Lass mich bitte nicht auch noch allein

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Akihiko Usami Misaki Takahashi
04.03.2016
06.04.2017
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04.03.2016 1.580
 
~ Nur ein Lebender weiß, wie schmerzhaft der Tod sein kann! ~

Zitternd saß ich auf einer der weiß gestrichenen Bänke im Park. Anders als sonst war es hier wie leergefegt. Warum sollte auch jemand bei diesem Wetter  vor die Haustür treten?
Es schüttete wie aus Eimern, sodass man kaum mehr etwas erkennen konnte. Aber mir kam das, ehrlich gesagt, gerade recht. So sah man wenigstens nicht die Tränen, die ihren Weg über meine Wangen bahnten.
Ich wünschte, dass das alles nur ein schrecklicher Albtraum war. Ich hoffte, dass ich gleich aufwachen würde, zitternd, schweißbedeckt und schreiend um mich schlagend. Takahiro würde in mein Zimmer stürzen, mich in den Arm nehmen und trösten, während er mir beruhigend übers Haar strich. Einfach so, wie er es immer getan hatte.
Doch es würde nicht passieren. Er würde mich nie wieder trösten. Dazu war er nicht mehr im Stande. Und das war alles nur meine Schuld.
Seit ungefähr drei Stunden lag mein geliebter Bruder in einem Sarg aus dunklem Nussbaumholz ein paar Meter tief unter der Erde.
Ein heftiger Schluchzer durchschüttelte mich. Immer noch sah ich sein bleiches Gesicht vor mir, seine bleiche kalte Haut, die so sehr dem weißen Baumwollsatin glich und sich von dem Schwarz seines Anzuges abhob. Er hatte eher so ausgehen, als würde er seelenruhig schlafen, wie an Sonntagen, wenn ich mal früher als er wach gewesen war. Der einzige Unterschied war, dass seine Haare niemals akkurat ausgesehen hätten.
Fest schlang ich meine Arme um meinen Körper und krallte meine Hand über meinem Herzen in mein Hemd. Es fühlte sich an, als würde es zerbrechen, als würde es in tausenden kleinen Stückchen zerschmettert werden. Niemand würde die Fähigkeit besitzen es irgendwie wieder zusammenzusetzen. Ich unterdrückte ein weiteres Aufschluchzen.
Er war tot und er ich würde ihn nie wieder sehen.
Er war durch mich gestorben, genauso wie unsere Eltern. Takahiro hatte mir immer versucht einzureden, dass ich keine Schuld trüge, doch ich war es gewesen, der sie angerufen und gebeten hatte schnell wieder nach Hause zu kommen.
Das hatte selbst Takahiro nicht leugnen können.
Und jetzt hatte ich es geschafft… Ich hatte nun meine ganze Familie umgebracht. Und das auch noch auf ein und dieselbe Weise.

~Flashback~

Ich sprintete den Bürgersteig entlang.
„Nein, halt! Warte!“, rief ich, doch es war zu spät.
Keuchend, mit den Händen auf den Knien abgestützt blieb ich stehen.
„Ach, verdammter Mist!“, fluchte ich leise vor mich hin. Ich hatte es nicht rechtzeitig geschafft und der Bus war ohne mich abgefahren. Na super, echt klasse.
Zu meinem Unglück war es der letzte heute gewesen. Ich hätte wohl doch lieber früher von Sumi losgehen sollen. Aber jetzt konnte ich es sowieso nicht mehr ändern.
Seufzend fischte ich mein Handy aus meiner Hosentasche und wählte die Nummer meines Bruders. Dann musste ich Wohl oder Übel ihn Bitten mich abzuholen, auch wenn es mir nicht sonderlich behagte ihn wieder mit so Etwas zur Last zu fallen. Aber ich hatte echt keine Lust den ganzen Weg nach Hause zu laufen.
Ungeduldig lauschte ich dem gleichmäßigem Tuten der anderen Leitung. Wenn er so lange brauchte, um an sein Handy zu gehen, war er gerade mit Sicherheit bei Usagi-san.
Usami Akihiko, der berühmte Schriftsteller, war der beste Freund meines Bruders und besaß meiner Meinung nach eine ziemlich eigene Persönlichkeit. Den Spitznamen Usagi hatte er einmal von Takahiro erhalten und da er mit diesen Namen des öfteren über ihn geredet hatte, hatte ich mir das irgendwie angewöhnt. Ich wusste nicht ob ich es schrecklich oder gut finden sollte.
„Hier Takahashi Takahiro am Apparat“, meldete er sich endlich.
„Nii-chan! Endlich nimmst du ab. Hör mal, ich habe meinen Bus verpasst. Kannst du mich abholen?“, fragte ich ihn.
„Natürlich, ich bin gerade bei Akihiko, aber ich fahr gleich los“, sagte er und bestätigte somit meine Vermutung.
„Aber Takahiro! Du hast versprochen heute für mich zu kochen“, schmollte der Autor, der anscheinend am anderen Ende der Leitung mit zuhörte.
Würde ich es nicht besser wissen, würde ich denken, dass die beiden ein Ehepaar wären. Nicht nur wegen dieser Aussage, sondern generell wegen dem Verhalten der beiden miteinander. Aber sie waren nur schon sehr lange beste Freunde, das hatte zumindest mein Bruder gemeint. Takahiro hatte sich um mich gekümmert und der Grauhaarige hatte auf ihn achtgegeben. Und dafür war ich ihm wirklich sehr dankbar. Nii-chan achtete nämlich viel zu wenig auf sich selbst, was dieser jedoch auch, öfter als mir lieb war, mir vorwarf.  
„Tut mir leid. Wir holen das sobald wie möglich nach, ja?“, fragte mein Bruder ihn. Anscheinend hatte dieser genickt, denn Takahiro erhob wieder seine Stimme.
„Gut, ich bin gleich bei dir, Misaki. In ungefähr zehn Minuten“, meinte er.
„Okay, bis gleich“, sagte ich mit einem Lächeln und legte auf. Ich war ihm unendlich dankbar, dass er sich jetzt auf dem Weg machte, um mich abzuholen, aber ein schlechtes Gewissen hatte sich in mir eingeschlichen. Jetzt hatte ich ihn angerufen und er würde kommen, obwohl er etwas mit Usagi-san vorgehabt hatte.
Mit einem leisen Seufzen ließ ich mein Handy in die Hosentasche gleite.
Geduldig wartete ich und die Minuten vergingen wie im Flug, doch er kam nicht. Nach einiger Zeit beschloss ich, ihm ein wenig entgegen zugehen. Noch immer war Takahiros schwarzer Wagen nicht zu sehen. Hatte er nicht von zehn Minuten gesprochen? Gut, er konnte auch in einem kleinen Stau geraten sein, aber mittlerweile war das Telefongespräch schon über vierzig Minuten her. Langsam machte mich das wirklich nervös. Was wenn irgendetwas passiert war? Was wenn er einen Unfall geha-
Nein! Ich sollte mir nicht immer so eine Kopf machen, dass hatte Nii-chan mir auch immer eingebläut. Wahrscheinlich machte Usagi-san nur wieder ein Drama und hielt ihn so unnötigerweise sehr lange  auf. Naja, das erste Mal würde es zumindest nicht passieren.
Weitere zwanzig Minuten vergingen und langsam breitete sich Panik in mir aus. Wenn es so lange dauerte, würde er sich dann nicht doch noch einmal melden? So machte er es doch auch immer.
Meine Gedankengänge wurden just von dem Lied ‚Centuries‘ von Fall out Boy unterbrochen.
Ohne zu zögern hielt ich mein Handy in der Hand und nahm ab, ohne auch nur einmal auf das Display zu gucken.
„Nii-chan? Wo bleibst du? Ich mache mir Sorgen, verdammt!“, rief ich besorgt.
Aber die Stimme, die sich dann meldete, war keinesfalls die meines Bruders.
„Es tut mir leid Sie enttäuschen zu müssen, aber hier spricht die Polizei. Ist da Takahashi Misaki?“, ertönte eine weibliche Stimme.
„Ja, der bin ich. Aber die P-Polizei…?“, flüsterte ich. Ich fühlte mich wie gelähmt. Was war passiert? Etwas mit meinem Bruder? Ein unerträglicher Schmerz breitete sich in meiner Brust aus.
„Genau. Ich hab leider keine erfreulichen Nachrichten für Sie“, sagte die Frau. „Takahashi Takahiro hatte einen Autounfall. Er wurde vor kurzem mit einer mittelschweren Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht“, erklärte sie mir ruhig.
Autounfall…Kopfverletzung…Krankenhaus. Das alles sackte nur langsam zu mir durch. Der Schmerz verstärkte sich. Durch einen Autounfall waren damals unsere Eltern gestorben und es war meine Schuld gewesen.
„Hallo? Herr Takahashi, sind Sie noch dran?“, riss mich die Stimme aus meinem Handy wieder in die Wirklichkeit zurück. Ich hatte nicht realisiert, dass ich so lange geschwiegen hatte.
„Ähm...j-ja. Und sonst ist bei meinem Bruder alles okay?“, fragte ich mit zittriger Stimme.
„Da müssen Sie sich leider vor Ort bei einem Arzt informieren“, entgegnete die Polizistin.
Ohne auch nur ein Wort des Abschiedes legte ich auf und rannte ohne zu zögern los.
So schnell war ich wirklich noch die gerannt, aber die Sorge um Takahiro brachte mich fast um. Ein Autounfall… Ich war schuld. Schließlich hatte ich ihn angerufen und gebeten mich abzuholen. So wie damals bei unseren Eltern.
Total außer Atem kam ich schließlich beim Krankenhaus an und informierte mich an der Rezeption, auf welchem Zimmer Takahiro denn läge.
„Zimmer 188. Aber geht es Ihnen gut?“, erreichte mich die besorgte Stimme der Frau, doch ich ignorierte die Frage einfach. Mein Zustand war gerade unwichtig.
„Danke“, murmelte und war auch schon verschwunden. Das sie mir noch etwas hinterherrief, bekam ich gar nicht mehr mit.
Ich brauchte  nicht lange, da hatte ich das Zimmer gefunden. Nummer 188. Als ich die Zahl auf dem kleinen Schild neben der Tür sah, bemerkte ich erst, was ihre eigentliche Bedeutung war, zumindest für mich.
Ich blieb für einen Moment wie angewurzelt stehen. 188…18.8…18 August. Es war der Tag meines Geburtstages, der Tage, an dem vor zehn Jahren unsere Eltern starben.
Ich biss mir auf die Unterlippe. Ich durfte jetzt nicht schwach werden. Ich musste mich jetzt zusammenreißen! Mein Bruder lag hinter dieser Tür und brauchte mich! Ein tiefer Atemzug und ich drückte die Klinke hinunter.



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Oi, minna!
So, hier ist das erste Kapitel der FF "Lass mich bitte nicht auch noch allein".
Danke, dass ihr es euch durchgelesen habt.
Ich hoffe es hat euch gefallen und ich würde mich wirklich über Rückmeldungen, Kritiken und Verbesserungsvorschläge freuen.

Ehrlich habe ich ein wenig mit mir selbst gerungen es heute schon hochzuladen, da ich es eigentlich nur mit Sachen mache, die schon fertig sind, aber ich vertraue mal auf mir selbst, dass ich es auch noch tun werde ^-^
Ich hoffe wirklich das Misaki und Usagi-san nicht zu OOC werden und wenn, dass es nicht allzu schlimm ist für die Story.

Nun gut, ich wünsche euch noch einen schönen und erholsamen Freitagabend und dann vielleicht bis zum nächsten Kapitel ._.

Ganz Liebe Grüße
Lisa ♥
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