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Titel: Unbekannt II

GeschichteHumor / P12 / Gen
27.02.2016
21.07.2018
79
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27.02.2016 733
 
Wo bin ich? Ich spüre einen harten Steinboden unter mir. Es riecht nach Weihwasser, Blut und Schweiß. Es ist kalt. Nass. Es zieht! Kann denn nicht einer die Tür zumachen? Es ist so still hier. Warum sehe ich nichts? Ich habe eine Idee – ich mache die Augen auf. Vor mir erblicke ich das offene Kirchenportal – oder halt das, was davon übrig ist. Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg in den Innenraum der Kirche. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erblicke ich das Haus der Familie Meier. Plötzlich rieche ich den Geruch von Farbe der Firma Malermeister Murkse. Darüber ist die noch dumpf leuchtende Sonne hinter einer Wolkendecke zu sehen. Plötzlich steigt aus den Trümmern eine Silhouette auf – das Fragezeichen. Warum bleibe ich eigentlich so reglos hier liegen? Ich muss umgefallen sein, als Teenie-Zicke mich umarmt hat. Und warum denke ich über all das nach, als hätte ich ewig Zeit? Achja, ich wollte mal diesen Bewusstseinsstromschreibstil ausprobieren. Genug davon. Zeit zum Aufstehen!

Ich würde vorschlagen, wir setzen uns erst mal. Es ist ein echtes Phänomen, dass alle Einwohner einer Stadt, die vor kurzem noch 20.000 Menschen beherbergt hat, in eine Kirchenbank passen. Das erklärt, warum in letzter Zeit die Kirchen so leer sind. Ich schaffe kaum den Weg zur Bank – ich fühle mich, als hätte ich sechs Sekt getrunken, dabei haben wir noch gar nicht angefangen zu feiern.

„Beim Heiligen Sebastian! Das Fragezeichen! Sie haben wir...“, und auch alle Leser, „... ja völlig vergessen! Wo waren Sie denn, wir hätten sie dringend gebrauchen können!“ Das Fragezeichen hat also erzählt. Ich war zu benommen, daher kann ich das jetzt nicht in wörtlicher Rede wiedergeben. Kann mich nicht mehr erinnern. Ich denke aber, den groben Inhalt des Erzählten müsste ich noch auf die Reihe kriegen:

Das Fragezeichen hat seine Überstunden abgefeiert. Und zwar auf Mallorca. Da hat er sich seine Fragezeichenbadehose und seine Maske aufgesetzt, sich eine Liege gemietet und an den Strand gelegt. Mit der Anweisung, ein Bediensteter möge ihm doch bitte alle halbe Stunde ein kühles Getränk bringen, er werde ansonsten die Insassen eines größeren Gefängnisses auf Mallorca aussetzen.

Am Donnerstag, dem 14. August (obwohl Mallorca weit weg ist, haben sie die selbe Zeitrechnung wie wir, da war auch Donnerstag, der 14. August) geschahen dann ähnliche Vorfälle wie hier in St. Oliver, Weileroth, Seeverweiden, München, Berlin, vielen Großstädten auf dem Planeten und in den Nachrichten. Die Destris waren gekommen. Das Fragezeichen lag gerade auf seiner Liege, der Bedienstete hatte ihm gerade einen neuen Prosecco gereicht, als dessen Uniform, das Tablett und das Glas in der Luft schwebten. Der Bedienstete an sich war weg. Wegen der Schwerkraft, die auf Mallorca so gilt wie hier, fiel dies alles auf den Boden. Das war natürlich ärgerlich für das Fragezeichen, da er sich eigentlich auf einen kühlen Prosecco bei den Temperaturen gefreut hatte. Ich hatte damals mehr Glück als er – ich konnte meine Cola retten. Als er dann hinter sich sah, sah er das, was wir auch gesehen haben. Ein Destri!

Das Fragezeichen erkannte schnell das ihm unbekannte fabulöse Objekt (kurz: ufO) als den Schuldigen dafür, dass sein Prosecco gerade im Sand versickerte. Das ufO schoss Strahlen auf die Urlauber und diese verschwanden, sie ließen jeweils nur ihre Badesachen da. Das Fragezeichen erhob sich ächzend von seiner Liege, packte das Viech an einem Tentakel und schleuderte es ins Wasser. Dann legte er sich wieder hin und bestellte einen neuen Bediensteten. Bei dem bestellte er kurz darauf einen neuen Prosecco.

Am nächsten Morgen war er auf seiner Liege eingeschlafen und wachte auf, weil ihm ein BH ins Gesicht geflogen war. Das kannte er bisher eigentlich nur von irgendwelchen Veranstaltungen, weil er das Kind eines reichen Menschen gerettet hatte und der ihm eine Party mit Preisverleihung gewidmet hatte. Das Fragezeichen wollte sich gerade bedanken, das gestern war doch nichts Besonderes, da merkte er, dass der Strand ungewöhnlich still war. Dafür war der Sand bedeckt mit Unmengen an BHs, Badehosen und Bikinis. Nachdem das Fragezeichen ein paar Mal geblinzelt hatte, erkannte er das ufO von gestern wieder. Kurz entschlossen packte das Fragezeichen das Viech wieder am Tentakel und schmiss es wieder ins Wasser. Als er gerade eingeschlafen war, weckte ihn plötzlich jemand. „Ehm, Herr... Zeichen? Da kam was in den Nachrichten über das Ding da, das könnte Sie interessieren...“ „Was? Ist das Ausrufezeichen da?“ „Nein, aber in den Nachrichten...“ „Solange das Ausrufezeichen nicht da ist, lasst mich doch bitte schlafen!“
 
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