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The Blacklist - Die Jagd beginnt

von Goldrose
Kurzbeschreibung
GeschichteThriller, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Raymond "Red" Reddington
04.03.2016
10.05.2016
4
4.859
 
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13.03.2016 2.132
 
„Wer sind Sie?“, fragte Alice erschrocken, nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte. Der Mann erhob sich aus dem dunkelgrünen, gepolsterten Sessel, kam beinahe schon bedrohlich auf sie zu und reichte ihr lächelnd die Hand. „Dass Aliston Ihnen nichts von mir erzählt hat, hätte ich mir ja denken können! Raymond Reddington mein Name, ich bin mit ihrem Bruder befreundet.“ Dieser Reddington war nur ein paar Zentimeter größer als sie selbst und trug ein weißes Hemd mit dunkelblauen, dünnen Streifen, eine dunkelblaue Krawatte mit weißen Punkten, ein schwarzes Jackett. Um seine schwarze Anzugshose war ein dunkelbrauner Ledergürtel gebunden und seine braunen Lederschuhe passten erstaunlicherweise gut dazu. Seinen dunkelblauen Mantel trug er offen und auf seiner kurz geschnittenen, leicht dunkelgrauen Halbglatze thronte ein dunkelbrauner Fedora. Irgendetwas, sie wusste noch nicht genau was, gab ihr das Gefühl, dass der Mann log, doch andererseits hatte man als Rechtsanwältin wohl immer so ein Gefühl.
„Wie sind Sie hier reingekommen, Mr. Reddington?“ „Oh bitte, der Ersatzschlüssel unter der Türmatte ist doch ein alter Hut! Doch deswegen bin ich nicht hier! Aliston wurde entführt“

In diesem Augenblick zerbrach ihre heile Welt mehr, als sie momentan noch dachte. „Was? Wie kommen Sie bitte darauf?“ „Vor ein paar Stunden rief er mich an und sagte, er würde beschattet werden. Dann legte er einfach auf und seitdem geht nur noch die Mailbox ran.“ „Vielleicht ist sein Akku leer gegangen?“ „Wenn das der Fall wäre, warum ist er nicht schon längst hier? Und warum verfolgen meine Kollegen dann einen schwarzen Wagen, in den er gezerrt wurde?“
Etwas an seinem Grinsen strahlte Arroganz aus, doch seine Mundwinkel fielen augenblicklich nach unten, als sein Handy anfing schrill zu klingeln. Langsam zog er das Mobiltelefon aus seiner Manteltasche, musterte es einen Moment lang verwirrt und murmelte: „Ich bitte um Entschuldigung, aber der Anruf scheint wichtig zu sein.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, nahm er das Gespräch an: „Ja?“ Stille.

Ihr wurde schlecht vor Angst und daher begab sich Alice ins Badezimmer, wo sie zunächst absperrte und dann auf dem Toilettendeckel zusammensackte. Es brauchte eine Weile, bis sie ihren Verstand wieder klar nutzen konnte. Vorsichtig schlich sie sich an die Tür und drückte lauschend ihr Ohr dagegen. Anscheinend telefonierte er immer noch. Leise holte sie ihr Handy hervor und wählte hastig die Nummer ihres Bruders, doch als tatsächlich nur seine Mailbox ranging, rief sie bei der Dienststelle von Aliston an. „Ressler?“, meldete sich ein Mann mit einer tiefen Stimme am anderen Ende. „Mein Name ist Alice Reed. Bei mir im Haus ist ein Mann, der sich als Freund meines Bruders ausgibt. Er hat sich als Raymond Reddington vorgestellt und…“ „Reddington?“, unterbrach Ressler sie laut, „Ich gehe davon aus, dass Sie sich irgendwo verstecken. Bleiben Sie, wo Sie sind! Wir sind sofort bei Ihnen! Dürfte ich Ihre Anschrift erfahren?“ Flüsternd gab sie ihre Adresse durch, bedankte sich und legte auf. Wer auch immer dieser Reddington war, er schien gefährlich zu sein.

Wider Erwarten verließ sie das Bad, da es ihm wahrscheinlich verdächtig vorkommen würde, wenn sie sich ewig dort eingeschlossen hätte. Kaum hatte sie das Wohnzimmer wieder betreten, packte er ihr Handgelenk und zog sie Richtung Haustür. „Was soll das?“, rief Alice empört und versuchte sich loszureißen, was ihr jedoch nicht gelang. „Wir müssen hier weg!“, herrschte er sie an, „Warum haben Sie das FBI verständigt?“ Das war eine rhetorische Frage. „Wenn die hier aufkreuzen und mich mitnehmen, werden Sie Ihren Bruder nie wiedersehen!“, fuhr er fort. War das eine Drohung? „Nur ich kann Ihnen helfen, diese Leute zu finden, die ihn verschleppt haben und ich werde garantiert nicht mit dem FBI kooperieren!“ Woher wusste er überhaupt von ihrem Anruf? Auf der Straße vor dem Haus stand ein dunkelblaues Auto, das scheinbar auf sie wartete. Mit einem Ruck öffnete Reddington die Hintertür des Wagens, presste sie voller Wucht auf den Sitz und schlug die Tür zu. Anschließend stieg er selbst auf der anderen Seite ein und rief dem Fahrer zu: „Passe dich dem Verkehr an, das ist weniger auffällig.“ Zögernd wollte Alice ihren Kopf ein letztes Mal ihrem Zuhause zuwenden, doch Reddington flüsterte ihr zu: „Nicht umdrehen. Es würde nur wehtun.“

„Ich gehe davon aus, dass Sie sich entschieden haben…?“, unterbrach Reddington nach ungefähr einer halben Stunde Fahrt die Stille. Bis eben hatte Alice nur abweisend aus dem getönten Fenster gesehen, doch jetzt blickte sie ihm direkt in die Augen. Sie sah furchtbar aus und zitterte am ganzen Leibe, jedoch nickte sie. Seufzend schnallte er sich kurz ab, zog sich den Mantel aus und legte ihn auf ihre Schultern.
„Wohin fahren wir?“, fragte Alice verunsichert, während sie wieder aus dem Fenster starrte. „Nach Baltimore, vorerst. Irgendwann müssen wir sowieso wieder nach Washington, um ihren Bruder zu befreien und dann können Sie mich dem FBI übergeben.“ Das meinte er ernsthaft, denn wenn Aliston bei Bewusstsein sein sollte, würde es sowieso keine andere Option geben.
„Haben Sie eine Waffe?“, wechselte er das Thema. Diese Frage traf Alice wie ein Schlag und sie erwiderte: „Nein.“ „Dann bekommen Sie von mir eine. Sie werden lernen müssen zielsicher zu schießen, wenn Sie eine Chance haben wollen!“ Dabei fand Alice es schon schlimm genug, dass ihr Bruder eine Waffe trug und jetzt sollte sie lernen mit einer Pistole umzugehen?
„Anhalten!“, rief Reddington urplötzlich und der Wagen kam in der Nähe einer Tierklinik zum Stehen. „Steigen Sie aus und werfen ihr Handy unauffällig in den nächsten Mülleimer. Damit Sie nicht geortet werden können.“ Als ob er sie kontrollieren würde, stieg sie aus dem Fahrzeug und steuerte einen Papierkorb an, doch dann entdeckte sie eine Reihe an Müllcontainern, die in einer kleinen Seitengasse standen. Von den Passanten unbemerkt verschwand sie in der Gasse, schmiss ihr Mobiltelefon in einen der geöffneten Container und verschloss diesen wieder. Eilig ging sie zurück zum Wagen, stieg ein und nickte ihm zu, was hieß, dass sie den Auftrag erledigt hatte. Das Auto kam langsam wieder ins Rollen und fuhr weiter Richtung Norden.

„Gesichert!“, rief einer der Agenten durchs Haus. „Verdammte Scheiße!“, fluchte Donald Ressler. Soeben hatte er mit seinen Kollegen das Haus gestürmt, aus der der Anruf von Alice Reed kam. Doch weder sie noch Reddington waren hier. Hatte er sie in seiner Gewalt oder hatte er sie vielleicht schon getötet? „Aram? Sie sind nicht hier. Kannst du eventuell das Handy von Alice Reed orten?“, gab Ressler durch den Funk durch. Prompt kam die Antwort: „Kein Problem! Einen Moment noch… Hab es! Es ist noch in der Straße, aber es bewegt sich komisch…“ Das reichte Ressler, um auf die Straße zu laufen und sich suchend umzusehen. „Rechts lang“, rief Aram und er setzte sich in Bewegung. Jedoch war weit und breit keine Spur von Alice Reed und auch kein Reddington war in Sicht. „Du stehst direkt davor!“, meinte Aram, als Donald schließlich hinter einem Müllwagen stehen blieb. Fest entschlossen zückte der Agent seine Waffe und schlich sich zur Frontscheibe.
„ICH WILL DIE HÄNDE SEHEN!“, brüllte er einen ziemlich verdutzten Fahrer an. Zitternd erhob der Müllmann seine Hände, doch Ressler gab ihm mit einer Geste zu verstehen, dass es nicht mehr notwendig war. „Aram? Ruf du mal auf ihrem Handy an. Wenn wir Glück haben, ist der Ton noch an.“ Nach einigen Sekunden kam ein schriller Ton aus dem hinteren Teil des Wagens. „Auch das noch…“, murmelte Donald, der nun die Fahrertür öffnete und zum Fahrer sagte: „Bitte öffnen Sie den Wagen. Es besteht die Annahme, dass sich darin eine Leiche befindet!“
Doch als der Agent den Laster betrat, konnte er nur eine Menge Müll entdecken. Doch schließlich erregte ein Leuchten seine Aufmerksamkeit. Das Licht kam von einem Handy, das von Alice. Einen Leichnam konnte er allerdings nicht finden. Beim Aussteigen war Ressler sehr verärgert und er begann laut vor sich hin zu grübeln: „Die Frage ist doch eigentlich, ob sie noch am Leben ist. Hat er sie entführt oder sie reingelegt? Oder ist sie doch tot und er hat den Körper mitgenommen? Aber warum sollte er das tun?“ „Das sollten Sie sich mal ansehen!“, meinte einer der Spezialisten, die hinzugekommen waren und hielt ihm das Mobiltelefon entgegen. Darauf befand sich ein Foto einer Frau und eines Mannes, die sich sehr ähnlich sahen. Waren sie Geschwister? Ressler hielt den Atem an, als er den Mann genauer betrachtete. Das war Aliston Reed, Profiler beim FBI! „Versuchen Sie, Reed zu erreichen!“ „Das haben wir schon, doch es geht nur die Mailbox ran.“ „War er heute im Büro?“ „Ja, aber die Nachbarn haben ihn nicht nach Hause kommen sehen. Dafür aber, wie ein Mann, auf den Reddingtons Beschreibung passt, die Frau, die bei uns angerufen hat, in einen dunklen Wagen gezerrt hat. Leider hat keiner aufs Kennzeichen geachtet.“ „Halten Sie gefälligst Ausschau nach Fahrzeugen, die passen könnten! Sowohl hier als auch in den umliegenden Orten!“
„Da wäre noch was.“ „Was?!“ Dons Stimme klang verbittert, was ihm aber auch keiner weiter übel nehmen konnte, so lange verfolgte er Reddington bereits. „Auf der Rückseite des Handys…“ Ruckartig nahm Ressler seinem Kollegen die Beweistüte weg, drehte sie um und erblickte eine beschriftete Haftnotiz, die am Mobiltelefon klebte. Auf dem Zettel stand geschrieben: „Er weiß, wer Aliston hat!“

„Wachen Sie auf, Alice! Wir sind da.“, weckte Reddington sie. Der Wagen kam vor einem blauen Café zum Stehen und er stieg aus. Als sie wieder wusste, was los war, schnallte sie sich ab, nickte dem Fahrer kurz zu und verließ ebenfalls den Wagen. „Sind wir schon in Baltimore?“, erkundigte sie sich müde. „Ja, in der Aliceanna Street. Wie passend!“, grinste er spöttisch. Eigentlich war ihr nicht nach Spaß zumute, doch irgendwie schaffte Reddington ein kleines, mattes Lächeln in ihr Gesicht zu zaubern.
Mit großen Schritten näherte er sich einem weißen Häuschen, das bereits ein bisschen verblichen aussah, gegenüber des Cafés und zog einen Schlüssel hervor. „Das ist ab jetzt sozusagen wie ein Zuhause für uns.“, murmelte er fast unhörbar. „Uns?“ Doch er gab keine Antwort, sondern schloss auf und betrat das Haus. Seufzend folgte sie ihm hinein und schloss hinter sich die Tür. Der Flur erinnerte sie an ihre eigenes Haus, nur in größer. Der Boden wurde sogar mit Mahagoniparkett ausgelegt! Dass er dieses Haus ausgewählt hatte und es so aussehen ließ, als wäre es ihr altes Zuhause, ließ daraus schließen, dass er sie anscheinend vorher beobachtet haben musste. Dieses Wissen löste ein unbehagliches Gefühl in ihr aus und sie wollte am liebsten wegrennen, doch sie wusste, dass es ihr altes Leben nicht mehr gab.
„Es gibt noch viel zu tun!“, meinte Reddington, „Dembe wird sie zu einer Bank in einem der benachbarten Orte fahren, wo sie Ihr Geld abheben und dann Ihr Konto auflösen werden. Ab jetzt müssen Sie bar zahlen. Am besten ist es aber, wenn Sie Dembe sagen, was Sie benötigen und er besorgt es. Dann bringt er Ihnen die Quittung mit und Sie geben ihm das Geld.“
„Wie schaffen Sie es so zu leben?“ „Wie meinen Sie das?“ „Es kommt mir so vor, als wäre das nur eine vorübergehende Unterkunft für Sie. Wo ist Ihre Familie? Oder haben Sie keine?“ Sein Mund öffnete sich, um etwas darauf zu erwidern, aber er schloss ihn augenblicklich wieder und sein Blick wurde bitter. Scheinbar hatte sie ein wundes Thema angesprochen.
„Dieser Dembe, von dem Sie sprachen. Das war der Mann, der uns hierher gefahren hat, nicht wahr?“, versuchte sie abzulenken. Er verstand, was sie damit bewirken wollte und nickte. „Ja, er wartet bereits auf Sie.“ „Warum sollte ich Ihnen dann eigentlich folgen?“ „Hab ich Sie dazu aufgefordert? Naja, es ist wohl auch nicht schlecht, wenn Sie einen ersten Eindruck von dem hier bekommen, oder?“

„Aliston, wenn du mich hören kannst, dann bitte hilf mir! Wir brauchen deine Hilfe, um Reddington zu kriegen.“, murmelte Ressler. Denn was auch immer Harold Cooper, der FBI Vizedirektor, auch sagen mochte, so war der Profiler doch ein wichtiges Bindeglied, wenn nicht sogar das einzige. „Es tut mir leid, dass ich sie nicht mehr rechtzeitig retten konnte, wir waren so schnell wie möglich vor Ort, doch es hat nicht gereicht. Er hat sie… Reddington hat deine Schwester und ich konnte nichts dagegen tun, um es zu verhindern.“
Der Mann, der auf dem Krankenhausbett lag, rührte sich leicht und seine Augen öffneten sich langsam. „Don? Ist das wahr?“, fragte er heiser. „Da bist du ja endlich! Hat ja ewig gedauert, dass du aufwachst!“ „Wie lange war ich weg?“ „Gute zehn Stunden, war ein komplizierter Eingriff. Wem hast du das zu verdanken?“ „Ich weiß es nicht, aber ich habe eine Vermutung!“ „Ruh dich erstmal aus. Du hast noch genug Zeit, ihn zu finden.“ „Ja, und Alice. Das hat höchste Priorität!“ „Ich weiß.“, sagte Ressler erleichtert, „Wenn du entlassen wirst, jagen wir den Mistkerl! Bis dahin werde ich dich besuchen, um dich immer auf den neusten Stand zu halten. In Ordnung, Aliston?“ „Das klingt nach einem Plan, Donald!“, antwortete er, „Keine Sorge, Alice. Ich werde dich finden!“
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