.

„Mr Ketchum!“ Sein viel zu eifriger Sekretär hatte den Raum nach einem viel zu kurzen Klopfen und ohne auf Antwort zu warten betreten. „Hier sind noch einige Anfragen aus Prismania City bezüglich der Forschungsgelder für die Universität. Dann ist da noch ein Anliegen aus Fuchsania City und ein Bericht des Pokémonfischereiverbandes über eine Tentachaplage bei den Seeschauminseln, eine Beschwerde mehrerer Trainer über den Arenaleiter aus –“

„Jaja, leg es dazu, Freddie.“ Wenig begeistert deutete Ash auf seinen Schreibtisch.

„Aber... aber Champion...“ Freddie trat an den Schreibtisch heran und musterte den Stapel an Dokumenten. „Ihr müsst etwas rascher arbeiten, wenn Ihr jemals fertig werden wollt.“

Ich will aber keine Büroarbeit machen! Ich will trainieren, andere Trainer herausfordern, besser werden, an Gluraks Geschwindigkeit arbeiten, die Treffsicherheit von Impergators Hydropumpe erhöhen, ich will hier endlich raus!, wollte Ash am liebsten schreien, aber kein Wort verließ seinen Mund. Er hatte Champion werden wollen, als er im naiven Alter von zehn Jahren von Alabastia aus auf seine Reise gegangen war. Mit siebzehn Jahren hatte er Siegfried besiegt und nun, fast acht Jahre später, fühlte er sich so unwohl in seinem Job, dass er sich fragte, wie Siegfried es beinahe zwei Jahrzehnte an der Spitze Kantos ausgehalten hatte.
Vom Champsein hatte er sich viel versprochen, von dem das Wenigste tatsächlich geschehen war. Er wollte wieder reisen, vielleicht in einer geheimen Organisation zur Bekämpfung von Verbrechen arbeiten, so wie Siegfried es früher getan hatte, und jungen Trainern helfen, besser zu werden. De facto saß er fast jeden Tag in diesem Raum fest, quälte sich durch Papierkram, von dem er nur die Hälfte verstand, und musste das Training mit seinen Pokémon auf die Abendstunden verlagern, wenn er denn überhaupt dazu kam.
Vor einem Jahr hatte er Siegfried, der noch immer Champion von Johto war, gestanden, dass es ihm so nicht gefiel, aber der hatte nur lachend abgewinkt. In den ersten Jahren sei es fürchterlich, hatte er zugegeben, aber danach habe man sich daran gewöhnt. Wenn man die Stärke bewiesen habe, die die Administration des Indigoplateaus davon überzeugte, dass man länger als nur ein, zwei Jahre im Amt bliebe, so könne man sich viel mehr Freiheiten erlauben. Um diese Geduldsprüfung werde auch ein über alle Maße ungeduldiger Ash Ketchum nicht herumkommen. Ash hatte ihm als Antwort lediglich einen gequälten Blick zugeworfen.

„Ich will einen Unterschriftenstempel!“, verlangte er von seinem Sekretär.

„Mr Ketchum, Ihr müsst die Anträge auch lesen, bevor Ihr unterschreibt. Das wisst Ihr doch.“ Tadelnd fiel der Blick des älteren Mannes auf ihn und Ash fühlte sich prompt wie früher, wenn er Unfug angestellt und seine Mutter dies herausgefunden hatte.

„Weiß ich, ja klar“, murrte er. „War es das dann?“

„Ich hoffe, Ihr habt Eure Termine nicht vergessen, Champion. Morgen ist ein Höflichkeitsbesuch in Teak City in Johto vorgesehen, übermorgen eine Zeremonie zur Eröffnung des neuen Pokémonaquariums in Orania City und am Samstag müsst Ihr eine kurze Rede zum dreißigjährigen Jubiläum der Filiale von PokéScientific in Fuchsania City halten und ich dachte, da der Sonntag noch frei ist, könnten wir dort –“

„Der Sonntag ist nicht frei“, fiel Ash ihm ins Wort. „Ich bin auf dem Geburtstag des Arenaleiters von Vertania City eingeladen. Streich also, was auch immer du auf den Sonntag gelegt hast. Gary ist ein Freund aus Kindertagen und ich werde am Sonntag nirgendwo sonst zu finden sein als auf dem Grundstück seiner Arena.“

Freddie stöhnte auf und zückte demonstrativ seinen Terminkalender und einen roten Filzstift, ehe er sich kurz verabschiedete und den Raum verließ.

„Pika?“

Das Gespräch hatte Pikachu geweckt. Das Pokémon blinzelte ihn träge aus verschlafenen Augen an, ehe es gähnte und seinen Trainer prompt damit ansteckte.
„Ganz deiner Meinung, Kumpel. Komm zu mir, dann erledigt sich die Arbeit leichter.“

Aber Pikachu zögerte. Es war kein ungewohntes Verhalten und Ash hielt weiterhin seine Hand hin, bis sein Starterpokémon schließlich doch zu ihm herankam und auf seinen Schoß sprang. In seinen Augen lag ein stummer Vorwurf.

„Ich weiß, ich weiß. Es tut mir leid, ja? Ich kann es doch auch nicht ändern“, murmelte Ash, während er den sterbenslangweiligen Bericht des Pokémonfischereiverbandes überflog. „Wir trainieren heute Abend noch zusammen, das verspreche ich dir. Du kannst gegen Skorgro antreten.“

„Chu!“, spie das Pokémon pikiert aus, dann rollte es sich zusammen und ließ zu, dass Ash ihm durch das kurze, gelbe Fell fuhr.

„Es tut mir so leid, Kumpel“, flüsterte Ash, als sich Pikachus Atem verlangsamte und es offenbar wieder eingeschlafen war. „Ich kann dich nicht gegen Glurak oder Gewaldro antreten lassen. Du bist nicht mehr der Jüngste und die beiden würden dich einfach niederwalzen. Skorgro wird auch langsam älter, das sollte eine gute Partie fürs Training sein.“

In der Tat war nicht mehr zu übersehen, dass Pikachu an Jahren hinzugewonnen hatte. Sein Fell war noch immer sattgelb und glänzend und auch die Augen funkelten stets aufmerksam. Doch an Schnelligkeit und vor allem Durchhaltevermögen mangelte es dem Pokémon und die Kraft seiner Attacken war zwar noch immer überzeugend, aber wenn es zwei oder drei Volttackle ausgeführt hatte, war es körperlich am Limit angelangt. In offiziellen Kämpfen konnte er Pikachu schon seit zwei Jahren nicht mehr einsetzen, seit dessen verlangsamte Reflexe ihn fast den Titel gekostet hatten. Das Champsein verbrauchte seine Pokémon schneller, als es ihm lieb war, doch die anstrengenden Kämpfe forderten nun einmal ihren Tribut. Kein Trainer, dem es gestattet wurde, gegen den Champion höchstselbst anzutreten, würde nicht sein Allerbestes geben – und je mehr Pokémon vor Ashs Team fielen, desto verzweifelter und brutaler wurden die Attacken der Herausforderer, die ihre einmalige Chance schwinden sahen wie die Samen eines Löwenzahns im Wind.

„Ist ja nicht deine Schuld. Alle Pokémon werden irgendwann alt. Glurak werde ich auch bald aus meinem Kampfteam nehmen müssen, spätestens in drei oder vier Jahren. Hier geht es schließlich um eure Gesundheit. Ich hoffe nur, du verstehst und verzeihst es mir irgendwann.“

Momentan war Pikachu nämlich gar nicht gut auf seinen Trainer zu sprechen.

Als Ash sich durch den Bericht gequält hatte und nun zu den Forschungsgeldern in Prismania City kam, begann Pikachu im Schlaf zu zucken. Er regte sich und einzelne Funken sprühten aus seinen Wangen.
Ash schmunzelte und streichelte sein Starterpokémon vorsichtig weiter. Pikachu träumte lebhaft in der letzten Zeit. „Ich möchte nur wissen, was deine Traumwelt so spannend macht...“, murmelte er und zuckte zusammen, als einige Funken sein Bein trafen und seine Muskulatur unwillkürlich kontrahierte.


*



Pikachu war zurück. Er atmete tief durch und ließ die Elektrizität durch seinen Körper strömen. Zurück und bereit, auf Abenteuersuche zu gehen! Das Indigoplateau lag hinter ihm und die Grenze des Vertaniawaldes nur noch einen Sprung entfernt.
Es war ein interessanter Zustand, in den Pikachu seit einiger Zeit verfiel. Sobald er schlief, begann er zu träumen – und er war sich bewusst, dass er träumte. Eine Mischung aus Tagtraum und einem solchen, wie man ihn während des Schlafens erlebte – aber wenn er ehrlich war, so war es ihm ziemlich egal, wie er nun zu diesem Zustand kam. Denn angesichts der demotivierenden Realität flüchtete er nur zu gerne in diese erdachte Welt, die ihm seine Phantasie aus all den früher erlebten Abenteuern zusammensetzte.
Er war einfach kein Pokémon, das lange auf der faulen Haut liegen konnte, und dass Ash ihn nicht mehr in seinen offiziellen Kämpfen einsetzte, hatte ihn zutiefst gekränkt. Auch der Mangel an Training ließ ihn seinem Trainer gegenüber ungnädig werden, denn den ganzen Tag in diesem langweiligen Büro herumzusitzen, zerrte bis zum Exzess an seinen Nerven.

„Pikachu, so ein Glück!“
Es war Tauboss, der elegant neben ihm landete. „Da ist ein wildes Aerodactyl, das die Pokémon in Norden von Lavandia in Angst und Schrecken versetzt! Komm, steig auf, dann fliege ich dich hin. Wir haben nur auf dich gewartet, sonst hätten wir den Angriff schon längst gestartet.“

Mit einem einzigen Sprung saß Pikachu auf dem Rücken des mächtigen Flugpokémon und hielt sich fest, als sich dieses mit einigen Flügelschlägen in den Himmel erhob.
„Wer ist da?“, wollte er wissen.

„Du und ich. Entoron wollte auch kommen, vermutlich ist er schon da, bis wir landen. Und natürlich Skorgro und Plinfa. Bisasam war bis gestern in Saffronia City, vielleicht kommt er später nach. Togetic kann nicht, sie ist noch mit dem Problem in Fuchsania City beschäftigt.“

„Aber wir haben Traunmagil doch zurück nach Johto geschickt.“

„Das stimmt, aber die Pokémon müssen sich erst von dem Schock erholen. Togetic ist noch ein wenig geblieben. Vorsicht, Kurve!“

Pikachu klammerte sich fest an die Federn, als Tauboss eine Kurve flog und er nach außen gedrückt wurde. „Egal, wir schaffen es auch allein. Wir haben zwei Wassertypen und dich und Skorgro als Flugtyp, was kann da noch schief gehen?“

„Ganz deiner Meinung, Pikachu. So, wir sind da. Ich lege einen Sturzflug hin, wenn es dich nicht stört.“

Doch jeder Protest wäre sowieso zu spät gekommen, denn noch während Tauboss die Worte gesprochen hatte, war er steil in Richtung Boden gesunken, die Flügel angelegt und mit dem Ziel einer kleinen Lichtung im Herzen des Gestrüpps unter ihnen im Visier.


Pikachus Beine zitterten, als er vom Rücken des Flugpokémon sprang.

„Pikachu!“, rief Plinfa, der schon auf sie gewartet hatte, aus, und schon lagen sich die beiden in den Armen. Pikachu mochte das Wasserpokémon mit dem feurigen Temperament, sie waren schließlich lange zusammen durch Sinnoh gereist.

„Hey“, grüßte auch Entoron.

Skorgro saß in einiger Entfernung auf seinem Schwanz und fokussierte einen wild am Himmel kreisenden Punkt. „Er kommt näher“, merkte er an. „Und hier kommt ein erneuter Hyperstrahl.“

Tatsächlich bebte die Erde, als der orangegelbe Strahl die Felsen keine dreihundert Meter von ihnen entfernt traf.

Pikachus Adrenalin schnellte in die Höhe, als das Beben ein Ende nahm und vier Paar entschlossen funkelnde Augen zu ihm sahen. Er war hier der Boss, sein Planungsvermögen war gefragt. Die vielen Abenteuer, die er im Laufe seines Lebens an Ashs Seite durchstanden hatte, hatten ihn zu einem Pokémon mit Führungsqualitäten heranwachsen lassen. Pikachu verschränkte seine Arme und unterbreitete den anderen dann seine Überlegungen. „Wissen wir, ob Aerodactyl feindlich oder freundlich gesonnen ist?“

„War kurz da, hab einen Hyperstrahl abbekommen und bin gerade so einem Steinhagel ausgewichen“, sagte Skorgro mit gequältem Gesichtsausdruck.

„Gut, dann machen wir es so: Ich fliege auf Tauboss. Plinfa, du sitzt auf Skorgro. Entoron, du bleibst am Boden. Die beiden Flugteams bringen Aerodactyl in Richtung Boden, denn dort ist es praktisch hilflos im Vergleich zu seiner Stärke in der Luft. Entoron, sobald es in deiner Reichweite ist, feuerst du deine stärkste Hydropumpe ab, um es endgültig zu Fall zu bringen. Wir werden es besiegen, bis es Vernunft annimmt und uns vor allem erzählt, warum es hier wahllos Chaos anrichtet. Alles klar? Dann los!“

Mit einem Schrei erhob Tauboss sich in die Lüfte. Der Wind zerrte an Pikachus Fell, aber das machte ihn nur noch entschlossener. Ein Kampf wartete auf ihn, ein Kampf gegen einen Gegner, der sie alle an Größe überragte. Er fühlte sich großartig!

Skorgro und Plinfa flogen dicht neben ihnen und das kleine Wasserpokémon warf Pikachu immer wieder Blicke voll wilder Freude zu. Plinfa liebte es genauso wie er selbst, zu kämpfen.

„Hey!“, schrie Pikachu, als sie in Hörweite des randalierenden Gestein-Flug-Pokémon waren. „Was tust du da?“

Aerodactyls grausam glimmende Augen richteten sich auf ihn. „Pah, kleiner gelber Nager! Dir bin ich keine Antwort schuldig! Hyperstrahl!“

Tauboss kippte zur Seite und Pikachu verlor fast den Halt, aber der Hyperstrahl verfehlte sie um einen ganzen Meter.

„Wir werden dich stoppen, wenn du nicht zur Vernunft kommst!“, rief Tauboss.

„Ihr? Lächerlich! Na wartet!“ Er schlug mit seinen mächtigen Flügeln und der scharfe Wind fegte über sie hinweg.

„Plinfa, los!“, befahl Pikachu und ließ gleichzeitig die Elektrizität von sich Besitz ergreifen. „Tauboss, ich auch!“ Er sprang in die Höhe, während Plinfa neben ihnen eine Hydropumpe in Richtung des Feindes schickte. Pikachu sammelte Elektrizität in seinen Wangen, ballte die Pfoten zu Fäusten und bereitete sich auf einen Donner vor. Mit einem Schlag entlud sich die Elektrizität und suchte sich ihren Weg zu Aerodactyl. Pikachus Fell stand zu Berge, als Tauboss ihn wieder auffing.

„Whirlpool!“, kündigte Plinfa an und vor Skorgro formte sich eine Steinkantenattacke.

„Hyperstrahl!“, stieß Aerodactyl aus und dieses Mal drehte es sich zu Skorgro, doch kurz, bevor der Strahl sein Maul verließ, fuhr es zu Tauboss herum.

„Ah!“, schrie dieser aus, als der mächtige Strahl seinen Flügel traf. „Autsch!“

„Tauboss!“ Pikachu klammerte sich fest, während sie in die Tiefe trudelten. Im letzten Moment, als Pikachu schon die einzelnen Zweige des Gesträuches unter ihnen erkennen konnte, erhob sich eine gigantische Wasserwelle unter ihnen und fing sie auf. Pikachu war klatschnass, als er den Boden traf. „Danke, Entoron. Und jetzt Hydropumpe!“

Entoron sammelte Kraft und Wasser in seinem Schnabel und die Hydropumpe entlud sich mit brachialer Gewalt in den Himmel. Aerodactyl, der durch Plinfas Dauerbeschuss sowieso schon leicht ins Trudeln gekommen war, stürzte wie ein Stein zu Boden und wurde ebenfalls durch eine Surferattacke aufgehalten.

„Bisasam!“, rief Pikachu erfreut aus, als es seinen Freund herannahen sah.

„Ich bin zu spät, es tut mir leid“, keuchte das Pflanzenpokémon und schüttelte sich, um den Schweiß in seinem Gesicht loszuwerden.

„Nein, genau richtig. Wir brauchen Seile!“, befahl Pikachu und Bisasam verlor keine Zeit. Ranken wuchsen aus der Basis seiner großen Knospe und umschlangen das Flugpokémon, bis es sich kaum mehr regen konnte.

„Macht mich los!“, befahl Aerodactyl. „Losmachen, hab ich gesagt! Ihr habt doch keine Ahnung, was hier überhaupt vor sich geht!“

„Dann kläre uns doch auf“, schlug Pikachu schmunzelnd vor. Er war erschöpft, aber zufrieden. Aerodactyl würde so schnell keinen Schaden mehr anrichten können.

„Ich sage gar nichts mehr! Wäre nicht gut für euer Leben, wenn ihr noch tiefer schnüffelt. Ihr seid sowieso schon lästig genug.“

Die Worte rührten etwas in Pikachus Gedanken. Etwas Ähnliches hatten sie bei ihren letzten Missionen auch schon gehört... „Warum hast du randaliert?“, fragte er ruhig.

Aerodactyls dunkle Augen funkelten bösartig. „Ich hatte Hunger auf Rattfratz... und Spaß daran.“

„Das ist grausam!“, warf Skorgro ein und Tränen sammelten sich in seinen Augen. Er war schon immer ein sehr sensibles Pokémon gewesen.

„Arbeitest du allein?“, fragte Tauboss und Pikachu hielt die Luft an.

„Klar...“, grinste Aerodactyl und verzog dann das Maul zu einem heimtückischen Feixen. „Ihr Narren! Ich soll euch schöne Grüße vom Rubin ausrichten. Ihr werdet scheitern und was auch immer ihr tut, den Gang der Dinge könnt ihr nicht länger aufhalten!“

Pikachus Ohren standen steil in die Höhe. „Der Rubin?“, fragte es atemlos.

„Ja, wer denn sonst?“, schnarrte das Gesteinpokémon. „Aber weitere Auskünfte gebe ich nicht.“

„Das werden wir ja sehen...“, knurrte Plinfa und stemmte die Flossen in die Seiten. „Ich habe noch jede Menge Kraft für weitere Hydropumpen!“

„Wir bekommen dich schon noch dazu, uns alles zu erzählen. Wer ist der Rubin? Und warum schickt er Pokémon über ganz Kanto, die andere Pokémon tyrannisieren?“

„Das wüsstet ihr wohl gerne, ihr Wichte!“

Und Pikachu konnte ihm nur zustimmen. All ihre letzten Einsätze, abgesehen von dem verirrten Traunmagil, waren von einem Pokémon initiiert worden, dass sich der Rubin nannte. Der Gedanke, dass sie über Aerodactyl an weitere Informationen kommen könnten, war äußerst reizvoll.
„Wer ist der Rubin?“, wiederholte er.

„Ich sag euch gar nichts!“

„Plinfa, einen Blubbstrahl bitte.“

Eine Armada an Blasen prallte auf Aerodactyl, das gequält ächzte. „Ich sag euch nichts!“

„Wer ist der Rubin?“

„Ich bin ruhig!“

„Der Rubin!“, schrie Pikachu und gab seinem inneren Drängen nach, einen Donnerschock ausführen zu müssen. Die Elektrizität entlud sich schlagartig und der Feind warf seinen Kopf herum, um das kribbelige Gefühl loszuwerden, das nach einer Elektroattacke blieb. Auch Bisasam schüttelte sich, als ein kleiner Teil der Elektrizität auf es überlief.
„Oh, entschuldige, Bisasam. Aerodactyl, wer ist der Rubin?“

Hey, Kumpel, bleib ruhig. Alles ist in Ordnung.

Irritiert sah Pikachu zu Bisasam. Seit wann nannte der ihn Kumpel?

Na komm schon, es ist spät.

Pikachu wandte den Blick zurück zu Aerodactyl, aber dessen große Gestalt verblasste langsam. Nein, nicht jetzt! Er war so nah dran!

Pikachu? Komm, wir gehen nach Hause.


Pikachu schlug blinzelnd seine Augen auf. Er lag auf dem Schreibtisch seines Trainers und ebendieser kniete davor, um mit ihm auf Augenhöhe zu sein. „Ich hätte fast herausgefunden, wer dieser Rubin ist! Musste das sein?“, fragte er anklagend, wohl wissend, dass Ash ihn nicht verstand.

„Du beschwerst dich immer, wenn ich dich im Büro schlafen lasse. Letzte Woche hast du als Rache meine Topfpflanze gegessen...“ Er erhob sich seufzend und Pikachu beeilte sich, um ihm zu folgen.

„Das war ja auch eine Unverschämtheit! Genauso wie jetzt. Ich will wissen, wer Rubin ist!“

„Jaja, ich mache dir noch dein Abendessen. Aber das Training können wir wohl vergessen, so dunkel, wie es schon ist.“

„Ich will kein Abendessen! Ich will wissen, wer der Rubin ist!“

„Skorgro ist bestimmt auch enttäuscht, aber ich verspreche dir, wir schaffen es morgen.“

„Natürlich ist Skorgro enttäuscht. Er hätte es auch gerne gewusst.“

„Wenn morgen genug Zeit ist, könnten wir Jens, den Arenaleiter von Teak City, zu einem Übungskampf herausfordern. Nichts Offizielles, nur ganz ungezwungen und zum Spaß. Würde dir das gefallen, Pikachu?“

„Pff!“, stieß er aus. „Es würde mir gefallen, wenn du mich demnächst nicht an einer so wichtigen Stelle meines Traumes wecken könntest!“

„Gut, dann machen wir das so. Jens wird bestimmt sein Gengar einsetzen, aber die Kraft deiner Attacken wird es im Nu besiegen.“

Pikachu seufzte lautlos und frustriert auf. Sein Magen knurrte und so vertagte er alle Überlegungen zu Rubin auf den nächsten Tag und beschloss, sich nun ganz auf sein Abendessen zu konzentrieren.
„Rocko kann besser kochen“, knurrte er dennoch leise über seinem Pokémonfutter, während Ash gähnend in der Küche hantierte und sich die Reste seines Mittagessens aufwärmte.
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