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Sturm

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
27.02.2016
08.06.2016
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27.02.2016 1.920
 
Hier eine neue, kleine Idee von mir. Ich hoffe es gefällt euch ;)
Ich verdiene hiermit natürlich kein Geld und Joko und Klaas gehören nur sich selbst...



Ich räume die neue Kollektion in die Regale und höre dabei gelangweilt den Geschichten von meinem Kollegen zu. Es interessiert mich einfach nicht, was er mit seiner Freundin und den Kindern tolles am Wochenende erlebt hat. Ich will es nicht hören, weil ich mal wieder das komplette Wochenende alleine auf dem Sofa gesessen habe um mich für mein erbärmliches Single Leben zu bemitleiden. Ja, ich bin Single. Ja, ich bin Mitte dreißig und ja, ich bin frustriert. Es ist nicht so, dass ich keine Angebote hätte. Viele Männer zeigen Interesse an mir und wenn ich abends weg gehe könnte ich oft den ein oder anderen mal mit nehmen. Aber das will ich nicht. Ich bin beziehungsunfähig und gleichzeitig träume ich von der großen Liebe... das passt nicht zusammen, also bleibe ich eben alleine. So ist das Leben, schätze ich.
"Hallo?"
Ich blicke von den Pullovern auf und direkt in das besorgte Gesicht von Matthias.
"Man Joko, hörst du mir überhaupt zu?"
"Ähm..."
Matthias seufzt und fährt sich mit den Fingern durch seine blonden Locken.
"Ich hab dich gefragt, ob du heute Abend bei uns essen willst."
In der perfekten Familienidylle? Nein, vorher hacke ich mir den Arm ab.
"Danke, aber ich hab schon was vor."
Mein Kollege zieht überrascht eine Augenbraue nach oben.
"Ach ja? Was denn?"
"Auf mich wartet eine ziemlich heiße und scharfe.... Tiefkühlpizza."
Ich schnappe mir den leeren Karton und laufe ins Lager, jedoch dicht gefolgt von einer blond gelockten Nervensäge.
"Anni kocht Chinesisch. Und ihr Cousin kommt auch."
Ich seufze. "Wird das wieder so eine dämliche Verkupplungs-Nummer?"
"Nein! Ehrlich!"  Matthias lacht und klopft mir freundschaftlich auf die Schulter. "Also dann um sechs."
Mit diesen Worten verlässt er das Lager und ich zerreiße den Karton frustriert in tausend Kleinteile. Ich hasse solche Abende. Er hat schon tausend mal versucht, mich zu verkuppeln. Und jedes Mal ist es in einer riesigen Katastrophe geendet...

Punkt sechs Uhr stehe ich dann doch bei Matthias in der Küche, mit einem kühlen Bier in der Hand und beobachte Anni dabei, wie sie Sushi mit irgendwelchen Bambusmatten rollt.
"Wir essen total gerne chinesisch." sagt sie lächelnd und steckt sich ihre schwarzen Haare hinters Ohr. Ich mag sie. Matthias hat wirklich Glück. Sie ist hübsch, intelligent, lustig und eine gute Mutter.
"Kommt Sushi nicht aus Japan?" frage ich, lehne mich gegen den Kühlschrank und beobachte Noah wie er ziellos durch die Wohnung krabbelt. Baby müsste man sein. Gerade will Anni etwas antworten als es an der Tür klingelt und Matthias uns mit einem lauten "Ich geh schon!" zu verstehen gibt, dass er die Tür auf macht.
"Keine Ahnung wo das her kommt, Hauptsache es schmeckt." sagt Anni lachend und wäscht sich die Hände. Ich nicke und trinke einen großen Schluck von meinem Bier.
"'Hey Anni..." Ein fremder Mann kommt in die Küche, vermutlich dieser Cousin von dem Matthias gesprochen hat. Er ist klein, hat braune Haare, wunderschöne blaue Augen, einen Bart und fürchterliche Klamotten.
"Schön dich zu sehen."
Die beiden umarmen sich und Anni stellt ihn mir vor.
"Joko das ist Klaas, mein Cousin aus Berlin. Klaas das ist Joko, er führt den Laden zusammen mit Matthias."
Wir geben uns kurz die Hand und Anni verschwindet ins Wohnzimmer und lässt uns wie zwei Trottel zurück. Hab ich gerade gesagt das ich sie mag? Ich nehme alles zurück.
"Du hast also 'nen Klamottenladen?" fragt dieser Klaas und nimmt sich ebenfalls ein Bier. Ich nicke.
"Ja, German Garment."
Klaas lacht. "Siehst gar nicht so aus wie jemand der Ahnung von Mode hat. Mit deinem bunten Hemd und den albernen Turnschuhen."
Was...? Ich hab mich wohl verhört?
"Wer sagt das? Der Zwerg mit dem Strubbelbart und dem fusseligen Pullover?"
Jetzt lacht er nicht mehr. Nein, er ist beleidigt. Und ich auch. Das ging rekordverdächtig schnell.
"Jetzt pass mal auf du Tittendachs. Ich muss mich von dir hier nicht beleidigen lassen!"
"Du hast doch damit angefangen!"
"Ja, weil du mich provoziert hast!"
Noah krabbelt zu uns in die Küche und setzt sich weinend vor uns. Klaas ignoriert ihn einfach. Wie kann man nur ein weinendes Baby ignorieren? Und überhaupt, was bildet der sich ein mich hier derart zu beleidigen, nachdem wir uns gerade mal zwei Minuten kennen?
"Das ist mir echt zu blöd..." sage ich, stelle mein Bier zur Seite und hebe das Kind vom Boden auf.
"Ja, mir auch."
Klaas verlässt die Küche und ich schaue ihm perplex hinterher, während ich Noah tröste. Er sieht gut aus, keine Frage. Wirklich schade um einen so hübschen Mann, dass er gleichzeitig so ein unsympathischer Vogel ist.

Das Sushi essen verläuft dementsprechend schleppend und auch wenn Matthias und Anni sich wirklich Mühe geben, will einfach kein richtiges Gespräch zustande kommen.
"Klaas ist Sänger, er hat eine eigene Band." verkündet Matthias und ich stopfe mir schnell eines der Sushiröllchen in den Mund, um nicht antworten zu müssen.
"Gloria." sagt Klaas.
"Gloria was?"
"So heißt meine Band. Wir spielen morgen abend im Lido."
Ich trinke einen Schluck von dem teuren Weißwein und beobachte Klaas, wie er sich angeberisch den Mund mit der Serviette abtupft. Als ob der Kerl jemals Servietten benutzen würde.
"Wow. Da passen ja mindestens 20 Leute rein." sage ich und ernte dafür einen bösen Blick von Matthias.
"Nein, 500. Und wenn du es genau wissen willst, es ist bereits ausverkauft. Wenn ihr mich jetzt bitte entschuldigen würdet? Ich muss pissen." Mit diesen Worten schmeißt Klaas seine Serviette auf den Tisch, steht auf und läuft zum Bad.
"Man Joko, was sollte das denn?" Matthias wirkt nicht wirklich wütend, eher verzweifelt. Vermutlich hat er Angst das ich in 20 Jahren immer noch alleine bei ihm am Tisch sitze.
"Der Zwerg hat mich beleidigt! Ich kann ihn nicht leiden, Matthi. Kupplungsversuch gescheitert, find dich damit ab."
Gerade als sich Anni in unser Gespräch einmischen will, kommt Klaas von der Toilette zurück. Hoffentlich hat er sich wenigstens die Hände gewaschen.
"Leute, ich muss dann mal los. Wir haben gleich noch unseren Soundcheck und so."
Matthias nickt und will Klaas zur Tür bringen, als der sich plötzlich nochmal umdreht.
"Ach Joko?"
"Hm?"
"Gibst du mir deine Handynummer?"
Ich muss lachen.
"Das ist doch nicht dein ernst."
"Ich dachte, du willst vielleicht zum Konzert kommen morgen. Als Wiedergutmachung für deine Beleidigungen."
Der Kerl hat vielleicht Nerven. Aber aus irgendeinem Grund schnappe ich mir einen Kugelschreiber und kritzle meine Nummer auf die Serviette. 'Ruf mich bloß nicht an du Zwerg - Joko' schreibe ich darunter und Klaas steckt grinsend das Papier in seine Jackentasche.
"Keine Sorge, mach ich bestimmt nicht."

Den restlichen Abend verbringe ich damit wach in meinem Bett zu liegen, die Decke anzustarren und an den kleinen, unfreundlichen Kerl mit den blauen Augen zu denken. Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich ihm tatsächlich meine Handynummer gegeben habe und noch mehr ärgere ich mich darüber, dass ich jetzt alle zwei Minuten wie ein Trottel auf mein Handy schaue. Ich kann ihn nicht leiden, warum also sollte ich mich über eine Nachricht von ihm freuen? Ich werfe mein Kissen gegen den Lichtschalter und rolle mich wie ein Baby im Bett zusammen. Ich werde für immer Single bleiben. Einsam, frustriert und unglücklich...

Am nächsten Morgen gilt mein erster Blick dem Handy - und tatsächlich, eine Nachricht. Mein Herz macht aus unerklärlichen Gründen einen kleinen Hüpfer und ich öffne hektisch die Nachricht.
'Halb sieben, Hintereingang Lido. Klaas'
Ich starre eine Weile auf das Display, lese die Nachricht mindestens zehn mal und beschließe dann, noch immer sauer auf diesen Klaas zu sein. Was bildet der sich eigentlich ein? Denkt der wirklich, dass ich zu seinem dämlichen Konzert komme? Mit unterirdisch schlechter Laune gehe ich duschen, esse ein Brötchen und werfe mich dann auf mein Sofa.
Gloria, was ist das überhaupt für ein bescheuerter Bandname? Wie von Zauberhand öffnet sich die YouTube App auf meinem Handy und ich tippe 'Gloria' in die Suchleiste.
Eigenes Berlin. Geister. Ohne Träume. Ich klicke auf 'ohne Träume' und so sehr ich mich auch dagegen sträube - die Musik ist gut. Ziemlich gut sogar. Klaas sitzt in dem Video in einem Tonstudio und sieht leider verdammt sexy aus wenn er singt... Und so kommt es das ich mir ein Video nach dem anderen rein ziehe, jedes Lied mehrmals anhöre und am Ende sogar Interviews gucke. Er wirkt in den Videos gar nicht so unsympathisch wie gestern Abend bei Matthias. Im Gegenteil, wenn man das sieht könnte man glatt denken er wäre ein netter Kerl.
Ich seufze, lege mein Handy zur Seite und gehe zu meinem Kleiderschrank. Dann geh ich eben zu diesem blöden Konzert. Mir doch egal. Aber schick mache ich mich bestimmt nicht für den. Ein T-Shirt muss reichen. Oder ein Hemd. Okay, ein Hemd. Aber nur ein einfaches. Und kein Schmuck. Nur ein Armband vielleicht. Und wenig Parfum, ganz wenig. Schließlich komme ich nur wegen der Musik und nicht, um diesen Klaas zu beeindrucken...


Unruhig stehe ich am Hintereingang von diesem besagten Club und warte auf Klaas. Genau wie etwa 30 junge Mädels, die ununterbrochen von Klaas schwärmen. Wie toll er ist, sooo süß und witzig, hoffentlich macht er ein Foto mit ihnen usw. Ich komme mir ziemlich dämlich vor in der Horde Mädchen und bin froh, als sich endlich die Tür öffnet. Es ist Klaas.
"Hey..." sagt er grinsend und sofort stürmen alle Mädchen auf ihn, wollen Autogramme und Fotos oder ihn einfach nur umarmen. Ich stehe still in der Ecke und beobachte amüsiert das Geschehen. Klaas sieht gut aus heute. Er trägt ein schwarzes Polohemd, seinen Bart hat er offenbar gestutzt und sein grimmiges Gesicht von gestern hat er auch abgelegt.
"Komm..." sagt er schließlich nachdem er alle seine Fangirls zufrieden gestellt hat, greift nach meinem Arm und zieht mich in den Club. Als die Tür hinter uns zu fällt müssen wir beide lachen.
"Ich wusste nicht das du ein Star bist." sage ich und beobachte schmunzelnd, wie Klaas rot wird.
"Naja, so würde ich es nicht nennen. Willst du ein Bier?"
Ich nicke und folge Klaas hinter die kleine Bühne, wo neben einigen Kisten und Kabeln auch ein Kasten Bier steht. Klaas nimmt zwei Flaschen, öffnet diese lässig mit dem Feuerzeug und drückt mir eine in die Hand.
"Wir machen eher ruhige Musik, mit deutschen Texten." erklärt er und ich nuschele ein unüberlegtes 'ich weiß...' in meine Bierflasche. Klaas lacht.
"Hast du mich gegoogelt oder was?"
"Nein?!" Ich kann förmlich spüren wie ich rot werde. Erwischt.
"Na klar hast du das! YouTube oder was?"
"Nur ein, zwei Songs. Wollte ja wissen worauf ich mich hier einlasse."
Klaas grinst mich schief an, stellt sein Bier zur Seite und kommt einen Schritt auf mich zu.
"Glaub mir Joko, da hast nicht die leiseste Ahnung worauf du dich einlässt."
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