Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gitarrenstunden    (Oc x Spanien OS)

KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12
OC (Own Character) Spanien
03.03.2016
03.03.2016
1
1.012
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
03.03.2016 1.012
 
Sein Lachen erklang laut und fröhlich in dem kleinen Raum, der nur von einigen Bücherregalen, Sesseln und vor allem zwei Menschen gefüllt wurde. Einer von ihnen war ein gebräunter, brünetter und lauthals lachender Mann mit dem Namen Antonio. Oder Spanien. Gegenüber von ihm sass auf einem dunkelholzigen Stuhl eine langjährige Freundin des Spaniers. Auch sie war braunhaarig, wenn auch etwas heller gefärbt und Italienerin. Ihr Name lautete Arma, die Verkörperung des Vatikanstaates. Im Gegensatz zu ihrem Gegenüber schmollte sie aber nur vor sich hin, denn sie wusste, ihr Verhalten war der Grund für die mittlerweile beinahe hysterische Lache ihres Freundes.

Auf beiden Schossen der Länder ruhten spanische Gitarren. Eine von ihnen war hell, schlicht, schien geradezu billig und wurde soeben von rauen Männerhänden gestimmt. Die andere war aus dunklem Ebenholz, hatte verschnörkelte Verzierungen um das Schallloch. Nervöse, zierliche Finger nestelten am Steg herum. Langsam ebte das Lachen ab. Der keuchende Antonio entschuldigte sich bei seiner Begleiterin und begann sich wieder auf das Instrument auf seinem überschlagenen Bein zu konzentrieren. Im Gegensatz zu Arma hatte er keine Fussablage. Er sagte jedes mal, er bräuche keinen modischen Schnick-Schnack oder teures Zubehör. Seine Leidenschaft reichte um das beste aus jeder Gitarre heraus zukitzeln. Zunächst schien dies nur eine billige Entschuldigung für Arma zu sein, um zu vertuschen, dass Spaniens Verkörperung nicht genügend Geld für diese Dinge hatte. Und dann hörte sie ihn spielen. Und die Zweifel lösten sich augenblicklich auf. Sein Spiel war die Veranschaulichung des Wortes Leidenschaft, seine spanischen Lieder brachten dich dazu aufzustehen und zu tanzen. Nicht, dass Arma dies getan hätte... Von da an wusste sie jedoch, dass sie nichts auf der Welt davon abhalten könnte, Antonio durch ihr Gitarrenspiel zu beeindrucken. Bisher war sie jedoch nur ein Grund für Lachanfälle gewesen.

Die Italienerin schnaufte kurz auf, widmete sich dann aber auch wieder ihrer Gitarre. Während sie sich innerlich schwor, das nächste Stück besser zu spielen, um einen zweiten Lachanfall ihres Partner zu verhindern, setzte sie Mittel- und Zeigefinger auf die benötigten Positionen. Ein letztes Mal sah sie den Mann vor sich an, der ihr aufmunternd entgegen lächelte und begann die Seiten anzuschlagen. Es war ein bekanntes, nicht allzu schweres, langsames englisches Lied.

Die ersten Minuten gingen noch gut. Konzentriert zupfte und schrammte sie die Seiten, zwar etwas zu holprig aber wenigstens richtig. Nach der Hälfte begann die Sicherheit jedoch zu bröckeln. Mehrere Töne wurden falsch gesetzt und zwei Mal musste sie die Zeile sogar neu beginnen. Langsam hörte man auch schon die unterdrückten Pruster Antonios.
Arma wusste zwar, dass ihr Freund es nicht böse meinte, doch seine Unbeschwertheit war dem religiösen Land öfters ein Dorn im Auge. Gegen das warme Gefühl von Glück beim Anblick seines fröhlichen Gesichtes konnte sie trotzdem nichts tun.

Arma wurde es zu viel. Sie wollte es nicht erneut zulassen ausgelacht zu werden. Warum hatte sie überhaupt nochmal mit diesen Lektionen begonnen! Ach ja, Antonio schwärmte in jedem dritten Satz von diesem Instrument. Sie wollte wahrscheinlich einfach ein Teil seiner Leidenschaft werden. Doch jetzt war sie doch wieder eine verdammte Lachnummer. Merda.
Innerlich ermahnte sie sich für den Ausdruck. Anscheinend hatte ihr Bruder Lovino oder auch Romano etwas abgefärbt. Mit einem offensichtlich genervten und schweren Seufzer beendete sie das Stück. Die Gitarre in den Händen fest gekrallt vergiftete Arma ihren Gegenüber mit Blicken. Dieser sah nur leicht schuldbewusst, aber trotzdem lächelnd auf den Parkettboden! Allmählich wusste sie sich nicht mehr zu helfen. Der Stadtstaat hatte noch nie viel Selbstvertrauen, geschweige denn Geduld gehabt und beides wurde gerade von dem Spanier bis aufs Äußerste strapaziert.

Dieser sah mitlerweile auf. Seine olivengrünen Augen borten sich in Armas. Sein Mund war zu einer Schnute verzogen. Von unten hinauf versuchte sich die männliche Nation mit einem Hundeblick zu entschuldigen. Seine Partnerin starrte jedoch nur finster durch ihn hindurch. Ihr Blick war unverkennbar.
Sie war seinem Freund und ihrem Bruder, Lovino, so ähnlich, dachte er sich. Je länger er aber zu ihr schaute, desto mehr wirkte sie abwesend und verletzt, anstelle von sauer. Und Antonio bemerkte, dass er nun etwas zu weit gegangen war. Während er sich den Kopf über eine angemessene Entschuldigung zerbrach erfassten seine Ohren plötzlich ein Geräusch. Einen angeschlagenen Ton. Er war melancholisch und langsam. Und er kam von Armas Gitarre. Vorsichtig begann sie eine weitere Melodie mit nur drei Akkorden im Wechseltakt. Sie schien konzentriert und Antonio war erkennbar überrascht. Noch während er in seiner Schockstarre verweilte gesellte sich ein weiteres Geräusch dazu.
Armas Stimme.
Die Töne wurden mit der Zeit leicht falsch und verstimmt, doch das alles war für Antonio nicht mehr erwähnenswert. Denn der Gesang des Stadtstaates machte es alles wett. Ein Profi in diesem Gebiet hätte die weibliche Nation als guter Durchschnitt eingestuft. Für diesen einen Mann jedoch war sie atemberaubend. Sie sang eines ihrer Kirchenlieder. Es erzählte von der Leidensgeschichte einer jungen Frau, die verlassen von allem Guten war, bis sie auf Gott traf.

Leicht zitterte die Stimme bei manchen Textpassagen. Ob nun vor Unsicherheit oder Einfühlungsvermögen war schwer zu sagen, doch als der letzte Ton dann verklang fühlte Antonio das Bedürfnis sie erneut zu hören. Beide Nationen sahen sich an, noch immer auf den sich gegenüberstehenden Stühlen. Beide studierten das Gesicht des anderen, welches jeweils von einem zarten Lächeln geschmückt war. Antonio dachte über seine Freundin nach und wie sie seit längerem nicht mehr nur eine Freundin war. Arma erfüllte eine wohlige Wärme beim Anblick von Spaniens glücklichen und endlich beeindruckten Gesichtsausdruck. Sie hatte es geschafft. Er lächelte wegen ihr und ihrem Spiel.

Auf einmal fühlte sie, wie sich zwei Arme um ihren Oberkörper schlangen. Kurz darauf lag sie glücklich in Antonios Armen. Schon häufiger hatten sich die Beiden umarmt, doch heute schien es leicht anders, so sicher, entschieden und... liebevoll.
Während beide in die Halsbeugen des anderen lächelten waren sie sich endlich sicher.

Diese Person, ist mein wichtigster Mensch.

Ich liebe sie.

Ich liebe ihn.

Noch einige Minuten saßen sie so da. Endlich war der erste Schritt getan. Bis diese Gefühle jedoch laut ausgesprochen werden mögen sollten noch einige Gitarrenstunden vorüberziehen. Die Länder hatten aber alle Zeit der Welt. Zusammen.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast