Feindesland [Leseprobe]

LeseprobeRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
25.02.2016
04.02.2017
4
15114
39
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
 
Ich freue mich, euch das erste Kapitel der ersten längeren Geschichte zu präsentieren, die zu 100% mit eigenen Charakteren überzeugen will. Es ist hoffentlich nach eurem Geschmack. Über Hinweise und Kritik wäre ich sehr dankbar. :D

Ich versichere, dass diese Story zu 100% von 25.02.16-14.05.17 hier veröffentlicht war.
Der Link zum Buch https://www.amazon.de/dp/B073YDZKKC/


*********



     „Mein Name ist Dimitrij und ich habe meinen jüngeren Bruder ermordet...

Es begann im Jahr 1915. Jurij, damals erst siebzehn Jahre alt, war im Krieg. Er war eigentlich viel zu jung, doch wollte er mir und unserem Vater seinen Wert beweisen und verschwand aus unserem Heim in Moskau, bevor wir es verhindern konnten. So schlich er sich in die Armee, um schließlich in der Winterschlacht in Masuren zu enden. Wenn ich doch nur nicht so dickköpfig gewesen wäre, wie ich war. Wenn ich Vater nicht immer vorgeworfen hätte, dass er Jurij mir vorzog, dann … dann … … … .“



Februar 1915

Die deutschen Truppen waren gut und zügig voran gekommen. Sie hatten die Russen in den vergangenen Tagen vernichtend geschlagen und rückten immer weiter vor. Unter ihnen war auch Arne Fischer, ein junger Mann, gerade einundzwanzig geworden. Seine Reservedivision, vorrangig junge Männer, so wie er, hatte erst vor Kurzem die 10. Armee unterstützt. Erbitterte Kämpfe waren unvermeidlich, als sie den Befehl erhielten, Boden gut zu machen.
Zwar war es geglückt, doch war der Preis hoch. Auf der eigenen, wie der gegnerischen Seite, hatte es viele tote Männer zu beklagen gegeben und schon eine Weile waren die Lieder verhallt, die sie alle sangen, um sich die Zeit zu vertreiben. Wehmut und Trauer saßen in den Herzen, während sie unerbittlich marschierten. Nun öffnete der trübe Himmel seine Tore, so als wolle er zu dieser Stimmung beitragen.
Dicke, weiße Flocken rieselten lautlos zu Boden. Arne hob den Blick aus seinen grünen Augen für einen Moment und seufzte. Es war fast, als würde der reine Schnee die Gräuel übertünchen, die sie am vergangenen Tag noch begangen hatten. Nicht einmal die eigenen Kameraden hatten sie begraben, waren es doch zu viele gewesen.

Unter ihnen war auch Fritz, ein junger Mann in Arnes Alter, mit dunklen, blauen Augen, aus denen der Schalk blitzte, wenn er wieder Schabernack ausheckte oder dem Kommandant Widerworte gab und so den Ärger auf sich zog, um einen Kamerad davor zu bewahren, geschliffen zu werden. Sofort waren er und Fritz Freunde geworden, hatten gemeinsam die Latrinen ausgehoben, wenn der vorwitzige Kerl dazu verdonnert wurde.
Seit gestern war es damit vorbei. Als Arne nach der Schlacht über den schlammigen Boden rutschte, sah er seinen Freund recht bald. Das hellblonde Haar hatte unter seinem Helm geleuchtet. Aber in den Augen war kein Leben mehr. Dafür sorgte das Loch in der Stirn des Sachsen, aus dem ein Rinnsal Blut geflossen war. Schniefend und trauernd war Arne an dem toten Leib zusammen gesunken. Mühsam hatte er die Augen geschlossen und das kleine Bild an sich genommen, das Fritz immer bei sich trug. Es zeigte ihn mit seiner Familie, Mutter, Vater und den beiden jüngeren Schwestern.
     „Ich werde es deinen Eltern bringen“, schwor der Norddeutsche, gerade als der Befehl zum Aufbruch ertönte.
In dieser Nacht schlief Arne nicht und wenn ihm das Töten schon zuvor nicht behagte, so war es ihm nun ein Grauen. Er schwor sich, nie wieder die Waffe zu heben. Kein einziges weiteres Leben sollte durch ihn beendet werden.
     ‘Lieber sterbe ich selbst!‘

Als es immer schwieriger wurde, durch den Schneefall überhaupt den Mann zu erkennen, der vor einem lief, stoppte der Zug. Es war mitten in einem kleinen Wäldchen, geeignet, Schutz zu bieten. Hier sollte das Lager für die Nacht aufgeschlagen werden. Dankbar sanken die Ersten zu Boden, um sich etwas Nahrung zu gönnen, die wunden Füße aus den Stiefeln zu ziehen oder einen Schluck Wasser zu sich zu nehmen.
Der strohblonde, junge Soldat suchte lieber eine möglichst ruhige Stelle für sein kleines Einmannzelt. Er wollte versuchen, den Schlaf nachzuholen, den er dringend brauchte. Noch so einen Marsch würde er sonst nicht durchstehen, das wusste er. Mit schnellen, geübten Fingern hatte Arne die Zeltbahnen noch vor den Anderen aufgebaut. Nur eine Sache blieb noch zu erledigen.
Da die Latrinen noch nicht ausgehoben waren, schlich er sich in den Wald. Wer sollte dort schon sein? Der junge Deutsche lief ein Stück, bis er sicher war, dass man ihn nicht mehr sah.… Gerade, als Arne seine Hose wieder richtete, und für einen Augenblick ebenfalls dankbar seine Augen schloss, vernahm er etwas. Angestrengt horchte er nun, was das wohl gewesen sein mochte. Da war es wieder, ein leises, aber unverkennbares Stöhnen. Beklagenswert und voller Schmerz drang es an das Ohr des Blonden.
Wer auch immer das war, er litt, das war nicht zu verkennen.
Vorsichtig schlich Arne nun voran, darauf bedacht, nicht von einer Kugel getroffen zu werden, bevor er wusste, wer dort war. Auch, wenn er selbst nicht mehr schießen wollte, so wollte der Deutsche doch nicht einfach sterben. So aber dauerte es eine Ewigkeit, bis er durch die Flocken etwas erkennen konnte.

Vor ihm, an einen Baum gelehnt, saß ein junger Mann, der Kleidung nach ein russischer Soldat – der Feind, gegen den Arne selbst doch nie etwas gehabt hatte, der ihm nie ein Leid zugefügt hatte. Sicher war auch der junge Bursche ein Bruder, hatte Familie, die auf seine sichere Rückkehr wartete. Arne erkannte, dass es noch ein Junge war, kaum mit Flaum im Gesicht, sicher einige Jahre jünger als Arne selbst. Er hatte mit schmerzverzerrten Zügen seinen Kopf an den Stamm gelegt und schien in der Kälte zu zittern.
Vorsichtig und langsam trat der Blonde näher. Doch er war wohl lauter, als er selbst vermutete. Erschrocken hob der junge Russe seinen Kopf wieder, packte seine Waffe fester und starrte Arne an, der gerade durchs Unterholz brach. Sofort hatte der Bursche sein Gewehr im Anschlag, doch so sehr, wie es zitterte, würde er eher einen Baum oder Hase erschießen, sollte es noch einer nicht vorgezogen haben, zu fliehen. Entsprechend langsam, mit erhobenen Händen, aber bestimmt trat Arne weiter vor.
Der Russe schien den Ernst seiner Lage zu erkennen, denn er senkte seine Waffe wieder, fiel ein wenig in sich zusammen und zitterte nun noch mehr, als vorher. Arne betrachtete ihn einen Moment, bis ihm auffiel, dass sich der Schnee um das rechte Bein des Jungen rot färbte. Er ging in die Knie, noch immer vorsichtig, nahm das M1891 außer Reichweite und betrachtete sich dann den Schaden.
Nun kam wieder Leben in den russischen Soldat, der versuchte, sein Bein aus Arnes Griff zu befreien, dabei aufzischte und seine Gegenwehr schnell sein ließ. Aus dem Augenwinkel betrachtete er argwöhnisch, was der Deutsche da tat. Dieser zog so vorsichtig es ging den Stiefel aus und wäre fast in Ohnmacht gefallen. Das Bein sah übel mitgenommen aus. In Fetzen hing das Fleisch herab und es blutete nun noch mehr. Kurzentschlossen zückte Arne eins seiner Halstücher, die ihm sein Vater geschickt hatte, und wollte es notdürftig darum binden.
Doch sobald der Andere es sah, wurde sein Blick wieder panisch. Arne hielt das Bein fest, sah auf das viele Blut und brachte ein paar der wenigen Worte heraus, die er auf russisch gelernt hatte.
     „Pomoch' – Ich will dir helfen. Pozhaluysta – Bitte!“
Schon wieder beugte er sich über das Bein, während der Andere es nun über sich ergehen ließ, die Zähne zusammen biss und versuchte, nicht zu schreien, als Arne den Unterschenkel verband. Nach wenigen Augenblicken hatte er alles getan, was ihm ohne seine Kameraden möglich war. Was sollte er nun tun? Den Jungen hier liegen lassen und somit dem sicheren Tod übergeben? Dann konnte er ihn auch gleich erschießen!
Kurzentschlossen stand Arne wieder auf, packte den Russen unter den Achseln und hievte ihn hoch. Ungläubig starrte der ihn einen Moment an, ehe er begriff und seinen Arm um Arnes Schulter legte, damit der ihn stützen konnte.
     „Arne“, sprach er in diesem Augenblick aus und zeigte mit dem Daumen auf sich.
     „Jurij“, erklärte der Russe leise.

Der Weg in das deutsche Lager konnte beginnen. Humpelnd, hüpfend und sehr langsam kamen sie voran und schon nach wenigen Metern bekam Arne Bedenken. Was würden seine Kameraden dazu sagen, dass er einen jungen Soldat aus den feindlichen Truppen neben sich her schleppte? Sicher waren sie nicht begeistert. Viel mehr bestand die Gefahr, dass einer von ihnen sofort seine Waffe zog und Jurij eine Kugel in dem Kopf jagen würde, ehe Arne auch nur ein Wort der Erklärung abgegeben hatte.
Der junge Russe schien die Nervosität zu bemerken, denn je weiter sie stolperten, um so weniger wollte er weiter. Als die ersten Geräusche des Lagers zu hören waren, versteifte er sich ganz, schüttelte seinen Kopf hektisch und wollte um keinen Preis der Welt weiter, wie Arne aus Jurijs Körperhaltung heraus las.
Dem deutschen Soldat blieb keine andere Wahl, als den Jüngeren wieder in den Schnee zu setzen und an einen Baumstamm zu lehnen, damit er wenigstens sein Bein ein wenig entlasten konnte. Fieberhaft überlegte er, wen er um Hilfe bitten konnte. Wer vielleicht nicht erst schoss und dann Fragen stellte. Als er sich seinem Lager zuwenden wollte, begegnete ihm noch einmal Jurijs panischer Blick, der Arne das Herz abschnürte.
Wie grausam musste man sein, wenn man auf jemanden schießen konnte, der noch ein halbes Kind war – nicht, dass Arne wesentlich älter gewesen wäre, doch darüber wollte er nicht nachdenken. Lieber hockte er sich vor Jurij hin, legte ihm die eigene Jacke gegen die Kälte um die Schultern und gab mit Händen und Füßen bekannt, wie sein Plan aussah.

     „Ostat'sya – Bleib hier, ich werde Hilfe holen.“
Auch, wenn er wusste, dass Jurij ihn sicher nicht verstand, war Arne nicht in der Lage, ihn einfach wie einen nassen Sack fallen zu lassen und davon zu gehen. Er richtete mehr Worte an ihn, als ein anderer es wohl getan hätte. Dann war er davon.
Der erste, der Arne entgegen kam, war Michael, ein Mann Ende Dreißig aus Südbayern. Wie der Jüngere wusste, war Michael lange Zeit Lehrer an einer privaten Schule, bis er einberufen wurde. Zu Arnes großem Glück hatte der Ältere unter anderem auch Russisch unterrichtet.
Aus früheren Gesprächen wusste der Blonde, dass der Bayer ähnlich zu diesem Krieg eingestellt schien, wie er selbst es war. Sofort zog er den Schwarzhaarigen zur Seite und erklärte ihm, was geschehen war. Nickend ging Michael davon, während Arne am Rand des Lagers stehen blieb und hoffte, der Bayer käme nicht mit ihrem Kommandant zurück, der ihn an den nächsten Baum stellen würde.
Kurze Zeit später atmete Arne erleichtert auf, als er sah, dass Michael mit Theo, einem ihrer Sanitäter, an die vereinbarte Stelle lief. Der Sachse, er hatte Fritz aus Kindertagen gekannt, hielt verstohlen ein wenig Verbandsmaterial in seiner Jacke versteckt, während er mit Michael immer näher kam. Endlich, als sie alle zusammen standen, nickten sich die drei Männer kurz zu, bevor sie nacheinander aus dem Blick ihrer Waffenbrüder verschwanden.
     „Was ist nun?“, fragte Theo nach.
     „Das wirst du gleich sehen. Bitte, ich konnte ihn nicht dort lassen“, erklärte Arne.
     „Wen?“
     „Ihn.“
Arne blieb stehen, als Jurij in Sichtweite kam. Sein Gesicht war fahl und sein Kopf hing zur Seite. Sofort beschleunigte Theo seinen Schritt, lief an dem Norddeutschen vorbei und kniete sich neben den Russen, der unter einer feinen Schneedecke lag. Michael kam zusammen mit Arne ebenfalls näher, als Jurij gerade aufschreckte. Sein Kopf zuckte hoch, als Theo seine Finger an dessen Hals legte, um nachzusehen, ob er überhaupt noch lebte. Jurij sagte etwas, dass Arne nicht verstand und Theo zurück zucken ließ.
     „Du hast einen Russen zu uns gebracht?“, zischte der Sanitäter.
     „Nein, ich habe einen Verwundeten gefunden“, beharrte Arne.
     „Kak tebya zovut? - Wie heißt du?“, schaltete sich Michael dazwischen.
     „Jurij Nikolajew“, antwortete der junge Bursche leise.
Während Arne fieberhaft überlegte, woher ihm dieser Name bekannt vorkam, sprach Michael weiter, bis er erläuterte, was Jurij ihm mitgeteilt hatte.
     „Theo, du musst ihm helfen. Der Junge ist erst siebzehn Jahre alt, noch ein halbes Kind! Wir können ihn nicht liegen lassen!“, bestimmte nun auch der Bayer.
In diesem Augenblick wurde Arne bleich. Michael sah ihn fragend an.
     „Frag´ ihn, wer sein Vater ist.“
     „Was? Wieso sollte ich…“
     „Tu es einfach!“
     „Also schön. Kto tvoy otets?“
Während Theo das Bein fachmännisch mit dem wenigen Material verband, das er hatte mitnehmen können, zuckte Jurij zusammen, bevor er zu seiner Antwort ansetzte.
     „Nikolai Nikolajew.“

Theo hielt in seiner Bewegung inne, Michael wurde ebenfalls blass und zog Arne zur Seite.
     „Weißt du, wen du hier hergeschleppt hast?
     „Bis gerade eben nicht!“
     „Wir müssen ihn wegbringen und ihm eine Kugel verpassen!“
     „Bist du von Sinnen? Auch wenn er der Sohn des Oberbefehlshabers über die russischen Truppen ist, ist er ein Junge, der noch nicht einmal volljährig ist! Herrgott, Michael! Ich werde ihn sicher nicht umbringen!“
     „Dann mache ich das für dich!“

Schon drehte sich der Bayer um, hob seine Waffe und zielte auf Jurij.
     „Nein!“, schrie Arne und warf sich auf den Arm.
     „Er kann uns nützlich sein!“
     „Wie meinst du das?“, fragte Michael ungläubig.
     „Pass auf…“
Arne heckte eine Idee aus, die sich saublöder kaum anhören konnte. Dennoch nickten sowohl Michael als auch Theo, nachdem sie den Plan vernommen hatten.

Der Plan, den Arne zusammen spann, barg das eine oder andere Risiko, das war ihnen allen bewusst. Doch die Alternative war für ihn nicht tragbar. So bestimmte er schließlich, dass er für Jurij die Verantwortung tragen würde, denn er war es, der ihn fand. Theo willigte schneller ein, als Michael, denn mit dem Gewissen des Sanitäters war es ebenfalls nicht vereinbar, den jungen Mann zu töten. Nur der Bayer hatte mehr Angst, als seine Kameraden.
     „Alles, was du tun musst, ist Jurij begreiflich zu machen, dass es notwendig ist, dass er seine Uniform ablegen muss, deine Hose und meine Jacke anziehen. Wenn er den Mund hält, dann werden wir ihn schon in mein Zelt bekommen. Es ist nah am Rand, ein wenig abgeschieden. Ich wollte in Ruhe schlafen können.“
     „Was ist, wenn er dir etwas tut?“, gab Michael zu bedenken.
     „Was könnte das schon sein?“, lachte Arne.
     „Soll er mich im Schlaf erwürgen und dann durch das Lager schleichen, bis er einen Weg zu seinen Truppen findet? Das wird Jurij wohl kaum möglich sein.“
     „Aber…“
     „Kein ‘Aber‘! Erklär es an ihm endlich!“
     „Schon gut! Aber wenn etwas schief geht, ist es dein Kopf, der rollt!“

Es dauerte ein wenig, bis Michael dem jungen Russen begreiflich gemacht hatte, was zu tun war. Der Braunhaarige diskutierte mit dem Bayer, zierte sich und wollte um keinen Preis seine Hose hergeben. Seine Blicke verrieten, was er dachte, was die Drei mit ihm vorhaben mochten, doch schlussendlich ergab er sich in sein Schicksal und ließ sich von Theo und Arne aus der zerrissenen Hose helfen.
Als Arne einen Blick auf die Wunde warf, schluckte er hart und wand seinen Kopf, nur um Jurij nun genau in den Schritt zu starren, der äußerst beachtlich ausgestattet war, wie er unfreiwillig erkannte. Ohne es zu wollen, leckte sich Arne über die Lippen und stieß die Luft ein wenig fester aus, so dass sie eben jenen Teil von Jurijs Anatomie streifte. Als er ertappt nach oben sah, traf ihn Jurijs neugieriger Blick. Mit heißen Wangen rappelte er sich auf und zog dabei die neue Uniformhose mit nach oben.
     „Habt ihr es endlich?“
     „Ja, Michael. Warte einen Augenblick. Es ist nicht gerade einfach mit seinem Bein. Ich konnte es nicht so ordentlich schienen, wie ich es müsste.“
     „Ja, ja. Ich will endlich heraus aus dem Schneefall! Sicher gibt es schon etwas Essbares. Wenn wir noch länger hier bleiben, dann fressen uns die anderen noch alles weg.“
     „Es wird schon nicht so sein, dass du gleich vom Fleisch fällst“, lachte Theo kurz auf.
     „Eben! Deine Frau hat dir doch sicher wieder einen guten Schinken geschickt. Ich hätte auch gern mal wieder was aus der Heimat.“
     „Bäh! Deinen stinkigen Fisch? Nie im Leben würde ich den essen!“
    „Musst du auch nicht, Theo. Vater hat sowieso kaum genug, um sich und Luise durchzubringen. Seit Mutters Tod ist es nicht einfach für ihn.“
     „Wie alt ist sie jetzt?“, fragte Michael nach.
     „Luise ist fünfzehn.“
     „Also sechs Jahre jünger als du“, stellte Theo fest.
     „Hmmm. Genug jetzt davon! Michael, erklär‘ ihm noch einmal, dass er auf jeden Fall den Mund zu halten hat, ganz egal, was geschieht. Dann kannst du gehen. Es wäre auch viel zu auffällig, wenn wir alle zu gleichen Zeit wieder auftauchen.“
     „Wieso? Wir könnten doch eine Runde Skat gespielt haben.“
     „Wirklich, Theo? Wir spielen Skat mit einem Kameraden, der eine Verätzung an den Stimmbändern und absolutes Redeverbot von dir bekommen hat? Wie soll er denn deiner Meinung nach reizen können?“
     „Stimmt. Daran hatte ich nicht gedacht. Verzeih‘ mir, Arne.“
     „Schon gut. Aber jetzt konzentriert euch. Ich will auch endlich aus der Kälte raus!“





~~~~ Ich entschuldige mich, wenn das Russisch nicht korrekt ist, aber ich hatte es nie in der Schule! Sollte jemand Verbesserungen vorbringen, so bitte ich, sie mir per Mail zu schicken! :D ~~~~