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Was es bedeutet kameradschaftlich zu sein

von RamonaXX
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Freundschaft / P18 / Gen
Chris Taylor Elias Grodin Red O'Neill Robert Barnes
01.03.2016
01.05.2016
3
6.278
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01.04.2016 2.767
 
Kapitel 2 – Freundschaftsdienst

O’Neill hatte zuerst nicht gewusst, ob er vor Freude darüber hätte lachen oder weinen sollen, dass es doch noch weitere Jungs aus dem Zug geschafft hatten. Wie angewachsen hatte der Ire dagestanden und entgeistert dabei zugesehen, wie sich nach Chris’ Entwarnung einer nach dem anderen aus seiner Deckung hervorgetraut hatte.
Er und Chris hatten kaum mehr als drei Sätze gewechselt, dann war O’Neill auch schon vorgelaufen, um Barnes und den anderen Bescheid zu geben.
Abgehetzt erreichte er die kleine Hütte und stützte sich nach Luft schnappend am Türpfosten ab.
„Bob!“, rief O’Neill japsend und sah zum Staff Sergeant, „Ich habe Taylor und einige andere von uns gefunden. Elias ist bei ihnen, er ist verletzt.“
Wie in Trance drehte Barnes den Kopf und starrte O’Neill einen Moment lang aus kühlen, blauen Augen an.
Die restlichen Anwesenden nahen die Botschaft deutlich begeisterter auf.
„Du machst Witze! Ist das wirklich wahr?“, wollte Warren wissen und ein hoffungsfrohes Lachen erhellte sein Gesicht.  
Als O’Neill – immer noch außer Atem – wortlos nickte, stieß Junior ein Jauchzen aus: „WOOHOO! Und ich dachte, wir wären die einzigen Motherfuckers, die diese Scheiß überlebt haben?!“  
„Yeah!“, stimmte Bunny grinsend mit ein und hob stolz sein Gewehr in die Luft.
Barnes gab etwas von sich, das irgendwo zwischen einem Räuspern und einem Grummeln lag. Jedenfalls erfüllte es seinen Zweck – es rief die Anderen zu Ordnung.
Erst jetzt fiel dem Sergeant auf, dass in seinem rechten Mundwinkel noch immer die feuchte Zigarette klemmte. Nach nicht einmal der Hälfte war das gottverdammte Teil wieder ausgegangen und er so in Gedanken versunken gewesen, dass er es nicht einmal wahrgenommen hatte.
Ärgerlich schnippte Barnes den Stummel in eine Pfütze zu seiner Linken, wo es durch das undichte Dach in den Verschlag tropfte. Dann erhob er sich langsam und fixierte wieder O’Neill. „Wo sind sie?“, fragte er knapp.
„Ich habe sie drüben zur anderen Hütte gelotst.“, antworte O’Neill und deutete mit einem Kopfnicken über seine Schulter.

*****

„Du hast es gleich geschafft, Mann.“, meinte Big Harold aufmunternd zu Elias und trug den Verletzten zusammen mit Rhah in die Hütte.
Kurz vor Ende des Pfades als der rettende Verschlag schon in Sichtweite kam, war Elias zusammengebrochen. Er hatte sich keine Sekunde länger aus eigener Kraft an dem großen schwarzen Kerl festhalten können. Wie ein nasser Sandsack war er zu Boden gestürzt und hatte aufgehört sich zu rühren. Alles was Elias in diesem Moment noch gespürt hatte, war die eisige Kälte in seinen Gliedern gewesen, gemischt mit dem lodernden Schmerz in seiner rechten Schulter.
Es hatte Taylor einen entsetzlichen Stich versetzt, den Sergeant dort liegen zu sehen. Hastig war er auf Elias zugestürzt und mit vereinten Kräften hatten er und die anderen ihn die letzten Meter bis zur Hütte geschleppt.
Niemand im Zug war für Chris so wichtig wie Elias. Er war einer der wenigen gewesen, die ihm nach seiner Ankunft in Vietnam Fragen beantwortet und Ratschläge gegeben hatten. Nur dank der Hilfe des besonnenen Sergeants hatte Chris die ersten Wochen im Dschungel halbwegs unbeschadet überstanden…

Jetzt waren er und Crawford damit beschäftigt Platz in dem kleinen Unterschlupf zu schaffen. Eilig räumten die zwei ein paar Körbe und Tongefäße zur Seite und fanden eine aufgerollte Strohmatte. Sie breiteten die Matte auf dem Boden aus und Big Harold und Rhah legten Elias vorsichtig drauf ab.
In diesem Moment tauchten Barnes und O’Neill auf. Rasch ließ der Staff Sergeant seinen Blick zwischen den Gesichtern wechseln. Taylor, Rhah, Big Harold, Crawford, und Elias. Mehr Leute hatte Red offenbar nicht gefunden.
Elias hatte sich derweil auf die Seite gedreht und wie ein Igel zusammengerollt. Dass er sich nicht mehr drauf konzentrieren musste auf den eigenen Füßen zu stehen und das Gleichgewicht zu halten, machte seine Qual etwas erträglicher.
Nun kamen auch Warren, Junior und Bunny bei der zweiten Hütte an.
Überrascht fragte Chris: „Wo… Wo sind die Anderen?“
„Schau dich um, Taylor!“, blaffte Junior überlegen, „Wer nicht hier ist, liegt irgendwo da draußen als Leiche und fängt demnächst an zu stinken.“
Von dem Verwundeten drang ein kontinuierliches, leises Raunen zu den Umstehenden.
Barnes stieß Chris ruppig zur Seite und ging neben Elias in die Hocke. Neugierig beugte er sich über den Verletzten und betrachtete die Wunde. In der Schulter von Elias steckte ein mehrere Zentimeter großer Metallsplitter. Vielleicht von einer Granate oder einem anderen Geschoß? Trotz Blut und Dreck waren die Konturen gut erkennbar. Und es sah nicht danach aus, dass der Splitter nur oberflächlich drinsteckte.
„Schönes Andenken, das dir die Nams da verpasst haben.“, sagte Barnes in seiner gewohnt mitleidlosen Art und richtete sich wieder auf.
Elias schielte nach oben. „Scheiße Barnes.“, flüsterte er und gab ein röchelndes Husten von sich, „Quatsch nicht so‘n Mist, hol das Ding da raus.“
Die Miene des Staff Sergeants versteifte sich. Ungerührt stand er da und starrte auf den Verletzten hinab.
Elias musste mehrmals Schlucken bevor er wieder etwas sagen konnte. „Ich weiß, dass Du sowas schon mal gemacht hast.“, brachte er schwerfällig hervor.
Barnes ließ noch immer keine Regung erkennen. Seine blauen Augen ruhten einfach still auf dem sich quälenden Menschen, der vor ihm auf dem Boden lag.
„Tue es! Los.“, waren die letzten auffordernden Worte, die Elias über die Lippen kamen, bevor seine Stimme gänzlich versagte. Die Entschlossenheit, die dabei in seinen Augen funkelte, ließ keine Fragen offen. Er meinte das ernst.
In befehlshaberischem Ton wandte Barnes sich an die Umstehenden, die bisher nur schweigend zugeschaut hatten: „Junior, hol mir die Tasche von Doc. O’Neill, Warren, Rhah, Taylor, ihr fasst mit an.“
„Und was soll ich tun, Sarge?“, wollte Bunny euphorisch wissen, dem klar war, dass hier gleich etwas Ungewöhnliches passieren würde.
„Die Schnauze halten!“, fauchte Barnes und gab seinen Helfern die Anweisung den Verwundeten auf den Bauch zu drehen.
Ein zaghaftes Lächeln kämpfte sich über die Lippen von Elias und traf Taylor, der auf Kopfhöhe zu seiner Rechten kniete. Jetzt würde alles gut werden.

Was Barnes und die Anderen machten, nahm Chris nur entfernt wahr. Sein Augenmerk lag voll und ganz auf Elias, der ihn durch halbgeschlossene Lider ansah und sachte die Lippen bewegte. Offensichtlich wollte er ihm etwas sagen. Chris beugte sich tiefer, um den Sergeant verstehen zu können.
Elias’ Stimme war nicht mehr als ein flehendes Seufzen: „Dein Halstuch.“
„Mein Halstuch?“, wiederholte Chris. Unsicher was der Sergeant damit vorhatte, begann er den Knoten in seinem Nacken zu lösen.
„Mach einen Knoten in die Mitte“, hauchte Elias, „Am besten zwei.“
Chris folgte der Bitte, wickelte sich das Tuch um die Faust und setzte mittig zwei feste Konten aufeinander.
„Und jetzt“, wisperte Elias schwach, „steck’s mir in den Mund.“
Endlich begriff Chris, was der Sergeant wollte. Vorsichtig schob er den selbstgebastelten Knebel zwischen die Lippen von Elias. Es folgte ein bestätigendes Blinzeln des Verletzten, das Chris wissen ließ, dass alles in Ordnung war.

Ein ratschendes Geräusch ließ alle Beteiligten nervös den Atem anhalten. Barnes hatte mit der Klinge seines Bajonetts das Shirt von Elias eingeschnitten und den durchnässten Baumwollstoff in zwei Hälften gerissen. Es war einfacher ihm den Fetzen vom Leib zu schneiden als ihn umständlich auszuziehen. Nun griff Barnes nach seiner Feldflasche und goss Wasser über Elias’ Rücken. Sorgfältig säuberte er die Wunde, spülte Dreck und geronnenes Blut fort. All das tat er, ohne ein Wort über seine Arbeit zu verlieren. Im Gesicht des Staff Sergeants lag ein so kontrollierter und selbstbeherrschter Ausdruck, dass es einem Angst einflößen konnte.
Chris verstand nicht, wie Elias es fertigbrachte, sein Leben in die Hände dieses Mannes zu legen. Barnes war nicht wie andere Soldaten! Er war das genaue Gegenteil von Elias: kalt, herzlos und ohne jedes Mitgefühl für seine Kameraden. Er kämpfte diesen Krieg für sich allein. Und was immer sich ihm in den Weg stellte, wurde einfach platt gemacht. Chris war davon überzeugt, dass Barnes der einzige im Zug war, den wirklich niemand vermissen würde, wenn er draufging…
Gebannt schauten die anderen Soldaten zu und trauten sich nicht, auch nur einen Mucks von sich zu geben. Selbst Bunny folgte der Anordnung von Barnes und hielt den Mund. Er stand in einer der hinteren Ecken neben Junior, der die Sanitätstasche neben dem Eingang abgestellt hatte als er wiedergekommen war.
In der anderen Ecke drängten sich mit schockierten Gesichtern Big Harold und Crawford. Die restlichen Fünf knieten bei Elias auf dem Boden. Insgesamt war für die zehn Männer kaum genug Platz in dem kleinen Verschlag.

Der Staff Sergeant wusste, was jetzt kam, würde wehtun – verdammt wehtun. Aber Elias hatte es so gewollte. Also kein Grund sich ein schlechtes Gewissen einzureden. „Haltet ihn ja fest!“, ermahnte Barnes seine Helfer und bedachte jeden mit einem ernsten Blick, bevor er sich mit dem scharfen Messer Elias’ Schulter näherte.
Unterschwellig war Chris die ganze Zeit klargewesen was Barnes vorhatte, aber das er es wirklich tat, versetzte ihm einen Schreck.
Langsam führte Barnes die Klinge in die Wunde ein.
Elias gab ein tiefes Stöhnen von sich und verbiss sich augenblicklich in das Halstuch, das in seinem Mund steckte. Der Schmerz, den er empfand war unbeschreiblich. Seine ganzen Muskeln in Armen, Beinen und Rücken durchfuhr ein heißkalter Blitz und hinterließ ein Gefühl, das nicht zu bändigen war.
Barnes blieb ruhig und drang tiefer in die Wunde vor.
Der Schmerz wurde heftiger. Eine zweite Welle packte Elias und ließ ihn am ganzen Körper krampfen. Gequälte kniff er die Augen zusammen und begann in kurzen, hastigen Stößen durch die Nase zu atmen.
Mit Entsetzen spürte Chris wie der Arm, den er festhielt bretthart wurde. Er steigerte den Druck und presste Elias fester auf den Boden. Hilfesuchend schaute Chris zu seinen Kameraden.
Rhah und Warren, die am Fußende hocken, taten es ihm gleich und drückten Elias mit ihrem ganzen Gewicht nieder. Rhah hatte das Gesicht zur Seite gedreht. Es fiel ihm nicht leichter, das Ganze mit anzusehen. Elias’ bitteres Schluchzen nur zu hören – verbunden mit dem Wissen, was Barnes da tat – war schlimm genug.
Warren fixierte Elias’ zitterndes Bein, auf den er sich gekniet hatte und hoffte inständig, dass es bald vorbei war.
Der Blick von Chris wechselte zu O’Neill, der ihm gegenüber saß und den anderen Arm von Elias festhielt. Mit offenem Mund starrte Red auf Barnes, der wiederum nur den Granatsplitter im Visier zu haben schien.
Verdammt, was taten sie hier eigentlich?
Das Klagen, das von Elias kam, wurde immer schlimmer. Der Knebel in seinem Mund dämpfte die vielen Schmerzensschreie, doch ein Blick in sein verzerrtes Gesicht reichte aus, um zu wissen, wie sehr er litt. Chris konnte beobachten, wie sich unter jedem schnaufendem Atemzug die Nasenflügel von Elias blähten. Der Rhythmus wurde unregelmäßiger. Und nach kurzem glaubte Chris Atemaussetzen festzustellen.
„SARGE!“, schrie er unerwartet auf.
Barnes stoppte mitten in der Bewegung und alle Gesichter wandten sich zu Chris. Ohne den Blick von Elias zu nehmen, sagte er verzweifelt: „Elias brauch ‘ne Pause. Gebt ihm eine Chance Luft zu holen.“  
Eine seltsame Ruhe legte sich über die Gruppe. Zur Erleichterung aller Beteiligten war mit Taylors Unterbrechung auch das Gewinsel von Elias verebbt.
Barnes’ Finger hielten den Griff des Messers ganz still und wagten nicht die Position zu verändern, während Taylor, O’Neill und die anderen beiden den Druck von Elias’ Körper nahem und ebenfalls durchatmeten.
Der verwundete Sergeant versuchte sich irgendwie zu entspannen. Seine Atemzüge wurden wieder länger und fanden zu einer gewissen Gleichmäßigkeit zurück. Müde hob Elias die Augenlider und sah dankbar zu Chris auf. Eine Verschnaufpause war genau das, was er gebraucht hatte. Und irgendwie hatte dieser Junge es gespürt.
Nach einer Weile holte die Stimme von Barnes alle aus ihren Gedanken zurück. In konsequentem Ton sagte er: „Wir sind noch nicht fertig.“  
Elias, der noch immer auf dem Bauch lag, drehte den Kopf etwas weiter zur Seite, so dass er dem Staff Sergeant ins Gesicht blicken konnte. Die Miene des erfahrenen Soldaten zeigte keinerlei Empfindung, aber seine Augen sprach eine klare Sprache. Ohne etwas zu sagen, trafen die beiden Männer in diesem Moment eine Abmachung.
Dann schloss Elias zustimmend die Augen und nickte zaghaft. Er betete dafür ausreichend Kraft gesammelt zu haben, diese Tortur bis zum Ende durchzustehen. Und wenn Barnes es tatsächlich gelang, diesen verfluchten Splitter aus seiner Schulter zu ziehen, dann würde er ihm diesen Freundschaftsdienst nie vergessen.

Der unterdrückte Aufschrei von Elias als Barnes die Klinge wieder zu bewegen begann, ließ die Umstehenden aufs Neue erschauern.
Nervös warf Chris einen Seitenblick zum Staff Sergeant. Seine Stirn durchzogen ein paar tiefe Falten.
Barnes war hoch konzentriert. Das verkrampfte Wimmer und Jaulen von Elias versuchte er auszublenden und fixierte sich ausschließlich auf das Messer in seiner Hand. In möglichst flachem Winkel hatte er das Bajonett in die offene Wunde eingeführt, mit dem Ziel den verfluchten Granatsplitter irgendwie raus hebeln zu können. Die Klinge steckte jetzt über drei Zentimeter tief in Elias’ Fleisch. Und Barnes war sich sicher, wenn er das Messer noch einen Millimeter weiter schob, würde er Elias’ Schulterblatt eine Kerbe verpassen. Wohlwissend, dass es äußerst schmerzhaft war, drehte er die Schneide ein paar Grad um die Längsachse und versuchte unter den Splitter zu gelangen.
Tränen schossen Elias in die Augen und sein verzweifeltes Jammern nahm einen – für einen Mann – so unnatürlich hohen Klang an, dass sich jeder im Raum insgeheim wünschte taub zu sein. Wenn Barnes noch einmal so tief schürfte, würden die Schmerzen ihn ohnmächtig machen. Mit aller Macht versuchte Elias sich gegen die vier kräftigen Männer aufzulehnen, die ihn zu Boden drückten.
„HALTET IHN FEST!“, übertönte die raue Stimme von Barnes jedes Wehklagen.
Chris’ Blick wechselte wieder zu Elias. Tränen liefen dem Sergeant übers Gesicht und hartnäckig gruben sich seine Zähne in das Stück Stoff, das noch immer in seinem Mund steckte. Verzweifelt überlegte Chris was er noch tun konnte, um es seinem Kameraden etwas leichter zu machen. Sein Blick fiel auf Elias’ Hand. Ohne zu zögern, schloss Chris seine Finger um die geballte Faust und hielt sie fest.

Irgendwo in dem Nebel aus Schmerz und Leid nahm Elias wahr, dass jemand nach seiner Hand griff. Er zwang sich die Augen zu öffnen und erkannte Chris. Erleichterung mischte sich zu seinen anderen Gefühlen und mit dem nächsten Atemzug packte Elias nach der Hand seines Freundes. Egal wie lange dieser Höllentrip noch dauern würde, er war nicht länger allein!
Für einen Moment glaubte Chris der Sergeant würde ihm die Hand brechen – Doch das war egal, wenn er damit nur seine Qual lindern konnte. Tapfer hielt Chris Elias’ rechte Hand und sah zu, wie dieser die andere neben dem Knie von O’Neill in den weichen Boden der Hütte krallte.
Mit heiserer Stimme meldete sich Crawford aus dem Hintergrund: „Das ist zu viel für mich.“ Der hochgewachsene, blonde Surfe schaffte es noch, mit vor den Mund gehaltener Hand, vor die Hütte zu stolpern und übergab sich dort in einen Fran. Dem Anblick, des sich unter Schmerzen windenden Elias war er keine Sekunde länger gewachsen.
„Erbärmliches Weichei.“, schnaubte Bunny verachtend und sah zu Junior, der sich ein höhnisches Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Ihr habt doch keine Ahnung!“, stieß Big Harold hervor und ging hinaus, um Crawford helfen.

In diesem Moment begann der Splitter in Elias’ Schulter sich zu lösen. Barnes hatte das miese Ding überlistet. Plötzlich ging alles ganz schnell. Mit ein paar letzten hebelnden Bewegungen trieb er das ein mal drei Zentimeter große Metallstück aus Elias’ Fleisch. Ein triumphierender Laut kam dem Staff Sergeant über die Lippen als das verfluchte Teil endlich auf seiner Handfläche lag und er das Messer zur Seite legen konnte.
Froh darüber, dass es überstanden war, lösten O’Neill, Warren und Rhah ihre harten Griffe und zogen sich still zurück. Die Anstrengung stand ihnen ins Gesicht geschrieben und jeder für sich ließ einen Moment den Kopf hängen, um tief durchzuatmen. Dann folgten sie dem Beispiel von Barnes, der schon wieder auf seinen eigenen Füßen stand. Mühsam rappelten sich die drei Männer auf ihre, zum Teil noch zitternden Beine. Nur Chris blieb an Elias’ Seite sitzen.
„Geschafft.“, flüsterte er leise und ließ die Hand des Sergeants los. Vorsichtig zog Chris das verknotete Halstuch aus Elias’ Mund, der dabei mehrmals würgen musste.
„Danke, Kleiner.“, hauchte Elias schließlich und schloss, erlöst von seinem Leid die Augen.
Barnes hatte seine übliche Härte wiedergefunden und verteilte in militärischem Ton Befehle: „Taylor, Du bleibst hier. Kümmer dich um Elias und deck die Wunde mit irgendwas ab. In der Tasche vom Doc müsste noch Verbandszeug sein.“ Er bedachte den jungen Soldaten mit einem kritischen Blick und wandte sich dann den Umstehenden zu: „Alle anderen folgen mir in die andere Hütte zur Lagebesprechung. – Wir müssen irgendwie Kontakt zur Kompanie aufnehmen, wenn wir aus dieser Scheiße wieder raus wollen.“ Den letzten Satz murmelte Barnes mehr zu sich selbst als zu den Soldaten.
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