Der letzte Tag

von kweenron
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Tragödie / P12
Niall Horan
06.03.2016
06.03.2016
1
648
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Sie hatten Frühstück, wie an jedem anderen Tag. Sie redeten und lachten – wie immer.
Keiner bemerkte wie bedrückt Niall war; keiner sah den Schmerz in seinen Augen.
Nach dem Essen hatten sie eine Besprechung mit dem Manager.
„Niall, hast du verstanden?“ fragte dieser und der Blonde Ire lächelte entschuldigend: „Tut mir leid, was sagtest du?“ Er war nicht bei der Sache; man musste ihm alles zwei Mal erklären. Nach dem Gespräch ging er in sein Zimmer, wollte Zeit für sich. Er nahm seine Gitarre und spielte ein wenig. So fühlte er sich frei – weit weg von allem.
„Hey Niall, wir wollen Einkaufen gehen.“ Louis stand in der Tür „Kommst du mit?“
„Nein danke.“ Lautete die Antwort und ein gespieltes Lächeln folgte.
„Ist alles in Ordnung?“ Verunsicherung. Angst.
„Na klar, warum auch nicht?“ Er grinste, wollte nicht, dass der Ältere sich Sorgen machte. „Ich habe heute einfach einen schlechten Tag und keine Lust. Nächstes Mal dann.“ Louis nickte und murmelte ein Okay, dann ging er und schloss die Tür. Er ließ den Blonden alleine – traurig, fertig mit der Welt.
Als dieser die Haustür ins Schloss fallen hörte, klappte er seinen Laptop auf und öffnete Twitter. Er ließ sich auf seinem Bett nieder und begann die Kommentare zu lesen.
Er verdient One Direction nicht.
Wer ist diese hässliche Person?
Bah, er ist so fett – das ist ja ekelig.
Hast du deine Stimme mal selbst angehört?
Schau dich mal im Spiegel an.

Er hörte auf das Alles. Er stimmte den Hatern zu. Niall fand sich selbst hässlich, abstoßend und grauenvoll. Oft hatte er darüber nachgedacht einfach wegzugehen – abzutauchen. Irgendwo ein neues Leben zu beginnen, fern ab von der Öffentlichkeit. Weit weg. Doch das konnte er nicht. Er konnte seinen Lieben das nicht antun; den Jungs, seiner Familie und den Fans.
Er schaute sich selbst an. Aus dem Spiegel starrten traurige, verletzte Augen zurück; Augen, die mit Tränen gefüllt waren. Niall fuhr sich durch die blonden Haare, die eigentlich braun waren. Er betrachtete seinen Körper, das ganze Fett.
Dann legte er sich hin, einfach auf den Boden und dachte zurück. An all die lustigen Momente, an all die Freude. Die Anfangszeit. Wie sie herumgealbert hatten und jeden Tag gelacht. Wie er nichts vorspielen musste und keine Tränen versteckt hatte – wie er glücklich gewesen war.
Er konnte die Jungs nicht einfach so zurücklassen; seine Brüder. Also stand er auf und nahm seine Kamera; er richtete sie auf sich selbst und begann mit zitternder Stimme zu erzählen. Er wollte sich verabschieden, von seiner Familie, von One Direction und von den Fans. Er wollte keine offenen Fragen zurücklassen und so gestand er alles. All den Selbsthass und den versteckten Schmerz; die Lügen; erklärte jede Träne. Er bedankte sich für die Unterstützung und verwehrte alle Vorwürfe. „Ihr habt niemals den Schmerz in meinen Augen entdeckt; habt keine Träne gesehen, weil ich alles versteckt habe. Ich wollte euch keine Sorgen bereiten. Es tut mir leid. Ich danke euch für Alles; für die Momente, die ich mit euch erleben durfte. Ich liebe euch alle, bitte seit nicht traurig. Vermisst mich nicht, ich bin immer in eurem Herzen.“ Nach einer letzten Verabschiedung, einem letzten Winken und einem Lächeln beendete er das Video.
Der Ire zog sein Handy aus der Hosentasche und öffnete erneut Twitter. Er lächelte schwach und antwortete einigen Fans. Dann schrieb er selbst einen Tweet; nur drei Worte. Drei Worte, die das Leben einiger verändern würde:
„Haters, you won.“


Review schreiben