Hexens Wünsche

von Nymphen
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P12
Kyuubey OC (Own Character)
27.02.2016
30.05.2019
10
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Ihre Augen waren starr auf den Bildschirm gerichtet. Ein Bild folgte dem nächsten. So schnell, dass es einen Film ergab. Es war erstaunlich. Sie war alt genug um dieses Meiserwerk aus Menschenhand zu bewundern. Mit der Zeit war sogar Farbe dazu gekommen. In der Schule hatten sie alles darüber gelernt, doch niemand schien wirklich zu verstehen was ein Fernseher war. Marianne wusste es. Ein Meisterwerk. Anders konnte man es doch gar nicht bezeichnen. Schon von klein auf, hatte das Mädchen eine andere Sichtweise gehabt. Sie war nicht verrück oder so. Nein, es war viel eher so, dass sie den wahren Wert von Gegenständen erkannte. Dabei bezog sich diese Sicht der Dinge nicht immer nur auf Sachen, sondern auch auf Beziehungen. So war die Beziehung ihrer Freundin Nadja genau so viel wert wie eine Haarklammer für einen Menschen mit Glatze. Nämlich gar nichts. Sie lachte sich jede Woche einen neuen an und die Jungs waren auch noch froh, wenn sie auf ihrer Abschussliste standen. Doch noch weniger war ihre eigenen Familienbeziehung wert. So wie schon oft saß die 15-jährige allein vor der Glotze. Sie hätte auch nackt auf dem Tisch tanzen können, es störte niemanden. Ihre Eltern waren nicht zu Hause. Das war die Normalität in diesem Haus. Doch wenn die Erziehungsberechtigten sich doch einmal von der Arbeit los reißen konnten, dann war es so als gäbe es gar keine Tochter. Sie war nicht existent.
Wenn ich doch nur ein Talent hätte. Vielleicht würde man mich dann bemerken.
Die Jugendliche dachte zurück an ihre Kindheit. Sie hatte kindliche Zeichnungen gemalt, ohne jegliches Talent. Damals hatte noch jeder ‚Ach, wie schön!‘ ausgerufen. Inzwischen waren die Bilder nicht besser geworden und wurden auch gar nicht mehr angesehen. Mit dem Singen war es sogar noch schlimmer, dass hatte ich nämlich noch nie gekonnte. Meine Stimme war einfach nicht zu gebrauchen. Weswegen ich mir auch gleich den Traum vom Schauspielern abschlagen konnte. Dabei wollte sie doch unbedingt auch in diesen magischen Kasten zu sehen sein. Es war doch echt zum Verzweifeln wie nutzlos sie war. Sie würde wirklich alles für ihren Traum geben. Um endlich eine Anerkennung und auch Beachtung zu erhalten. Ihr Blick viel auf die Engelsstatuen ihrer Mutter. Ja, sogar einen Pakt mit dem Teufel würde sie eingehen. Wäre sogar eine Gelegenheit ihrer Mama eines auszuwischen.
„So vernarrt bist du also in deinen Wunsch?“ fragte eine piepsige Stimme.
Marianne drehte sich mehrmals um sich selbst, bis sie auf der Kommode eine Katze sitzen sah. Beim näheren Hinsehen verschwand aber der Gedanke an eine Katze. Das Fell war so weiß wie Porzellan und die Ohren schienen eher eine Mischung aus Katze und Hase zu sein. Außerdem war das Ende des Hasenteils rötlich. Und dann gab es noch diesem komischen, goldenen Reifen um die Lauscher herum. Das Erschreckendste war aber das Gesicht. Es gab nicht wirklich eine Nase nur einen geschwungen Mund. Doch Augen waren vorhanden. Es waren rote Löcher, welche Gefühlslos vor sich hin starrten. Dieser Blick ließ ihr einen Schauer über den Rücken laufen. Sie schluckte schwer. Dieses Wesen schien harmlos, doch sahen die Bösen nicht immer unschuldig aus. Zumindest war es so in den Filmen.
„Hat dich der Teufel geschickt?“ Sie merkt wie ihre Stimme zitterte, doch in ihr kam Panik auf und sie war kurz davor in Tränen auszubrechen.
„Nein. So etwas wie den Teufel gibt es doch gar nicht. Ich bin gekommen um einen Pakt mit dir zu schließen.“
Das Mädchen atmete nur noch stoßweise, dennoch war ihre Neugier geweckt. Hatte sie gerade eben nicht selbst gesagt, dass sie gerne einen Pakt schließen würde?
„Was für einen Packt?“ Keine sichtlichen Reaktionen im Gesicht des Wesens. Keine Freude und keinen Siegesdurst.
„Ich möchte, dass du ein Magical Girl wirst und gegen Hexen kämpfst. Dies ist hochgefährlich, aber im Gegenzug würde ich dir einen einzigen Wunsch erfüllen. Egal welchen.“
Das hatte Marianne jetzt nicht erwartet. Sie überlegte. Doch sie hatte es vorhin schon gedacht. Für ihren Wunsch würde sie ein Abkommen mit dem Teufel eingehen. Das hier  war nichts anderes. Entschlossen nickte sie.
„Gut, dann lass uns diesen Vertrag eingehen. …  Was muss ich dafür machen?“
„Sprich nur deinen Wunsch aus, denn Rest erledige ich schon.“
„Gut. Ich möchte ein wahres Talent für alles haben. Ich möchte dadurch die Beste in allem sein und Aufmerksamkeit erlangen.“
Es fühlte sich gut an endlich die Wahrheit auszusprechen. Ein Lächeln schlich sich auf die Lippen der 15-jährigen. Doch dieses wurde durch eine schmerzverzerrte Grimmasse ersetzt und ein Licht im dunklen Fuchsia Ton erfüllte die Wohnung.

Ein Dolch nach dem Anderen flog auf das Herz zu. Jeder Wurf traf sein Ziel mit einer Genauigkeit, wie man es nicht für möglich gehalten hätte. Blut tropfte aus den Wunden und tränkte den Boden. Doch das ganze Bild flimmerte und verschwand dann völlig. Wurde durch ein neues Ersetzt. Ein Mädchen in einen fuchsia Overall ohne Ärmel stand mit einem Dolch in der Hand auf einem verlassenen Fabrikgelände. Ein Schimmer umhüllte sie und als dieser verschwunden war, hatte die junge Dame eine verwaschene Jeans und eine elegante, weiße Bluse an. Sie hob einen schwarzen Stein auf führte ihn an einen in der Farbe ihres vorherigen Outfits. Dieser befand sich in einer Goldfassung. Kurz bevor sich die Beiden berührten wurde die Dunkelheit in den Dunkleren gezogen. Der Andere leuchtet hell auf. Sie bildete um den Hellen eine Faust und den anderen warf sie Kyubey zu. Dieser aß ihn mit seinen Rücken. Ein Grinsen hatte sich auf das Gesicht von Marianne gebildet. Doch dieses wurde durch einen unglaublichen Gesichtseindruck ersetzt. „Verdammt. Ich komme noch zu spät zur Aufführung!“

Tränen rannten die Wangen des Mädchens hinunter. Sie stand Mutter Seelen allein auf dem Rand eines Brunnens. In ihren Händen glitzerte ein Juwel. Sie starrt ihn an. Dieses wunderschöne Stück. Doch es war nicht mehr wundervoll. Der schwarze Ton, welcher langsam dazu kam passte perfekt zur wahren Natur fand sie. Es war der Grund ihres Leidens. Sie hatte Aufmerksamkeit. Sie hatte Talent. Sie hatte Bewunderer. Aber all dies war nicht echt. Es war eine Lüge. Nichts davon hatte sie selbst geschafft. „Eine Lüge!“ schrie sie in die Stadt hinein. Es war so dunkel, doch der Stein war noch dunkler. Sie warf ihn wütend in den Brunnen. Sah zu wie er immer dunkler wurde, tiefer sank und schließlich als Hexenei im Brunnen landete.

Eine Unterwasserwelt bildete sich. Es flogen kleine Engel vorbei. Vorbei an Pferden und weiteren Mustern. Im Zentrum drohte ein Fernseher, wie er einst Marianne gehört hatte. Die Sendung bestand aus einer weiblichen Silhouette auf einen Podest. Die Hexe Kirsten.

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Um Marianne zu veranschaulichen, habe ich ein Bild zu ihrer Magical-Girl- Gestalt gezeichnet. Ihr findet es Hier.
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