Bordsteine und andere Gefahren

GeschichteHumor, Romanze / P16
Elisabeth "Lisi" Schnabelstedt Paco Zeki Müller
06.03.2016
06.03.2016
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Hallo ihr Lieben!

Nach langer Zeit melde ich mich hier mal wieder. Bei meiner anderen FF geht es leider immer noch nicht weiter. Finde gerade weder die Inspiration, noch die Zeit dazu. Anregungen und Kritik sind weiterhin sehr willkommen! Auch für anderer FJG-Stories o. Oneshots. Schreckt nicht davor zurück diese in den Reviews zu hinterlassen oder schreibt mir eine Nachricht!

Als kleine Entschädigung lade ich nun diesen Oneshot hoch und hoffe, dass ich euch damit etwas vertrösten kann. Ich denke nicht, dass ich daraus auch noch eine längere Geschichte machen werde... denn bilden wir uns nichts ein: wenns bei einer nicht klappt, wirds bei zwei erst recht nicht klappen. :D

Trotzdem ein großes Dankeschön an alle, die sich bisher positiv über die FF geäußert haben!
Viel Spaß bei dem Kapitel! LG HP007

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Zeki war ziemlich besoffen, als er mit seinen alten Kumpels aus dem runtergekommenen Club stolperte und versuchte sein Handy aus der Hosentasche zu kramen, um zu schauen, wie spät es war. Die Underground-Bar war in der Drogenszene als Hauptumschlagplatz bekannt, weshalb so ziemlich alle außer Paco und er derbe auf Koks oder LSD waren. Weshalb Paco nichts eingeworfen hatte, wusste er auch nicht so recht, aber er war letztendlich ganz froh drum.
Ihm war nie aufgefallen, wie peinlich und primitiv sich seine Freunde verhielten, wenn sie auf Drogen waren – wahrscheinlich, weil er noch nie mit ihnen feiern gewesen war ohne selbst was genommen zu haben. Das war schließlich die beste Methode, um lange durchzuhalten und möglichst viel Spaß zu haben. Man konnte fliegen und hatte das Gefühl der König der Welt zu sein, da nahm man gerne den scheiß Kater am nächsten Tag auf sich, der einen erstmal richtig fickte. Von hinten. Mit der Faust.
Jetzt, wo er nur berauscht und nicht beflügelt war, konnte er nicht mehr so ganz nachvollziehen, weshalb seine Kumpels laut grölten, auf der Straße tanzten und mit jedem der vorbei lief, Stress anfingen.
Gegen eine gute Schlägerei hatte er generell nichts einzuwenden und laut war er auch gerne, aber nicht so grundlos und unnötig, wie diese Kerle da.
Als er es endlich packte auf die Uhr zu schauen, war es schon 4.37.
In seinen besten Zeiten hatte er bis zum nächsten Tag am Mittag durchgehalten, natürlich nur mit Aufputschmitteln, jetzt spürte er langsam wie sich die Erschöpfung in seinem Körper breit machte. Paco ging es wohl ganz ähnlich, denn der schaltete sich zwar in den Stimmenchor der Gangster ein und tanzte mit ihnen im Kreis, als er aber zum Verschnaufen einige Schritte zurücktrat, wollte er von Zeki wissen:,, Alter, wann gehst du heim? Ich muss in Stunde weiter nach Frankfurt , paar Bitches knallen.''
Zeki bezweifelte selbst in seinem alkoholisierten Zustand, dass das der Grund war, warum er nach Frankfurt musste, schließlich hatte er noch im Hinterkopf, dass seine Schwester dort wohnte... vielleicht wollte er der auch einfach nur eine knallen.
Er brauchte einige Momente, bis er Paco richtig anvisieren konnte, es drehte ihn ganz schön, jetzt wo sie an der frischen Luft waren und nicht damit beschäftigt waren entweder Frauen abzuchecken, wild zu tanzen oder zu saufen.
Seine Augenlider fielen auf Halbmast und er hatte einen komischen Geschmack auf der Zunge, als er antwortete:,, Ey, bald.''
-,, Lass Taxi klar machen und den Penner wixxen, wenn er Geld will.'', schlug ihm sein ehemaliger Gefängnisbruder vor, der jetzt in einer Autowerkstatt arbeitete.
Früher hatten sie das oft so gemacht, wer hatte schon Bock von einer Party heimzulaufen? Sie hatten dabei nur aufpassen müssen, dass sie ein paar Blocks früher ausstiegen und ihre Gesichter nicht auf der Kamera im Taxi zu sehen waren.
Dran gekriegt hatten sie meistens trotzdem immer einen, aber nur den der am langsamsten rannte und zu denen hatte Zeki nie gehört.
Er ging schließlich nicht umsonst ins Fitnessstudio – auch heute nicht.
Trotzdem schüttelte er jetzt etwas benommen den Kopf und meinte:,, Halt's Maul. Du bist eh zu langsam... Ich ruf Lisi an, die holt uns. Die anderen Pisser sind sowieso noch nich' fertig mit Party machen!''
Sein Gangster-Kumpel sah ihn verwirrt an:,, Isch dachte du hast die Alte schon längst abgeschossen? Was bei dir los, Zeki? Passt dein Schwanz überhaupt in die rein, so verklemmt wie die is?!''
Unter normalen Umständen hätte er den Kommentar einfach überhört und so getan, als würde es ihm nichts ausmachen, wenn so über seine Freundin gesprochen wurde.
Doch jetzt konnte er nicht verhindern, dass Wut in ihm aufstieg und er sich angegriffen fühlte. Zeki machte einen warnenden Schritt auf Paco zu und hob angriffslustig den Kopf, dann wies er den Lutscher zu recht:,, Ich zeig dir gleich wo mein Schwanz reinpasst, du Wixxer! Kannst auch nachhause laufen, wenn du keinen Bock auf die Alte hast!''
Ausnahmsweise schien der Werkstatttrottel kein Interesse an einer Prügelei zu haben, denn er hob abwehrend die Hände und das obwohl er fast einen ganzen Kopf größer war wie Zeki. Besänftigend erklärte er:,, Komm ma runter, Bruder. Ruf an...'', dann drehte sich der Breitling zu den Anderen um und rief:,, Ey Murat! Mach ma das Weib da drüben klar. Die is geil und kann gut blasen!''
Während die restliche Gruppe ihren Freund wild anfeuerte, als der auf die billige Schlampe zuging und sie ziemlich direkt nach einem Gefallen fragte, schüttelte Zeki nur den Kopf und entfernte sich in eine ruhigere Ecke, um bei der Brillenschlange anzurufen.
Nach mehrmaligem Klingeln, meldete sich dann tatsächlich ihre verschlafene Stimme am Handy:,, Zeki? Ist was passiert?''
-,, Ne, ne... kannste uns abholen?, er fuhr sich übers Gesicht, um sich besser auf das konzentrieren zu können, was Lisi am anderen Ende der Leitung sagte.
Diese ließ sich nämlich ordentlich Zeit bis sie antwortete und stöhnte leise auf.
Scheinbar fand sie seine Idee nicht so toll. Er dagegen fand seine Lösung ziemlich stark, denn sein ganzes Geld war für den Alk draufgegangen und ohne Lisi hätte er heimlaufen müssen. Das war schon ganz cool an so einer überfürsorglichen Freundin wie ihr – sie holte ihn in den meisten Fällen ohne Anschiss ab und wenn er mal einen Einlauf erhielt, dann konnte er den ziemlich gut ignorieren. Würde sie ihren Arsch mit integriertem Stock mal aus dem Haus bewegen, um wegzugehen, hätte er auch nichts dagegen sie mitten in der Nacht abzuholen. Länger als 24 Uhr hielt sie ohnehin nie durch.
-,, Och Zeki...weißt du wie spät es ist?'', drang ihre quengelige Stimme durch den Hörer, er rechnete fast mit einem >>Nein<<, doch dann kam ihr >>Ja<<:,, Wo seid ihr denn?''
Es drehte sich noch immer alles, als er seinen Kopf in den Nacken legte, um den Namen des Clubs ablesen zu können, leider blinkten die Leuchtröhren der Letter so langsam und unregelmäßig, dass er den Namen einfach nicht auf die Reihe bekam... und das obwohl er früher öfter hier gewesen war.
-,, Sssttt...ppp...ttt...s?'', er hatte die Buchstaben mehr zu sich selbst gesprochen, als zu Lisi, doch diese war gleichermaßen verwirrt und fragte irritiert:,, Striptease? Was redest du denn jetzt schon wieder? Bist du betrunken?''
Er lachte, als er ihre Interpretation seiner Kehllaute hörte:,, 'n bisschen...''
-,, Schick mir deinen Standort.'', erklärte sie daraufhin knapp. Sie schien nicht 'amused' über die Tatsache, dass er schon wieder leicht angeheitert heimkam oder besser gesagt sie ihn betrunken wo abholen musste. Die letzte dieser Aktion hatte einen ziemlichen Keil zwischen sie getrieben...Das war jetzt zwar auch schon wieder länger her, aber sicherlich würde sie ihm das morgen trotzdem vorhalten, wenn sie mal wieder den Moralapostel raushängen ließ.
-,, O-kay!'', er nickte eifrig, bis er kapierte, dass sie das nicht sehen konnte und legte dann auf, um ihr den Standort per WhatsApp zu senden.
Glücklicherweise hatte er ihr die App extra für Thailand heruntergeladen gehabt, sonst wäre er jetzt vermutlich aufgeschmissen gewesen.
Hoffentlich konnte sie den Standort auch öffnen und verwerten.
Lisi hatte genauso wenig Ahnung von der Technik, wie vom 'Code Cool' und das hieß einiges... das Grundwissen von beidem hatte er ihr mühsam eintrichtern müssen.
Als allerdings sein Bildschirm mit einer neuen Nachricht von ihr aufblickte, konnte er erleichtert aufatmen:

Bin in 20min da. Bleib auf
dem Bordstein und denk
an den Sicherheitsabstand
zur Straße! L.

Hey! Ich bin zwar betrunken, aber nicht
SO betrunken, das ich auf die Str. renn!

Naja, aber immerhin betrunken
genug, um den Artikel anstatt
der Konjunktion zu verwenden.

Wen du nur so gut kochen könntest,
wie du klugscheißen kannst!!!          

Ich hoffe jetzt einfach, dass du
das mit Absicht getan hast.
WENN nicht, schäm' dich!!!
Fahre jetzt los. Kussi :* L.


-,, Was jetzt? Kommt deine Alte?''
Zeki steckte sein Handy weg und zündete sich 'ne Kippe an:,, Bei dir nicht, ne.''
-,, Hä?''
Der Typ war doch echt blöd, nicht mal die simpelsten Witze verstand er:,, 20 Minuten.''
Sein Kollege freute sich wie Bolle und erklärte fröhlich:,, Geil, dann reichts noch für nen Blowjob aufm Klo. Auch Bock? Die Schlampe hat noch 'ne Freundin.''
Zeki sah den Trottel entnervt an:,, Und ich auch, du Spast. Komm, verpiss dich jetzt!''
Während er an seiner Zigarette zog als wäre sie sein Lebenselixier und darauf wartete, dass der blaue Touran der Brillenschlange um die Ecke bog, vergnügte sich der Ex-Knacki mit dem Weib auf dem Klo und seine restlichen Kumpels verabschiedeten sich lauthals von ihm als sie weiter zogen. Einer von ihnen würde heute zweifelsohne noch in einer Zelle auf der Bullerei landen... Hatte er so was früher tatsächlich geil gefunden?
War er nicht auf demselben Level wie Chantal und Co., wenn er sich Drogen einwarf und auf den Anstand, wie auch das Gewissen, schiss, damit er Spaß haben konnte?
Gut, sein Gewissen meldete sich öfters erst viel zu spät und meistens auch in Form von der süßen Sportlehrerin, die sein knausriges Herz berührte, aber wenigstens konnte es noch sprechen.
Das seiner restlichen Brüder konnte sich, wenn überhaupt, nur noch durch primitive Laute oder Sabbern äußern, schließlich hatten die alle nicht mit dem Koksen, Kiffen oder Saufen aufgehört und waren sogar noch dümmer als sie es früher gewesen waren.
Ali hatte sogar den Realschulabschluss, als einziger neben ihm, und war jetzt zu 'nem richtigen Dorftrottel mutiert. Es galt schon als Wunder, wenn er es schaffte die Hose auf dem Heimweg nicht zu verlieren.
Klar, bockte es sich mal ordentlich zu feiern, sich voll laufen zu lassen und die Sorgen für eine Nacht zu vergessen und einfach bisschen Spaß zu haben, aber dass dieser Zustand auf Dauer nicht funktionieren konnte, hatte er mittlerweile gerafft.
Es gab zwar kaum was, das an einen geilen Orgasmus rankam, aber das Gefühl zu wissen, das man etwas getan hatte, worauf man stolz sein konnte, war auch nicht schlecht. Außerdem war es ganz cool, wenn man keine Drogenbosse im Nacken sitzen hatte, die einem vorschrieben, wie viel man bis zum Monatsende verkaufen musste.
Und sein Alltag war um einiges leichter, jetzt da ihn die Bullerei nicht mehr ficken konnte.
Selbst sein Bewährungshelfer hatte sich vor zwei Wochen aus seinem Leben verabschiedet, im Moment lief es gut für ihn... und der Grund für all das parkte gerade in einem blauen Touran auf der anderen Straßenseite ein.
Das klang zwar echt bitter schnulzig, aber es war einfach Fakt und deswegen schämte sich Zeki auch nicht dafür, als sich beim Gedanken an die Brillenschlange ein Lächeln auf seine Lippen schlich.
Dieses Gefühl, vielleicht war es echt Liebe, war für ihn immer noch sehr seltsam.
Es hatte nicht viele Menschen in seinem Leben gegeben, für die er so vieles gegeben hätte, wie für Lisi. Seine Gang war früher sein zuhause gewesen, sie hatten ihm den Rücken gestärkt und ihn aus seiner Einsamkeit geholt. Unter den ganzen Möchtegern-Gangstern hatte er die Anerkennung und den Respekt gefunden, nach dem er sich seine ganze Kindheit gesehnt hatte. Nur Liebe hatte er niemals erfahren.
Aber das hatte niemand von seinen Kumpels, vielleicht gingen sie gerade deshalb so mit den Frauen um. Sie sahen nicht mehr als Sexobjekte und Münder für ihre kleinen Schwänze, die sie mit ihren Stiernacken kompensierten, in ihnen, weil sie nicht wussten, dass es noch mehr gab, als nur geilen Sex. Wie auch?
All ihre Eltern waren behinderte Spastis gewesen, die es eigentlich gar nicht verdient hatten zu leben und Kinder zu zeugen. Elende Wixxer hatten noch schlimmere Wixxer in diese kack ungerechte Welt gesetzt. Deswegen brachte es auch nichts es ihnen zu erklären. Paco und all die anderen würden ihn nicht verstehen, bis sie es selbst einmal erfuhren und das geschah oftmals eben leider erst viel zu spät.
Zeki wollte die Zeit, die er gemeinsam mit den Vollspacken erlebt hatte, nicht missen.
Sie hatten ihn zu dem gemacht, was er heute war. Durch sie war er zwar auf den falsche Bahn gekommen, aber wenigstens war er dort nicht allein gewesen.
Aber er hatte auch kapiert, dass diese Zeit vorbei war. Er wollte mehr in seinem Leben, als nur Sex, Drogen und Geld, das bedeutete nicht, dass er die drei Dinge nicht feierte, aber sie konnten ihn nicht mehr erfüllen, wie sie es früher getan hatten.
Deshalb empfand er es auch nicht als schlimm, wenn man ihn als Weichling oder Spießer innerhalb seines Freundeskreis abtat. Ein paar Schläge auf die Nase und sie wüssten wieder, woran sie bei ihm waren. Doch vor allem hatten sie keinen Plan davon, was das Leben sonst noch bereit hielt und er fühlte sich in gewisser Weise privilegiert, dass er es im Gegensatz zu ihnen besser wusste.
Wieso musste er eigentlich immer so viel denken, wenn er besoffen war?
Es war als würden all die Ansprachen und Moralpredigten von Lisi dann die Chance ergreifen, um sein Hirn mal wieder so richtig schön zu beanspruchen, denn ohne Stoff zum Nachdenken war es ja langweilig. Pff!
Zeki wartete nicht auf den Prolet, der gerade aufm Klo einen geblasen bekam, sondern überquerte einigermaßen sicheren Schrittes die Straße und steckte die Hände in die Taschen seiner Bomberjacke, als er sah, dass Lisi ausstieg und am Kofferraum auf ihn wartete. Sie sah süß aus in ihrer grauen Sweatpants und in seinem zu großen Pulli, den sie sich wohl vom Sofa geklaut hatte. Ihre Haare waren zu einem zerzausten Zopf zurückgebunden,die charaktertypische Hornbrille saß etwas schief auf ihrer Nase und trotzdem hatte er rein gar nichts an ihrem Aussehen auszusetzen.
Sie war auf ihre ganz eigene und etwas spießige Art und Weise perfekt und das war (im Moment jedenfalls) besser als jede Frau in schwarzem Minikleid und roten Highheels.
Der Aushilfslehrer kapierte zwar nicht, warum er diese Gefühlsregung ausgerechnet jetzt empfand, aber er spürte, dass er zumindest für die nächste Zeit bei ihr angekommen war.
Wahrscheinlich fand er es deshalb auch gar nicht schade, dass seine Freunde ohne ihn weiterzogen und Party machten. Es gab keinen Menschen bei dem er gerade lieber sein wollte, als bei der Streberin. Darüber würde er spätestens morgen früh, wenn sie ihn mal wieder viel zu eher weckte, anders denken, aber das war auch in Ordnung so. Sowohl sie wie auch er brauchten ihre Freiräume... Lisi zwar weniger als er, aber auch sie hielt es nicht aus, wenn er ihr 24 Stunden auf die Pelle rückte.
Und obwohl sie jeden Grund dazu hatte sauer auf ihn zu sein oder ihn zumindest dumm von der Seite anzukacken, war alles was er zur Begrüßung erhielt ein sanftes Lächeln und kurz darauf ein unterdrücktes Gähnen.
Da von Paco noch keine Spur zu sehen war, stellte er sich direkt vor sie und drückte sie gegen den Kofferraum ihres Wagens und rückte die Brille auf ihrem Nasenrücken zurecht. Ziemlich genauso, wie er es bei ihrer ersten Begegnung auf dem Schulflur getan hatte, dieses Mal jedoch ohne Aufforderung und dafür mit einem ordentlichen Kuss zur Begrüßung, von dem sich Lisi allerdings ziemlich früh verabschiedete und ihn ein Stück von sich schob:,, Also deine Fahne reicht für drei.'', sie sah um ihn herum und kniff die Augen zusammen:,, Stop it kids?''
Zeki stand einige Sekunden lang auf der Leitung bis er kapierte, was Lisi von ihm wollte.
Er drehte sich um und fragte sich nur, wie sie das aus der Entfernung erkennen und auch noch lesen konnte? Der Klassenlehrer der 11b sah nur blinkende Lichter.
-,, Komischer Name...Kommt Paco jetzt doch nicht mit?''
Aufgrund ihrer Frage drehte sich der Ex-Knacki wieder zu seiner Freundin um und antwortete brav:,, Doch, doch...aber der ist noch schnell aufm' Klo und -und pisst.''
Die kleine brave und viel zu naive Brillenschlange schöpfte trotz seiner kleiner Unsicherheit am Ende keinen Verdacht und nickte beiläufig, während sie bereits zum nächsten Thema sprang:,, Ist aber schon ein heißes Pflaster, hier... oder? Warst du früher öfter hier?''
In seinem trunkenen Leichtsinn bedachte er den besorgtem Tonfall in ihrer Stimme mit zu wenig Aufmerksamkeit:,, Hab hier meine erste Line Koks gezogen... Und mit 14 oder 15 das erste Weib mit nachhause genommen.'' Ein dumpfbackiges Grinsen formte sich auf seinem Gesicht, das Bände über den Grad seiner Besoffenheit sprach.
Der Schock war ihr deutlich anzusehen:,, Und darauf bist du stolz oder wie?''
Er zuckte mit den Schultern:,, Schon irgendwie. Hatte davor noch niemand von uns geschafft … und ich hatte 'ne miese Frisur.''
-,, Also ich durfte mit 14 das erste Mal alleine mit unserem damaligen Hund Gassi gehen, eine Runde auf dem Waldjoggingpfad... darauf war ich stolz.''
War ja wieder klar, dass der Oberspießer nicht nachvollziehen konnte, was es für einen Jungen bedeutete das erste Mal eine Frau rumzukriegen. Sie gehörte zu den einzigen seiner weiblichen Betthasen, an deren Namen er sich auch 15 Jahre später erinnern konnte: Serap, 18 und angehende Gogo-Tänzerin. Ursprünglich war sie aus Köln, hatte ihm aber erzählt, dass sie mit 15 nach München zu einem Freund gezogen ist, weil ihre Eltern sie mit einem Banker verheiraten wollten. Das war das erste Mal gewesen, dass er froh gewesen war keine Eltern zu haben. Mit dem Koran und dem ganzen Scheiß war er durch seine Pflegefamilie nie in Berührung gekommen, allein durch seine Kumpels aber die sahen das alles nicht so ernst mit der Religion.
Zeki hatte sich sogar danach noch öfter mit ihr getroffen, aber irgendwie war nie was ernstes draus geworden, wahrscheinlich war er ihr dann doch zu jung gewesen.
Da hatte er noch nicht mal richtigen Bartwuchs gehabt, aber dicke Eier wie Silvester Stallone geschoben und sich ähnlich aufgeführt. Fitnessstudio und den ganzen Kram.
-,, Ne Ameisenkolonie hattest aber nicht daheim stehen, oder?'', kommentierte er ihre Jugendschwärmerei mit triefendem Sarkasmus und erhielt dafür einen sanften Schlag auf die Schulter. Er grinste, sie musste auch lachen und dabei kräuselten sich ihre Lippen.
Jap, heute Nacht könnte noch was mit ihr laufen, vorausgesetzt er putzte sich davor die Zähne, gerade als er ihr diesen netten Vorschlag unterbreiten wollte, schubste sie ihn ein Stück von sich weg und deutete mit dem Kopf auf die breite Gestalt, die gerade aus der Bar kam: Paco. Gefolgt von zwei Blondinen in hochhackigen Schuhen und so kurzen Röcken, dass man beinahe ihre Tamponschnüre sehen konnte.
Pacos Frauengeschmack ähnelte seinem eigenen Style: Auffällig, gut ausgefüllt, billig und vor allem knapp bemessen (geistig und kleidungstechnisch). Die typische Schlampe für eine Nacht und 'nen gratis Blowjob.
Die beiden Tittenschwestern verabschiedeten sich jedoch mit dicken Schmatzern auf die Backe bei seinem Kumpel und stolzierten alleine davon. Ihm kam es fast wieder hoch.
Der lief jetzt mit der eigenen Wichse im Gesicht durch die Gegend. Widerlich der Typ, aber soweit hatte der bei der Verabschiedung wahrscheinlich gar nicht gedacht.
Der Aushilfslehrer hoffte nur, dass Paco wusste, wie er sich vor Lisi zu verhalten hatte und einfach die Klappe hielt anstatt dumm rumzulabbern. Am besten noch über Zekis Vergangenheit als Frauenheld und Drogenjunkie.
In der Befürchtung, dass sein Kumpel die schlimmsten Geschichten auspackte, passte er den Schrank vor dem Auto ab und wartete bis Lisi, die sich bisher noch cool gab, eingestiegen war.
-,, Halt bloß die Fresse, ja?'', warnte er sein Gegenüber scharf.
-,, Ja, ist gut, Alter!''


Nachdem Zeki seine Zähne ordnungsgemäß und pflichtbewusst geputzt hatte, spritzte er sich sicherheitshalber noch Wasser ins Gesicht, um seinen schleichenden Verstand etwas aufzuwecken, damit er die nächsten 20 Minuten noch durchhielt.
Länger plante er für die anstehende Runde an Bettgeflüster nicht ein, schließlich hatte er in den Jahren seine Grenzen entdeckt und gelernt, wann Überheblichkeit und ein zu großes Maß an Selbstbewusstsein unangebracht waren.
Platz Nr.1 für ,,Augenblicke, wenn man die Fresse beim Sex nicht groß aufreißen sollte'' ging nun einmal an den zu hohen Alkoholeinfluss... aber wenn er recht überlegte, ging Platz Nr.1 eigentlich an Anabolika. Da war das Ding nicht zu gebrauchen.
Mehr oder weniger fit stapfte er aus dem Badezimmer, durchquerte den Flur und bog ins Schlafzimmer ab, das bereits dunkel war. Nur seine kleine Lampe auf dem provisorischen Nachttisch, bestehend aus Büchern (Lisi's Büchern) und Kartons, brannte noch.
Auf der Seite der Brillenschlange war schon alles ruhig, doch ihn trog der Schein nicht, immerhin war ihre Bettseite auch noch leer.
So, wie er sie kannte, trank sie gerade noch unten in der Küche ein Glas Leitungswasser, angeblich konnte sie damit nämlich besser einschlafen. Wahrscheinlich weil sie sich alle möglichen Krankheiten und Bakterien durch den Mund spülte und der Körper in Alarmbereitschaft herunterfuhr.
Deswegen zog er sich sein Shirt, das übel nach Rauch und Alkohol stank über den Kopf und schmiss es unachtsam in die Ecke, wo bereits einige seiner Dreckklamotten versauerten... über Wochen, weil Lisi die Regel hatte, dass sie nur das in die Wäsche tat, was sich im dafür vorgesehenen Korb befand... Er war schlichtweg zu faul dazu.
Nur wenn ihm seine Klamotten ausgingen, ließ er sich dazu herab und beförderte alles in den Wäschekorb, um wenigstens wieder Ruhe zu haben.
Sein Bücherwurm hatte aufgegeben ihn bekehren zu wollen und seine Methode schlichtweg akzeptiert, auch wenn sie ihn deswegen manchmal ziemlich anpisste.
Als nächstes folgte seine Jeans samt Gürtel und zuletzt noch das Paar Socken, das morgen ohnehin vom Hund gekidnappt werden würde. Der liebte stinkende Sachen.
Zeki sah es als Wink des Schicksals, dass genau in diesem Augenblick eine ermüdete Lisi ins Zimmer kam und ihn in Boxershorts am Kleiderschrank stehen sah.
Jede andere Frau, die einigermaßen normal im Kopf war, hätte in diesem Moment abgewägt in welchem Winkel sie sich am liebsten auf ihn werfen sollte.
Der Aushilfslehrer machte sich nichts vor, er wusste, welche Wirkung sein durchtrainierter Körper auf weibliche Wesen hatte. Ein Sixpack beim Mann, bewirkte genau die gleiche Gefühlsregung beim anderen Geschlecht, wie geile Titten oder einen knackigen Arsch bei der Frau. Doch Lisi's Gedankengang befolgte da andere Regeln.
Zwar sah er genau den flüchtigen Blick, mit dem sie ihn von oben bis unten musterte, doch sofort danach waren ihre Augen aufs Bett gerichtet, während sie ihm nur ein erschöpftes:
-,, Zieh dir lieber noch was an, es ist gerade Grippezeit...'' zuwarf und kräftig gähnte.
Bevor sie sich jedoch ins Bett fallen lassen konnte, war er bei ihr und hatte ihr seine kräftigen Arme um die Hüften gelegt. Mit einem verschmitzten Lächeln erklärte er ihr:
-,, Eigentlich hatte ich vor dir was auszuziehen.''
Bei jeder anderen Frau hätte auch seine Schulbuben-Masche funktioniert, aber wieder nicht mit ihr:,, Zeki, ich will schlafen. Hör auf mit dem Quatsch...''
-,, Und ich will mit dir schlafen, also mach den Quatsch einfach mit.'', meinte er schlagfertig und feierte sich innerlich für seine Fähigkeit den Leuten das Wort im Mund umdrehen zu können.
Doch Lisi's kritischer Blick verriet ihm, dass er der einzige im Raum war, der sich feierte.
Also schlug er eine andere Taktik ein – er wurde körperlich.
Er zog ihren schlaffen Körper noch etwas näher zu sich her, sodass sie sich auf ganzer Länge berührten und er ihren Atem auf der Haut spüren konnte. Die Brillenschlange ließ es wehrlos mit sich geschehen, was wohl mehr aus Erschöpfung als aus Lust geschah, aber das Ergebnis war das Gleiche. Deshalb störte er sich nicht weiter dran, sondern nahm ihren Kopf zwischen seine Hände, sodass sie keine andere Wahl hatte als ihm in die Augen zu schauen während er mit ihr sprach:,, Weißt du, dass du mit mir richtig komische Dinge anstellst, Schnabelstedt? Ist fast 'n bisschen wie Drogen zu nehmen... einmal angefangen, kann man nich' mehr aufhören.''
-,, Das hätte echt süß werden können, aber mit Drogen verglichen zu werden, finde ich jetzt ehrlich gesagt nicht sehr romantisch...''
Zeki ignorierte ihre Worte und küsste sie stattdessen auf die Nase, während er seine Hände zu ihrem Hals hinab gleiten ließ:,, Gut, momentan bist du eher 'ne Schlaftablette. Jetzt mach's mir nicht so schwer.''
-,, Können wir nicht einfach kuscheln?'', schlug sie ihm entgegenkommend vor und sah ihn wehleidig an... als wäre Sex mit ihm eine Strafe! Das spornte ihn erst recht an, weswegen er heftig mit dem Kopf schüttelte:,, Also im Verhältnis, kuscheln wir ja wohl öfter als wir Sex haben... wir müssen die Statistik wieder bisschen ins Gleichgewicht bringen.''
Lisi versuchte jetzt schon im Stehen zu schlafen, indem sie einfach die Augen schloss und gar nicht mehr auf ihn einging. Er spürte sogar, wie das Gewicht in seinen Armen größer wurde, die lehnte sich doch ernsthaft gegen ihn!
Entnervt stöhnend manövrierte er sie zum Bett und ließ sich dann gemeinsam mit ihr auf die Matratze fallen, natürlich stütze er sich vorher etwas ab, damit nicht sein gesamtes Gewicht auf ihr lag.
Mittlerweile waren ihre Augen zwar wieder offen und ihre Hände lagen um seinen Nacken – weil sie sich reflexartig im Fall an ihn geklammert hatte – aber Motivation schien immer noch keine vorhanden.
-,, Komm schon... vom Kuscheln hab ich nichts... außer deine Haare im Mund. Mir schläft da immer der Arm ein, jetzt schenk mir noch 15 Minuten deiner Aufmerksamkeit und ich bring dir morgen Frühstück ans Bett.''
Jetzt schlich sich tatsächlich ein Schmunzeln auf Lisis Lippen:,, Schaffst du eh nicht.''
Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass sie abermals abblockte und ihn endgültig von sich schob, doch dann spürte er eine leichte Berührung an seiner Waden.
Fast wäre ihm ein triumphierendes Grinsen entwischt. Die kleine Brillenschlange füßelte doch tatsächlich mit ihm! Mittlerweile hatte er herausgefunden, dass das zu den Vorlieben der überengagierten Lehrerin gehörte. Ihre Füße befanden sich selbst im Schlaf immer unter, über oder zwischen seinen Beinen, weil sie da – so die Besitzerin der Füße – immer schön warm blieben. In den meisten Fällen störten ihn ihre Beine nicht groß, unangenehm wurde es nur, wenn diese stoppelig waren, dann aber schob er sie meistens von sich, ohne, dass sie es merkte.
Während sie mit der Verse weiter seine Wade auf und abfuhr, nutzte er das freie Bein, um ihres damit unter sich zu befördern, sodass ihr kein Bewegungsspielraum blieb, dann küsste er ihren Hals, ihre Hände, ihr Kinn, ihre Kieferknochen, ihre Wangen und ihre Stirn in der stillen Bitte, dass sie ihm doch diesen Wunsch erfüllen mochte.
Es dauerte auch nicht lange, bis ihre Finger durch seine Haare fuhren und seine Kopfhaut massierten – das hatte sie echt drauf! Wenn sie das abends bei ihm auf der Couch machte, schlief er meistens ein (selbst wenn Fußball lief) und überließ ihr somit kampflos das TV-Programm. Aber ohne Scheiß, die Finger dieser Frau konnten wahre Wunder bewirken und waren zweifelsohne nicht nur zum Korrigieren von Arbeiten gut.
Endlich traute er sich sie auf den Mund zu küssen und er schloss dabei reflexartig die Augen, eine Sache, die ihm früher nie passiert war.
Lisi erwiderte den gemächlichen, aber innigen Kuss und entspannte sich sichtlich unter ihm, doch so wirklich mitmachen wollte sie nicht.
Ihre Hände zerrten weder an seiner Boxershorts, noch machte sie irgendeine Bewegung, um ihren BH zu öffnen oder sich die Hose auszuziehen.
-,, Ich bin auch ganz leise und langsam...'', murmelte er zwischen zwei Küssen.
-,, Das sagst du immer, Zeki Müller.'', erwiderte sie etwas atemlos während sie mit seinen Haaren im Nacken spielte.
Er hob seine freie rechte Hand zum Indianerehrenwort und erklärte feierlich, aber noch immer etwas lallend:,, Ich versprechs!''
-,, Frühstück im Bett klingt gut...'', erklärte sie leise und lächelte ihn verträumt an.
-,, Aber die ganzen Kalorien.'', setzte er theatralisch lallend an:,, Müssen ja auch irgendwie wieder runter...''
Ihr Gesichtsausdruck änderte sich augenblicklich und sie wurde nachdenklich.
Natürlich dachte er sofort daran, dass er sie eventuell gekränkt haben könnte und wollte schon zur Erklärung ansetzen, aber sie kam ihm zuvor:,, Nicht, wenn man-'', er wartete einige Sekunden lang, dass sie fortfuhr aber sie blieb still. Ihr Gesichtsausdruck änderte sich wieder und sie schenkte ihm ein Lächeln:,, Also gut, Zeki Müller, dieses eine Mal noch. Ich will Rührei und Orangensaft.''
Auch der Ex-Knacki musste schmunzeln und lehnte sich über sie, während er ihr zärtlich eine widerspenstige Strähne aus dem Gesicht strich:,, Geht klar, Schnabelstedt.''
Eigentlich hatte er sowas wie in der Art ,, Eier mit Saft kannst du auch jetzt gleich schon haben... '' sagen wollen, aber er hielt es für besser, wenn er in seinem betrunkenen Zustand lieber keine weiteren verbalen Aussetzer brachte.
Zeki küsste sie zärtlich auf die Backe, dann zog er sie näher zu sich heran und küsste sie leidenschaftlicher, während er alles daran setzte leise zu sein.
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