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(5) Windelzwerge und Schneezwerge

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
24.02.2016
31.03.2016
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15.756
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24.02.2016 6.668
 
Hallo, meine Lieben!

Ich konnte es mal wieder nicht lassen und musste ein wenig aus meiner Haupt-FF flüchten und an meiner „Kleinen Monster“-FF anknüpfen. In diesem Falle würde ich auch neuen Lesern empfehlen, die FF mit den „Monstern“ zuerst zu lesen. Die Haupt-FF ist zum Verständnis nicht notwendig.

Wie ergeht es Thorin mit seiner Großnichte?

Und auch Amilia und Kíli waren scheinbar fleißig am Werkeln gewesen ;-) (eigentlich wollte ich das erste Kapitel gar nicht so ausführlich schreiben, aber ich habe mir sagen lassen, dass es von öffentlichem Interesse sei, also wehe, es kommen nun Klagen (für Kritik bin ich natürlich jederzeit offen) ;-))

Ich hoffe, dass die Leser meiner Haupt-FF mir verzeihen, dass ich diesen kleinen Ausflug mache. Aber bei der Haupt-FF läuft im Moment gar nix, da meine Muse verschollen ist. Von Luise weiß ich zumindest, dass sie mit einem Zwerg durchgebrannt zu sein scheint. Ich weiß nicht, mit welchem Zwerg, aber hoffe, dass er sie mir bald wieder zurück gibt ;-)

Ein herzliches Dankeschön an Dich, liebe Luise, dass ich mir Deine „Windelzwerge“ ausleihen darf. Ich finde das Wort einfach zu göttlich.

Da aber nicht nur ich Schwierigkeiten mit der FF haben möchte, habe ich mich dazu entschieden, dass auch die Mitglieder im Hause Durin mit ein paar Problemchen zu kämpfen haben sollten. Sei es mit dem Bart, Hühnereiern oder hormonellen Wehwehchen ;-)

Und auch hierbei gilt wieder: keine Spoiler-Gefahr für die Haupt-FF und schon gar keine Gewähr, dass es dort ein Happy-End gibt; es geht eher um kurzweilige Unterhaltung. Für Karies aufgrund der Zuckerwatte übernehme ich keine Verantwortung ;-)

LG und viel Spaß

Eure Ela  

***



1) Windelzwerge?



Amilia wurde früh am Morgen wach und blinzelte sich den Schlaf aus den Augen. Obwohl ihre Gemächer, die sich tief und gut geschützt im Einsamen Berg befanden, über keine Fenster verfügten, war sie sich sicher, dass die Sonne noch nicht aufgegangen sein konnte. Das Sonnenlicht fehlte ihr ein wenig. Nach über sieben Jahren, die sie im Erebor verbracht hatte, kam es doch immer mal wieder vor, dass sie sich wünschte, dass ein paar Sonnenstrahlen sie morgens im Gesicht wärmen und kitzeln würden. Allerdings hatte sie sonst alles, was zu einem perfekten Morgen dazu gehörte. Sie befand sich in einem gemütlichen Bett und erfreute sich an der Wärme, für die sowohl Felle, als auch Federbetten sorgten. Noch mehr genoss sie aber das Gefühl, in der Umarmung des Mannes aufwachen zu dürfen, den sie aufrichtig und aus tiefstem Herzen liebte. Dadurch, dass sie eng aneinander geschmiegt geschlafen hatten, profitierte die Menschenfrau nicht nur von Kílis körperlicher Wärme. Er gab ihr zusätzlich Geborgenheit und das Gefühl, geliebt zu werden.

Schnell wurde ihr aber bewusst, dass sie über einen Umstand ganz und gar nicht glücklich war. Fast schon bedauerte sie es, dass sie im Laufe der letzten Nacht aufgewacht war und sich Kílis Tunika übergezogen hatte. Sie wünschte sich schließlich an diesem Morgen, dass sich nicht das Kleidungsstück direkt an ihre Haut schmiegte, sondern Kíli dies tun würde. Es war allerdings Winter und sie hatte es nicht riskieren wollen, sich zu erkälten. Vermutlich wäre es sowieso kaum möglich gewesen, sich zu verkühlen, da Kíli sie in seiner Umarmung beinahe gefangen hielt. Er tat dies manchmal reflexartig, selbst beim Schlafen. Es wirkte fast so, als ob er sie beschützen wollte. Ein Elb mit spitzerer Zunge als Ohren, hätte sicherlich gesagt, dass Kíli als Zwerg nur seine Besitzansprüche unterstreichen wollte. Aber Amilia wusste, dass dies nicht der Fall war. Manchmal schliefen sie bewusst eng umschlungen ein. Wenn sie dies nicht taten, dann suchten sie während des Schlafes unüberlegt, aber nicht weniger zielstrebig, die Nähe des anderen. Auch in ihren Träumen schien es so, als ob sie sich magisch voneinander angezogen fühlten, da sie sich mit den Rückenseiten aneinander kuschelten oder ihre Beine und Füße den Körperkontakt des anderen suchten. Nachdem sie in der letzten Nacht das Bett verlassen hatte, um das Hemd vom Boden aufzusammeln, hatte auch ihr Gemahl seine Position gewechselt, wie sie nun durch seinen halben Klammergriff bemerkte. Vielleicht hatte er mit seiner innigen Umarmung auch eine Art Abwehrhaltung eingenommen, so widersprüchlich es sich auf den ersten Blick auch anhören mochte. Amilia konnte sich dadurch schließlich kaum rühren, wenn sie es nicht riskieren wollte, ihn vorzeitig zu wecken. Folglich konnte sie auch auf keine dummen Gedanken kommen oder diese ausleben. Und sie hatte in der letzten Zeit einige Flausen und Gelüste im Kopf.

In diesem Moment wünschte sie es sich regelrecht, dass sich Kíli noch enger an sie schmiegen würde und sie spüren könnte, welche Begehrlichkeiten sie in ihm weckte. Aber da Kíli im Reich der Träume gefangen war und keine Anstalten machte, allzu schnell zu erwachen, übernahm sie es, seinem muskulösen Oberkörper noch näher zu kommen, soweit ihr dies möglich war. Dies tat sie beinahe auffordernd, da sie darauf hoffte, dass er endlich erwachen möge und sie nicht nur seinen warmen Atem in ihrem Nacken spüren konnte. Sie sehnte sich regelrecht danach, dass er seine Lippen über ihren Hals und seine rauen Fingerkuppen über ihren Körper gleiten ließ und sein Atem dabei hektischer werden würde. Sie bemerkte, wie sich ihr Puls und Herzschlag beschleunigten und sie aufgrund des Kribbelns in ihrem Körper unruhig wurde. Dies verstärkte ihr Begehren, nicht nur mit Kíli zu verschmelzen, sondern auch regelrecht in dessen Armen dahin zu schmelzen, wenn sie sich gefühlvoll und innig liebten. Wäre es ihr möglich gewesen, dann hätte sie ihr oberstes Bein ermutigend über seine gelegt, da sie eh schon auf der Seite lag. Aber nicht nur, dass ihr Mann sie umarmte. Auch seinen Fuß hatte er anscheinend vorsorglich über ihre Beine gelegt, sodass dies nicht machbar war.  

Angeheizt von diesen Gedanken war sie sich plötzlich nicht einmal mehr sicher, ob es jene Art der körperlichen Liebe war, die sie nun am liebsten sofort mit ihm teilen wollte. Allerdings fasste er sie im Moment nur mit Samthandschuhen an und war übervorsichtig. Wenn es ein wenig leidenschaftlicher zugehen sollte, dann musste sie ihm dies sehr deutlich zeigen oder gar die Führung übernehmen. Bis heute konnte sie sich keine Antwort darauf geben, welche Seite sie an ihrem Zwerg mehr liebte. Denn neben seiner zärtlichen und hingebungsvollen Art gab es jene Momente, in denen er sie mit seiner Leidenschaft förmlich mitreißen konnte. Bei beiden Varianten zeigten sie sich, dass sie einander gehörten. Denn es berauschte sie ebenso, wenn er sie in Besitz nahm und sie ihre Beherrschung verlieren konnte, während sie unter seinen Berührungen regelrecht in Flammen zu stehen schien. Schließlich wusste sie, dass sie ihm bei all seiner Leidenschaft immer vollkommen vertrauen konnte. Kílis leises Schnarchen zeigte ihr aber, dass sie von prickelnden Erlebnissen mehrere Meilen entfernt war.  

Eigentlich war es ihr Gemahl, der sie morgens weckte. Manchmal hatte er Versuche gestartet, sie nicht nur wach zu küssen, sondern auch zu erobern. Zunächst war es meistens das Resultat gewesen, dass sie ihn angeknurrt oder sich schlafend gestellt hatte. Doch Kíli hatte es zu verstehen gewusst, dass aus ihren murrenden Lauten nach kurzer Zeit genießerische werden konnten. An diesem Morgen schien es ihr unbegreiflich, wieso sie ihn sonst vorerst abgewiesen hatte. Es gab doch nichts schöneres, als der gemütlichen morgendlichen Wärme noch ein wenig einzuheizen. Kíli stellte sich im Gegensatz zu ihr leider nicht schlafend, sondern war wirklich im Reich der Träume gefangen. Vermutlich war es dem Umstand geschuldet, dass sie ihn letzte Nacht recht stark für sich beansprucht hatte. Und doch wünschte sie es sich, schleunigst an die Ereignisse des gestrigen Abends anzuknüpfen.

Allerdings wollte sie ihn trotz des Wunsches, ihm so nahe, wie eben möglich sein zu können, nicht wecken. Schließlich war sie kein Unmensch. Obwohl sie ihn am liebsten schon während seines Schlafes geküsst und spielerisch mit ihren Fingerkuppen und ihrer Zunge geneckt hätte, hielt sie sich doch mühsam zurück. Sie wusste es, dass er während des Schlafes auf sie reagierte. Und er tat dies nicht nur im Geiste, wenn er ihren Namen flüsterte. Jedoch würde sie sich dann kaum im Zaum halten können und vermutlich wie ein rolliger Warg über ihn herfallen. Und dies sollte nur einvernehmlich geschehen. Seine mögliche Schlaftrunkenheit wollte sie schließlich nicht für sich ausnutzen, sodass es zunächst bei Gedankenspielen bleiben sollte. Aber dann schien es doch noch einen Lichtblick zu geben. Während der Reise zum Erebor hatten sie so viele Nächte keusch nebeneinander gelegen. Seine Atmung war ihr folglich gut bekannt und sie wusste daher, dass er vermutlich jeden Moment aufwachen würde. Es war ihr dadurch möglich, sich ohne ein schlechtes Gewissen, dass sie ihn vorzeitig wecken könnte, aus seiner Umarmung zu befreien und sich ihm zu zudrehen. Nachdem ihr dies gelungen war, strich sie ihm beinahe zärtlich über die Bartstoppeln und war sich sicher, dass sie seit kurzem damit begonnen hatten, weiter zu wachsen. Sie liebte seine für einen Zwerg recht spärliche Gesichtsbehaarung. Schier unzählige Male hatten seine Bartstoppeln vorwitzig über ihren Körper gekratzt und doch würde es vermutlich niemals genug für sie sein. Das Gefühl war unbeschreiblich, gleichzeitig seine warme, weiche Zunge und die raueren Stoppeln auf ihrer Haut spüren zu können. Nicht nur das interessante Zusammenspiel sorgte dafür, dass ihr ein Schauer nach dem nächsten durch den Körper jagen und sie eine Gänsehaut bekommen konnte. Es war auch stets die Vorfreude, da ihr Mann ganz genau wusste, wie er ihr Genüsse bescheren konnte. Bei Durin! Sie musste sich zusammenreißen. Schließlich hatten sie sich erst gestern Nacht ausgiebig ihrer Lust hingegeben und sie sollte sich nicht wie eine Frau benehmen, deren Mann mehrere Monate unterwegs gewesen war und die dadurch einiges nachzuholen hatte.

Amilia fragte sich, ob auch Kíli manchmal mit den gleichen Versuchungen und demselben Kribbeln im Körper zu kämpfen hatte, wie sie es gerade tat. Bevor sie Tharja bekommen hatten, war es öfter vorgekommen, dass er nach seinen Pflichten als Prinz nach Hause gekommen war und regelrecht vor Leidenschaft gesprüht hatte. Dann hatte er ihr deutlich gezeigt, dass er anstatt mit ihr das Abendessen einzunehmen, lieber etwas anderes naschen wollte. Sie selbst hatte es zu verstehen gewusst, ihn noch ein wenig auf die Folter zu spannen. Zunächst hatte sie dies getan, um ihn ein wenig zu necken. Doch schnell hatte sie bemerkt, dass ihn dieses Verhalten noch mehr anheizen konnte. Allerdings hatte sie ihm an solchen Abenden nach einiger Zeit immer die Führung überlassen, da es genau das war, was ein Zwerg dann wünschte.

Aber genauso, wie er ihr zeigen konnte, dass er sie körperlich begehrte, tat er dies auch auf andere Arten. Es war nicht selten vorgekommen, dass er ihr nach seinen Streifzügen um den Erebor Blumen mitgebracht hatte. Vermutlich hatten sich alle anderen Zwerge im Stillen über ihn lustig gemacht. Zwerginnen lebten im Berg und machten sich nichts aus Blumen. Vielleicht hatten sie Interesse an Blumen, die aus Stein angefertigt wurden. Immerhin verblühten diese nie. Ein Zwerg, der Blumen pflückte, war daher mehr, als ungewöhnlich. Aber Kíli war dies egal. Es kratzte nicht an seinem Stolz und er wusste es, dass er ihr eine Freude damit machen konnte. Obwohl die selbstgebundenen Blumensträuße nicht immer eine prachtvolle Schönheit verkörperten und die Pflanzen oft nicht zusammen passten, rührte Amilia diese Geste doch zutiefst, da er während er unterwegs war, um die Grenzen des Erebors abgesichert zu wissen, an sie dachte.      

Doch nun war sie es, die ihm zeigen wollte, wie sehr sie seine Nähe wünschte und begann damit, sanft ihre Lippen auf seine zu legen und darauf zu hoffen, dass der Kuss schnell erwidert werden würde. Kíli begnügte sich aber damit, seine Hand durch ihre blonden Haare gleiten zu lassen und flüsterte:

„Ich schlafe doch noch, meine Prinzessin.“

„Dann lass mich dich wecken“, hauchte sie an seine Lippen. Seine kurze Berührung und Stimme sorgten dafür, dass das Feuer, welches in ihrem Innern zu lodern schien, noch weiter angeheizt wurde. Und es würde nur eine Lösung geben, um diesem ein wenig Einhalt gebieten zu können.

Als Antwort auf ihre Aussage bekam sie ein leichtes Brummen, welches sich aber trotz der weiterhin geschlossenen Augen ihres Mannes nicht allzu widerwillig anhörte. Bevor sie damit beginnen konnte, ihre Liebkosungen zu intensivieren, wurden sie beide durch ein lautes Poltern aufgeschreckt, welches aus dem Wohnzimmer zu kommen schien. Es gab also doch noch eine zweite Möglichkeit, das Feuer zu löschen. Ihre gemeinsame Tochter und mögliche weitere Kinder würden immer für jeden von ihnen an der ersten Stelle stehen. Das klackernde Geräusch war ihnen beiden gut bekannt und Amilia vergrub ihren Kopf an Kílis Hals, da sie wusste, dass die gemeinsame Zweisamkeit bald vorbei sein würde. Es würde ihr vermutlich vorerst genügen müssen, lediglich die Wärme und den vertrauten Geruch ihres Mannes genießen zu können, da gleich jemand in ihrem Schlafzimmer stehen und Frühstück verlangen würde. Zumindest konnte sie darüber froh sein, dass sich ihr Mädchen schon angekündigt hatte, da sie heute Morgen früher, als sonst aufgestanden war.    

„Hör mal mein Liebster, unser kleines Monster ist schon wach und in Bewegung.“

Nun war Kíli von einem Augenblick zum nächsten hellwach geworden und drehte die Menschenfrau geschwind, aber sanft auf den Rücken, um seine Hand unter der gemeinsamen Decke auf ihren Bauch zu platzieren.

„Endlich kannst du etwas spüren. Dann habe ich auch bald dieses Privileg.“

„Nicht das kleine Monster. Unser anderes großes, kleines Monster mit dunklen Locken und blauen Augen. Ein wenig enttäuscht bin ich jetzt aber schon, dass du dich nicht mehr daran erinnern kannst, wie rund ich sein musste, bis du bei Tharja die ersten Tritte spüren konntest. Ich kann selbst noch nichts bemerken.“

Amilia wusste, dass mit dem Braunhaarigen die Pferde durchgegangen waren und seine Äußerungen der reinen Vorfreude geschuldet waren. Sicherlich wusste er es noch ganz genau, wie er sich gefühlt hatte, als er zum ersten Mal Bewegungen von seiner Tochter durch ihren damals viel größeren Bauch hatte spüren können. Und doch konnte es für Kíli wieder einmal nicht schnell genug gehen. Mit spielerischer Entrüstung wollte sie die Hand des Zwerges von ihrem noch flachen Bauch schieben, aber dies gelang ihr nicht. Einerseits lag es daran, weil sie selbst am kichern war und andererseits hielt Kíli kräftig dagegen. Ein Zwerg verteidigte seine Schätze.

„Ich kann es eben kaum erwarten, von unserem Sohn das erste Mal begrüßt zu werden.“

„Du kannst vermutlich gleich deine Tochter begrüßen. Hörst du nicht, dass Tharja mit deinen Stiefeln lautstark durch unser Zuhause marschiert? Das kommt davon, wenn du sie unachtsam mitten in der guten Stube stehen lässt. Seit dem Sommer ist sie ganz vernarrt in deine Stiefel. Jeden Tag schaut sie nach, ob ihre Füße gewachsen sind und ihr das Schuhwerk besser passt.“

„Vielleicht kannst du dich noch dunkel daran erinnern, wer daran schuld war, dass ich die Stiefel nicht mehr ordnungsgemäß habe wegräumen können. Und vielleicht kannst du dich auch noch daran erinnern, wer dafür gesorgt hat, dass nicht noch weitere Kleidungsstücke sich zu den Stiefeln gesellt haben und diese nur verstreut im Schlafzimmer liegen. Oder ist es nun schon wieder soweit, dass wir zur Vergesslichkeit neigen?“

Die Menschenfrau warf Kíli einen unschuldigen Blick zu. Sie konnte sich gut daran erinnern, was in der letzten Nacht passiert war. Wenn sie nicht in der Stube ihre Hände hinter den Kopf ihres Mannes gelegt hatte, während sie leidenschaftliche Küsse mit ihm geteilt oder leicht über seinen Nacken gekratzt hatte, dann hatte sie versucht, ihn von seinen Kleidungsschichten zu befreien oder diesen Schritt zu übergehen und sich mit ihren Händen sofort einen Weg unter seine Kleidung zu bahnen. Bei all ihrer Ungeduld wäre es kein unüberwindbares Hindernis gewesen, aber Kíli hatte immer wieder ihre Hände festgehalten, um sie sanft ins Schlafgemach zu dirigieren. In seinen Augen hatte sie sehen können, dass ihm ihre Ungeduld gefallen hatte, dennoch zog er es nun vor, dass sie sich nach dem Erlebnis im Sommer für intensivere Zweisamkeiten ins Schlafzimmer zurückzogen. Seit gestern hatte sie ungefähr eine Vorstellung davon, was sie bei Kíli ausgelöst hatte, wenn sie ihn auf die Folter gespannt hatte. Kleinste Berührungen von ihm wären beinahe schon zu viel gewesen. Sie reagierte im Moment ohnehin äußerst intensiv auf ihn. Dass er sie hatte zappeln lassen, hatte dafür gesorgt, dass der Braunhaarige eine noch größere Wirkung auf sie gehabt hatte.    

Und Kílis Worte erinnerten sie noch an etwas anderes. Obwohl es 6 Jahre her war, konnte sich Amilia noch entsinnen, dass sie während ihrer ersten Schwangerschaft mit Tharja in den letzten Monaten öfter Aufgaben oder Verabredungen vergessen hatte. Zuvor war sie immer sehr verlässlich gewesen, sodass ihr dieser Zustand einige Sorgen bereitet hatte. Allerdings hatte Dís sie damals beruhigt, dass alles in Ordnung sei. Der Zwergin wäre es bei Fíli und Kíli genauso ergangen und so hatte auch die Menschenfrau eingesehen, dass ihr Körper und ihre Gedankengänge sich eben auf etwas anderes fokussierten, so sehr sie sich auch dagegen hatte wehren wollen. Der Schlafmangel hatte zusätzlich dafür gesorgt, dass sie öfter zu Unkonzentriertheit geneigt hatte. Was Tharja in ihrem Bauch veranstaltet hatte, wusste sie bis heute nicht. Friedlich war sie allerdings nicht gewesen. Auf Tharjas erste kräftige Bewegungen hatte sie sehnsüchtig gewartet, damit auch der werdende Vater sich von außen daran erfreuen konnte. Die Kleine hatte immer das besondere Talent besessen, genau in jenen Momenten Turnübungen durchzuführen, wenn sie selbst hatte schlafen oder ruhen wollen. Und auf ihren Vater hatte sie besonders reagiert und bei seinen Worten und Streicheleinheiten regelrecht geboxt und getreten, um ihm eine Antwort zu geben. Es war ihre erste Schwangerschaft gewesen, sodass sie keine Vergleichsmöglichkeiten besessen hatte. Nichts desto trotz war ihr währenddessen bereits klar gewesen, dass sie ein munteres Kind bekommen würden. Alle waren davon überzeugt gewesen, dass sie einen kleinen Prinzen zur Welt bringen würde. Nur ein Junge wäre dermaßen aktiv, hatten Dís und ihre Hebamme gesagt. Darüber hinaus waren Zwergenmädchen sehr selten. Nur Kíli hatte sich von seiner Meinung nicht abbringen lassen, dass sie bald die Eltern eines kleinen Mädchens wären. Und er hatte Recht behalten sollen, als Mahal ihnen die aufgeweckte Kleine geschenkt hatte.  

„Schlaf du mal mehrere Nächte nicht durch, weil ein kleiner Rabauke in deinem Bauch meint, ganze Schmiedekunst vollbringen zu müssen, während du vorher den ganzen Tag wie eine watschelnde Ente durch den Erebor geeiert bist. Da ist es auch kein Wunder, wenn andere Dinge ein wenig in den Hintergrund geraten.“

„Und ich dachte immer, dass dein Hüftschwung beabsichtigt gewesen wäre“, sagte Kíli mit einem Schmunzeln und ließ seine Hand über ihre Hüfte gleiten.

„Du machst dich über mich lustig.“

„Nein, ich meine es ernst. Ich dachte, dass du mich damit verrückt machen wolltest. Du bist während deiner Schwangerschaften noch unwiderstehlicher.“

„Du hast es auch geschafft, dass ich mich hübsch gefühlt habe, obwohl ich mir wie ein gestrandeter Fisch vorgekommen bin. Nicht einmal meine Schuhe habe ich gegen Ende der Schwangerschaft ohne Probleme an- und ausziehen können.“  

„Solange ich der einzige Mann bin, der das schafft und dir die Schuhe anziehen und vor allem ausziehen darf.“

Während Amilia über Kílis Handrücken streichelte sagte sie:

„Wenn wir schon bei Kleidungsstücken und Schuhen sind…was sagen wir unserer Tochter, wenn sie fragt, wieso die Kleidung im Schlafzimmer ihrer Eltern verstreut ist und sie das nicht darf? Ich möchte ihr nicht erklären, wieso sie das Zimmer aufzuräumen hat und wir das in ihren Augen nicht müssen.“

„Im Schrank war kein Platz, weil Monster eingezogen sind“, sagte Kíli trocken.

„Wehe, du wagst es, ihr das so zu sagen! Ich bin froh, dass sie keine Alpträume mehr hat und die Ungeheuer sie nur eine Nacht besucht haben. Und hinterher möchte sie noch ihren Onkel bitten, die Monster zu vertreiben. Thorin möchte ich nicht in unserem Schlafzimmer stehen haben!“

„Onkel Thorin hat Erfahrungen mit unliebsamen Monstern im Kinderzimmer. Als kleiner Zwergling habe ich ihn damals auch aus dem Schlaf gerissen, weil ich Orks unter meinem Bett vermutet habe.“

„Also warst du schon als Zwergling ein Krieger an Thorins Seite.“

Bevor sie Kíli sagen konnte, dass sie unglaublich stolz auf ihn und ihre gemeinsame Tochter war, hörten sie das Zuschlagen der Türe, die zu ihren Gemächern führte.

„Bei Mahal! Sie wird doch nicht alleine raus wollen!“, rief Kíli, der sofort kerzengerade im Bett saß.

Amilia spürte und wusste es nur zu gut, dass Kíli sofort aus dem Bett springen und zu Tharja gelangen wollte. Wenn sie nicht im Erebor leben würden, sondern in Thal, dann wäre auch sie sofort wie ein aufgeschrecktes Huhn aufgesprungen, um ihr Mädchen zurückzuholen, damit es keinen Gefahren ausgesetzt wäre. Selbst in Bruchtal hätte sie die Kleine nicht unbeaufsichtigt gelassen, da die Räumlichkeiten größtenteils sehr offen waren und sie auch in dem großen Brunnen eine Gefahr gesehen hätte. Allerdings lebten sie im Königstrakt des Erebor. Es gab nur wenige Gemächer, die bewohnt waren und in den Gängen befanden sich keine gefährlichen Gegenstände in Tharjas Reichweite. Zusätzlich standen die verlässlichsten Wachen auf ihren Posten, um die Räumlichkeiten zusätzlich zu schützen. Niemand kam Unbefugt in die Gänge und Tharja würde ohne Begleitung nicht hinaus kommen. Zusätzlich hatte Amilia noch eine vage Ahnung, was ihre Tochter vorhatte. Denn gestern Abend hatte sie es schon angekündigt, dass sie am nächsten Morgen sofort zu ihrem Onkel Thorin gehen wollte, um mit ihm gemeinsam zu frühstücken und in dem frisch gefallenen Schnee zu spielen. Tharja hatte viele Ideen und verwarf sie am nächsten Tag recht schnell wieder, sodass Amilia nicht geglaubt hatte, dass sie in den frühen Morgenstunden zu dem König gehen würde. Durch den dumpfen Laut, der aus dem Zuschlagen der schweren Eingangstür resultierte, wurde sie eines Besseren belehrt.

„Warte, Kíli. Lass sie gehen. Aus dem Königstrakt wird sie die Wache nicht heraus lassen. Kannst du dir nicht vorstellen, wo sie hin möchte?“

„Es hat gestern Abend angefangen zu schneien. Du hättest mal sehen sollen, wie fasziniert sie die Flocken betrachtet hat. Wenn wir in unseren Gemächern Fenster hätten, dann hätte sie vermutlich die ganze Nacht davor gestanden und dem Schauspiel zugesehen, sofern in der Dunkelheit noch etwas zu erkennen gewesen wäre.“

„Sie steckt eben voller Tatendrang und möchte sicherlich Schneezwerge und Schneezwerginnen bauen.“

„Genau deswegen sorge ich mich, dass sie alleine raus möchte.“

„Du kannst sie nicht immer im Berg einsperren. Tharja wird bald eine große Schwester sein und sich erwachsener fühlen, sofern Mahal das vorherbestimmt hat. Sie wird zu ihrem Großonkel gehen.“

„Zu Thorin?“

„Ja. Oder zu Fíli. Ich denke aber eher, dass sie zu Thorin gehen wird.“

„Sie wird aber nicht weit kommen. Oder glaubst du etwa, dass Thorin seine Gemächer nachts offen stehen lässt? Vermutlich weckt sie sowieso den ganzen Berg mit den Geräuschen ihrer Schuhe, die ihr nicht passen.“

„Sicherlich könnte Thorin seine Gemächer offen lassen. In den Königstrakt kommt niemand, der dort nichts zu suchen hat. Aber weißt du nicht, was Tharja in ihrer Schublade vom Nachtschränkchen aufbewahrt?“

Als Antwort schüttelte Kíli nur mit seinem Kopf.

„Den Mondanhänger, sofern sie ihn zum Baden abnimmt und den Schlüssel, der zu Thorins Gemächern führt.“

„Wieso weiß ich das nicht, dass sie seinen Schlüssel hat?“, gab der Zwerg leicht brummig von sich.

„Lass sie doch auch ihre kleinen Geheimnisse haben. Sie möchte bestimmt mit ihrem Großonkel gemeinsam frühstücken.“

„Und woher weißt du, dass es der Schlüssel zu Thorins Gemächern ist? Bist du Tharja einmal gefolgt? Wir können bei der Kleinen nicht vorsichtig genug sein.“

„Ich habe den Schlüssel bereits in den Händen gehalten. Der Schlüsselgriff ist reich verziert. Die Zeichen Durins schmücken ihn. Sieben Sterne, Hammer und Amboss. Jener Zwerg, der diesen Schlüssel verarbeitet hat, muss über große Handwerkskunst verfügen. Nur dem König steht ein Schlüssel mit solchen Symbolen zu. Es hat Vorteile, selbst die Räumlichkeiten des eigenen Heimes zu pflegen. So weiß ich, was unsere Tochter sammelt. Und ich habe Thorin darauf angesprochen, ob er einen Schlüssel vermisst. Ich weiß, dass unsere Kleine niemals stehlen würde. Neugierig ist sie allerdings schon. Aber Thorin hat seiner Nichte den Schlüssel gegeben. Er möchte immer für sie da sein und sie kann immer zu ihm kommen. Es ist doch eine wundervolle Geste.“

„Aber sie kann doch nicht einfach rausgehen. Vielleicht hat sie nur ihr Schlafgewand an und wird sich erkälten“, gab Tharjas Vater entrüstet von sich.

„Beruhig dich, Kíli. Ihre Mutter hat schon dafür gesorgt, dass sowohl bei ihrer Oma, ihrem Großonkel und Onkel Ersatzkleidung parat liegt. Vor allem verfügen alle über warme Kleidungsstücke. Schließlich kann immer ein kleines Missgeschick beim Backen, Essen oder Trinken passieren und die Kleidung nass werden oder vollkleckern. Und deine Mutter strickt für Tharja immer neue Mützen, Schals und Socken. Du kannst nun hinter ihr hergehen und nachsehen, zu wem von den dreien sie gehen wird. Aber es wird zu hoher Wahrscheinlichkeit Thorin sein. Und sonst traue ich es den anderen auch zu, ihr passende und warme Kleidung anzuziehen. Ich möchte unserer Tochter dieses kleine Geheimnis gerne lassen. Du weißt doch, dass Tharja und ihr Onkel die größten Verbündeten sind. Sonst hätte sie uns den Schlüssel sicherlich voller Stolz gezeigt, wie sie alle Geschenke von Thorin präsentiert. Wir haben doch auch unsere kleinen Geheimnisse.“

„Fíli traue ich es nur zu, ein Mädchen anzuziehen. Beim Entblättern hat er vermutlich die größten Probleme.“

„Kíli!“, rief nun Amilia regelrecht entrüstet.

„Wenn wir schon von Geheimnissen reden. Eins werden wir aber bald lüften“, sprach Kíli, während er erneut den Bauch seiner Frau mit Streicheleinheiten bedachte.

„Noch nicht. Lass uns noch ein wenig warten, bevor wir es den anderen sagen.“

„Können wir nicht bald die Neuigkeiten verkünden? Thorin und Dís werden vor Stolz regelrecht wie flüssiges Gold zerfließen und Fíli wird sich freuen, dass er sich bald mit seinem Neffen raufen kann. Der Kleine wird der reinste Frauenversteher sein und ihm sicherlich noch wertvolle Ratschläge geben können. Dir ist doch nicht mehr übel und wir wissen es bereits so lange.“

„So lange wissen wir es auch noch nicht. Und hör endlich mit deinen Sticheleien auf. Wer weiß, welche Geheimnisse Fíli vor dir hat. Vielleicht hat er längst seine Zwergin gefunden und genießt und schweigt. Auch wir haben uns nicht an das Protokoll gehalten.“

Kíli blickte sie nun mit seinem unschuldigsten Blick an. Einerseits lag es daran, dass er vielleicht tatsächlich ein klein wenig von seinem schlechten Gewissen geplagt wurde, da er zu gerne seinem Bruder vorhielt, die Blicke, die andere Zwerginnen ihm zu warfen, nicht sehen zu wollen. Aber dann merkte Amilia, was der eigentliche Grund seines Hundeblickes war. Klammheimlich hatte sich seine Hand unter ihr Hemd geschlichen und lag nun direkt auf ihrer Haut und sorgte für eine Gänsehaut. Diese Disziplin beherrschte er zuweilen meisterhaft. Unschuldig dreinblicken und sich wenig unschuldig benehmen.

„Ich wusste es aber vor dir, dass wir erneut Eltern werden“, sagte er mit einem zuckersüßen Lächeln auf den Lippen.

Amilia wollte sich nicht mit Kíli streiten und ihm sagen, dass er wieder maßlos am Übertreiben war. Dafür genoss sie seine Berührungen im Moment viel zu sehr. Als sie mit Tharja schwanger gewesen war, hatte sie einige Veränderungen durchlaufen. Diese hatte sie sowohl an ihrem Körper, als auch an ihrem Verhalten ausmachen können, bevor ihr Bauch überhaupt damit angefangen hatte, zu wachsen. Kíli hatte dies nicht bewusst wahrgenommen. Zumindest hatte sie es immer vermutet, da er aufrichtig erfreut und überrascht gewesen war, als sie ihm mitgeteilt hatte, dass sie Eltern werden würden. Doch sie hatte sich geirrt, wie sie sich eingestehen musste. Normalerweise schlief sie morgens immer so lange, bis sie von Kíli oder Tharja geweckt wurde. Doch seit einigen Wochen war sie wieder regelrecht nach den Berührungen ihres Gemahls süchtig, sodass sie als Erste von ihnen in der Frühe aufwachte und sofort ihr Verlangen nach ihm stillen wollte. Als dies den ersten Morgen passiert war, hatten sie nach einem äußerst erfüllenden Liebesspiel aneinander gekuschelt gelegen und Kíli, der zu diesem Zeitpunkt normalerweise eher selten gesprächig war, hatte ihr über den Bauch gestreichelt und sie völlig unverblümt gefragt, wann sie es ihm denn hätte sagen wollen, dass Tharja ein Brüderchen bekommt.

Über diese Frage war sie dermaßen verblüfft und schockiert gewesen, dass sie überhaupt nicht gewusst hatte, was sie ihm antworten sollte. Wäre es spät abends gewesen, dann hätte sie ihn gefragt, ob er nicht mit Dwalin an Waffen, sondern auch an Bierkrügen geübt habe. Sie wünschten sich zwar ein zweites Kind, aber dass Kíli es noch vor ihr bemerken würde, kam dann doch zu überraschend und wirkte beinahe ein wenig anmaßend. Amilia hatte versucht, den Zwerg wieder auf den Boden der Tatsachen zu holen. Er neigte zu einer überschwänglichen Euphorie und sie wollte ihn in seiner großen Freude nicht enttäuschen müssen.

Kíli war für einen Zwerg sowieso recht groß gewachsen. Als er erfahren hatte, dass er zum ersten Mal Vater werden würde, hatte Amilia geglaubt, dass er vor lauter Stolz mit seinem Kopf gegen die Türrahmen in ihren Gemächern stoßen müsste. Und auch von seiner Vermutung, dass sie bald ein weiteres Kinderzimmer einrichten würden, hatte er sich nicht mehr abbringen lassen. Als sie Kíli vor ungefähr 6 Jahren eröffnet hatte, dass sie ihr erstes Kind erwartete, da hatte er sich dazu berufen gesehen, ihr am nächsten Morgen das Frühstück ans Bett zu bringen. Die gleichen Ambitionen hatte er dieses Mal wieder an den Tag gelegt, als er geglaubt hatte, die Anzeichen einer Schwangerschaft richtig gedeutet zu haben. Dieses Mal hatte er jedoch für seine kleine Familie Frühstück zubereitet und den Tisch gedeckt. Während Tharja sich freudestrahlend über ihre Pfannkuchen hergemacht hatte und Amilia sie dazu ermahnen musste, nicht allzu sehr zu schmatzen, auch wenn ihr Vater sehr wohlschmeckend gekocht habe, war ihr bei dem Geruch des Essens schon schlecht geworden. Und es hatte nicht daran gelegen, dass die Pfannkuchen verbrannt oder etwas anderes an ihnen zu beanstanden gewesen wäre. Ihr Gemahl hatte ihr dann tröstend über den Rücken gestreichelt, während sie unter der Übelkeit zu kämpfen gehabt hatte. Allerdings hatte sich ihr schlechtes Gewissen in Grenzen gehalten, dass ihr ausgerechnet bei seinen Pfannkuchen übel geworden war, da er sie mit einem triumphierenden und wissenden Lächeln bedacht hatte, als der Eimer nicht mehr von Nöten gewesen war. Amilia hatte sich in jenen Momenten daran erinnert, wie sie beide über zwei Eimern gehangen hatten, als sie wussten, dass sie Tharja erwarteten. Kíli hatte vor lauter Freude darüber, dass er Vater werden würde, mit den anderen Zwergen ihrer Gemeinschaft ein wenig beim Bier übertrieben. Es war die pure Ironie gewesen, dass sie selbst und die anderen Zwerge ihn dazu hatten ermuntern müssen und dies dann das Resultat gewesen war. Er war zwar vor Stolz beinahe geplatzt, allerdings hatte er Amilia zu Beginn nicht alleine lassen wollen. Sie hatte ihn dann noch dazu überredet, mit seinen Gefährten die Krüge zu heben, da sie ein wenig Ruhe benötigt hatte. Der Abend schien dann trotz Kílis Bedenken sehr fröhlich und gesellig geworden zu sein, da sein Magen anschließend rebelliert hatte. Als er dann den Weg in seine Gemächer gefunden und sich bemüht hatte, keinen Lärm zu machen und sie zu wecken, war dennoch auch für Amilia die Nacht vorbei gewesen. Der Geruch nach Bier und Pfeifenrauch, den er verströmt hatte, hatte schon dafür gesorgt, dass auch ihr übel geworden war. An diesem Morgen hatten sie dann beide jeweils einen Holzeimer nutzen müssen. Obwohl es unterschiedlichen Gründen geschuldet war, war die Ursache doch die Gleiche gewesen: Tharja. Nichts desto trotz schweißten solche Erlebnisse auch zusammen und heute konnten sie beide darüber lachen. Vor sechs Jahren hätte sie ihm am liebsten einen ihrer Stiefel über den Kopf gezogen, die aufgrund ihrer geschwollenen Füße sowieso immer unbequemer geworden waren.

Wenn sie Kíli nun so sah, wie er ihren Bauch berührte, dann bereute sie es beinahe schon ein wenig, dass sie erst nach dem fünften Geburtstag ihrer Tochter ein weiteres Kind bekommen wollte. Er hatte diesen Wunsch schon lange gehegt, allerdings hatte sie sich selbst erst davon überzeugen wollen, dass Tharja sich gut entwickelte. Schließlich war nicht in einer einzigen der alten Schriften jemals dokumentiert worden, dass es auch zwischen Zwergen und Menschen Kinder gab. Und sie hatte sich auch ein wenig davor gefürchtet, wie Kíli seine Rolle als Vater annehmen würde. Obwohl er einen sehr liebevollen und treu sorgenden Gemahl für sie verkörperte, war er immer noch recht jung, was das Alter eines Zwerges anbelangte. Als er ihr damals gesagt hatte, dass er sich Kinder mit ihr wünschte, hatte sie geglaubt, dass er sich von Thorin oder Dís beeinflussen ließ. Dís machte nach der ersten Phase des Kennenlernens keinen Hehl daraus, dass sie sich zahlreiche Enkelkinder wünschte. Bei Thorin war sie sich nicht sicher gewesen, wie er zu einem Großneffen oder einer Großnichte stehen würde. Schließlich würde ihr Kind mit der Thronfolge nichts zu tun haben und auch in Thorins traditioneller Denkweise keinen reinen Durin verkörpern. Umso mehr freute sie sich, dass die Kleine regelrecht einen Narren an Thorin gefressen hatte und dieser sie gleichermaßen liebte. Kíli hatte ihr versichert, dass es sein eigener Wunsch gewesen sei, mit ihr eine Familie zu gründen. Sie wusste nicht, welche Beschimpfungen sie Kíli an den Kopf geworfen hatte, als sie mit Tharja in den Wehen gelegen hatte. Aber sie wusste es noch ganz genau, dass sie während sie noch einigermaßen klar hatte denken können, geglaubt habe, nie wieder ein Kind bekommen zu wollen. Jedoch hatte sie dies beinahe schon wieder vergessen, als sie ihr kleines Mädchen in den Armen gehalten hatte. Nachdem sie sich als Familie eingespielt hatten, hatte auch sie schnell den Wunsch nach einem zweiten Kind verspürt. Allerdings hatte ihr Verstand gesiegt und sie hatte sich dazu ermahnt, vorerst abzuwarten. Doch nachdem sie gesehen hatte, wie liebevoll Kíli gemeinsam mit Tharja die Monster aus dem Zimmer der Kleinen verjagt hatte, da hatte auch sie ihrem Herzen nachgegeben. Genauso wusste sie es tief in ihrem Innern, dass sie erneut Kílis Kind unter ihrem Herzen trug und sie von ihrem Körper und Kopf nichts vorgegaukelt bekam. Aber hierbei wollte sich gleichermaßen wieder ihr Verstand durchsetzen und sie zur Vorsicht mahnen. Bei Tharja war ihr zu Beginn öfters schlecht gewesen. Dieses Mal war es nur ein einziges Mal passiert. Es war eine Begleiterscheinung, auf die sie gerne weiterhin verzichten würde. Andere Umstände wiederholten sich. In ihrer ersten Schwangerschaft hätte sie sich nach dem Abklingen der Übelkeit am liebsten den ganzen Tag an Kíli geklammert und ihn nicht aus ihrem Bett gelassen. Dennoch würden sie erst Gewissheit haben, wenn ihr Bauch wuchs oder sie die ersten Bewegungen spüren könnte.

„Eigentlich können wir uns immer noch nicht sicher sein, Kíli.“

„Wenn mein kleiner Morgenmuffel vor mir wach wird und mich weckt, dann ist etwas anders, als sonst.“

„Ich bin morgens nicht schlecht drauf. Ich habe nur kleine Schwierigkeiten, um in Bewegung zu kommen.“

„Und dann ist meine große Prinzessin im Moment sehr liebebedürftig. Was hattest du eigentlich vor, bevor Tharja durch die Stube gepoltert ist. Ich kaufe dir das nicht ab, dass du mich nur liebevoll wecken wolltest“, sprach Kíli neckisch.

Vermutlich wäre Amilia vor einigen Jahren vor lauter Scham unter die Bettdecke gekrochen, da sie nach dem Aufstehen nur daran gedacht hatte, wie sie ihr Verlangen nach Kíli hätte ausleben können. Allerdings erfüllte es den Zwerg immer mit Stolz und steigerte gleichermaßen sein Verlangen nach ihr, wenn sie in die Initiative ging. Und sie hatte im Moment nicht nur gesteigerte Lust auf ihren Gemahl. Genauso gefiel es ihr, ihn ausgiebig zu verwöhnen. Dies hatte sie schon immer gerne getan, aber im Moment war es schon beinahe unheimlich, dass sie an nichts anderes denken konnte, wenn sie alleine waren. In der ersten Schwangerschaft hatte sie damit bereits zu kämpfen gehabt. Aber ganz so schlimm wie dieses Mal war es nicht gewesen. Vielleicht kam es ihr auch einfach nur so vor, da sie nun nicht so viel Zeit für Zweisamkeiten hatten, wie bei ihrer ersten Schwangerschaft. Beschwert hatte er sich bisher jedoch noch nie über ihr derzeitiges Verhalten. Von daher zog sie es vor, in die Offensive zu gehen, anstatt sich unter der Bettdecke zu verkriechen. Womöglich hätte dies nur zu weiteren unzüchtigen Gedanken geführt.    

„Ich wollte dir den Start in den Tag so angenehm wie möglich gestalten.“

„Also wolltest du an jener Stelle weitermachen, bei der wir letzte Nacht aufgehört haben. Was hat dich vor Tharjas Lärm aufgehalten?“, gab der Prinz mit einem schelmischen Grinsen von sich.

„Ich habe mich nicht im Griff, Kíli. Meine Gedanken kreisen fast nur um dich. Das macht mir Angst und ich fürchte mich davor, dass das abschreckend auf dich wirken könnte. Schließlich möchte ich auch nicht dadurch geweckt werden, weil du mich auf die Felle drückst, während ich noch am Schlummern bin.“

„Na ja schlimmstenfalls hätte ich gedacht, dass alles nur ein Traum gewesen wäre. Aber ich glaube nicht, dass ich dich so leicht hätte davon kommen lassen.“

Nun wurde es aber Amilia zu bunt. Da hatte sie sich mühevoll zurück gehalten, weil sie doch ein wenig das schlechte Gewissen geplagt hatte, dass sie ihren Mann überstrapazieren würde und dieser hatte nichts Besseres zu tun, als ihr zu verstehen zu geben, dass er allzeit bereit für sie wäre?  

„Du möchtest wohl Zwillinge von mir, nicht wahr?“

„Wie kommst du darauf?“

„Na woher sollen Zwillinge denn sonst kommen? Sie sind bestimmt das Resultat, dass der Zwerg seine Frau besonders glücklich macht. Das ist doch eine meiner leichtesten Übungen.“

„Untersteh dich, du frecher Schuft! Wehe du wagst es, mich mit Zwillingen zu segnen!“

Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, setzte sie sich auf Kílis Schoß und blickte ihm tief in die wundervollen braunen Augen.

Zwei Windelzwerge würden sicherlich viel Arbeit, aber auch unheimlich viel Glück und Freude bedeuten. Allerdings war der Gedanke, zwei Kindern auf die Welt helfen zu dürfen, ein wenig abschreckend. Genauso hatte Amilia das Gefühl gehabt, dass Tharja während der Schwangerschaft stets versucht hatte, ihre Innereien zu verschieben, um besseren Platz zu haben. Wenn dies zwei kleine Rabauken tun würden, wäre es sicherlich noch anstrengender.

„Meine Schuld ist das im Moment ganz und gar nicht. Wer ist denn gerade wem auf den Schoß gesprungen?“

„Dann wecke ich dich in ein paar Monaten sogar nachts. Weil ich selbst beim Drehen von links nach rechts deine Hilfe benötigen würde. Und die Namensfindung wäre noch schwieriger.“

„Tharja ist doch ein wunderschöner Name. Er besteht aus vielen Buchstaben, die in dem Namen ihres Onkels und unseres Königs vorkommen.“

In Gedanken und mit einem Lächeln auf den Gesichtszügen fügte Amilia noch hinzu, dass sie den Namen eigentlich wegen einer anderen Person ausgewählt hatte. Es war eine Anspielung auf Gandalf, der bei den Zwergen auch Tharkûn genannt wurde. Aber sie ließ ihren Gemahl gerne im Glauben, dass sie jenen Namen ausgesucht hatte, um eine Ähnlichkeit zu Thorins Namen herzustellen. Denn dies erfüllte Kíli und Thorin gleichermaßen mit Stolz. Allerdings hatten sie Gandalf ihr gemeinsames Glück zu verdanken, da er die Menschenfrau auf die Reise geschickt hatte. Und so hatte jeder seine kleinen Geheimnisse und alle waren glücklich und zufrieden.

„Was grinst du denn nun so? Manchmal wüsste ich gerne, was in deinem hübschen Köpfchen vor sich geht“, sprach Kíli und streichelte ihr über die Wange.

Amilia griff nach Kílis Handgelenken und drückte diese auf die Felle, während sie sich über ihn beugte und in sein Ohr säuselte:

„Ich frage mich gerade, womit ich dich heute Morgen glücklich machen kann, nachdem Tharja immer noch nicht zurückgekommen ist und scheinbar jemanden gefunden hat, der mit ihr frühstückt.“

„Du meinst also, Tharja frühstückt mit ihrem Großonkel? Sollen wir dann unser kleines Familienfrühstück ins Bett verlegen?“



***

So sieht das „verflixte siebte Jahr“ bei den beiden aus ;-) Der Rest bleibt der eigenen Fantasie überlassen, sodass es im nächsten Kapitel mit Tharja weitergeht. Ein wenig Privatsphäre möchte ich den beiden zumindest in dieser FF lassen ;-)

Über Reviews würde ich mich wie immer sehr freuen. Zumal dieses Kapitel eigentlich nicht so geplant war. Ich hoffe, dass es vielleicht doch für ein paar Schmunzler gesorgt hat.

Genauso kann ich mir auch keinen Zwerg vorstellen, der Blumen pflückt….aber Kíli ist in dieser Hinsicht mein Lieblingsopfer^^

Und ja…die Autorin ist aufgeklärt und weiß, wie Zwillinge entstehen. Doch wage ich es zu bezweifeln, dass dieses Wissen in Mittelerde bzw. im Mittelalter verbreitet war. Ein Zwerg sieht dadurch sicherlich seine Manneskraft bestätigt. Und unser kleiner Prinz ist bestimmt fest davon überzeugt, potent genug zu sein, um Zwillinge zu zeugen ;-)

Und eigentlich hat T(h)arja ihren Namen dadurch bekommen, weil die Autorin ungeplanter Weise einen Namen gebraucht und beim Schreiben der kleinen Monsterlein Nightwish gehört hat. Doch scheinbar ist er recht passend ;-)

LG und hoffentlich auf recht bald, (dass meine Muse wieder zurück kommt)

Eure Ela
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