am i the lucky man, or are you just a hologram?

OneshotDrama, Romanze / P16
DI / DCI Carol Jordan Dr Anthony "Tony" Valentine Hill
28.02.2016
28.02.2016
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Fandom: Wire in the Blood / Hautnah - Die Methode Hill
               (basierend auf der Jordan/Hill Reihe von Val McDermid)
Pairing: Carol Jordan x Dr. Tony Hill
Wordcount: 9176
Summary: Und auf einmal ist sie wieder zurück. In seiner Stadt. Aus heiterem Himmel steht sie vor ihm und sie haut ihn noch genauso um, wie früher.

A/N: Ich weiss selbst nicht genau, was ich davon halten soll, außerdem bin ich (fast) davon überzeugt, dass das Fandom eh kein Mensch kennt. Aber ich wollte einfach schon so lange etwas zu den Beiden schreiben, und dann hat sich da eben diese Idee in meinem Kopf festgesetzt und ließ sich einfach nicht wieder vertreiben.
Und ja, irgendwie ist dieses Ding, bei dem ich monatelang nicht über 1800 Worte hinaus gekommen bin, letztendlich zu einem wahren Monster geworden.
Vielleicht findet sich ja doch irgendjemand, der hierüber stolpert und dem Ganzen, doch vielleicht ein bisschen was abgewinnen kann.

Auf jeden Fall bin ich jetzt wieder so richtig angefixt von dem Fandom, sodass das hier bestimmt nicht mein letzter Ausflug in den Bereich des englischen Crimes/Thrillers sein wird.

Merci, an meinen lieben Herzmenschen mermaid on acid, die mir bei der Titelsuche geholfen hat. ♥

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am i the lucky man, or are you just a hologram?



Leise fallen die ersten Schneeflocken zur Erde, zart und anmutig, einem filigranen Tanz gleich. Der größte Teil der kleinen, glitzernden Eiskristalle schmilzt, sobald er den Boden berührt, doch das bisschen Schnee, das den Aufprall übersteht, bedeckt die Welt mit einer hauchzarten, weissen Decke, wie Puderzucker einen frisch gebackenen Kuchen.
Diese erste Schneeschicht des Jahres verleiht der Stadt Bradfield einen ungewohnt friedlichen Anblick.
Fröstelnd vergräbt er die Hände tief in den Taschen seines Mantels und verflucht sich in Gedanken dafür, dass er nicht daran gedacht hat, seine Handschuhe mitzunehmen. Wobei er sich in Wirklichkeit gar nicht sicher ist, dass er überhaupt irgendwo irgendwelche Handschuhe besitzt.
Seufzend schüttelt er den Kopf. Wahrscheinlich eher nicht. Zu ihm passen würde es jedenfalls.

Mutterseelen allein steht er in der Kälte und lässt seinen Blick über die kahlen Bäume und dunklen Häuserfassaden schweifen.
Eben noch, vor wenigen Minuten, war er sich vollkommen sicher gewesen, seine Wohnung verlassen und in die Stadt gehen zu müssen. Irgendetwas hatte er besorgen wollen.
Doch jetzt kann er sich überhaupt nicht mehr erklären, was das genau gewesen ist. Und nicht zum ersten Mal in seinem Leben, fragt er sich, was er hier gerade eigentlich tut.

'Du läufst davon, Tony', erklingt eine leise Stimme, irgendwo in einem Winkel seines Kopfes. 'Du läufst davon.'
Die Stimme fährt ihm durch Mark und Bein, schickt eine Welle elektrischer Impulse durch seine Eingeweide und schnürt ihm die Kehle zu.
Er bleibt wie angewurzelt stehen, den Schock noch in den Knochen, den Schmerz der Erinnerungen ins Gesicht geschrieben.
Natürlich ist er nicht so, wie seine Patienten. Natürlich hört er keine Stimmen, jedenfalls nicht solche, die ihm in schizophrenen Schüben irgendwelche Dinge einflüstern.
Er hört nur diese eine Stimme, eine Stimme, die er in Wirklichkeit viel zu oft und jetzt schon viel zu lange nicht mehr gehört hat.

Ihre Stimme.

Lange hat er versucht die Erinnerungen zu verdrängen, nicht an sie zu denken. Denn an sie zu denken, bedeutet Schmerz, Trauer, Leere.
Also hat er versucht irgendwie weiter zu leben, ohne sie.
Doch wenn er ehrlich zu sich selbst ist, dann ist dieses Leben, eher ein bloßes Existieren. Ohne irgendeinen Sinn. Nur Schein, ohne zu sein.
Denn auch nicht an sie zu denken, bedeutet Schmerz, Trauer, Leere.

Verloren schweift sein Blick umher, bis er schließlich an einer leeren Parkbank hängen bleibt. Schulterzuckend, als wolle er sich selbst sagen, 'ich habe ja eh nichts besseres zu tun', geht er darauf zu, fegt mit seinen kalten, klammen Fingern ein bisschen Puderzuckerschnee beiseite und lässt sich darauf nieder.
Mit zusammen gepressten Lippen starrt er auf die leeren Strassen, versucht angestrengt seine Gedanken auf etwas anderes zu konzentrieren, irgendwas, egal was.
Er starrt so angestrengt ins Nichts, dass der eisige Wind in sein Gesicht peitscht und brennende Tränen in seine Augen treibt.
Und er ist sich sicher, dass sie nicht nur von der Kälte stammen.

Ihre Hände, ihre wunderschönen, zarten Hände an seinen Wangen, ihre Augen, so liebevoll und besorgt ganz nah vor seinem Gesicht.
'Tony. Tony!'
Ihre Stimme, warm und sanft in seinen Ohren.
Sie lächelt und ergreift seine Hände. 'Tony. Tony, komm mit mir.'
Und er schafft es zu lächeln, obwohl sein ganzer Körper innerlich vor Schmerzen schreit. Und er will mit ihr gehen. Nichts würde er lieber tun, als Carol zu folgen.
Doch plötzlich verschwimmt ihr Gesicht vor seinen Augen und der Griff ihrer Hände löst sich, bis er schließlich fällt, immer tiefer.
Immer weiter entfernt sich ihr Gesicht von seinem, bis er schließlich nur noch ihre blonden Haare in der Dunkelheit schimmern sehen kann.
'Es tut mir leid, Tony. Es tut mir leid', erklingt ihre Stimme, leise wie ein Windhauch und doch kann er den Schmerz darin deutlich spüren. Wie seinen eigenen Schmerz.
Und dann ist sie schließlich verschwunden und lässt Tony allein in der Dunkelheit, mit seiner Angst und seinem Schmerz zurück.


'Reiss Dich zusammen, Dr. Hill', schallt er sich schließlich selbst in Gedanken, als die Schneeflocken sein Haar bedecken und seinen Blick verwischen und seine Hände langsam taub werden vor Kälte.
Entschlossen erhebt er sich und geht zielstrebig die verlassene Strasse entlang.
Doch schon nach wenigen Metern hält er erneut inne und blickt sich verloren um.
"Was mache ich hier eigentlich?", murmelt er leise vor sich hin und klingt dabei so zerstreut, wie nur Tony Hill klingen kann.
Und wieder erklingt ihre Stimme leise in seinem Kopf. Oder ertönt sie vielmehr direkt in seinem Herzen?
"Du läufst davon, Tony."
"Verdammte Scheisse!", bricht es schließlich aus ihm heraus.
Er atmet ein paar Mal tief durch, ballt die Hände erneut zu Fäusten und macht schließlich auf dem Absatz kehrt.

+

Eine Viertelstunde später schließt er mit zitternden Fingern seine Wohnungstür auf und tastet abwesend nach dem Lichtschalter.
"Mist!", flucht er leise vor sich hin, als seine Finger den Schalter nach einigen Versuchen nicht betätigt haben. Mit einem unwilligen Kopfrucken, knallt er die Tür hinter sich zu, durchquert den Flur und lässt sich in seinem dunklen Wohnzimmer aufs Sofa fallen.
In der Stille seiner Wohnung, hallen seine Gedanken, die sich wie so oft, immer nur um Carol drehen, unnatürlich laut in seinen Ohren.
Seufzend geht er in sein Arbeitszimmer, nimmt seinen Laptop und einige Patientenakten vom Schreibtisch und kehrt zur Couch zurück.
"Ich brauche eine Brille", kommentiert er trocken, als er bemerkt, wie schwer es ihm fällt in dem Dämmerlicht seine Notizen zu entziffern.
"Oder einen Kalligraphie Kurs", setzt er hinzu, nachdem er die Stehlampe neben der Couch eingeschaltet hat, die Leserlichkeit seiner handschriftlichen Notizen sich jedoch kaum verbessert hat.
Seufzend öffnet er das Programm mit dem er seine Täterprofile erstellt und legt eine neue Tabelle an. Diese ermöglicht es ihm seine Gedanken zu sortieren und festzuhalten und später seine ersten Eindrücke und Vermutungen mit den Erkenntnissen, die er im Verlauf der Ermittlungen gewinnen sollte, zu vergleichen.
Doch schon nach kurzer Zeit beginnen die Worte vor seinen Augen zu verschwimmen, seine Gedanken überlagert zu werden, von den Erinnerungen an die Zeit, die ihm schon viel zu lange vergangen erscheint.

'Wie kommst Du darauf? Ich meine, warum bist Du Dir so sicher, dass es unserem Täter nicht vorrangig um das Töten geht? Warum macht er sich dann solche Mühe, sie langsam und qualvoll ersticken zu lassen?'
'Ich denke, dass das Ersticken für ihn nur eine logische, unabwendbare Konsequenz seiner Taten ist. Ihm geht es nicht um das Töten an sich, sondern um das Machtgefühl, dass er aus der Entführung zieht. Er allein hat die Macht über sie. Er allein kann ihn die Chance geben ihm zu entkommen. Ich denke nicht, dass er seine Opfer in erster Linie töten will. Für ihn ist es eher eine logische Konsequenz der Gehorsamsverweigerung. Solange sie sein Spiel mitspielen und sich ihm fügen, wäre er wahrscheinlich in gewisser Weise bereit sie am Leben zu lassen. Doch jede Kreatur, die sich in die Enge getrieben fühlt, wird früher oder später zurück schlagen und so kommt es, dass die Opfer sich ihm wahrscheinlich irgendwann an irgendeinem Punkt widersetzt haben und somit sieht er keinen anderen Ausweg, als sie zu töten. Praktisch als eine Art Bestrafung für ihren Ungehorsam.'
'Also bekommt er seinen Kick nicht durch den expliziten Tötungsakt, sondern durch die Entführung und die Gefangenschaft, die dieser Tötung vorausgehen? Er ist also eher ein Entführer, als ein Mörder? Zumindest dem Profil nach?'
'Genau.'
'Okay. Es hängt also davon ab, wie lange sein derzeitiges Opfer sein Spiel mitspielt, wie lange es dauern wird, bis er sein nächstes Opfer entführen wird. Wenn es nicht schon zu spät ist.'
'Und sie das Spiel bereits verloren hat. Und er irgendwo hier, direkt vor unserer Nase schon seinen nächsten Spielzug vorbereitet, um sein nächstes Opfer in die Falle zu locken. Und ich bin mir sicher, dass er es schon ausgewählt hat.'
Langsam hebt er seinen Kopf, bis sich ihre Blicke treffen und der verständnisvolle und doch schmerzvolle Ausdruck ihrer grauen Augen trifft ihn mitten ins Herz.


Durch das laute Hupen eines vorbeifahrenden Autos, wird er abrupt zurück in die Realität katapultiert.
"Warum, Carol? Warum?", hallt seine Stimme laut durch seine leere Wohnung, als er vom Sofa aufspringt und mit einer wütenden Armbewegung seine Notizen vom Tisch fegt, während sich all die aufgestaute Wut und Trauer in einem verzweifelten Schrei entladen.
"Du läufst davon, Tony."
"Du bist doch davon gelaufen, verdammt nochmal!"
Unruhig läuft er in seinem Wohnzimmer hin und her, wie ein Tiger im Käfig, mit von Tränen verschleiertem Blick, bis er sich schließlich kraftlos und mutlos an der Wand hinunter sinken lässt und sein Gesicht in den Händen verbirgt und die Tränen über seine Wangen rinnen.
"Du bist doch davon gelaufen, Carol", schluchzt er leise. "Warum, Carol? Warum hast Du mich nicht einfach mitgenommen?"

+

Am nächsten Tag hat er keine Ahnung, wie er es geschafft hat sich ins Bett zu schleppen. Doch er kann sich noch gut daran erinnern, dass er die wenigen Stunden Schlaf, die ihm überhaupt vergönnt waren, nur von Carol geträumt hat.
Sobald er sich in die weichen Kissen zurück sinken lassen und die Augen geschlossen hatte, war alles was er gesehen hatte, Carols Gesicht gewesen. Als hätte irgendeine übernatürliche Kraft ihr Antlitz auf seine Netzhaut gebrannt.
Er hatte sich hin und her gewälzt, von einer Seite zur Anderen, hatte im Schlaf mit ihr gesprochen und sie angefleht, ihm eine Erklärung zu liefern.
Doch sie hatte geschwiegen, hatte nur neben ihm gelegen und ihn angesehen, mit ihrem wunderschönen Lächeln, bei dem ihm jedes Mal ganz warm ums Herz wurde.
Er fühlt sich seltsam, als er die Kaffeemaschine anstellt und in den Flur geht, um die Zeitung zu holen.
Ein bisschen fühlt es sich so an, als hätte er eine wilde, feucht-fröhliche Nacht hinter sich und ein ordentlicher Kater würde ihm nun in den Knochen stecken, und zugleich fühlt er eine ungewohnte Ruhe, die sich in ihm ausgebreitet hat.
Und noch immer kann er ihren Duft wahrnehmen, spürt das sanfte Kitzeln ihrer Haare an seiner Wange, so als wäre sie wirklich hier gewesen.
Doch sie ist nicht hier gewesen.

Seufzend schüttelt er den Kopf, um die trüben Gedanken zu vertreiben, setzt sich mit einer Tasse Kaffee an den Küchentisch und schlägt die Bradfield Post auf.
Dasselbe wie immer, nichts Neues, dieselben langweiligen, austauschbaren Hochzeits – oder Todesanzeigen, in der vergangen Nacht haben drei Jugendliche eine Tankstelle überfallen.
Mit einem genervten Blick faltet er die Zeitung wieder zusammen und wirft sie ans andere Ende des Tisches.
Für ein paar Minuten sitzt er einfach schweigend am Tisch und starrt aus dem Fenster, bis er beschließt erst einmal zu frühstücken, um irgendwie den vor ihm liegenden Tag zu überstehen.
Doch ein flüchtiger Blick in seinen Kühlschrank kurz darauf, lässt seinen Plan auch schon wieder zu Staub zerfallen.
Gähnende Leere, bis auf eine angefangene Packung Milch, die nach dem Öffnen einen sauren Geruch verströmt, woraufhin Tony angewidert das Gesicht verzieht und den Inhalt seufzend in die Spüle kippt.
"Gut, vielleicht sollte ich doch zuerst einmal einkaufen gehen", murmelt er leise vor sich hin und geht zurück in sein Schlafzimmer, wo er wahllos irgendwelche Kleidungsstücke aus seinem Schrank hervor zerrt und sich anzieht.

+

Lustlos schlendert er durch die Gänge des Supermarktes, den leeren Einkaufswagen vor sich her schiebend. Wie so oft hat er keine Ahnung, was er kaufen soll, was er eigentlich kaufen will und wenn er nicht wüsste, dass auch er irgendwann am Tag mal etwas essen muss, dann würde er es am Liebsten einfach sein lassen.
Seufzend hält er an den Tiefkühltruhen an und nimmt die Auswahl an Tiefkühlpizzen näher in Augenschein.
‘Isst Du irgendwann eigentlich auch mal was Vernünftiges, Tony?’, kichert Carol leise in seinem Kopf und bei der Erinnerung zieht sich sein Innerstes erneut schmerzhaft zusammen.
‘Natürlich. Indisches Curry. Ich esse mindestens einmal in der Woche indisches Curry mit Dir. Das weisst Du doch Carol.’

Unwillig schüttelt er den Kopf, um die Erinnerungen zu verscheuchen, doch als ihm bewusst wird, dass die Kundin gegenüber ihn mit großen Augen verwirrt anstarrt, lässt er es schleunigst bleiben und verzieht seine Lippen zu einem entschuldigenden Lächeln, das ihm bei ihrem Anblick jedoch sofort auf den Lippen gefriert.
“Wa-was?”, stammelt er und starrt sie erschrocken an. Auch die Frau auf der anderen Seite der Tiefkühltruhe, erstarrt mitten in der Bewegung, hält erschrocken den Atem an und blickt ihn ungläubig an. Ihre Gesichtsfarbe wechselt in Sekundenschnelle von einem zarten Rosa, über ein gräuliches Grün, bis hin zu Kalkweiß.
“Oh mein Gott!”
“Carol? Carol!
Sie öffnet den Mund, um etwas zu sagen, schließt ihn jedoch unverrichteter Dinge wieder.
Carol? Was? Warum zur Hölle?!”, immer noch brabbelt er nur unverständliches, unzusammenhängendes Zeug vor sich hin, unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Unwillkürlich streckt er den Arm nach ihr aus, als würde er sie berühren wollen, als würde er prüfen wollen, ob sie echt ist. Um zu sehen, ob sie wirklich da ist.
Noch immer steht sie ihm starr gegenüber, als wäre sie bei seinem Anblick vor Schreck zu Eis gefroren, doch als sie seine Hand auf sich zukommen sieht, weicht sie unsicher einen Schritt zurück.
“Tony”, wispert sie leise, die Stimme kaum kräftiger, als ein Sommerwindhauch. “Tony.”
Der Blick aus ihren sonst so strahlenden grauen Augen, mit dem sie den Psychologen noch immer anstarrt, versetzt ihm einen schmerzhaften Stich ins Herz. Müde, kraftlos, verloren.
Und bevor er dazu kommt noch irgendwas zu sagen, dreht sie sich auf dem Absatz um, als hätte sie eine Tarantel gestochen und läuft davon.

Einen Augenblick lang steht er einfach nur da, starrt in die Leere, die sie hinterlassen hat und fühlt sich, als wäre er frontal gegen eine Backsteinmauer gelaufen.
“Carol”, murmelt er leise, bis die Erkenntnis endlich vollkommen zu ihm durchdringt. Er hat sie gesehen. Er hat Carol gesehen, sie stand wirklich vor ihm, seine Carol.
“Carol!”, ruft er ihr hinterher, bis endlich auch seine Beine, den Befehl seines Gehirns umsetzen können, den ohnehin leeren Einkaufswagen einfach stehen zu lassen und ihr nachzulaufen.

Als er endlich vor dem Supermarkt auf dem Bürgersteig steht, kann er gerade noch sehen, wie sie um die nächste Strassenecke verschwindet.
“Carol! Carol, warte doch! CAROL!”, hallt seine Stimme laut von den grauen Hauswänden wider und er ist sich sicher, dass er noch niemals zuvor in seinem Leben, jemanden so angebrüllt hat. Aber verdammt noch mal, er kann einfach nicht anders.
Fast ein Jahr lang hat sie ihn allein gelassen, ist einfach so ohne ein Wort verschwunden. Ohne Abschied, ohne eine Erklärung. Da kann sie ihn doch jetzt nicht aus heiterem Himmel wieder in seinem Leben auftauchen, nur um ihn dann wieder einfach so stehen zu lassen.
So schnell er kann, rennt er ihr nach und wünscht sich zum ersten Mal in seinem Leben wirklich aufrichtig, etwas sportlicher zu sein.
Doch als er schon den Mut verliert und sich sicher ist, dass sie ihm entwischt ist, sieht er wie Carol ein paar hundert Meter vor ihm von einer ihr entgegen kommenden Schülergruppe aufgehalten wird, die den kompletten Bürgersteig für sich beanspruchen.
Als die Jugendlichen endlich an ihr vorbei gezogen sind, hat er endlich zu ihr aufgeschlossen und kann gerade noch den Arm ausstrecken und sie am Handgelenk fassen, bevor sie ihren Weg fortsetzen kann. Weiter weg von ihm.
Sein Herz hämmert in seiner Brust, sodass er fast das Gefühl hat, sein Brustkorb wolle zerspringen, als er sie entschlossen zu sich herumdreht und sie an den Oberarmen ergreift, sodass sie keine Chance hat wieder vor ihm davon zu laufen.
“Carol”, presst er atemlos hervor, mehr bringt er einfach nicht heraus und sieht sie an.
Bedrückt weicht sie seinem Blick aus und starrt den Boden vor ihren Füßen an.
“Tony”, murmelt sie leise mit bebender Stimme. “Tony, ich …” Doch sie kann nicht weiter sprechen, ihr fehlen schlichtweg die Worte, um das auszudrücken, was sie seit einem Jahr erfolglos versucht zu verdrängen.
Und ohnehin würde Tony wahrscheinlich nichts von dem wirklich aufnehmen können, was sie sagt. Er ist viel zu sehr damit beschäftigt, den inneren Drang nieder zu kämpfen, sie einfach in seine Arme zu ziehen und ihr hunderte kleiner Küsse aufs Haar zu drücken.
Dadurch bemerkt er zuerst gar nicht, dass ihr die Tränen über die Wangen hinab rinnen.
“Oh. Oh, nein. Oh, nein”, murmelt er zerknirscht, überwindet sich schließlich und zieht sie kurzentschlossen in seine Arme.
“Es tut mir so leid, Tony. Es tut mir so leid”, stößt sie hervor, bevor ihre Stimme bricht und sie das Gesicht an seiner Schulter verbirgt und ihr Körper von ihrem hemmungslosen Schluchzen geschüttelt wird.
“Scht. Es ist okay, Carol. Es ist alles okay”, murmelt er leise, um sie zu beruhigen, auch wenn alles in ihm schreit, dass absolut gar nichts okay ist und er ihr am Liebsten all die Fragen, die ihn seit Monaten quälen, auf einmal an den Kopf werfen würde.
Doch für den Moment ist er einfach nur froh, sie endlich wieder in seinen Armen halten zu dürfen. Als sie zögerlich ihre Arme um seine Hüften schlingt und sich an ihn klammert, ist es ihm, als würde der Boden unter seinen Füßen schwanken, als würde er bei hohem Wellengang mitten an Deck eines Segelboots stehen. Als wäre er sturzbetrunken, und vielleicht ist er das auch. Trunken vor Glück.
Er spürt, wie ihr zarter Körper in seinen Armen noch immer von ihrem Schluchzen geschüttelt wird, daher schiebt er sie kurzentschlossen ein Stück von sich weg, legt die Hände um ihr Gesicht und wischt sanft die Tränen von ihren Wangen.
“Carol, bitte. Hör auf zu weinen, es ist alles gut”, sagt er leise und hebt ihr Gesicht ein bisschen an, damit er ihr in die Augen sehen kann.
Wie schon früher so oft, hat er das Gefühl, er könnte ihn ihren grauen Augen ertrinken. Sie schluckt und nickt schluchzend, bevor sie ihn mit einem gequälten Lächeln ansieht. Tony kann sich selbst nicht erklären, woher sein plötzlicher Mut auf einmal kommt, doch mit einem Mal erscheint ihm alles so klar, erscheint ihm alles wie Schicksal, dass sie plötzlich wieder da ist und vor ihm steht, hier mitten auf der Strasse, umringt von vorbei eilenden Passanten, die alle seine Zeugen sein könnten und doch nichts um sich herum wahrnehmen.
Und bevor sie etwas sagen kann, bevor sie wieder vor ihm zurück weichen kann, beugt er sich ein wenig nach vorne und drückt seine Lippen leicht auf ihre.
Im ersten Moment verspannt sie sich in seinen Armen und unsicher will er sich zurückziehen, doch als er sich sanft aus dem Kuss löst und ein wenig von ihr abrücken will, schlingt sie die Arme um seinen Hals und presst sich enger an ihn.
Fragend hebt er eine Augenbraue, ein verlegenes Lächeln auf den Lippen, doch Carol quittiert seinen Blick nur mit einem leisen Lachen, zieht ihn wieder an sich und küsst ihn. Und reisst damit alle Schutzwälle nieder, die Tony sich im Laufe seines Lebens aufgebaut hat. Vergessen sind alle Unsicherheit und Zurückhaltung und alle Selbstzweifel. Und die Tatsache, dass sie noch immer auf dem Fußweg inmitten von Passanten stehen.
Für sie Beide zählt nur noch der Moment und dieser Kuss, der nach MehrMehrMehrImmerMehr schreit.

Schließlich stehen sie sich schweigend gegenüber, beide viel zu überwältigt von ihren Gefühlen und Gedanken, um auch nur ein Wort heraus zu bringen und sehen sich einfach nur an. Carol spürt ihr Herz in ihrer Brust klopfen, als hätte sie einen 200 Metersprint hinter sich, ihre Beine fühlen sich so weich an, wie Wackelpudding. Um das Schwanken in ihrem Kopf auszugleichen, legt sie die Arme wieder um Tonys Hals, der grinsend wie ein Honigkuchenpferd vor ihr steht und sie fürsorglich an sich drückt.
“Du hast mir gefehlt, Carol”, murmelt er leise und bettet sein Kinn auf ihren Scheitel. Carol stößt einen rauen Ton aus, irgendwo zwischen Schluchzen und Auflachen. “Du ahnst gar nicht, wie sehr Du mir gefehlt hast, Tony.”
Mit seinem Finger streicht er leicht über ihre Wange und ihr entweicht ein Seufzen, als er die Kontur ihrer Lippen nachzieht. Er kann nichts anders tun, als grinsen bei ihrem Anblick, wie sie vor ihm steht, dieses sehnsüchtige Funkeln in den Augen und die stumme Bitte nach Mehr in den Mundwinkeln.
“Und was machen wir jetzt? Wie geht es jetzt weiter?”, will er nach einer Weile, in der sie sich einfach nur schweigend und lächelnd angesehen haben, von ihr wissen.
“Hm”, schulterzuckend sieht sie ihn an. “Wie willst Du denn, dass es weitergeht?”
Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen, seine Erwiderung schon auf der Zunge, schliesst ihn jedoch nach einigen Sekunden wieder und blickt zu Boden, wo seine Füße nervös von einer Stelle auf die Andere tappen.
“Ich möchte, dass es weitergeht, Carol”, ringt er schlussendlich hervor, hebt langsam seinen Kopf und sucht ihren Blick.
Als sich ihre Augen treffen, hat er das Gefühl, als würde eine Welle elektrischer Impulse durch seinen Körper jagen, eine Welle puren süßen Glücks.
“Ich fürchte, da hast Du auch keine andere Wahl.”
Lächelnd schmiegt sie sich an seine Seite, verschränkt ihre Hand mit seiner und haucht ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange.
“Komm, lass uns irgendwo hingehen”, schlägt er mit einer Leichtigkeit in der Stimme vor, die er seit seiner Kindheit nicht mehr an sich selbst bemerkt hat.
“Wo willst Du denn hingehen”, fragt sie lachend und sieht ihn mit ihren strahlenden Augen an.
“Keine Ahnung”, gibt er leichthin zu. “Vielleicht irgendwo einen Kaffee trinken? Ach, egal. Komm mit.”
Kurzentschlossen zieht er sie mit sich die Strasse entlang.
Überrumpelt will Carol fragen, wo zum Teufel er mit ihr hin will, doch dann spürt sie wieder seine Hand, die ihre hält, geniesst nur noch seine Berührung und der Rest wird ihr einfach scheissegal.

+

“Du bist umgezogen”, stellt sie mit seltsam belegter Stimme fest, als Tony sie mit einer einladenden Geste ins Wohnzimmer führt und den Wohnungsschlüssel achtlos auf eine Anrichte neben der Tür schmeisst. Er nickt mit einem bekümmerten Blick und macht eine vage Geste mit seinen Händen, als wüsste er nicht genau, was er antworten soll.
“Ja. Ich”, er räuspert sich, um den Kloß, der sich in seiner Kehle gebildet hat, hinunter zu schlucken. “Um ehrlich zu sein, habe ich es in meiner alten Wohnung nicht mehr ausgehalten, nachdem -.”
“Nachdem ich abgehauen bin”, beendet sie seinen Satz leise und wendet den Blick ab.
Tony nickt nur und während er ohne ein Wort in der Küche verschwindet, sieht Carol sich in dem gemütlichen, hellen Raum um.
Auf dem Couchtisch liegen ein paar, offenbar in aller Eile verfasste, Notizen unordentlich auf einem Haufen, und neben zwei halbgefüllten, alten Kaffeetassen die Hülle eines Konsolenspiels. Schmunzelnd greift sie danach und schüttelt kichernd den Kopf, als sie den Titel auf dem Cover liest. Tomb Raider. “War ja klar, Tony.”
“Was war klar?”, erklingt seine Stimme hinter ihr, als er zwei dampfende Tassen Kaffee neben ihr auf dem Tisch abstellt und einen Blick über ihre Schulter wirft. “Oh, ähm. Naja, mit etwas anderem konnte ich mich einfach nie anfreunden.”
Sie legt das Spiel zurück auf den Tisch und sieht ihn an. “Manche Dinge ändern sich wohl einfach nie, hm?”
“Wahrscheinlich”, er nickt, setzt sich mit seinem Kaffee auf die Couch und weist mit der freien Hand einladend neben sich.
Carol bedankt sich mit einem Lächeln, schliesst ihre Finger um ihre Tasse und lässt sich neben ihm auf dem Sofa nieder.
Für ein paar Minuten herrscht ein verlegenes Schweigen zwischen den Beiden, das Tony nutzt, um seine wiedergefundene Freundin eingehend zu betrachten. Schon früher hätte er Stunden damit zubringen können, sie einfach nur anzusehen. Die schönen, sanft geschwungenen Lippen, auf denen so oft ein Lächeln gelegen hatte. Die unergründlichen, grauen Augen, in denen er immer wieder zu ertrinken drohte. Das hübsche, ebenmäßige Gesicht, wie das Antlitz eines Engels.
Und noch heute haut ihn ihr Anblick genauso um wie früher.
Nur zu gern würde er jetzt einfach die Hand ausstrecken, sie berühren und in seine Arme ziehen, doch wie er nun einmal ist, kann er sich schlichtweg nicht überwinden. Doch Carol scheint das leichte Zucken seines Körpers aus dem Augenwinkel wahrgenommen zu haben, denn als sie sich zu ihm umdreht, atmet sie tief durch und ergreift seine Hand.
“Es tut mir wirklich leid, Tony.”
Er nickt und schüttelt gleichzeitig den Kopf. “Du - Du musst Dich nicht entschuldigen, Carol.”
Nun ist es an ihr den Kopf zu schütteln. “Doch, Tony. Genau das muss ich”, entgegnet sie und hebt ihre Hand, als er sie erneut unterbrechen will. “Bitte Tony. Lass mich erst aussprechen. Das ist wirklich nicht leicht für mich. Bitte.”
Als er ihrem bittenden, gequälten Blick begegnet, nickt er seufzend und bedeutet ihr fortzufahren.
“Ich habe das alles nicht gewollt, wirklich nicht. Alles was ich wollte, war … warst Du.”
Tony weiss nicht, ob er lachen oder weinen soll und zieht spöttisch eine Augenbraue nach oben. “Was meinst Du denn, was ich wollte? König von England werden, etwa? Nein! Ich wollte Dich, Carol! Die ganze Zeit, wollte ich immer nur Dich!”
Seine Freundin stöhnt gequält auf. “Warum zum Teufel konntest Du das denn nicht sagen? Warum konntest Du es nicht ein einziges Mal sagen?!”
Die Worte kamen lauter heraus, als es von ihr beabsichtigt war und erschrocken schlägt sie die Hand vor den Mund.
“Oh nein, es tut mir leid. Tony, ich wollte Dich nicht anschreien”, stammelt sie leise, während Tony sie einfach nur sprachlos anstarrt.
“Tony, ich - ich wollte das nicht.”
Seufzend schüttelt er den Kopf und fährt sich mit einer hilflosen Geste durch die Haare. Er atmet ein paar Mal tief durch, bevor er ihr antwortet. “Es ist schon okay, Carol. Du hast ja Recht, irgendwie. Es ist nur … es war halt nie so einfach für mich, wie für Dich.”
Verwirrt sieht sie ihn an. “Wie meinst Du das?”, fragt sie verständnislos.
“Naja”, verzweifelt durchforstet er sein Gehirn nach den richtigen Worten. “Du stehst halt mit beiden Beinen mitten im Leben. Du bist Polizistin und erfolgreich und Du weisst immer genau was Du willst. Du bist eben tough, Carol. Und ich bin … ich bin nur der komische Psychologe. Meine größte Angst war immer, nicht gut genug für Dich zu sein.”
Tränen stehen in Carols Augen, als sie ihn ansieht. “Wie zur Hölle konntest Du so was nur denken? Wie konntest Du annehmen, Du wärst nicht gut genug für mich, Tony? Bist Du schon mal auf den Gedanken gekommen, dass der komische Psychologe genau das war, was ich wollte?”
Niedergeschlagen zuckt er mit den Schultern und erneut verfallen die Beiden für einige Minuten in Schweigen.
“Es tut mir -.”
“- leid.”
Ein paar Sekunden lang sehen sie sich irritiert an, bevor sie Beide anfangen zu lachen.
“Es tut mir leid, dass ich gegangen bin, Tony. Ich war einfach überzeugt davon, dass das mit uns beiden niemals funktionieren könnte. Ich dachte … ich dachte, Du willst mich nicht. Nicht so, wie ich Dich will. Aber mit Dir zusammen zu arbeiten, in Deinem Haus zu wohnen, die meiste Zeit meines Lebens mit Dir zu verbringen … Dieses Gefühl, Dir so nahe zu sein und trotzdem irgendwie ohne Dich zu sein … Die Angst, dass Du irgendwann jemand anderen finden könntest, hat mich fast um den Verstand gebracht. Das habe ich einfach nicht länger ertragen. Also musste ich gehen. Um Dich, die Erinnerungen und die Gefühle für Dich irgendwann hinter mir lassen zu können. Um vor meinen Gefühlen für Dich weglaufen zu können. Was ja wirklich fantastisch geklappt hat.
Mit einem schiefen Grinsen sieht er sie an. “Nicht?”
Ebenfalls grinsend schüttelt sie den Kopf und verschränkt ihre Hände in seinem Nacken. “Dann wäre ich jetzt ja nicht hier bei Dir, oder?”
Anstatt ihr zu antworten, legt Tony seine Arme um ihre Taille, zieht sie an sich und küsst sie innig.
Einfach so, weil der Moment gekommen ist, und weil es sich richtig anfühlt.

+

“Und? War es das was Du wolltest? Den komischen Psychologen?”, fragt Tony schließlich, als sie eng aneinander gekuschelt auf seiner Couch liegen.
“Ja. Stell Dir vor, der komische Psychologe war genau das, was ich immer wollte”, antwortet sie, während sie mit einem versonnen Lächeln über seine Brust streicht, den Kopf an seine Schulter gelehnt. “Was ich noch immer will.”
Ein Lächeln legt sich auf Carols Lippen, als sie sich ein wenig aufrichtet, um ihn zu küssen.
“Das klingt gut”, murmelt Tony, während seine Hand ihren Arm entlang streicht, bis er seine Finger mit ihren verschränkt. “Das klingt sogar erstaunlich gut.”
Sie kichert leise, als er mit seinem Daumen leicht über die Innenfläche ihrer Hand streicht.
“Carol?”, fragt er nach einer Weile leise, zögerlich, als müsste er sich erst wappnen, um das sagen zu können, was ihm schon so lange auf der Seele brennt.
“Ja?”, antwortet sie, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern und sieht ihn aus ihren grauen Augen neugierig an.
“Ich liebe Dich.”
Ja! JaJaJa! Endlich, nachdem er diese drei kleinen und doch so bedeutenden Worte so lange in einem der hintersten Winkel seiner Seele verborgen hatte, hat er den Mut gefunden, es auszusprechen.
Einen winzigen Moment lang starrt sie ihn sprachlos an, bis sich schließlich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitet.
Das Herz in ihrer Brust pocht so schnell, dass sie das Gefühl hat, es würde vor lauter Freude und Übermut einen Salto nach dem anderen machen, als sie die Arme um seinen Nacken schlingt und sich an ihn presst.
“Ich liebe Dich auch, Tony. Ich liebe Dich.”
Tony ist es, als würde ein riesengroßer Felsbrocken von seinem Herzen fallen, als er seine Arme um ihre Hüfte schlingt und seine Lippen auf ihre drückt.
Und Carol kann sich nicht erinnern, jemals etwas schöneres und intensiveres gespürt zu haben, als die Bittersüße dieses Kusses. Sie ist sich sicher, würde sie nicht mit ihm auf dem Sofa sitzen, seine fest um ihre Hüfte geschlungenen Arme, die sie halten, dann würde sie jetzt zusammen brechen, so weich sind ihre Knie.
Sanft beisst sie in seine Unterlippe, vernimmt zufrieden das leise, gegen ihre Lippen gehauchte Stöhnen, das Tony ausstößt, während sie mit ihrer Zunge die Kontur seiner Lippen nachzeichnet.
Und wieder schreit alles in ihr nach MehrMehrMehrImmerMehr.
Ihre Finger vergraben sich in seinem Haar, pressen sein Gesicht immer näher an ihres, während sich ihr Oberkörper noch enger an ihn drückt.
MehrMehrMehrImmerMehr. So lange hat sie auf diesen einen Moment gewartet, dass sie kaum in der Lage ist sich noch länger zurückzuhalten.
Doch gerade als sie kurz davor ist, sich endlich zu ergeben, sich vollkommen fallen zu lassen, legt Tony die Hand an ihre Wange und unterbricht den Kuss.
“Was ist?”, fragt sie, im ersten Moment irritiert über seinen plötzlichen Ruckzug, doch als sie sein glückliches Grinsen sieht, kann sie nicht anders, als mit ihm zu grinsen.
“Das war das Beste, was ich je in meinem Leben erlebt habe.”
Bei seinen Worten nehmen ihre Wangen einen zarten Rosaton an, und lächelnd lehnt sie ihre Stirn an seine.
“Hmm. Das war definitiv besser, als ich es mir immer vorgestellt habe.”
Erstaunt sieht er sie an. “Du hast Dir vorgestellt, wie wir uns küssen?”
Carol nickt ernst. “Ja. Schon als ich noch hier war, aber vor allem, nachdem ich gegangen bin. Und ich muss sagen, in meiner Vorstellung war es ziemlich gut. Aber das hier, das übertrifft definitiv alles.”
Seufzend schlingt sie die Arme wieder um seine Hüften, lehnt ihren Kopf an seine Schulter und schliesst die Augen.

“Wie wäre es mit etwas zu essen? Ich weiss nicht, wie es Dir geht, aber ich habe jetzt einen Bärenhunger”, schlägt Tony schließlich vor, nachdem sie einfach ein paar Ewigkeit versprechende Minuten, geschwiegen und einfach glücklich dem Herzschlag des jeweils anderen gelauscht haben.
“Oh, um ehrlich zu sein, Essen wäre wundervoll. Ich habe seit gestern nichts mehr gegessen”, stimmt Carol zu und sieht ihn mit einem koketten Augenaufschlag an.
“Was?!”, entgeistert starrt er sie an. “Und das sagst Du erst jetzt? Du musst doch fast umfallen vor Hunger! Warum hast Du das denn nicht gesagt?”
Beim Anblick seines besorgten Gesichtes fängt Carol an zu lachen. “Naja, sagen wir mal, ich bin einfach nicht dazu gekommen. Ich war mit … gewissen anderen Dingen beschäftigt.”
“Na toll. Also bin ich auch noch schuld”, zerknirscht sieht er sie an und fährt sich mit einer Hand durch die widerspenstigen Haare.
Carol lacht noch immer und sieht ihn ungläubig an. “So ein Quatsch. Ich bin erwachsen, Tony. Schon vergessen? Also, hast Du irgendwas hier oder müssen wir einen der unzähligen Bringdienste dieser Stadt bemühen?”
Aus heiterem Himmel reisst Tony die Augen auf und schlägt sich die Hand vor die Stirn. “Der Wagen. Oh nein. Ich Idiot!”
Amüsiert und verständnislos zugleich starrt sie ihn an. “Der Wagen? Welcher Wagen? Was ist denn jetzt los?”
Über sich selbst ärgerlich, schüttelt er den Kopf. Das ist ja mal wieder typisch für ihn.
“Der Einkaufswagen. Als Du heute Morgen im Supermarkt einfach so vor mir davon gelaufen bist, habe ich den Einkaufswagen einfach stehen lassen. Und naja, den Rest kennst Du ja. Wobei mir gerade einfällt, dass ohnehin nichts drin war.”
“Ha! Ich glaub’s nicht”, grinsend schüttelt sie den Kopf, bevor sie in schallendes Gelächter ausbricht.
Tony zieht eine beleidigte Schnute. “Ja ja, lach Du nur. Aber das wirklich witzige an dieser Sache ist, dass Du jetzt auch nichts zu essen hast. Und wer von uns Beiden war es nochmal, der fast umkippt vor Hunger?”
“Och, komm schon”, entgegnet sie besänftigend, nachdem sie sich von ihrem Lachanfall erholt hat und legt eine Hand an seine Wange. “Du weisst, dass ich es nicht so gemeint habe.”
Liebevoll reibt sie ihre Nase an seiner und haucht ihm einen leichten Kuss auf die Lippen.
“Also doch wieder das Thai Restaurant unseres Vertrauens?”, fragend sieht er sie an und steht auf, um in dem heillosen Durcheinander auf seiner Anrichte nach seinem Telefon zu suchen. Er sollte dringend mal wieder Ordnung in das Chaos bringen.
Glücklich streckt Carol sich auf dem weichen Sofa aus, als sie ihrem Rücken einen harten Gegenstand ertastet.
“Suchst Du das hier?”, fragt sie glucksend und hält Tony das Telefon vor die Nase, als er sich wieder zu ihr umdreht.
“Hm? Oh, ja”, murmelt er und sieht sie abwartend an, als er ihr das Telefon aus der Hand nimmt.
“Das Thai Restaurant unseres Vertrauens.”

+

“Weisst Du, wie sehr ich das vermisst habe?”, murmelt er leise und ein wohliger Schauer jagt über seine Haut, als ihre Hände sich berühren, weil sie beide gleichzeitig nach der Schale mit dem Reis gegriffen haben.
“Kannst Du Dir vorstellen, wie sehr ich das vermisst habe?”, erwidert sie mit rauer Stimme, die direkt den nächsten Schauer hinterher schickt.
Da sich seine Kehle auf einmal so trocken anfühlt, wie eine Wüste, greift er schnell nach seinem Weinglas und hebt es ihr entgegen.
Schmunzelnd zieht sie eine Augenbraue nach oben. “Und? Worauf trinken wir?”
Verlegen räuspert er sich ein paar Mal, bevor er zaghaft vorschlägt: “Auf uns? Auf unsere Zukunft?”
“Unsere gemeinsame Zukunft?”, hakt sie mit einem koketten Augenaufschlag nach.
Ihre Worte treffen ihn mitten ins Herz, gehen ihm durch Mark und Bein. Eine gemeinsame Zukunft. Die bis vor wenigen Stunden noch vollkommen unerreichbar und für immer verloren schien. Einen Augenblick lang denkt er über diese Worte nach, lässt sie sich in Gedanken immer wieder auf der Zunge zergehen, wie den letzten Bissen eines köstlichen Desserts.
“Auf unsere gemeinsame Zukunft.”
Leicht stößt er mit seinem Weinglas gegen ihres, bevor er ihre Lippen mit einem schüchternen, zärtlichen Kuss verschliesst.
“Und so beginnen wir unsere Zukunft direkt mit unserer Vergangenheit”, sagt Carol leise, mit einem Anflug von Melancholie in der Stimme, und nimmt einen Bissen von ihrem Curry Hühnchen.
“Ist das schlecht?”, unsicher sieht Tony sie an und sie schüttelt energisch den Kopf.
“Natürlich nicht! Hey, das ist gut”, neckisch versetzt sie ihm einen leichten Schubs gegen die Schulter. “Es ist das Band, an dem wir anknüpfen können. Der Punkt von dem aus wir jetzt weitergehen können.”
“In die richtige Richtung?”, er kann nichts dagegen tun, dass seine Stimme sich noch immer ein bisschen unsicher anhört.
“In die richtige Richtung, ja. In dieselbe Richtung.
Sie nimmt seine Hand, drückt ihm einen kurzen Kuss auf die Wange und wischt damit seine Sorgen und Ängste fort.
“Ich habe nie etwas anderes gewollt, als mit Dir an meiner Seite den richtigen Weg zu finden,Tony”, fährt sie fort und streichelt leicht mit ihrem Finger über seine Wange und seinen Hals entlang. “Und jetzt lass mich essen, bevor es kalt wird. Du weisst, ich kann unausstehlich werden, wenn ich Hunger habe.”
Er setzt eine zerknirschte Miene auf und hebt beschwichtigend die Hände. “Oh ja. Das weiss ich nur zu gut.”

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“Puh, ich bin pappsatt”, japst Carol und lässt sich gegen die weichen Kissen in ihrem Rücken sinken.
“Na, da bin ich ja beruhigt. Jetzt siehst Du auch nicht mehr so aus, als würdest Du jeden Moment zusammen klappen.”
Sie wirft ihm einen kurzen Blick zu und verdreht die Augen. “Ich bin nicht aus Zucker, weisst Du?”
“Ja. Aber süß bist Du trotzdem”, kommentiert er ihren Tadel und legt ihr liebevoll einen Finger an die Lippen, was ihr ein helles Kichern entlockt.
“Möchtest Du noch etwas Wein?”
Carol nickt, ein freches Funkeln in den Augen. “Gerne, aber ich fürchte, da müsstest Du uns eine neue Flasche holen.”
Demonstrativ nimmt sie die leere Flasche vom Tisch und wedelt damit vor seinen Augen hin und her. “Ich würde ja selber gehen, Schatz. Aber ich fürchte, ich habe so viel gegessen, dass ich mich in den nächsten Tagen nicht einen Zentimeter werde bewegen können.”
Bei ihren Worten glimmt etwas in seinen Augen auf, das Carol nicht genau einordnen kann, und sie sieht ihn erwartungsvoll an.
“Das - das wäre aber sehr schade … zumindest bei - bei gewissen … Dingen”, stößt er schließlich hervor und einen Moment lang ist er überrascht von sich selbst, vielleicht sogar ein wenig geschockt.
“Oh, Tony”, ruft Carol verblüfft aus und versetzt ihm einen spielerischen Klaps gegen die Schulter. “Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich sagen, Du versuchst mich ins Bett zu kriegen!”
Tony kann förmlich spüren, wie er bis zu den Ohren rot anläuft und zupft nervös an den Ecken eines Kissens.
“Ich - ähm - ich hole uns mal eine neue Flasche Wein”, murmelt er hastig und springt vom Sofa auf, um in seiner Küche zu verschwinden.
Perplex starrt Carol ihm hinterher. Was war das denn gerade? Erst scheint es, als würde er auf seine ganze eigene Tony - Art mit ihr flirten und dann verschwindet er blitzschnell?
“Hey”, meint sie sanft, als er sich wieder neben ihr nieder lässt und ihnen nachschenkt. “Was ist denn los? Habe ich was Falsches gesagt?”
Unsicher sieht er sie an, schüttelt aber den Kopf. “Nein, nein. Es ist nur … Ich - Du weisst doch …”, stottert er vor sich hin, was Carol ein wehmütiges Seufzen entlockt.
Sie nimmt seine Hand, verschränkt ihre Finger mit seinen und legt ihre andere Hand darüber.
“Tony, wäre es wirklich eine so schreckliche Vorstellung mit mir zu schlafen?”
Fassungslos starrt er sie an. “Was? Wie kommst Du denn darauf? Was denkst Du denn?”, fragt er sie empört.
Hilflos zuckt sie mit den Schultern und sieht ihn mit einem Blick an, der ihn direkt auf den Grund seiner Seele trifft.
“Du bist so … ich weiss auch nicht … ausweichend bei dem Thema.”
Mit einem gequälten Aufstöhnen schüttelt er den Kopf. “Carol, das hat nichts mit Dir zu tun. Aber … Du weisst doch, … dass das … nicht gerade eine meiner Stärken ist.”
“Tony”, setzt die Polizistin bereits zu einer Antwort an, doch er unterbricht sie, indem er ihr einen Finger an die Lippen legt.
“Aber die einzige Frau, mit der ich je wirklich schlafen wollte, bist Du.”
Schweigend sieht sie ihn einen Moment lang an, bevor sie die Hand an seine Wange legt und ihn näher an sich zieht.
“Dann tu es doch einfach, Tony”, flüstert sie gegen seine Lippen, so leise, dass sie sich gar nicht mal sicher ist, ob er sie überhaupt gehört hat. “Du hast doch nichts zu verlieren.”
“Doch, Carol”, murmelt er leise, mit trauriger Stimme, denn er hat sie sehr wohl gehört. “Ich könnte Dich verlieren.”
Liebevoll lächelnd, schüttelt sie den Kopf. “Niemals, Du -”, zuerst scheint es, als würde sie noch etwas sagen wollen, es sich dann jedoch anders überlegen.
Kurzentschlossen ergreift sie seine Hand, steht auf und zieht ihn mit sich auf die Füße. “Komm.”
Verwirrt und unsicher sieht er sie an. “Was? Was hast Du vor?”
Doch Carol sieht ihn nur mit einem neckischen Funkeln in den Augen an. “Das wirst Du schon sehen, Dr Hill.”

+

“Schlafzimmer?”, fragt sie knapp und sieht ihn auffordernd an.
“Ähm, da lang”, stößt er angestrengt hervor, da seine Kehle sich schon wieder viel zu trocken anfühlt, während sein Herz immer schneller und schneller pocht.
Schwungvoll stößt sie die Schlafzimmertür auf und zieht den stolpernden Tony hinter sich her.
“Carol”, murmelt er und senkt verlegen den Blick. “Ich weiss nicht … - meinst Du wirklich, dass das so eine gute Idee ist?”
Mit einem tadelnden Blick sieht sie ihn an. “Tony. Willst Du nun, oder willst Du nicht?”
Er öffnet den Mund, um ihr zu antworten, schliesst ihn jedoch unverrichteter Dinge wieder und schüttelt hilflos den Kopf.
Carol seufzt, legt die Hände auf seine Brust und presst sich an ihn. “Tony! Willst Du mich?”
Sein erster Impuls ist ihr wieder auszuweichen, vor ihr zurück zu weichen, doch als er ihren Körper so nah an seinem spürt, die Hitze, und ihren wundervollen, himmlischen Duft einatmet, der ihm langsam den Verstand vernebelt, kann er einfach nicht anders, als sich der Sehnsucht zu ergeben, die schon so lange an ihm zehrt.
“Ja, ich will Dich”, haucht er atemlos und vergräbt die Hände in ihren wundervoll weichen, blonden Haaren. “Ich will Dich so sehr und schon viel zu lange, Carol.”
“Was ist es dann?”
“Ich”, er zögert, legt die Hand an ihre Wange und streicht sanft mit seinem Daumen hinab bis zu ihren Lippen. “Ich will Dich nicht enttäuschen.”
“Das wirst Du nicht”, flüstert sie lächelnd, ergreift wieder seine Hand und zieht ihn mit sich zum Bett. “Du könntest mich niemals enttäuschen, Tony.”

Nervös, mit zitternden Fingern, lässt er seine Hände ihren Hals entlang nach unten gleiten, sanft die Konturen ihrer Brüste nachzeichnend.
Zu seiner Beruhigung stiehlt sich ein seliges Lächeln auf ihre Lippen, als sie sich unter der sanften Berührung seiner Hände, vollkommen entspannt.
Unschlüssig verharren seine Finger einen Moment am Bündchen ihres Shirts, bis Carol ihm zur Hilfe kommt, sich aufrichtet und es sich mit einer fließenden Bewegung über den Kopf streift.
Bei ihrem Anblick, weiten sich seine Augen ein wenig und ein leises “Oh” verlässt seine Lippen.
Fragend zieht sie eine Augenbraue nach oben. “Was ‘oh’? Oh, scheisse, oder oh gut?”
Verlegen räuspert er sich, bevor er antwortet: “Oh, wow.”
Sie kichert leise und macht sich daran sein Hemd aufzuknöpfen, was aufgrund ihrer zitternden Finger, keine ganz so leichte Aufgabe ist.
“Ooh”, knurrt sie, reisst ungeduldig an den Knöpfen, bis sie es ihm endlich von den Schultern streifen kann und achtlos vor das Bett fallen lässt.
Andächtig streichen ihre Hände über seine Brust, bis sie seinen Gürtel erreicht haben.
“Soll ich Dir helfen?”, haucht er leise und wundert sich selbst darüber, dass seine Stimme sich auf einmal so rau und dunkel anhört.
Sie nickt und beisst sich auf die Unterlippe, pure Vorfreude in ihrem Blick, was ihm ein glückliches Lächeln entlockt.
Nervös nestelt er an seinem Gürtel, bis es ihm gelingt ihn zu öffnen und ihm erlaubt, sich seiner Jeans zu entledigen.
Sanft drückt er sie an sich, vergräbt die Hände wieder in ihren Haaren und hinterlässt eine Spur kleiner, heißer Küsse von ihrem Hals bis zu ihren Hüften.
Schon jetzt trifft ihn diese Erfahrung tief in seinem Innersten, sodass kleine Schauer über seine Haut jagen und eine Gänsehaut hinterlassen.
“Tony”, haucht sie leise gegen seinen Scheitel, die Arme um seine Hüften geschlungen. Er schluckt und fragt sich im Stillen, ob sein Herz jemals zuvor so heftig gepocht hat, wie in diesem Moment, als er den Reissverschluss ihrer Jeans öffnet und diese langsam ihre schlanken, schönen Beine hinab schiebt.
Sofort presst sie sich wieder an ihn, knabbert sanft an seinem Ohrläppchen, was ihn leise aufkeuchen lässt.
Langsam wandert ihre Zunge seinen Hals hinab, bis zu seiner Brust, seine Hände auf ihrem Rücken, die zärtlich von ihren Schultern bis zu ihrem Po streichen.
Sie sieht ihn einen Moment an, ein vorfreudiges und verlangendes Funkeln in den Augen. Dann schiebt sie langsam ihre Hände unter den Rand seiner Shorts, streichelt leicht über die zarte Haut seiner Lenden und löst damit ein Ziehen in seiner Leistengegend aus.
Ein leises Wimmern dringt über seine Lippen und er schliesst unwillkürlich die Augen.
“Sht, alles ist gut, Tony”, flüstert sie liebevoll und legt ihm einen Finger an die Lippen. “Alles ist gut.”
“Wirklich?”, wispert er unsicher, atemlos. Erst als er spürt, wie sie ungeduldig seine Shorts herunter zerrt und seine Lenden mit Küssen bedeckt, öffnet er die Augen wieder.
Er sieht ihr strahlendes, warmes Lächeln und als er ihr leises “Perfekt” hört, findet er den Mut, seinen Blick weiter an sich runter schweifen zu lassen.
“Perfekt”, antwortet sie leise und selbst in ihrer Stimme, kann er ihr Lächeln hören, genau in dem Moment, als sein Blick auf seine Errektion fällt.
“Oooh. Das … das,” stammelt er zusammenhanglos und sieht sie an.
Die blonde Polizistin kichert und der helle Klang ihrer Stimme erinnert ihn an einen warmen Somerwindhauch und schickt eine Reihe wohliger Schauer seinen Rücken hinab.
“Komm her”, fordert sie, streckt die Hand nach ihm aus und zieht ihn wieder an sich.
“Ähm, Carol”, murmelt er nervös und etwas verlegen. “Ähm .. könntest … kannst Du … ?”
Fragend sieht sie ihn an und und mit einem kurzen Nicken, deutet er auf ihren BH.
Grinsend schiebt sie ihn ein Stück von sich, öffnet den Verschluss und streift ihn langsam über ihre Schultern.
“Oh. Oooh.”
Neckisch zieht sie eine Augenbraue nach oben. “Hm?”
“Das ist viel besser”, stößt er atemlos hervor, reisst ihr den BH aus den Fingern und schmeisst ihn auf den Boden. “Das ist wirklich viel besser.”
“Und? Gefällt Dir was Du siehst?”
Er nickt, fährt mit seinem Finger die Konturen ihrer Schultern und ihrer Brüste nach.
“Du bist wunderschön, Carol.”
Lächelnd legt sie einen Finger unter sein Kinn, zieht ihn näher zu sich und verwickelt ihn in einen leidenschaftlichen Kuss.
“Ich will Dich, Tony. Jetzt und hier. Willst Du mich?”
Er schluckt. “Ja. Ja, will Dich, Carol. So sehr. Ich habe nie etwas so gewollt, wie Dich.”
Langsam lässt er seine Hände über ihren Körper gleiten, bis er an ihrem Slip angekommen ist. Ungeduldig zerrt er ihn herunter, während Carol leise aufstöhnt.
Die Augen schließend, beisst sie sich auf die Lippe und hebt ihm ihr Becken entgegen.
“Tu es einfach, Tony. Mach schon.”
Ein letztes Mal atmet er tief durch, schlingt die Arme wieder um ihre Hüften und zieht sie an sich.
Ein leises, heiseres Aufkeuchen dringt über ihre Lippen und ihre Nägel bohren sich in seinen Rücken, als er sanft und fast zögerlich in sie eindringt.
“Ist - ist das okay?”, unsicher sieht er sie an und will sich schon wieder etwas zurückziehen, doch sie presst ihn nur noch enger an sich und lässt ihre Hände gemächlich an seinem Rücken hinauf bis zu seinem Nacken wandern.
“Mehr als okay.”
Langsam beginnt er sich in ihr zu bewegen und Carol, die Hände noch immer in seinem Nacken verschränkt, zieht ihn ein wenig zu sich herunter, um seine Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss zu verschliessen.
Er kann nicht anders, als sie bewundernd anzusehen, ihr wunderschönes Gesicht, auf dem jetzt der Zauber der Erregung zu sehen ist, ihre grauen Augen, in denen sich noch immer Verlangen, Sehnsucht und vielleicht auch ein Hauch Entrückung widerspiegeln, während sie leise immer wieder seinen Namen flüstert.
“Tony … Tony … Tony …”
Sie umschlingt ihn mit ihren Beinen, streichelt mit den Händen über seine Brust und richtet sich ein wenig auf, um ihm erneut einen tiefen, innigen Kuss zu entlocken.
Und während sie Beide ihren gemeinsamen Rhythmus finden, gewinnt Tony immer mehr Sicherheit, lässt die Stöße seiner Lenden immer schneller und härter werden.
Seine Hände streichen über ihren Körper, bohren sich schließlich in ihre schmalen Schultern, drücken sie auf die Matratze nieder und entlocken ihr so ein heiseres Stöhnen.
“Tony!”
Er hört entfernt, wie sie seinen Namen ruft, als er sie schließlich vollkommen den Halt verlieren lässt, sie sich aufbäumt, ihm entgegen kommt und sich an ihn presst.
Während er sich selbst endgültig ergibt und in ihr explodiert.
“Carol!”, dringt es laut und rau über seine Lippen, als er schließlich zitternd und schweißüberströmt auf ihr zusammenbricht.

+

Gedankenverloren streicht sie mit ihren Händen über seine Brust, lehnt den Kopf gegen seine Schulter und schliesst die Augen. Geniesst einfach nur seine Nähe, die Wärme seines Körpers und seinen Duft einatmen zu können.
“Ich weiss, ich verfüge zwar nur über begrenzte Vergleichsmöglichkeiten”, meint Tony schließlich, während er an die Decke starrt und seine Hand leicht über ihr Haar streicht. “Aber Sex mit Dir ist definitiv eine drei Stundenfahrt wert, Carol.”
Sie stößt ein glückliches Lachen aus und sieht ihn grinsend an. “Danke für die Blumen. Sex mit Dir ist auch definitiv mehr wert, als fünf Minuten Fußweg. Auch bei Regen.”
Mit einem gequälten Blick sieht er sie an, ein wenig verloren und zweifelnd.
“Hey”, meint sie sanft und legt die Hand an seine Wange. “Ich weiss nicht, was Du hast Tony. Aber für das, was Du mir gerade gegeben hast, würde ich auch drei Stunden lang durch die Gegend fahren.”
Und bevor er noch irgendetwas sagen kann, sieht sie ihm tief in die blauen Augen, legt ihm schnell einen Finger an seine Lippen, und verschliesst diese zu einem innigen, leidenschaftlichen Kuss.
“Ich glaube, daran könnte ich mich gewöhnen”, meint er mit einem breiten Lächeln, als ihr Kopf wieder an seiner Schulter liegt und seine Fingerspitzen ihren Arm entlang wandern.
“Hmm”, antwortet sie noch, bevor sie von einem Gähnen, das aus ihrer Kehle dringt unterbrochen wird. “Ich glaube, ich mich auch.”
Erneut lässt sie ein leises Gähnen verlauten. “Gähmm, mit Dir ins Bett gehen und fantastischen Sex haben, in deinen Armen einschlafen und am nächsten Morgen neben Dir aufwachen. Klingt - gähmm - wundervoll.”
“Findest Du?”
Sie nickt und schlingt die Arme um seine Taille. “Ganz sicher.”
Glücklich grinst er vor sich hin, drückt ihr einen kurzen Kuss auf den Scheitel.
“Weisst Du, Carol -”, schmunzelnd bricht er ab, als er bemerkt, dass sie bereits eingeschlafen ist.
“In meinen Armen …”, denkt er noch, bevor auch er selbst vom Schlaf übermannt wird.

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Unwillig versucht sie das sanfte Etwas abzuschütteln, das über ihre Wange streicht, sie kitzelt und sie somit aus ihren Träumen reisst. Etwas Unverständliches vor sich hin brummend, dreht sie sich auf die andere Seite und versucht sogleich wieder im Land der Träume zu verschwinden.
Ohne Erfolg, denn sogleich setzt das Kitzeln an ihrer Wange wieder ein, untermalt von einem leisen Lachen, das von der anderen Seite des Bettes zu kommen scheint.
“Guten Morgen, meine Schöne”, sagt Tony mit einem strahlenden Lächeln, als sie schließlich doch die Augen aufschlägt und sich aufsetzt.
Flüchtig reibt sie sich die verschlafenen Augen, bevor sie sich zu ihm hinüber lehnt und ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen haucht.
“Guten Morgen, mein Schöner”, antwortet sie grinsend und kichert leise, als sie sieht, dass ihre Worte seinen Worten einen zarten Rosaton verleihen.
“Hast Du gut geschlafen?”, erkundigt er sich, greift ohne genauer darüber nachzudenken nach ihrer Hand und verflicht seine Finger mit ihren.
“Wundervoll”, lächelnd hebt sie ihre verschlungenen Hände und fährt mit ihren Lippen leicht über seinen Handrücken. “Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal so gut geschlafen habe.”
Ein Strahlen huscht über sein Gesicht. “Ich auch nicht. Hast Du Hunger? Ich war einkaufen und habe uns Frühstück gemacht.”
Aus großen Augen sieht sie ihn an. “Du hast Frühstück gemacht? Daran könnte ich mich auch gewöhnen.”
Mit einem Grinsen, greift er neben sich und holt ein reich gedecktes Tablett hervor, das er auf seinem Schoß abstellt.
“Oh, Tony”, haucht sie überwältigt, als ihr Blick auf die einzelne Rose fällt, die auf dem Tablett in einer Vase steht.
“Was denn? Darf ich meiner Freundin etwa keine Rose schenken?”, mit gespielt unschuldiger Miene sieht er sie an, dass Carol nicht anders kann, als anzufangen zu lachen.
“Oh, doch. Von mir aus, kannst Du Deiner Freundin jeden Tag Rosen schenken.”
Glücklich schmiegt er sich an sie, lehnt den Kopf an ihre Schulter und verbirgt das Gesicht in ihren Haaren.

+

“Du, Carol?”, fragt er sie, als sie sich schließlich doch aus dem Bett gequält haben und Carol, nur mit einem um den schlanken Körper geschlungenen Handtuch bekleidet, die Küche betritt.
“Ja, Tony?”, neugierig mustert sie ihn, während sie sich noch eine Tasse Kaffee einschenkt und ihm gegenüber am Küchentisch Platz nimmt.
“Wie - ich meine”, ein wenig unbeholfen und nervös sieht er sie an. “Bleibst Du jetzt?”
Sie lacht. “Nun, Deine Wohnung ist schön, keine Frage. Aber hier ist ziemlich wenig Platz für Zwei, findest Du nicht?”
Er schüttelt den Kopf. “Das meine ich nicht. Naja gut, nicht nur.” Er räuspert sich kurz, bevor er weiterspricht. “Ich meine, bleibst Du jetzt bei mir? In meinem Leben? Oder muss ich Angst haben, dich genauso plötzlich, wie das letzte Mal wieder zu verlieren?”
Mit einem warmen Blick ihrer grauen Augen, sieht sie ihn an und wieder einmal hat Tony das Gefühl, sie könnte direkt auf den Grund seiner Seele blicken.
Ein Gefühl, das er nur bei Carol hat.
“Ich bleibe, Tony. Ich liebe Dich, hast Du das schon wieder vergessen?”, meint sie ernst und legt ihre Hand auf seine.
“Also - also, muss ich keine Angst haben, dass ich irgendwann aufwache und Du nicht mehr da bist? Dass ich irgendwann aufwache und feststelle, dass ich das alles nur geträumt habe?”
Mit einem leisen Seufzen erhebt sie sich von ihrem Stuhl, setzt sich schweigend auf seinen Schoß und schlingt die Arme um seinen Hals.
Tony schliesst die Augen, nimmt sich einen Moment Zeit einfach nur ihren Körper in seinen Armen zu spüren und ihren wundervollen Duft einzuatmen.
“Spürst Du das?”, wispert sie, reibt ihre Nase an seiner Wange und haucht eine Reihe kleiner Küsse seinen Hals entlang, bis zu seinem Ohrläppchen, nur um dann sanft hinein zu beissen.
“Ja”, murmelt er leise. “Ja.”
“Das spricht dann wohl dafür, dass ich echt bin, findest Du nicht auch?”
Und endlich fallen auch die letzten Zweifel und Ängste von ihm ab, kann er sich einfach nur noch entspannen und fallen lassen, weil Carol da ist, wirklich bei ihm ist und ihn auffangen wird.
So wie sie es schon immer getan hat.

“Was hältst Du davon, wenn wir uns eine neue Wohnung suchen?”
Es dauert ein paar Sekunden, bis er seine Sprache wiederfindet und ihr antworten kann.
“Eine gemeinsame Wohnung?”
Kichernd tippt sie ihm auf die Nasenspitze. “Genau. Eine gemeinsame Wohnung. Für Dich und mich. Und Lara, wenn’s sein muss.”
Er atmet einmal tief durch, bevor er sie an sich drückt und den Kopf in ihrer Halsbeuge verbirgt.
“Klingt nach einem Start in ein neues Leben. Einem Start in ein ziemlich gutes, wundervolles neues Leben.”
Zärtlich wuschelt sie ihm durch die Haare.
“Und Lara darf wirklich mit einziehen?”, fragt er mit einem neckischen Grinsen.
Sie nickt. “Solange Du einziehst, ist mir alles egal. Dann darf Lara ruhig mitkommen.”
“Gott, ich liebe Dich Carol. Ich liebe Dich!”
Langsam schlingt sie die Arme wieder um seinen Nacken. “Ich liebe Dich auch, Tony.”
Und ehe er sich versieht, liegen ihre Lippen wieder auf seinen und verwickeln ihn in einen innigen, leidenschaftlichen Kuss.

“Auf in unser neues Leben. Unser gemeinsames Leben.”



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