Schneemännerschmelzen

von crazytop
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
02.03.2016
02.03.2016
1
2119
4
Alle
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
 
Disclaimer: Alles JKR, nichts meins.

Wichteln: Freundschaftswichteln von Toni4.

Wichtelkind: Für Kyeira. Weil Malin :D

Prompt: George und Luna; Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer. (Martin Kessel)

Betaleser: Pikku




Schneemännerschmelzen






„Sie hören die magische Stunde bei WWN. Heute jährt sich die Schlacht um Hogwarts zum achten Mal. Wie wir hören, gibt es eine großartige Feier in der Winkelgasse. Barnabas ist für uns dort. Was gibt’s denn zu berichten, Barn?

„Nun, Dean, hier geht die Post ab! Die ganze Gasse...“

George floh aus der Küche. Er hielt sowohl die erzwungene Fröhlichkeit der Radioreporter, als auch Angelina, die angespannt und ihren Bauch haltend vor dem Radio saß, als könnte es die Stille zwischen ihnen an diesem Tag vertreiben, nicht mehr aus.

Auf dem Weg nach draußen nahm er einen gelben Patronuskracher an sich, der auf dem Regal im Flur bereitlag.





„Patronuskracher“, sagte Ron sieben Jahre zuvor in die Stille hinein.

„Hmm?“, George tauchte mühsam aus den Erinnerungen auf. Es war das erste Mal seit einem Jahr, dass er Weasleys Zauberhafte Zauberscherze betreten hatte und Fred lauerte überall. Das Plakat am Fenster, das immer noch für Du-Scheißt-Nie-Mehr warb, hatten sie praktisch über Nacht entworfen und Fred hatte irgendwann einfach ein Tintenfass mit Magenta über das Plakat geleert. Der Verkaufsraum, in dem sie so viel gelacht hatten. Das Labor, Fred konzentriert über einem Zaubertrank, der gleich explodieren würde, weil George einen ihrer Kracher testen wollte -

„Patronuskracher“, wiederholte Ron. „Hermine hatte die Idee und ich find sie gut. Um etwas zum festhalten zu haben an Tagen, wo es schlimm ist. Gedenktage, Geburtstage und so. Eine Modifizierung von euren Feuerrädern, sodass sie sich in Tiere verwandeln – Patroni. Tonks und Lupins Wolf, Freds Schakal, weißer Nebel für Colin, Lavender und die anderen... Du weißt schon. Symbolik und so.“

George fühlte sich, als hätte ihn der Fahrende Ritter überrollt. Es war eine Idee, aber dazu musste er denken... Schließlich nickte er.

In den nächsten Tagen räumten sie auf, rissen die alten Werbeplakate ab und George vergrub sich im Labor. Er fühlte sich fast lebendig. Der erste Kracher war gelb und ein Schakal.






Endlich erreichte er den Waldrand hinter dem Haus. Normalerweise brauchte George keine zwei Minuten dorthin, aber seit er das Haus verlassen hatte, fühlten sich seine Beine an wie Kaugummi.
Er ließ sich gegen einen Baum sinken und zückte den Zauberstab.
„Incendio!“, sagte er und der Kracher begann zu brennen bis er sich mit einem leisen Knistern in einen feurigen Schakal verwandelte.
„Hallo, Fred“, sagte George leise. Er hätte den Schakal gerne berührt, aber er hatte noch die Brandblasen vom letzten Mal. Der Schakal begann Funken zu sprühen und um ihn herum zu jagen.

„Expecto Patronum!“, versuchte er es. Nicht einmal silberner Rauch kam aus dem Zauberstab. Er hatte seinen Koyoten seit der Schlacht nicht mehr gesehen, aber Nebel sollte er produzieren können. Dann würde es ihm vielleicht auch besser gehen.
„Expecto Patronum“, sagte er noch einmal und dachte an Freds Lachen. Alles was in ihm aufstieg, war Trauer. Erschöpft lehnte er sich zurück an den Baum.

„Expecto Patronum!“, hörte er hinter sich eine hellere Stimme sagen und ein silberner Hase hoppelte an George vorbei auf den Schakal zu.

George sah sich um. „Luna? Was machst du hier?“

„Ich dachte, du könntest jemanden gebrauchen“, sagte Luna und ließ sich neben ihm nieder.
„Rolf besucht die Schnarchkacklerkolonie in Norwegen und ich wollte nicht allein sein.“
George fragte nicht, wie sie ihn gefunden hatte.

Lunas Hase hörte kurz auf mit dem Funkenschakal zu spielen und stupste Georges Hand an. Er spürte, wie ihn eine ganz spezielle Ruhe durchströmte und sagte zum dritten Mal: „Expecto Patronum!“ Dieses Mal kam silbriger Nebel aus dem Zauberstab. Der Schakal sprang auf den Nebel zu und gemeinsam mit dem Hasen versuchte er ihn zu fassen zu kriegen.

Sie sahen eine Weile schweigend den Tieren beim Spielen zu. Dann fragte George mit Sehnsucht in der Stimme: „Fragst du... fragst du dich auch manchmal, ob es anders hätte ausgehen können?“

Luna schaute auf ihre nackten Zehen.

„Weißt du, es war einmal ein Krieg in vielen Dimensionen. In einer Dimension brach der Krieg aus und der Goldene Junge musste viel zu früh kämpfen. Aber er hatte Freunde um sich geschart und mit ihrer Hilfe fraß der böse Mann den vergifteten Apfel. Dafür bezahlten sie mit Leben, darunter auch eine halbe Seele. Die andere Hälfte der Seele musste alleine weiter leben, abgeschnitten und implodierend, doch die Macht der Liebe half. Die Seele blieb halb und doch heilte sie ein wenig.

In einer anderen Dimension brach der Krieg genauso früh aus, aber der Goldene Junge hatte einmal das Klo der Maulenden Myrte zum richtigen Zeitpunkt betreten. Seine Freunde waren genauso glänzend, selbstbewusst und kämpferisch, aber dieses Mal waren sie nicht nur rot, gelb und blau, sondern auch grün. Der Krieg war länger und härter und als er vorbei war, war die Seele wieder auseinander gerissen worden. Doch dieses Mal war es die andere Hälfte der Seele, die noch lebte und sie implodierte nicht, sondern explodierte. Die Liebe kam nicht bei ihr an und sie folgte ihrer anderen Hälfte.“

„Glaubst du das wirklich, Luna?“, George sah sie an. Manchmal stand er vor dem Spiegel, legte einen Zauber auf sich, der ihm scheinbar sein Ohr wiedergab und schnitt sich selbst solange Grimassen, bis er zwei Gesichter sah, die sich gegenseitig Grimassen schnitten. Es tat gut, doch Luna fand die schmerzenden Stellen und legte ihren Finger darauf.
„Vielleicht gab es Unterschiede zwischen uns, aber keine so großen.“

Luna lächelte. „Kennst du noch die Geschichte vom Schneemann? Vielleicht ist es gut zu glauben, dass die reale Realität der bestmögliche Ausgang ist.“

„Drachenpocken sind besser als Griselkrätze?“

„Nein“, sagte Luna sanft. „Der Schneemann schmilzt, aber weil er wichtig war, bleibt etwas von ihm zurück. Ihr wart ein gutes Team. Fred ist geschmolzen, genauso wie meine Mom. Er ist geschmolzen, aber etwas von ihm blieb in dir zurück. Du warst Teil eines Teams und musstest erst lernen, Fahrer zu sein, als du nicht mehr nur Navigator sein konntest, Feorge.“


George und Luna saßen noch eine Weile da und sahen dem Funkenschakal beim Spielen mit Georges Patronusnebel und Lunas Hasen zu.


„Poppy sagt, es wird ein Junge“, sagte George unvermittelt.

„Weiß Angelina, dass er Fred heißen wird?“, fragte Luna zurück.
 
 
'