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116 Tage - im Leben eines Psychos

von Dissa
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16
26.02.2016
24.01.2018
51
52.971
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26.02.2016 639
 
Wie ist es wohl aufzuwachen und sich in einer Psychiatrie wiederzufinden? Wie ist wohl so ein Tag darin? Was wird gemacht, wann und wie wird es gemacht? Kaum einer hat eine Vorstellung, wie so ein Tag darin wohl aussehen mag. Von Medien wird einem immer bloß eingebläut, es sei der reinste Horror. Aber stimmt das wirklich?

7:00 Uhr werden wir geweckt. Wobei wir in den Ferien Glück haben und eine halbe Stunde länger schlafen dürfen. Purer Luxus, wenn man bedenkt, dass einige für die Schule noch früher aufstehen müssen. Ein noch größerer Luxus ist aber wohl der persönliche Wecker, der bei jedem Betreuer unterschiedlich ausfällt. Manche hämmern unsanft gegen die Tür, andere bevorzugen es, laut und deutlich uns einen guten Morgen zu wünschen.
Eine halbe Stunde haben wir dann allesamt Zeit uns zu Recht zu machen, was bei dem einen oder anderen Mädchen eben mal etwas länger dauern kann. Schminke aus dem Fach holen lassen, sich zum Bad abmelden und so weiter und sofort.
Eine größere Aktion also. Doch um uns pünktlich zum Frühstück befördern zu können, wurde eingeführt, dass die Zuspätkommer den Küchendienst übernehmen dürfen.
Man kann sich damit wohl vorstellen, dass einige Kandidaten den täglich übernehmen müssen.
Danach heißt es Theraphiezeit.
Ergo, Moto, Einzelgespräch. Alles was das Herz begehrt. Bis zum Mittagessen wird gearbeitet.
Esel ausführen, Bilder malen, Entspannungsübungen, Häuser bauen, Videoaufnahmen machen und so weiter und so weiter.
Angepasst an jeden einzelnen natürlich.
Während der Schulzeit kommen dann noch ein bis zwei Schulstunden am Tag hinzu. Mathe und Deutsch wird unterrichtet. Ob man will oder nicht.
Beim Mittagessen wird nicht gespart. Töpfe weise werden angeschleppt. Extra Portionen für Laktoseintolerante, leichte Kostbesteller und Vegetarier.
Verhungern muss hier keiner, so viel ist sicher. Ob es aber jedem hier schmeckt, ist dann eine andere Frage, die wir hier jetzt lieber nicht beantworten wollen.
Nach dem Essen bleibt eine Stunde Zeit zum Spielen und Basteln. Welche Spiele in und welche out sind, liegt an den Patienten, die zu der Zeit da sind.
So gibt es Wizard-Phasen, Windowcolour-Phasen, Tischtennis-Phasen. Alles, was man in den Spiele- und Kreativschränken eben so findet.
Um Punkt 13:30 Uhr heißt es: Ab ins Zimmer. Dann haben wir eineinhalbstunden Stillstunde. In welcher die Betreuer und Therapeuten ihre Übergabe machen.
Zeit für ein Mittagsschläfchen, wie man es aus dem Kindergarten kennt.
Oder aber man nimmt sich endlich einmal wieder Zeit zum Lesen und erweitert seinen Wortschatz. Auch bleibt Zeit für die Hausaufgaben des Stationsunterrichtes oder für die Aufgaben seiner Therapeuten.
Wenn wir aus unseren Zimmern gebeten werden, kommen wir zusammen zur Zwischenmahlzeit. Erneut wird wieder gemeinsam gegessen. Der Nachtisch sozusagen. Ob Kuchen, Pudding oder Obst, für jeden ist etwas dabei.
Während dem Essen wird die Gruppenbeschäftigung für den Nachmittag festgelegt.
Schwimmen, Spielen, Basteln. Zeit unsere Kreativität bis zum Äußersten auszuschöpfen.
Abends um 18:00Uhr gibt es Abendessen.
Danach gehen viele von uns in den Ausgang. Wie lange man am Stück raus darf, liegt dann an der jeweiligen Ausgangsstufe, die man immer montags und donnerstags erhöhen kann.
Diese beiden Tage sind übrigens im generellen, besondere Tage der Woche, denn es sind die einzigen Tage, an welchen man von keinem angerufen werden darf.
An den übrigen Tagen können wir von 19:00Uhr bis 20:30Uhr von Freunden und Verwandten angerufen werden.
Mittwochs ist dann auch noch Besuchstag, an welchem wir fünf Stunden am Stück Zeit mit unseren Besuchern verbringen können.
Wenn wir um 20:00 Uhr die fünfzehnminütige Tagesschau überstanden haben, können wir an unser Fach und uns mit einer Schüssel voll Süßigkeiten auf die Couch vor den Fernseher setzen.
Nur sollte man stets auf den Inhalt der Sendung achten, um in keinen Konflikt mit den Betreuern zu geraten.

Und so überstehen wir unsere Tage auch ohne Handys und Internet, obwohl es einigen manchmal sehr schwer fallen kann.

(aus der Stationszeitung, von mir verfasst)
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