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~ Murderous Fools ~

GeschichteAbenteuer, Horror / P18 / Gen
27.02.2016
31.10.2018
5
7.623
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27.07.2016 1.070
 
Es war schon kurios, wie gut das Gehirn einem im Traum etwas vormachen und Personen, Stimmen und Räumlichkeiten so überzeugend nachstellen konnte, dass es real wirkte.
Du hattest nicht das Gefühl gehabt, dass dir Freddy im Film besonders große Angst gemacht hatte, sondern du warst eher fasziniert gewesen, da das nicht das erste Mal war, dass es dir in Filmen die Bösen ganz besonders angetan hatten.
Nun aber quasi, egal ob nun im Traum oder nicht, direkt vor ihm zu stehen, war etwas völlig anderes und reichlich einschüchternd.
Obwohl er mit seiner verbrannten Haut und dem Weihnachtspullover eigentlich recht gute Möglichkeiten bot, ihn ins Lächerliche zu ziehen, um ihm dadurch etwas von seiner Bedrohlichkeit zu nehmen, schien es dir im Augenblick unmöglich und  zu gefährlich diese Dinge in irgendeiner Weise zu kommentieren.
Stattdessen gingst du die restlichen Schritte bis hinein in eure Küche und strichst mit einer deiner Hände zögerlich über den schwarzen Griff des langen Küchenmessers, das wohl deine beste Verteidigung darstellen würde, wenn er sich tatsächlich gleich dazu entschied, dich anzugreifen.
Wenn das alles auch doch nur ein Traum war, die innerliche Panik, die dich ergriffen hatte, war echt.
Er war dir bis zum Eingang der Küche gefolgt und nun hatte er sich lässig in den Türrahmen gelehnt, wodurch er dir den Weg versperrte, solange du nicht über den Küchentresen zurück ins Wohnzimmer klettertest.
Du machtest allerdings zunächst keine Anstalten das zu tun, da dich seine Antwort auf deine folgende Frage viel mehr interessierte.
"Warum bist du hier? Ich meine...was willst du?"
Dir fiel auf, dass er das Messer in deiner leicht zitternden Hand mit einem Blick bedachte, der vermuten ließ, dass du damit nach dem denkbar unpassendsten Gegenstand gegriffen hattest.

"Was ich will? Hm..."
Nachdenklich legte er den Kopf schief und tippte sich ein paar Mal mit einer Klinge seines Handschuhs ans Kinn.
"Wie war denn nur noch gleich das Wort? Ich bin mir sicher, es war irgendetwas mit 'R'...-"
Du sahst ihn weiterhin ziemlich entgeistert an, bis er plötzlich seinen Zeigefinger mit der Klinge anhob.
"Ah, natürlich! Rache! Es war kalte, blutige und erbarmungslose Rache an all' diesen verfluchten Eltern mit ihren 'ach-so-lieblichen' kleinen Rotzgören, von denen sich niemand mehr an meine Existenz erinnert!"
Beim Sprechen geriet er offenbar immer mehr in Rage, da er zunehmend lauter wurde und er wieder damit begonnen hatte, sich dir zu nähern.
"Allerdings ist das ist ja nichts Neues, du hast den Film gesehen, nicht wahr?  Und weißt du, was das Schlimmste und zugleich Lächerlichste an der ganzen Sache ist? An ihn erinnern sie sich! Vor diesem deformierten Riesenbaby haben sie noch Angst...! Kannst du das fassen?!"
Du hattest nicht wirklich eine Ahnung, von wem er überhaupt sprach, aber da Freddy mittlerweile fast direkt vor dir stand, hobst du statt einer Antwort das lange Messer vor deinen Körper.
Es dauerte nicht einmal fünf Sekunden, bis er es dir bereits mithilfe seiner Klingen aus der Hand geschlagen hatte, bevor sich die, die er frei hatte, an deine Kehle legte.
Sein Griff schnürte dir nicht so sehr die Luft ab, dass du nicht mehr atmen konntest, aber die Geste an sich verdeutlichte dir nur allzu sehr, wie stark du ihm momentan ausgeliefert und unterlegen warst.
"Aber...-"
Mit einem Mal schien er sich wieder zu beruhigen und er strich dir infolgedessen fast schon behutsam mit einer der Klingen über deine Wange, ohne dabei deine Haut zu verletzen.
"...- hier kommst du ins Spiel. Du kennst dich aus mit Horrorfilmen, hab' ich nicht Recht? Du hast ein Faible für das Übernatürliche und das Böse..."
Er sah dich mit einem leichten Lächeln und einem wissenden Blick an, sodass es wirkte als hätte er soeben dein Geheimnis ausgeplaudert.
Dann ließ er dich los und entfernte sich wieder ein Stück von dir.
"Ich habe selbst schon jemanden im Kopf, aber ich weiß, dass du mir in dieser Hinsicht bestimmt noch mehr Namen nennen und dich als nützlich erweisen kannst."
Er machte eine kurze Pause.
"Es sei denn natürlich, du willst nicht."
Das...war nicht wirklich eine Option, oder?
"...Dann wäre jetzt hier allerdings bereits Endstation für dich und ich bin sicher du verstehst, wie ich das meine."
Sein Blick fiel auf die silbern glänzenden Klingen an seiner Hand, an denen im Augenblick eindeutig viel zu wenig Blut klebte.
"Das wäre doch schade, hm? Aber ich will dich ja schließlich zu nichts zwingen...~ "
War die Tatsache jemandem den Tod anzudrohen nicht die Definition davon zu etwas gezwungen zu werden...?
"Ich...also...an wem genau möchtest du dich rächen?"
Er sah dich kurz an, als ob das doch vollkommen offensichtlich war, bevor er den Namen mit, vor Verachtung triefender, Stimme aussprach.
"Jason."
Moment, er meinte also diesen Jason Voorhees aus 'Freitag, der 13.' ?
Aber was zum Teufel hatte er denn mit dem zu tun?
Das war doch eine Figur aus einem völlig anderen Film!
Hieß das etwa, dass sich all' diese Filmfiguren untereinander kannten?
Nein, schließlich wollte er weitere Namen von dir erfahren und du nahmst an, dass er damit die Namen von Mördern aus anderen Horrorfilmen meinte.
"Um ehrlich zu sein...weiß ich nicht, ob ich dir helfen kann. Ich habe die Filme mit dir, Michael und der Mutter von diesem Jason gerade erst gesehen. Es ist gut möglich, dass ich mich nicht so gut auskenne, wie du dir das vorstellst und...-"

Er unterbrach dich.
"Verstehe ich das richtig, du versuchst gerade mich davon zu überzeugen, dass du quasi nutzlos für mich bist und ich dich genauso gut umbringen könnte...?"

"Nein! Ich...-"
Du hattest noch immer nicht wirklich eine Ahnung, ob du dir das alles hier nur einbildetest und es ein Traum oder so eine Art Halluzination war - zur Hölle, vielleicht warst du sogar verrückt geworden - aber du musstest zugeben, dass sich die Prämisse im Eigentlichen spannend und nach der Abwechslung anhörte, die du dir gestern Abend noch im Stillen gewünscht hattest.
Abgesehen davon, schienst du im Moment ohnehin keine große Wahl zu haben, weshalb du dir schließlich sogar ein motiviertes Lächeln abringen konntest.
"...- Ich bin dabei!"

Er grinste zufrieden, bevor er seinen Fedora abnahm und ihn stattdessen auf deinem Kopf platzierte.
"Gute Entscheidung!  ~  "
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