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Depressionen, Heimweh und Träume

von Sammybla
GeschichteAllgemein / P16 Slash
24.02.2016
10.01.2019
57
49.643
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Dieses Kapitel
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24.02.2016 1.376
 
Ich denke das hier ist für Leute die mich nicht kennen ziemlich sinnloses Geschreibsel ^^‘ Vielleicht kann ich ja morgen mal ein wenig anfangen zu erklären, aber meine Zeit am PC ist gleich rum und ich will zum mindestens das hier uploaden!  

Ich glaube das hier wird jetzt so eine Art kleiner Blog. Ich weiß nicht Recht was ich draus machen werde, aber mein lieber Doc empfahl mir das Tagebuch führen. Ich denke es interessiert sich niemand wirklich für den Mist in meinem Kopf, aber ich komme mir weniger dämlich vor, wenn ich das alles irgendwo ablade, anstatt es einfach auf dem Worddokument verrotten zu lassen.
Vielleicht hilft es jemanden, vielleicht war jemand schon mal in der Lage, in der ich stecke oder vielleicht bleibt das hier auch einfach ein einsames Tagebuch, das nur für mich wichtig sein soll. Was auch immer es wird, ich hoffe es hilft mir in irgendeiner Weise.


Über sechs Wochen. Über sechs lange Wochen sitze ich nun schon in dieser Kurklinik und versuche mit meinen Depressionen, meinem bekloppten Körper und den tausend Wänden in meinem Kopf klar zu kommen. Ich weiß nicht ob es etwas gebracht hat, ich weiß nicht mal ob es mir jemals etwas bringen wird…
In den ersten Wochen dachte ich das wirklich- mein Gott, die erste Woche rannte mir beinahe davon! Ich war so froh endlich rauszukommen. Endlich weg von allem, selbst von meinen Liebsten. Es musste einfach sein.
Ich weiß dass ich damit Menschen verletzt habe, auch wenn sie es niemals zugeben würden und ich weiß das ich allen nur Sorgen bereite. Aber ich glaube ich wäre am Ende daran zerbrochen. An dem Ganzen. Das war alles so viel auf einmal, alles kam die letzten Monate Schlag auf Schlag.
Für zwei Tage dachte ich das Leben würde mir wieder auf die Beine helfen und dann schlug es mir erneut den Boden unter den Füßen weg.

Naja, jedenfalls war es anfangs echt toll hier, ich bin viel gewandert, ich habe viele Menschen kennengelernt und ich habe wieder gelacht. Ich habe mich so leicht gefühlt hier- ehrlich. Es war toll. Ich konnte endlich wieder Luft holen und ich dachte am Anfang ich könnte das alles hinbekommen.
Es hatte echt den Anschein, als könnte ich endlich von allem weg kommen. Aber der Gegenwind hat mich wieder mal von den Füßen gerissen… Ich hatte Heimweh, ich hatte schreckliches Heimweh, ich wollte zurück zu meiner Familie, zurück zu meinem Freund und zurück zu all den Menschen die mir so unendlich wichtig waren.
Clemens, mein Gott wie oft habe ich mir gewünscht dass du einfach da bist und mich in den Arm nehmen könntest. Das du mir wie immer dieses schlichte „Wir schaffen das schon“ zuflüsterst.
Ich hab es dir jedes Mal geglaubt. Jedes Mal wenn du das gesagt hast, habe ich es dir geglaubt und ich glaube es dir immer noch. Wir schaffen das, wir beide gemeinsam. Ich glaube manchmal lässt mich allein das durchhalten.
Ich liebe das Bild das ich auf meinem Nachttisch stehen habe. Dieses bekloppt stolze Grinsen mit dem du auf deinem Dickerchen sitzt, bringt mich gleichzeitig zum Lachen, als auch zum Heulen.
Ich vermisse dich. Und das obwohl du erst am Sonntag hier gewesen bist. Ich hasse es das sie mir mein Handy nicht geben wollen. Aber immerhin erlauben sie mir ein paar Stunden am PC im Gemeinschaftsraum.

Jedenfalls hab ich das Essen vergessen. Wie immer… Und ich hatte auch keinen Appetit. Auch wenn mich alle für diese Aussage umbringen würden. Ich weiß das ich dumm gehandelt habe, grade mit meinen Gewichtsproblemen das Essen zu verweigern.
Ich hab echt Mist gebaut… Ich habe alle wahnsinnig gemacht mit meiner Aktion und das tut mir schrecklich leid. Ich habe nicht geahnt das ich so schnell, so heftig abbaue. Ich wollte wirklich nicht wieder unter die 45 fallen.
Aber ich hab die Kurve nicht mehr gekratzt. Als ich gemerkt habe das ich scheiße gebaut habe…naja, da war ich schon so weit runter… Ich hätte mich nicht so naiv verhalten sollen und denken sollen, dass ein Essensstreik mein Heimweh besser machen würde. Hat es nicht. Es hat alles nur schlimmer gemacht.
Glaubt mir, ich hatte genauso Angst es nicht mehr zu schaffen, wie ihr. Ich hatte wirklich Angst das alles nicht zu überleben. Von der einen Klinik in die nächste und schon lag das zitternde Häufchen Elend das ich sich ‚ich‘ nennen durfte im Krankenhaus an tausend Kabeln und Maschinen. Ich glaube wäre ich in den Momenten nicht selbst so verwirrt und kraftlos gewesen, hätte ich die größte Panikattacke meines Lebens erlitten.
Ich setzte nie wieder einen Fuß allein in ein Krankenhaus- das schwöre ich!

Ich hatte irgendwo die Hoffnung das ihr mich besuchen dürftet, aber ihr musstet genauso zittern und bangen wie ich selbst. Ich hatte nie mehr Angst. Wirklich.
Es hat eine ganze Woche gedauert, bis ich aus dem gröbsten raus war. Ich war so froh. Ich war froh wieder aus dem Krankenhaus und zurück in die Kurklinik zu können.
Es ist mir nie leichter gefallen mich mit allem vollzustopfen um zu verhindern je wieder überhaupt unter 50 zu fallen!
Ich musste einen ganzen Haufen Tabletten schlucken- einige davon begleiten mich immer noch. Vitamine, Aufbaupräparate und was nicht alles noch. Von dem ganzen Essen bei dem mir mit Argusauge auf jeden Bissen geschielt wird mal ganz abgesehen. Ich glaube die lassen mich nie wieder aus den Augen beim Essen nach dieser Aktion.
Tut mir unglaublich leid, dass ich euch so viele Sorgen gemacht habe. Ehrlich, hätte ich darüber nachgedacht, hätte ich es niemals getan. Ich habe mittlerweile drüber nachgedacht und ich weiß, dass ich sowas nie wieder erleben will.

Ich will dieses kranke Verhalten nicht mehr. Ich will euch nicht mehr Sorgen machen, indem ich von einem Impuls gedrängt solche Dummheiten mache. Und deshalb, allein deshalb- euch zur Liebe- mache ich weiter.
Ich will eine Zukunft, in der ich lachen kann. Lachen mit euch, ohne jemals etwas fälschen zu müssen.
Ich will irgendwann ein kleines Häuschen haben, ein paar Adoptivkinder, die in einem großen Garten spielen und ich will dich, Clemens, mit einem tollen goldenen Ring am Ringfinger neben mir sitzen haben, während wir uns die Sonne auf die Bäuche scheinen lassen und die Kinder beim Spielen beobachten.
Das alles will ich und das alles erfordert, dass ich endlich meine Depressionen besiege und dass ich endlich ein Leben beginnen kann. Ich weiß nicht wie lange es dauern wird, dass kann mir wohl keiner sagen… Aber ich bin entschlossen und ich will das hier durchziehen.

Ob ich bisher schon Fortschritte gemacht habe, weiß ich nicht. Die Gespräche mit meinem Psychodoc hier verlaufen meiner Meinung nach mal mehr mal weniger gut. Ich lasse mich noch immer sehr von den Downphasen runterziehen, aber ich habe keine Angst davor, dass ich etwas Dummes anstelle. Du darfst stolz auf mich sein, Clemens! Ich habe mich jedes Mal wieder aufgerafft!
Heute ist einer der guten Tage gewesen. Ich bin froh heute mal wieder durchschnaufen zu können. Das Gespräch lief heute gut mit meinem Doc. Ich habe meine Zeit heute wohl hoffnungslos überschritten, aber er wollte mich in meinem Redefluss nicht ausbremsen.
Schließlich hatte ich mich die letzten Tage meistens in beharrlichem Schweigen geübt. Ich weiß schon, ich soll das nicht. Aber ich wollte nicht so Recht über etwas reden.
Auch beim Arzt kann ich heute positives berichten! Ich bin bei 55 Kilo angekommen! Gut, kein Meilenstein, schließlich sind meine Wunschkilos noch weit entfernt, aber ich bin glücklich über jedes Gramm mehr.
80 Kilo ich komme! Und wenn es noch drei Jahre dauert!


Das Wandern hat mir heute auch wieder den Kopf frei gemacht. Ich hätte manchmal ja wirklich gern meine Lieben hier. Euch alle! Einfach um euch hier alles zu zeigen! Es ist wunderschön hier unten. Ich könnte den ganzen Tag davon schwärmen und ich wäre immer noch nicht am Ende!
Besonders wenn man bei den kleinen Steilhängen sitzt ist es einfach ein toller Ausblick über den Wald. Würde man mich nicht zeitweise wieder reinschleifen, wäre ich wohl ewig in den Wäldern.
Und jetzt sitze ich hier im Gemeinschaftsraum und muss mir über die Schulter stalken lassen, was ich hier schreibe. Ich glaube heute war wirklich ein guter Tag. Auch wenn ihr mir alle fehlt. Fühlt euch geknutscht und geknuddelt von mir!
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