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~ Murderous Fools ~

GeschichteAbenteuer, Horror / P18 / Gen
27.02.2016
31.10.2018
5
7.623
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30.04.2016 1.591
 
Nicht lange nachdem du mit deinem Hund von eurem kleinen Ausflug zurückgekehrt warst, warst du auch schon dabei, dir die Zähne zu putzen und ein Bad zu nehmen, das die Anspannung des Tages etwas von dir nehmen sollte.
Es war zwar erst kurz vor 10 Uhr als du dich im Anschluss daran bereits ins Bett fallen ließest und das war eigentlich etwas zu früh, um sich an einem Freitagabend hinzulegen, aber du warst nach dem Schultag und dem Schauen der Filme erschöpft.

Als du die Augen schlossest, erschienen zahlreiche Bilder und Szenen, die darin vorgekommen waren, in deinem Kopf.
So sahst du noch einmal wie der kaltblütige Michael Myers einen jungen Mann mit einem großen Küchenmesser an die Wand pinnte und er daraufhin langsam den Kopf zur Seite legte, sodass es wirkte als würde er sein Werk bewundern.
Außerdem dachtest du an die Endszene aus ‚Freitag, der 13.‘, in der ein Mädchen auf einen Kanu über den Crystal Lake trieb, bevor es plötzlich von einem deformierten Jungen, der der Sohn von Mrs. Voorhees namens Jason zu sein schien, aus dem See heraus angegriffen und hineingezogen wurde.
Am allermeisten war dir jedoch die Szene aus ‚A Nightmare on Elm Street‘ im Gedächtnis geblieben, in der Freddy Krueger Tina ermordet hatte.
Die Bilder, wie sie blutüberströmt an der Zimmerdecke umhergekrochen war, waren wirklich nicht so leicht aus dem Kopf zu bekommen…

In diesem Moment ertönte auf einmal klar vernehmbar das Geräusch von fließendem Wasser aus dem Badezimmer im Erdgeschoss, was dich deine Augen wieder öffnen ließ.
Du hattest das Wasser doch nicht etwa laufen gelassen, oder?
Zumindest war das unwahrscheinlich, da du es abgedreht hattest, als die Badewanne voll gewesen war und du dir danach nur noch mit dem Duschkopf die Haare gewaschen hattest.
Es hörte sich aber so an, als hätte schlichtweg jemand einen Hahn aufgedreht, aus dem nun kontinuierlich das Wasser strömte.
Etwas eigenartig war das ja schon, aber du wusstest, dass du, wenn du gerade einen Horrorfilm gesehen hattest, immer sofort einen Geist, Dämon oder Serienkiller hinter jeder Kleinigkeit vermutetest, weshalb du dir nicht sonderlich viel dabei dachtest, als du dich erhobst um dem Geräusch nachzugehen.

Unten im Bad angekommen bemerktest du, dass der Wasserhahn des Waschbeckens tatsächlich aufgedreht war.
Du erklärtest dir diese Tatsache damit, dass du nach dem Zähneputzen einfach so in Gedanken gewesen warst, dass es dir entgangen war.
Normalerweise vermiedest du es nachts in Spiegel oder irgendwelche reflektierenden Oberflächen zu sehen, da du jedes Mal halb damit rechnetest dort statt dir selbst eine blutige Frau, eine Leiche oder den Teufel höchstpersönlich zu sehen.
Dieses Mal traf dein Blick die Oberfläche des Badspiegels jedoch.
Wenig überraschend, war darin allerdings bloß eine Person zu sehen, die das Wasser abdrehte und die dir noch dazu zum Verwechseln ähnlich sah.
Gerade, als du dich daraufhin zuversichtlich, dass kein wahnsinniger Mörder die Wasserrechnung deiner Eltern in die Höhe trieb,  auf den Weg zurück in dein eigenes Zimmer machen wolltest, erklang unvermittelt das typische, leicht quietschende Geräusch, das das Öffnen der Vordertür eures Hauses mit sich brachte…

Das ließ dich nun doch nervös werden, während du verunsichert im Gang stehen bliebst.
Die einzigen Personen, die einen Schlüssel zu dieser Tür hatten, waren du selbst und deine Eltern, die jedoch vor Sonntag nicht zurück sein würden.
Das nächste, was dir durch den Kopf schoss, war ein Einbrecher, doch warum sollte er den Schlüssel haben…?
Du warst dir sicher, dass du vorhin, als du mit dem Hund zurückgekommen warst, die Vordertür abgeschlossen hattest und es hatte sich gerade wirklich nicht so angehört, als ob die Tür aufgebrochen worden war.
Angestrengt lauschtest du in den Flur hinein, doch es waren keinerlei weitere Geräusche auszumachen.
Keine Schritte, keine Stimmen, kein Atmen und es klang auch nicht so, als würde sich jemand an euren Sachen zu schaffen machen.
Da du genügend Horrorfilme gesehen hattest, um zu wissen, dass es für gewöhnlich keine gute Idee war, seltsamen Geräuschen nachzugehen, gingst du stattdessen mit vorsichtigen Schritten rückwärts.
Wahrscheinlich war es nur der Wind oder so etwas gewesen und du machtest dich gerade lächerlich, aber Vorsicht war bekanntermaßen besser als Nachsicht und euer Haus besaß glücklicherweise eine Terrassentür, durch die man ebenfalls nach draußen kam.
Auf diese Weise, würdest du dazu in der Lage sein, ungesehen hinaus zu gelangen, von wo aus du dir einen besseren Überblick verschaffen und  wenn nötig warten oder sogar die Polizei rufen konntest, falls es tatsächlich danach aussah, als ob sich jemand im Haus befand.
So drehtest du dich also um und gingst zielstrebig auf die große Glastür zu, die im Augenblick noch von einem Vorhang verhüllt wurde.
Hinter dir, war noch immer nichts zu hören und als du einmal, nur um vollkommen sicher zu gehen, einen Blick über deine Schulter warfst, war dort niemand zu sehen.
Infolgedessen entspanntest du dich wieder etwas, während du die elektrische Laterne auf der Veranda anmachtest und den Vorhang aufzogst.
Als du nach draußen sahst, schien dein Herz für einen Moment auszusetzen, da vor der Tür ein kleines Mädchen mit blonden Locken und einem weißen Nachthemd stand, das zu dir herein sah.
Das…das konnte doch unmöglich sein!
Wieso zum Teufel sah sie genauso aus, wie die seilspringenden Kinder aus dem Film und warum stand sie nachts vor der Tür eurer Veranda…?!
…Konnte es sein, dass du dir das alles nur einbildetest?
Aufgrund dieses Gedankens schlossest du fest die Augen und öffnetest sie erst einige Sekunden später wieder, wobei du hofftest, dass das Kind verschwunden sein würde.
Zu deiner großen Verwunderung war sie allerdings immer noch da und es schien so, als wolle sie dich dazu auffordern, ihr die Tür zu öffnen.
Obwohl sie wenigstens nicht auch noch damit begann das schauerliche Kinderlied zu singen, warst du dir langsam doch recht sicher, dass das hier ein Traum sein musste.
Die gesamte Atmosphäre und die Skurrilität der Situation konnten nur Anzeichen dafür sein, dass das hier nicht real war und dazu jagten sie dir einen kalten Schauer über den Rücken.
Während du dich in den Arm kniffst, was dir merkwürdigerweise trotz allem wehtat, begann das Mädchen gegen die Scheibe zu klopfen, was dich davon zurückweichen ließ.
„Freddy ist wieder da. Er kommt uns holen!“
Du starrtest sie verständnislos an.
„Du musst aus dem Haus kommen!“

Moment, sie wollte also gar nicht, dass du sie hereinlässt sondern, dass du selbst nach draußen kamst…?
War das eine Falle? Versuchte sie dich zu ihm zu locken?
Auch, wenn das hier alles nur ein Traum war, hattest du keine große Lust dem Killer direkt in die Arme zu laufen.
Deshalb machtest du auch keinerlei Anstalten ihr die Tür zu öffnen.
„Nein, tut mir leid. Wer auch immer du bist, du solltest nach Hause gehen…“

Diese Worte sorgten jedoch nur dafür, dass sie noch vehementer gegen das Glas klopfte.
„Mach‘ die Tür auf, bitte!“

In diesem Moment, ertönten plötzlich Schritte aus dem Gang, der hinter dir lag.

Infolgedessen warfst du einen flüchtigen Blick über deine Schulter, bevor du wieder zu dem Mädchen sahst, dessen Hände zu bluten begonnen hatten, wodurch es nun purpurrote Abdrücke an der Scheibe hinterließ.
„Komm‘ zu mir, ich kann dir helfen!“
Sehr zu deinem Entsetzen bemerktest du, dass sich ihre Haut allmählich von ihren Knochen abzulösen schien.
Die Schritte aus dem Gang kamen unterdessen näher und noch dazu, wurden sie inzwischen von einem schabenden Geräusch begleitet, das sich stark nach Metall anhörte, das über eine Steinwand gezogen wurde.
Das durfte doch alles nicht wahr sein!
Was solltest du denn jetzt machen…?!
Panik breitete sich in dir aus und Adrenalin durchströmte deine Adern.
Ungläubig und völlig überfordert, sahst du zu, wie sich das, bis eben noch niedliche, kleine Mädchen mehr und mehr zu einem Skelett verwandelte.
Mit ihren  knochigen Händen schlug sie jedoch weiterhin unentwegt gegen die Scheibe der Terrassentür, wobei ihre Stimme immer verzerrter wurde.
„Das…ist…deine…SCHULD!“

Obwohl es vielleicht die bessere Möglichkeit gewesen wäre, schafftest du es nicht, den Mut dazu aufzubringen, die Tür zu öffnen und an dem verfallenden Mädchen vorbei ins Freie zu laufen.
Stattdessen drehtest du dich wie paralysiert zu dem Gang, der ins Wohnzimmer führte, um, aus dem bereits wenige Sekunden später ein Mann schlenderte, der dir nur allzu bekannt vorkam.


„(dein Name)… “
Seine Stimme klang genau wie im Film und die Art, wie er deinen Namen aussprach, verschaffte dir eine Gänsehaut.

„Ich muss sagen, es war schlau von dir, nicht zur Vordertür zu laufen.“

Für einen Moment wirkte sein Blick fast ein wenig enttäuscht.
„Obwohl dich dort auch eine schöne Überraschung erwartet hätte, die ich mir extra für dich einfallen lassen habe…“

Dein Gehirn versuchte noch immer zu erfassen, was genau das hier alles zu bedeuten hatte.
Du hattest dir ‚A Nightmare On Elm Street‘ angesehen und nun standst du hier gemeinsam mit Freddy Krueger, der genauso aussah, wie Robert Englund ihn dargestellt hatte, im Wohnzimmer deines Hauses und starrtest geistesabwesend auf den Klingenhandschuh an seiner rechten Hand.
Offenbar hatte dein Verstand den Horrorfilm nicht so gut verkraftet, wie du geglaubt hattest und das rächte sich nun durch diesen Albtraum…
Andererseits wusstest du immerhin, dass Freddy lediglich eine Filmfigur war, die dir eigentlich nichts anhaben konnte.

„Hat es dir die Sprache verschlagen?“
Süffisant lächelnd kam er auf dich zu.

Da sich hinter dir die Tür mit dem Skelett befand, gingst du um den Abstand zwischen euch wieder zu vergrößern, stattdessen seitlich in Richtung der Küche.
„Was…machst du hier? Ich meine, das hier ist nicht die Elm Street…“

Er lachte und breitete die Arme aus.
„Oh, aber das ist nicht wahr. In jeder Stadt gibt es eine Elm Street!“
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