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Hexens Wünsche

von Nymphen
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Kyuubey OC (Own Character)
27.02.2016
30.05.2019
10
11.239
3
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08.06.2016 2.078
 
Platsch! Gerade hatte das junge Mädchen den Eimer in den Brunnen gekurbelt. Für sie bedeutete dieses Geräusch nur noch mehr Arbeit. Doch sie wollte  sich ja nicht beschweren so war halt das Leben als Bäuerin. Ihr Vater und ihr Bruder hatten schon genug auf dem Feld zu tun, da durfte sie nicht nur rumsitzen. Entschlossen fing Venezia zu Kurbeln an. Es war mühselig, da der Eimer bis zum Anschlag mit Wasser gefüllt war. Außerdem war die Holzkurbel extrem glitschig. Immerhin holte man sich schon einmal nasse Hände beim Wasser holen. Es war der Dorfbrunnen, an dem bediente sich jeder. Zum Leidwesen aller, stand dieses lebenswichtige Objekt nicht im Dorf selbst, sondern im Wald daneben. Der Schweiß lief ihr schon von der Stirn an einen so heißen Tag und sie befürchtete die Kurbel könnte ihr auskommen. Da legten sich zwei Hände auf ihre und halfen beim Kurbeln. Sie schaute auf und erblickte strahlend blaue Augen. Sie hatte genau dieselben, von ihrer Mutter. Venezias Bruder strahlte sie an. Auch die Haarfarbe der Geschwister war gleich. Tiefschwarz. Mühevoll hob sie den inzwischen angekommenen Eimer aus seiner Angel. „Danke! Ich dachte du müsstest weiter das Feld bestellen?“ Er Bruder sah sie an und zuckte nur mit den Schultern: „Naja. Man tut was man kann. Doch man erlaubt sich auch eine kurze Pause, welche man nutzt um seiner Schwester zu helfen.“ Fordernd streckte er die Hände nach dem Eimer aus. Das Mädchen übergab ihn und lächelte: „Ihr Wunsch ist auch mein Wunsch, werter Herr Bruder.“ Das Säuseln hatte sie wirklich gut drauf. Einmal war die junge Dame nämlich in der Stadt gewesen und da hatte sie so einiges von dem Hofadel aufgeschnappt.  Gemeinsam gingen die Beiden zurück ins Dorf. Der Junge hatte noch nicht mal schwer zu keuchen. Er war die harte Arbeit gewöhnt und das sah man ihm auch an. Er hatte starke Muskeln und war sonnengebräunt. Unter den Dorfbewohner war er sehr beliebt, da er jedem half. Nicht nur seiner Familie.
„Geht es eurem Vater schon besser?“ rief ihnen ein benachbarter Bauer zu, welchem sie auf dem Nachhauseweg trafen. Seit ein paar Tagen schon lag ihr Vater hustend im Bett und hatte starke Schmerzen im jeden Knochen. Die Kinder waren in Sorge, doch konnten sie ja wohl schlecht, ihre Tätigkeiten einstellen. Schon am nächsten Tag wollte der König persönlich kommen um die Steuergelder zu überprüfen.
„Leider nein. Das wird aber sicher gut werden!“
Venezia wünschte sich wirklich, sie hätte die Zuversicht ihres Bruders. Doch allein die Nachfrage zeigte den Ernst der Lage auf. Wenn selbst die Nachbarn die Krankheit mitbekommen hatten, so gab es nur noch mit einen Heiler Chancen. Doch diese Wundermänner waren teuer. Zu teuer, als dass ein Bauer je den Preis bezahlen hätte können. Mit einen knarren hielt das Mädchen die Eingangstür für ihren Bruder auf. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie schnell sie angekommen waren. Wie von alleine fanden sich die Geschwister bei ihrem Vater ein. Dieser lag schweißnass im Bett. Vorsichtig setzte sich die junge Dame an den Bettrand und tauchte den Lappen, welcher zuvor auf der Stirn des Kranken lag, ins lauwarme Wasser. Der Weg zu der Hütte hatte gereicht um die Kühle aus der Flüssigkeit zu ziehen. Dennoch merkte man sofort, dass dem alten Mann die Feuchtigkeit gut tat.
„Ich muss wieder aufs Feld. Du schaffst das sicher jetzt auch alleine. Bis zur Abendstunde, Venezia!“
Die Langhaarige nickte kurz zur Bestätigung und vernahm kurz darauf auch schon das Knarren der Tür. Gedankenversunken drückte die Jugendliche die fleckige Hand ihres Vaters. Ein Ausschlag war nie ein gutes Zeichen und Fieber erst recht nicht.
„Ich wünschte, du würdest wieder gesund werden?“
„Würdest du für diesen Wunsch auch dein Leben geben?“
Entsetzt schaute die Frau auf. Zuerst dachte sie, dass ihr Papa gesprochen hatte. Doch dann ging ihr auf, dass die Stimme viel zu hoch für ihn war. Verwirrt schaute sich Venezia um und entdeckte ein Wesen mit weißem Fell auf dem einzigen Stuhl neben dem Bett. Entsetzt sprang die Trauernde auf. Das Bett zwischen ihr und der Gestalt war ihr nicht genug und so ging sie langsam rückwärts bis die Wand ihr in den Rücken stach.
„Weiche von mir, Diener des Teufels!“
Der vermeintliche Dämon legte den Kopf schräg.
„Ich diene niemanden, außer mir selbst. Außerdem hast du meine Frage nicht beantwortet.“
Das Gehirn der Angesprochenen war wie vernebelt. Ihr war bewusst, dass dieses katzenartige Wesen auf keinen Fall natürlich war. Die einzige logische Schlussfolgerung wäre die Tatsache, dass der Teufel höchst persönlich ihr Haus betreten hatte. Doch was hatte es doch gleich gesagt. Es hatte nach einer Möglichkeit geklungen.
„Ich gebe also mein Leben und dafür kriegt mein Vater seins geschenkt?“ Die Frage war ihr einfach so heraus gerutscht. Sie wollte doch nicht verhandeln. Nicht mit einen Teufel, oder doch?
„Tut mir leid, ich habe mich falsch ausgedrückt. Es wäre möglich, dass du dein Leben verlierst. Zumindest war das bis jetzt immer der Fall. Ich möchte dir einen Handel vorschlagen.“
Die Bäuerin war hin und her gerissen. Sollte sie nicht jetzt schon betend auf den Knien sitzen und um Vergebung und Erbarmen von Gott hoffen um diesen Dämon aus ihrem Haus zu verbannen? Warum also wollte sie unbedingt mehr wissen. Da viel es ihr wie Schuppen vor die Augen. Weil sie ihren Vater so sehr liebte und deswegen auch ihre Seele verschenken würde. Was war die größere Sünde? Der Deal mit dem Teufel oder doch eher das Gesetzt der Nächstenliebe zu missachten?
„Was für einen Deal?“
„Ich bin froh, dass du fragst. Es ist eigentlich ganz einfach. Ich erfülle dir einen Wunsch. Irgendeinen beliebigen. Er wird in Erfüllung gehen. Doch im Gegenzug verlange ich, dass du gegen magische Wesen, namens Hexen kämpfst. Bevor du jetzt mich unterbrichst, lass dir gesagt sein, dass du wissen wirst, wie du sie findest. Es sind böse Kreaturen und sie zu beseitigen grenzt eigentlich schon an eine Heldentat.“
So wie der Dämon das ausdrückte klang es sehr verlockend und ein Blick auf ihren kranken Vater bestätigte ihre Entscheidung nur noch mehr. Doch war Venezia nicht ein Mädchen, das kurzfristig dachte. Nein, sie war ein Mädchen, welches weit in die Zukunft dachte. Diese Eigenschaft war bewundernswert und hatte großen Einfluss auf ihren Wunsch.
„Ok. Wir haben eine Abmachung. Doch wehe mein Wunsch sollte sich nicht für alle Ewigkeit erfüllen, dann werde ich keinen Finger für dich krumm machen.“ Mit eisigem Blick starrte die Schwarzhaarige in die Augen der Kreatur.
„Ich habe noch nie gegen eine Abmachung verstoßen.“
Erzählen kannst du mir viel, dachte die Angesprochene. Doch nannte sie ihren Wunsch um den Pakt zu besiegeln.
„Morgen kommt der König vorbei und ich möchte, dass er sich unsterblich in mich verliebt um mir jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.“
Das Gefühl, welches die Bäuerin daraufhin erfasste, war unbeschreiblich. Es war reine Energie, welche durch jedes ihrer Blutgefäße floss und sie mit einer Zielsicherheit ausstattete, die kein normaler Mensch besäßen hätte. Venezia war jedoch kein Mensch mehr. Sie war ein Magical Girl und der Ring mit dem ockerfarbenen Stein bewies diese Tatsache.
Glücklich lächelte der König seine Frau an.
„Möge Gott Venezia die Geschmückte vor allen Leid schützen!“ schrie das Volk. Die Bauern und der König. Die Einzigen glücklichen in diesem Trauerspiel. Der Adel war entrüstet, wegen der Bäuerin als Herrscherin und die neu Gekrönte konnte die Liebe einfach nicht erwidern. Jedoch hatten die Heiler ihr Bestes gegeben und es geschafft ihrem Vater das Leben zu retten. Darüber war das Mädchen erleichtert. Zumindest dieser Teil ihres Planes war schon aufgegangen. Sie hatte ihren Gatten sogar überreden können, die Steuern leicht zu senken. Soweit, dass sicher einige Tode ausbleiben würden. Sie sollte zufrieden sein und in gewisser Weise war sie das auch. Der einzige Nachteil war, dass sie den König nicht lieben konnte. Er gab ihr alles. Geld und Zuneigung. Doch alles beruhte auf einen Schwindel. Einen Abkommen mit dem Teufel. Die Königin setzte ein falsches Lächeln auf, welches aber bei jedem als echt ankam. Kaum zu glauben, dass der Handel schon eine Woche zurücklag. Bis jetzt hatte das Wesen Wort gehalten und so auch Venezia. Die Welt war momentan schon um drei Hexen leichter. Es kam ihr leicht vor. Zu leicht. Kaum berührte sie ihren Stein, fing dieser zu leuchten an und verkürzte ihr Gewand. Es ging dann nur noch bis zu den Knien und den Ellbogen. Die Farbe Ocker war Hauptbestandteil. Dann musste die junge Dame nur noch ihre Sense schwingen und schon war die Sache erledigt. Jetzt da sie offiziell im Schloss wohnte, könnte die Sache jedoch schwieriger werden. Doch das war ihr egal. Die ehemalige Bäuerin musste an das Gute in ihrem Wunsch glauben, ansonsten würden alle anderen nur noch mehr leiden.

„Liebste! Ich muss dir leider entsetzliches mitteilen! Dein Bruder wurde weggesperrt.“
„Was? Warum?“ Der Monarchin blieb bei dieser Nachricht die Luft weg.
„Anscheinend hatte er sich auf das Gelände geschlichen. So leid es mir auch tut, selbst für dich kann ich keine Ausnahme machen. Die Regeln sind klar. So ein Vergehen wird mit dem Tode bestraft. So will es das Gesetz.“
Völlig verdattert starrte die Gehmalin ihren Gatten an.
„Kannst du das Gesetzt nicht ändern? Immerhin bist du doch König.“
Die Bitte kam ihr leicht über die Lippen. All die Jahre hatte er nie einen Wunsch von ihr Abgeschlagen. Wie hätte er auch. Für ihn war Venezia der einzige Grund zum Weiterleben.
Unglücklich schaute der König sie an und schüttelte den Kopf. Als seine Frau daraufhin die Knien einknickten ließ er sie in ihrer Trauer allein. Inzwischen kannte er sie gut genug, um zu wissen, wann es Zeit war zu verschwinden.

Ein ockerfarbener Schein bannte sich einen Weg durch die Dunkelheit. Nach dem kurzen Aufleuchten hüllte er die Frau nur noch leicht ein. Sie hielt eine Sense mit beiden Händen fest und schlich in den Kerkern umher. Ihre Kraft hatte schon einmal jemanden aus ihrer Familie gerettet, die Chancen standen gut, dass sie es auch noch ein zweites Mal schaffen konnte. Ihre Schritte wurden langsamer, als die Zellen in Sicht kamen. Hinter den Gitterstäben konnte sie ihren Bruder erkennen. So als hätte er bemerkt, dass sie ihn beobachtete, schreckte er im Schlaf hoch. Die Pritsche sah nicht sehr gemütlich aus, aber das Landleben hatte einen gelernt Schmerzen zu ertragen.
„Venezia? Was ist denn mit dir passiert?“
Es dauerte eine Weile, bis sie seine Frage kapierte. Er wusste ja nichts von ihrem anderen Leben. Innerlich verfluchte sie sich für dieses vorschnelle Handeln.
„Egal, liebster Bruder! Tritt einen Schritt zurück und ich hol dich hier raus.“
Verwirrt und schlaftrunken tat er wie befohlen. Die Dame atmete einmal tief durch, bevor sie ihre Sense durch die Luft gleiten lies. Das Metall schnitt durch die Eisenstäbe, als wären diese aus Gras.
Mit großen Augen starrte er seine kleine Schwester an. Immer hatte er sie vor allem beschützen wollen und jetzt rettete sie ihn.
„Komm jetzt, oder willst du lieber sterben?“ Die Lady machte eine Handbewegung Richtung Ausgang und wandte sich schon um, nur um direkt in die Gesichter von zwei Wachen zu sehen. Diese rannten auf das verblüffte   Magical Girl zu und entwaffneten sie. Danach hielten sie Beide an den Armen am Boden.
„Keine Bewegung, du Hexe!“
Mit großen Augen beobachtete der Bruder das Geschehen. Die Schwarzhaarige veruchte mit aller Kraft sich zu wehren, doch die Wächter behielten sie am Boden. Sie drückten sie so, dass sie knien musste und ihre Haare ihr wie ein Vorhang vor die Augen fielen. Die Menschen, welche sie vor Hexen bewahrt hatte, hielten sie jetzt selber für eine. War das etwa Gerechtigkeit. Ihr Blick trübte sich. Die Dunkelheit hielt sie fest im Griff. Nur wage bekam sie mit, wie ihr Bruder die Sense hob. Gab es doch noch Hoffnung? Kaum war die Hoffnung aufgekommen, verwandelte sie sich in schiere Panik. Ihr Bruder hielt sie auch für eine Hexe und wollte ihr die gerechte Strafe zukommen lassen. Er holte mit seinen Armen aus. Durch die Haare erkannte Venezia, dass er um seine Schwester weinte, die er schon lange an eine Hexe verloren hatte. Die Dunkelheit holte komplett ab und als die Sense ihren Kopf abtrennte, war sie schon tot. An ihrer Stelle lebte die Hexe Roberta.

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Vielen Dank an alle Reviewschreiber und anderweitige Unterstützer.
Diese Kapitel fiel mir wegen der Zeit, sehr schwer. Ich hoffe es hat euch trotzdem gefallen.
Vor uns liegt nur noch eine Hexe und sie ist die mächtigste von allen.
Doch da sie aus drei Hexen besteht, wie ich irgendwo gelesen habe, werde ich sie auch in drei Kapitel höchstwahrscheinlich schreiben.
LG
Nymphen
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