Hunted Dreams

KurzgeschichteMystery, Romanze / P12 Slash
29.02.2016
29.02.2016
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Randbemerkung:   Es ist wirklich schade,dass die Ravencycle-Reihe kein eigenständiges Fandom besitzt,traurig aber wahr, versuch ich mich nach monatelangen Grübeln an meinen ersten One-Shot, natürlich such ich mir dafür einen der komplexeren Charaktere aus.Hach, mein Herz schlägt einfach für finstere Bad-Boys , mit einem Hang zur Selbstzerstörung.Hoffe,dass es euch gefällt.Denn das Kapitel stellt die Vision von Ronan  dar,die er im Visionenbaum erhalten hat.. mir sind hunderte Möglichkeiten durch den Kopf gegangen, aber dann ist das heraus gekommen - Seht und nörgelt,oder schlagt mich nieder *grins*


                     






                                                                                    -  T H E  R A V E N   C Y C L E -

                                                     
Hunted Dreams



                                                                                            Who knows how long?
                                                                                                 I been awake now
                                                                            The shadows on my wall dont sleep
                                                                                              They keep calling me
                                                                                                            Beckoning.
                                                                                              Who knows whats right?
                                                                                            The lies keep getting thinner
                                                                                 My age has never made me wise




Ronan war zurück.



Er spürte es, noch bevor der metallische Geruch nach mitternachtskaltem Regen und staubiger, abgestandener Luft des Monmouth ihn gewaltsam aus seinen Träumen riss, ihn weckte, als wäre er in einen hundert Jahre lang währenden Schlaf gefallen.

Er lag auf dem Rücken, sein Zimmer mit der Schwindel erregend hohen Decke war in trübes graues Licht getränkt - lose gesichtslose Schatten in den finsteren Ecken seines Zimmers schienen vor seinen Augen, die sich allmählich an die stockende Dunkelheit gewöhnten, zu wabern wie körperlose Silhouetten und glichen dem Nebel in seinem Kopf, der es ihm unfähig machte sich zu bewegen und die ausgebreitete Gänsehaut auf seinen nackten Armen wahrzunehmen.

Das einzige was ihm blieb, war zu atmen. Und die kühle Luft, die aus einer Spalte aus dem lose geschlossenem Fenster drang, rüttelte ihn langsam wach .Irgendwo hinter seinen düster geistlosen Gedanken ,lichtlos wie die finsteren Korridore seiner pulsierenden Adern und Venengeflechte, die sich in seinem Körper einen Weg zu seinem betäubten Herzen suchten, brannten seine Atemzüge, die in Ronans Ohren dem harten Knochen brechenden Bass glichen, der gedämpft aus den Kopfhörern plärrte, die lose um seinen Nacken baumelten.

Und irgendwann, während er in die geräuschlose Dunkelheit seines Zimmer hinein lauschte, die Sekunden hinunter bis zu ihrem Anfang und Ende zählte ,spürte er allmählich wie er das Gefühl über seinen Körper langsam zurück erlangte. Seine Finger zuckten, als Ronan die abrückende Lähmung in seinen Knochen wahrnahm. Verdammt, dachte Ronan und fuhr sich fahrig mit den Fingerknöcheln über die geschlossenen Lider.

Er musste eingeschlafen sein.

Ronan, der sich bei der Erkenntnis ruckartig aufsetzte, spürte wieder, dass er zurück war. Raus aus seiner Traumlandschaft, fort von Cabeswater.

Cabeswater.

Ein hohler endlos anhaltender Klang, der bei dem Gedanken an jene Traumlandschaft durch seinen Kopf geisterte und Ronans Nackenhaare aufstellen ließ. Der Gedanke an Cabeswater ließ das Blut in seinen Adern gefrieren, bevor es brannte wie flüssiges Feuer. Er wusste es von allen anderen am besten. Träume waren gefährlich. Sie mussten sicher vor einem verwahrt werden. Denn manchmal, wenn Ronan rannte und rannte, verloren zwischen den Splittern voller Erinnerungen und Bildern, die ihn in eine längst vergessene Zeit katapultierten, da begannen sich seine Träume in einem einzigen Wimpernschlag - im flüchtigen Moment der Orientierungslosigkeit - in Albträume zu verwandeln. Gerade wo man glaubte das Ende zwischen den endlos grünen Baumkronen zu finden, breitete sich der Abgrund vor einem aus.

Ronan presste die Hände gegen die bleichen Schläfen, ein wütender Versuch, die Erinnerung an den verschwommenen Traum zurück zu drängen. Doch nichts konnte die Bilder aufhalten, die sich schonungslos in seine geschlossenen Lider wie lodernde Brandmale ätzten.

Seit langem waren Ronans Träume nicht mehr die Selben, früher, vor Wochen, gefangen in einem Rausch der Julihitze hatte er den mysteriösen Wald beraubt, ihm Dinge genommen, die Ronan nicht gehörten und jetzt hatte sich die Traumwelt von einer Sekunde auf die andere urplötzlich in ein verzerrtes Spiegelbild des Waldes verwandelt, den Ronan in einer Welt betreten hatte, die nur den Schlafenden gehörte.

Aber heute hatte Ronan einen Fehler begangen.

Cabeswater war bereit gewesen ihm sein dunkelstes Geheimnis zu erfüllen, seine verbotene Sehnsucht, die Ronan geglaubt hatte zu beherrschen und vor der er sich insgeheim fürchtete, und verdammt, Ronan fürchtete sich nicht. Nicht er, nicht der Junge mit dem stählernen Lächeln und der spürbar bedrohlichen Gefahr, die in jeder einzelnen Zelle seines Körpers verwachsen war. Er war das Monster auf der anderen Seite. Aber Cabeswater hatte seinen innigsten Wunsch gespürt, sein größtes Geheimnis hatte sich in Ronans Augen gespiegelt und bevor die leise auf Latein gewisperten Worte seinen stummen Wunsch erfüllen konnten, hatte er alle verzehrenden Gedanken an sein dunkelstes Geheimnis in sich vergraben und war aufgewacht .So wie jede Nacht seit jenem Tag in einem Frühling, der Ronan in diesem Moment zu weit entfernt erschien - Erinnerungen an einen unheimlich schillernden Tag stiegen in ihm auf, die er so schnell verbannte, wie das stetig sich steigernde Pochen seines Herzens.

Seine Träume und Wünsche blieben in Ronan verborgen, genauso wie die Mysterien des Waldes auf der Ley-Linie. Und niemand sollte jemals Ronans Träume erblicken, nicht weil sie zerstörerisch waren, nicht weil sie tödlich waren, nicht weil sie einen Schuss durch Mark und Knochen bedeuteten, nein. Sie waren eine Lüge, mit der Ronan sich jeden Tag selbst täuschte. Und verdammt, wie er es hasste. Ronan Lynch war alles - aber kein verdammter Lügner.

Aber in der Nacht kehrten seine Träume leise und schleichend zurück, ohne, dass sich Ronan dem bewusst werden konnte.

Er war machtlos.

Wenn er die Augen schloss und die andere Welt betrat, dann jagten seine Träume ihn.

Ohne, dass Ronan es bemerkte, spürte er den rauen Boden unter seinen nackten Füßen. Plötzlich war die Dunkelheit zu schwer ,lastete wie der düstere schäumende Ozean in seinem Inneren auf seinen Lungen, verschlang ihn mit jedem Atemzug und versuchte ihn mit jeder verstrichenen Sekunde tiefer in die Schwärze zu ziehen, versuchte ihn zu ertränken.

Selbst die Schatten an seinen Wänden schienen sich in eine undurchdringliche und blickdichte Masse zu verwandeln. Chainsaw in ihrem Käfig - ein glänzender gefiederter Fleck zwischen den Gitterstäben - schlief, sorgenlos und tief, als spürte sie die Gefahr in den verborgenen Teilen seines Zimmers nicht.

Ronan wusste es besser. Die Schatten an seiner Wand schliefen nicht.

Nie.

Fluchend wich er zurück, wie ein Tier, das mit gehetztem Blick versuchte zu entkommen. Aber Ronan konnte nicht entkommen, nicht von dem was ihn in seinen Träumen jagte, nicht in den wachen Momenten, wenn sein Körper durch einen flüchtigen Blick aus diesen eindringlichen Augen begann zu brennen.

Das erstickte Geräusch, das aus seiner Kehle drang, glich einem Knurren. Verdammt. Die bitteren Lügen, die er sich all die Monate vor gemacht hatte, schmeckten wie zäher, klebriger Teer auf seiner Zunge. Ronan war alles, ein Arschloch in einem gestärkten weißen Hemd und Krawatte, ein Aglionbyjunge und ein einziges Geheimnis mit einem schmalen Lächeln wie eine plötzlich gezückte, stählerne Klinge. Er war ein Ravenboy. Er war gefährlich .All das und noch mehr, aber er war kein Lügner. Etwas was er sich nach Niall Lnychs Tod bewahren wollte, nachdem auch dieses Geheimnis von seinem Vater ihn zu einem Lügner gemacht hatte.

Er hasste Lügen.

Er brauchte sie. Schwer atmend floh Ronan vor den Träumen, die ihm plötzlich lebendiger und realer denn je erschienen ,vielleicht war es aber auch der bittersüße Alkohol in seinem Blut, der die Welt zu seinen Füßen urplötzlich in einen Albtraum verwandelte.

Das hohle Geräusch des unaufhörlichen Regenschauers verstärkte sich, als er aus seinem Zimmer stürmte und nur am Rande Ganseys Silhouette in der klaren Dunkelheit des offenen Raumes registrierte. Sein vom Schlaf zersauster Haarschopf, das sorgenlose ungewohnt gewohnte Gesicht ,versetzte Ronan einen schmerzhaften Rippenstoß - das hier war Gansey ,ein vergangener Gansey, der sich nur zwischen dem Moment des Schlafens und Träumens aufrecht und verletzlich zeigte .Denn für Ronan bestand Gansey nur aus Worten, aus zusammen geflickten Worten, die ganze Welten voller Geschichten und Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit entstehen ließen. Gansey war Henrietta, ein Teil seines alten und neuen Ichs, ein Teil einer Welt, die Ronan mit jeder Faser seines Körpers verabscheute - für Ronan war Gansey ein Junge, der in einem Körper eines uralten Mannes steckte, einer, der etwas ruhelos und unstet nach etwas nachjagte, das viel größer und bedeutsamer als ein Traum war .Er war ein Träumer .Ein Aglionbyjunge mit einer sehnsüchtigen Facette, die nur einer anderen Welt galt, aber nicht ihm oder Blue, Noah oder Adam. Er war Glandower, dachte Ronan mit einer Gewissheit, die seine Augen in der Dunkelheit des Monmouth Manufacturing beunruhigend raubtierhaft aufblitzen ließen.

Und während Ronan sich durch die Straßen des Miniatur-Henrietta bewegte, mit seinen winzigen und präzise zusammen gebastelten Häusern und Straßen aus abgeblätterter Farbe,dem Geruch nach getrocknetem Kleber und Cornflakesschachteln, verließ er bereits in den nächsten Sekunden das Produkt von Ganseys schlaflosen Nächten, weil er etwas nach jagte, was sich mit jeder Sekunde ihnen allen immer mehr zu nähern schien.

Glendower ist hier, flüsterte ihm Ganseys Stimme inbrünstig ins Ohr, leise und nur für seine Ohren bestimmt, und mit einer schmerzhaft ruhelosen Sehnsucht, die Ronan schaudern ließ. Aber das war Ganseys Traum. Einen Rabenkönig zu finden, der ihr Leben mit jedem Tag von neuem veränderte .Und obwohl Ronan Gansey unaufhaltsam folgte, besaß auch er einen Traum. Jenen Traum, der seinen Magen verkrampfte, der sein Herz in seinen grauen BMW verwandelte, der von einer Sekunde auf die andere durch Henrietta schoss - unvermeidlich und stets sich auf das Ziel zu bewegend.

Denn für ihn würde es nie das geben, was Gansey besaß. Es war für Ronan eine Millione von Lichtjahren entfernt, verborgen zwischen den düsteren Flecken des Universums. Denn was auch Gansey gehörte, war ein Geheimnis. Denn in seinem Herzen war er nicht nur Gansey, er war ein Blue und Gansey. Vielleicht würden sie auch schon bald ein Gansey und Blue sein, vielleicht würden sie einfach nur das bleiben was sie waren und es würde nie ein Gansey und Blue geben. Aber Ronan wusste es. Er sah dieses Geheimnis in den verborgenen Momenten, wo Gansey es sich erlaubte, ein Blue und Gansey zu sein, ein verschmolzenes Ding, was Ronan nicht aussprechen wollte, weil der Begriff Liebe zwischen ihm auftauchte.

Und als Ronan die massive Tür öffnete, lauschte er für einen Moment dem gewohnten fast kaum hörbaren Rascheln seiner Unmengen von Strafzetteln, die durch den unwillkürlich aufkommenden Luftzug aufgewirbelt wurden. Er lauschte den ächzenden Geräuschen einer Matratze und Ganseys Bewegungen, als er sich unruhig und wie jede Nacht auf die andere Seite wälzte, die Hände in dem Daunenstoff seiner blütenweißen Bettdecke vergraben. Nicht jeder Traum war für jeden Schlafenden gedacht, fand Ronan, vertieft in den Dröhnen seiner Füße auf der metallenen Treppe. Träume voller Glandower, Ley-Linien und dem endlosen Suchen und Finden von Hinweisen auf einen walsischen König, Träume voller Cabeswater und Blue. Blue, dachte Ronan plötzlich, schmeckte alsbald den Regen auf seinen Lippen - metallisch und kalt. Blue, mit der alles begonnen hatte.

Und mit der der unendliche Kreis aus Ravenboys enden würde.

Ronan, der seine Freunde lang genug kannte, wusste von den Produkten ihrer innigsten Träume .Aber manche Träume waren zu gefährlich, um ausgesprochen werden zu dürfen .Denn er war sich dessen mehr als jeder andere bewusst - nicht jeder Traum war da um geträumt zu werden. Den Kopf in den Nacken geschoben, warf er einen Blick in den nachtschwarzen, bewölkten Himmel, sah die Wolken wie seine Gedanken in seinem Kopf ruhelos und weiterziehend rotieren. Hunderte von Grautönen zeichneten sich verschwommen vor seinen Augen am Nachthimmel ab und verschwanden wieder, als er weiter ging, immer weiter, ohne Weg und Ziel. Nur den riesigen Asphalt unter seinen Sohlen.

Ronan seufzte in die Stille der Nacht, schmeckte den bitteren Geschmack der Lüge in seinem Mund, als er unbewusst an Gansey und Blue dachte. Zum zweiten Mal in dieser Nacht. Es war ihm gleichgültig, dass Gansey Blue liebte und das Blue Gansey liebte ,auch wenn es unausgesprochen zwischen ihnen blieb, als wäre es ein eigener Organismus - Ronan war nie blind gewesen ,er hatte die Bedeutung von Liebe, von echter Liebe zwischen seinen Eltern gesehen. Aurora und Niall gehörten zusammen, ihre Leben waren auf immer mit einander verwoben worden, nicht zu Letzt weil Aurora ein geheimer und Niall Lynchs eigener Teil seiner Träume war. Aber Gansey und Blue hatten die selben Träume - beide träumten von etwas, was Ronan auf eine Art und Weise verstand, die ihm den Atem raubte, die ihn irritierte und die ihm gleichzeitig nicht gefiel. Vielleicht war ihre Liebe ein Geheimnis.Ihr ganz eigenes Geheimnis. Aber egal wem Ronan weh tat, er war nicht Gansey oder Blue - seine Liebe war toxisch, tödlich oder das was er empfand, zu empfinden glaubte.


Und plötzlich rannte Ronan, weil er das Echo seiner Gedanken nicht mehr aushielt, weil er drohte vom Geschrei seines Pulses zu ersticken - weil er in einer Erinnerung an einen anderen Tag ohne das Gefühl von Ort und Zeit haltlos zu ertrinken begann. Weil dieser dunkle, verschwommene Traum mehr als seine verdammte Lüge war.

Aber mit einem Mal war Ronan nicht mehr zwischen Sternen und morschem Asphalt gefangen. Er war hier.An jenem Ort, an den er sich jeden Tag verbot zu denken. Es war Ronans größter Traum und gleichzeitig sein größter Albtraum .Und Cabeswater wusste es, Ronan wusste es und er hasste sich dafür, für das Gefühl in seiner Brust, diesem brechenden Schmerz in seinen Gliedern, und weil er nicht stark genug war, um dagegen anzukämpfen. Denn dieser Kampf war endlos.

Die Präsens der St. Agnes Kirche brannte ihm im Nacken und schnürte ihm die Luft ab. Ronan schluckte den bitteren Geschmack auf seiner Zunge hinunter, denn er würde für all das was geschehen war und kommen würde, in die Hölle fahren. Und in dieser Nacht war es ihm gleich. Nur in dieser Nacht erlaubte sich Ronan einen Traum zu träumen, der nur zwischen den Bäumen von Cabeswater existierte und bis zu dieser Nacht in seinen stählernen Venen verborgen geblieben war.

Unfähig zu bewegen, zu atmen, verhallte das dröhnende Klopfen im Korridor, als er seine zur Hand geballte Faust sinken ließ. Seine verkrampften Finger langsam öffnete und wieder schloss, als wären sie ein automatischer Türschlossmechanismus.

Er war hier.

Und es war ein Traum und Albtraum zu gleich, dachte Ronan zwischen den zähen vom Alkohol getränkten Gedanken. Das Holz der Haustür verschwamm für eine Sekunde vor seinen Augen .Zwischen braunen Schlieren und der Dunkelheit hinter der Tür manifestierten sich schmale in ein weißes T-Shirt und Boxershorts steckende Glieder, gebräunte Haut und ein müde wirkendes Gesicht.

Die vom Schlaf zersausten Staub braunen Haare wurden ein weiteres Mal durch einander gewirbelt, als er sich mit der Hand durch das Haar fuhr.

» Mann, Ronan. Was willst du hier? Schon mal auf die Uhr geschaut, wir haben zwei Uhr morgens- « Die Stimme verklang, doch der gedehnte Henrietta-Akzent blieb, der jedes Mal Ronans Erinnerungen an weite immergrüne Wälder und Täler dieser Stadt wach rufen ließ. Als die großen blauen Augen ihre letzte Müdigkeit verloren und Ronan das erste Mal ansahen, ihn registrierten. Ronan brannte, schluckte schwer und verfluchte den Alkohol in seinen Adern .Und sein Kopf verlor jeglichen Gedanken. Denn er war hier. Gerade noch war er durch das Miniatur-Henrietta im Monmouth geschritten und nun stand er vor ihm.

Adam.

» Was ist passiert? Geht es Gansey gut? Ist etwas passiert, ist Blue-«  Brach es aus Adam heraus, der Ronans Schweigen wie immer auf seine parrishe Besorgnis registrierte. Vor wachsender Beunruhigung krallten sich seine Finger in den Türrahmen. Wut verschlang Ronan in seinem Inneren, weil sich wieder andere Dinge zwischen sie schoben und das auch immer so bleiben würde. Denn das war Adam Parrish. Er dachte erst an andere, als lieber an sich selbst.

Aber heute wollte Ronan egoistisch sein, er wollte, dass ihm das erste Mal in seinem Leben etwas gehörte – und das auch nur für eine Sekunde. Selbst wenn es so etwas Wertvolles wie Adam Parrish war.Adam verstummte, stützte sich mit den Händen gegen den Türrahmen und rieb sich plötzlich den Schlaf aus den Augen.

» Du bist betrunken. « Stellte er schließlich trocken fest, rümpfte die Nase und betrachtete Ronan wie eine eigenartige nicht zu identifizierende Insektenspezies.

» Nein. « Entgegnete Ronan harsch, schauderte gleichzeitig bei dem rauen Klang seiner Stimme und ignorierte den missbilligenden Blick, dem ihm jeden Tag zu gelten schien, wenn Ronan etwas tat, was die anderen als absolut ronanhaft bezeichneten. Das leise gewisperte Wort, das aus seinem Mund drang, verschlang die hundert Worte, die auf seiner Zunge lagen. Hundert Worte, die alles in dieser Nacht verändern könnten.

Und dann geschah es. Ronan verlor sich zwischen der Weite des endlos blauen Himmels und der geheimnisvollen Tiefe zwischen Adams blauen Augen ,und der Alkohol in seinen Gedanken war vergessen .Denn das hier war sein Déjà-vu – das Gefühl, dass sich alles zu wiederholen begann und doch etwas neues, fremdes und unbekanntes auf ihn wartete, wie die fremden endlos weiten Traumlandschaften.

Erinnerungsfetzen an den Geruch von Regen und Sandelholz. Ronan wehrte sich nicht, als die Vision sich in seine Augenlider brannte und ihn an einen anderen Tag beförderte, in eine andere Zeit, an den Moment, wo es geschehen würde. In seiner Vision hatte es die groteske Vorstellung eines Dings gegeben, ein Adam-und-Ronan-Ding. Und Ronan war nicht er selbst gewesen ,in jener Sekunde war er nicht von dem allgegenwärtigen Albträumen beherrscht gewesen, die sich stärker als eine pure Dosis Angst in seine Knochen gegraben hatten. Er war ein Ronan, der sich nach etwas mit einem Hunger verzerrte, der alles auslöschte, was sich ihm in den Weg stellte, und am Ende selbst ihn .In jener Vision hatte er geraubt, was er mit jeder Zelle seines Körpers begehrte und verzehrte.

Erstarrt, von der aufkommenden Erinnerung seiner Vision blinzelte Ronan sie fort, bebte, verlangte nach etwas, was ihm nie gehören konnte.Durfte.

» Geh nach Hause, Ronan. «Erklang Adams Stimme wie aus weiter Ferne. Schwer atmend betrachtete Ronan ihn, die eingesackte dünne Gestalt, der mürrische Zug um seinen Mund, der sich nur löste, wenn er lachte, fort von jedem Gedanken an Schmerz und Sehnsucht nach etwas, das ihm niemals seine Landstreicherfamilie schenken könnte. Alles Mistkerle, dachte Ronan düster und verdrängte rasch die Bilder in seinem Kopf, die ihn drängten, etwas zu tun, dass Adam nicht gefallen würde.

» Ich tue es wieder. « Murmelte er halblaut, verstand mit einem Mal den sinnlosen Sinn der Hingabe und Liebe – denn die Wahrheit war, nach all den verschwommenen Wimpernschlägen hatte Adam Parrish ihn zu tief mit seinen Krallen in eine leuchtende Dunkelheit gezogen, der er sich nicht  entwinden konnte. Und ihm wurde schlagartig bewusst, dass es für ihn keinen Weg zurück gab. Es war lange schon zu spät um umzukehren. Aber wie sollte man vor etwas davon laufen, wenn man ihm schon gehörte?Denn Adam war Ronans Geheimnis.

Und Ronan Lynch war in Adam Parrish verliebt.

» Und es gibt kein Weg zurück. Nicht mehr. « Die leise geraunten Worte legten sich wie ein Versprechen über sie – zwischen Tür und Angel gefangen, spürte Ronan das erste Mal die Gewissheit, weiter zu gehen, sich nicht länger umzudrehen, in der Hoffnung, es könnte aufhören, es könnte verschwinden. Wie Cabeswater, das verblasste , wenn er aufwachte. Aber Ronan hatte sich nie zuvor wacher gefühlt.

» Ein Bier vor vier tut dir nicht gut, alter Junge. «Und mit verschränkten Armen stand Adam da, lehnte gegen seine Tür und blieb blind, während er mit offenen Augen zu ihm hinauf sah. Ronan trat näher. Er war nicht länger Ronan Lynch, ein Junge bestehend aus Träumen und Albträumen. Das erste Mal in seinem Leben wusste Ronan, das es geschehen musste. Das hier war seine Vision – sein größtes Geheimnis und geheimster Traum.

» Und das Schicksal kann mich mal. « Erwiderte Ronan mit einer Doppeldeutigkeit, die Adam nicht zu verstehen mochte .Die Schlucht zwischen dem Jungen aus gesponnen Träumen und dem Jungen aus Stroh und Gold verblasste, verschwand, als Ronan den letzten Abstand zwischen ihnen überbrückte und etwas tat, was er schon länger hätte tun sollen – und nicht nur in seiner Erinnerung an eine Vision, die nun echt und wahrhaftig in diesem Moment geschah. Unwiderruflich.

Mit einem letzten Blick in erstarrte blaue Augen geschah es.Denn es gab kein Weg zurück.

Ronan küsste ihn.

Die Vision explodierte hinter seinen Lidern, zersetzte ihn, formte ihn neu. Während der wütende Bass des Hurricans in seinen Venen ihn verzerrte- , die Vision wurde wahr und brannte sich in der nächsten Sekunde unauslöschlich wie Ronans schlampig, betrunkener Kuss in Adams Mund.

Ronan schloss die Augen ,und verschlang Traum und Albtraum zugleich.


Ertrank.

                                                                                            I keep fallin, I keep fallin down
                                                                                            I keep fallin, I keep fallin down
                                                                                            I keep fallin, I keep fallin down
                                                                                            I keep fallin, I keep fallin down
                                                                                                       If you could only save
                                                                                    Im drowning in the waters of my soul






Text: Imagine Dragons: Nothing left to say
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