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Hexens Wünsche

von Nymphen
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Kyuubey OC (Own Character)
27.02.2016
30.05.2019
10
11.239
3
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28.03.2016 1.202
 
Sonnenstrahlen kitzelten das schlafende Mädchen wach. Fröhlich sprang sie aus dem Bett und riss die Vorhänge auf. Heute war Samstag und Margrit hatte nicht vor, diesen zu verschlafen. Energisch sprintete die 13-jährige die Treppe hinunter und freute sich auf das Frühstück, welches schon so verlockend duftete. „Guten Morgen!“ grüßte sie ihre Familienmitglieder. Alle waren schon um den Tisch versammelt. Ihre Mutter, ihr Vater und natürlich auch ihr großer Bruder.
„Guten Morgen, Schatz. Bist du auch schon wach?“ grüßte ihre Mutter zurück. Die anderen beließen es  bei einen Nicken, aus reiner Höflichkeit. Mit offenem Mund spricht man ja nicht. Sie setzte sich hin und wollte nach dem letzten Keks greifen, als ihr Bruder diesen auch schon in den Mund schob.
„Oh, entschuldige. Wolltest du ihn etwa?“ fragte der Übeltäter mit unschuldiger Miene. Grimmig schaute sie drein. „Das verzeih ich dir sicher nicht so schnell.“ Dieser Satz brachte den Angesprochenen zum Überlegen. „Ja, man muss seinen Feinden verzeihen, aber nicht früher, als bis sie gehenkt worden.“ Margrit stöhnte auf, doch im Inneren war sie glückselig. Ihr Verwandter hatte immer ein Zitat bereit. „Und, von wem war es dieses Mal?“ In ihrer Stimme lag zwar Desinteresse, jedoch war auch dies geschauspielert. Sie brannte vor Neugier.
„Von Heinrich Heine aus ‚Aphorismen und Fragmente‘.“ Während der Antwort, schmunzelte der junge Mann und reichte ihr einen versteckten Keks. Nach dem Essen setzte sich jeder an sein Hobby. Bedeutete die Mutter ans Nähen, der Vater ans Malen, der Bruder an die Studie über Schmetterlinge und Margrit ans Gärtnern. Sie liebte die Natur. Die Blumen und Bäume welche sanft im Wind mit schwangen und im Frühling entzückend dufteten. In der Familie Gärtner hatte jeder ein Talent, welches zum Hobby wurde und nicht selten zum Beruf. Verträumt kümmerte sich das junge Mädchen um die Rosen. Wenn sie doch nur eine von ihm bekommen würde. Jedes Wochenende freute sie sich schon wieder auf die Schule, denn da würde sie ihren Klassenkameraden wiedersehen. Doch jedes Mal versagte ihre Stimme schon bei einen guten Morgen. Es war nicht auszuhalten. Die Liebe war nur eine Münze mit zwei Seiten. „Autsch!“ Margrit war abgelenkt gewesen und hatte sich dadurch in den Finger gestochen. Doch der Blutstropfen landete nicht wie erwartet auf brauner Erde sondern auf weißem Fell. Fell? Vorsichtig wurden die Blüten beiseite gestrichen und entblößten ein eigenartiges Wesen. „Willst du einen Pakt mit mir schließen?“ Überrascht fiel das Mädchen  nach hinten um und die roten Blütenblätter verdeckten erneut das Schneeweiße. Der Kopf wurde herausgestreckt, sodass die Blumen wie ein Kragen wirkten.
„Ich erfülle dir einen Wunsch und du setzt dafür dein Leben aufs Spiel. Was sagst du?“
Margrit sagte nichts. Sie viel nur um wie ein Sack Kartoffeln.

Langsam öffneten sich die schweren Lider. Der Boden war nicht hart, sondern eher weich wie eine Matratze. Langsam kapierte die junge Frau, dass es daran lag, dass sie in ihrem Bett lag. Anscheinend hatte man sie vom Garten hochgetragen. Wie lange sie wohl ihr Bewusstsein verloren hatte? Warum war sie eigentlich ohnmächtig gewesen? Ach, ja! Sie hatte irgend so ein komisches Wesen bemerkt. Doch das musste eigentlich eine Wahnvorstellung gewesen sein. Es wäre wohl besser, wenn niemand davon erfuhr.
„Wäre es wohl wirklich. Die meisten reagieren etwas ungewohnt auf meinen Anblick. Dabei habe ich schon viele Komplimente für mein niedliches Aussehen bekommen. Geht es dir jetzt wieder gut genug, um einen Vertrag mit mir einzugehen?“
Entsetzt quiekte der Teenager auf. Sie musste noch träumen. Ja! Das war alles ein Traum. Sie zwickte sich in den Arm und hoffte damit das Verschwinden der Gestalt auf ihrem Schreibtisch herbeizurufen. Jedoch half es nichts und das Wesen sprang sogar zu ihr auf die Bettdecke. Die Tür wurde einen Spalt geöffnet und ein Lichtstrahl fiel in das düstere Zimmer. Margrit war gar nicht aufgefallen, dass ihre Vorhänge zugezogen worden waren. Ihr Bruder steckte den Kopf ins Zimmer hinein.
„Du bist ja wach. Welch ein Glück! Du hast uns allen einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Am besten du schläfst dich erst mal aus. Wir können dann später reden.“ Seine Stimme war schwach und voller Sorge. Er wollte schon wieder seinen Kopf zurückziehen als er es sich eines Besseren besann. Er trat ein strick ihr den Pony von der Stirn und küsste diese. „Zufriedenheit ist ein stiller Garten, in dem man sich ausruhen kann. Von Ernst Ferstl.“ Damit ging er aus dem Zimmer hinaus. Sie musste lächeln. Er hatte wirklich immer einen passenden Spruch auf den Lippen, deswegen entschied sie sich auch zufrieden mit dem Aufschub zu sein. Doch leider musste die Kleine noch etwas regeln, bevor sie sich endlich ausruhen konnte.
„Jeden Wunsch?“
„Jeden Wunsch.“
„Gut. Und ich muss dafür mein Leben einsetzen?“
„Ja.“
„Gut. Kann ich ihn gleich aufsetzen?“
„Ja. Du musst ihn mir nur nennen und den Rest erledige ich.“
„Gut. Ich möchte das sich mein Schwarm in mich verliebt.“
Ein Schmerz durchzuckte ihren ganzen Körper und sie fiel zurück in ein tiefes Schwarz. Doch war ihr eine Tatsache bewusst. Ein neongrüner Stein lag in ihrer Hand.

Eine riesige Schere hielt das Mädchen in den Händen. Sie trug eine neongrüne Latzhose mit einen weißem Hemd darunter. Ihre Haare waren zu einen Pferdeschwanz gebunden und der Pony von der Stirn gekämmt. Der Griff der Schere war ebenfalls grün und das Metall glänzte gefährlich scharf.
„Cut Finale!“ schrie sie und trennte der riesigen Puppe den Kopf ab. Derweile dachte sie die ganze Zeit an ihren Freund. Er lächelte sie immer an und schenkte ihr Blumen. Auch hatte er keine Probleme damit, Margrit vor seinen Freunden zu küssen. Er war so süß und aufmerksam, dass sie sich immer ins Zeug legte. Eine Blutlache spritzte aus dem Rumpf, aber auch ein Greef Seed war zu erkennen. Die Welt verschwand, mit dem Blut. Die junge Dame nahm das Hexenei entgegen und nutzte ihn auch gleich um ihren Seelenstein erneut zu erhellen. Sie war noch nie so glücklich gewesen und so löste sich ihr Outfit auf und hinterließ ein langes, rotes Kleid, welches für ihr Date gedacht war.

„Er liebt mich nicht! Er liebt mich nicht!“ Mit jedem Satz fiel auch ein Blütenblatt zu Boden. Am Ende blieb nur die Mitte der Rose übrig und schon landete die nächste Blume in Margrits Hand. Ein Geschenk nach dem Anderen von ihrem Liebhaber wurde zerstückelt. Immer wieder folgte der Satz. Tiefschwarze Tränen sammelten sich im Rock des Mädchens. Dieser war ursprünglich weiß gewesen. Doch jetzt war er braun vor Dreck, Grün vor Gras und rot vom Blut, welches von ihrer Faust tropfte. Und dennoch spürte der Teenager keinen Schmerz. Die Dornen hinterließen tiefe Schnitte, doch der Kummer war zu groß. Mit jedem Satz wurde auch der Soul Gem dunkler. Dieser stand im Blütenberg und war kaum noch zu erkennen. Das Magical Girl war bei der letzten Rose angekommen. Sie sah sie an und zerdrückte sie. „Er – liebt – mich – nicht!“ Tod fiel das Mädchen um. Im Garten der Familie Gärtner gab es nur noch verdorrte Pflanzen, eine Leiche, einen Berg aus Rosenblättern und einen tiefschwarzen Stein. Doch all dies wurde durch einen Bannkreis ersetzt. Die Hexe Gertrud hatte ihre Geburt erlebt.


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So ich wollte nur einmal die Gelegenheit nutzen und mich für die Review und die Favouriteneinträge bedanken. Vielen Dank! Ihr ermutigt mich weiterzuschreiben.
Liebe Grüße
Nymphen
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