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Kiss the cook

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
23.02.2016
18.03.2016
14
26.406
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07.03.2016 2.412
 
Am nächsten Morgen rüttelte mich mein Wahl-Bruder unsanft wach. „Nina, wir haben ein Problem!“ „Hmmm?“ „Heute ist ein Dreh angesagt, und Gordon hat mir gesagt, dass wir unbedingt einen Servicecoach brauchen. Komm bitte mit!“ Ich blitzte ihn wütend an. „Es ist mitten in der Nacht! Lass mich in Ruhe!“ Er setzte sich an meine Bettkante. „Bitte, Schwesterchen! Nils und Ole sind auch mit von der Partie.“ „Nein, nicht Ole!“ murrte ich.
„Was hast du immer gegen ihn?“ „Nichts. Das ist es ja. Um genau zu sein, habe ich mich unsterblich in ihn verliebt. Ja, auf den ersten Blick!“ fügte ich an, als ich den entsetzten Blick meines Wahl-Bruders sah. Andi brach in schallendes Gelächter aus. „Was lachst du so blöd?“ brummte ich. Er schaute mich an. „Nur so. Und deswegen bist du so fies zu ihm?“ Ich wurde rot. „Naja….er macht mich so fürchterlich unsicher. Ich weiß einfach nicht, wie ich mich verhalten soll. Er ist immerhin der tollste Mann der Welt!“ Andi hatte sich inzwischen an meine Seite gelegt, und ich kuschelte mich an seine Brust. „Ole ist wirklich unkompliziert. Er ist witzig, charmant und er kocht wie ein Gott“, erzählte er freimütig von seinem guten Freund. „Aber er könnte jede Frau auf dieser Erde haben, warum soll dann Pummelfee Ninouche eine Chance bei ihm haben?“ Andi gab mir einen spielerischen Klaps. „Du bist nicht pummelig, sonders schön, außerdem ist das voll Oles Ding. Seine Noch-Frau hat in etwa deine Statur. Und zweitens, vielleicht will er gar nicht jede x-Beliebige?“ „Und wo sollen die Dreharbeiten stattfinden?“  „In deiner Geburtsstadt!“ „In Stuttgart? Warum ist Onkel Fo dann nicht dabei?“ Er schlug mir leicht auf den Arm. „Dein Onkel ist unterwegs, wie du weißt.“ Das war wohl echt nicht meine Uhrzeit. „Wann müssen wir wo sein?“ Andi sah auf seine Uhr. „Der Zug geht in einer Stunde!“ Ich war schlagartig wach, und rannte hektisch umher, um meine Tasche zu packen.
Da rauschte Daniel hinein. „Frühstück!“  Ich warf ihm einen verzweifelten Blick zu. „Dan“, jammerte ich, wobei ich das a langzog. „Der böse Mann zwingt mich, mit nach Stuttgart zu kommen!“ Ich zeigte anklagend auf Andi. Dan lachte. „Und ich habe dir Croissants besorgt!“ „Bei Karin?“ „Bei wem sonst?“ Karin war Daniels Schwester, und eine begnadete Bäckerin. Halb München stand vor ihrem Laden Schlange, um in den Genuss ihrer Backwaren zu kommen. Ich warf noch schnell mein Lieblings-Hoodie in die Tasche und raste zum Küchentisch. Andi brummte. „Bei mir ist sie nie so begeistert.“
Zwei Stunden später saßen wir im Intercity nach Stuttgart. Ich war nach Thomas‘ Tod nicht wirklich dort gewesen, denn Mama war schnell nach Köln geflohen, wo ich auch letztenendes aufgewachsen war. Andi sah nachdenklich aus dem Fenster. „Bruderherz, alles okay bei dir?“  Er reagierte nicht, und so strich ich ihm mit meinen Fingern über den Unterarm. Er zuckte zusammen. „Alles okay?“ wandte ich mich erneut an ihn. „Ja“, antwortete er eine Spur zu hektisch und zu fröhlich. „Andreas Schweiger, lüg mich nicht an!“ Seine blauen Augen sahen mich durchdringend an. „Ach, wegen Jessy. Sie tyrannisiert mich schon seit gestern Abend mit Anrufen und SMS.“ Ich lehnte mich an ihn, was ihn dazu veranlasste, zu lächeln. „Wenigstens habe ich dich, kleine Schwester“, murmelte er, und küsste mich auf die Schläfe. Das Ruckeln des Zuges machte mich müde, und ehe ich mich versah, war ich in Andis Armen eingeschlafen.
Gefühlte zehn Minuten später rüttelte er mich wach. „Ninouche, wir sind da!“ Wütend musterte ich ihn. „Wer hat dir erlaubt mich Ninouche zu nennen?“ Das war immer Mamas Kosename für mich gewesen, und auch Onkel Fo nannte mich so, aber weiteren Personen hatte ich das nicht erlaubt. Er fuhr mir durchs Haar. „Sei nicht so, ich necke dich doch nur!“ Ich angelte meine Tasche von der Gepäckablage und verließ, noch etwas verschlafen, den Zug. Kaum stand ich auf dem Gleis, bemerkte ich, dass ich in etwas Weiches hinein gelaufen war. Zwei Arme schlangen sich um meine Hüfte. „Nina, ich wusste ja, dass du auf mich stehst, aber dass du sooo stürmisch bist?“ Nils. Gottseidank. Ich küsste ihn frech auf die Wange. „Ich habe mich vor Sehnsucht nach dir verzehrt“, flötete ich, und klimperte mit den Wimpern. Kurz darauf brachen wir beide in schallendes Gelächter aus. Ole schob sich in unser Blickfeld. Zusammenreißen, rief ich mir in Gedanken noch zu, aber mein Mundwerk war wieder schneller. „Glotz nicht so!“ Mit erhobenem Haupte rauschte ich an dem dunkelhaarigen vorbei.  Der schüttelte nur fassungslos den Kopf.
Nils hakte mich unter. „Also Kratzbürste, da vorne steht unser Van. Und bitte sei lieb zu unserer Crew, die brauchen wir noch!“  Ich streckte ihm die Zunge heraus. Seine Sorgen waren auch unbegründet gewesen, denn die Crew war hinreißend.
Nach dem ersten Drehtag (der einer Folter gleichkam), saß ich auf der Terrasse des Hotels, in dem wir untergebracht waren. Ich hatte meine Beine angewinkelt, und meinen Kopf darauf abgelegt. Nun war ich also wieder zuhause. Ich hatte das Bedürfnis, mit meinem  Onkel zu sprechen, und rief ihn auch direkt an. „Oehler?“ „Ich bin es, Nina. Kannst du mir sagen, wo Thomas begraben liegt?“ „Na klar, und wenn du magst, begleite ich dich. Immerhin bin ich auch lange nicht mehr dort gewesen.“ „Aber du bist doch unterwegs?“ „Nein, ich bin im Restaurant, und arbeite!“ Ich ließ mir seine Adresse geben, und verschwand, ohne ein Wort an die Jungs zu richten. Warum belogen mich die drei? Sie wussten, dass mein Onkel mein ein und alles war!
Zehn Minuten später parkte das Taxi dass ich mir hatte kommen lassen, vor einem imposanten Schloss. Wow, das war ja wirklich beeindruckend! Ich schlenderte auf den Eingang zu. „Guten Abend, haben sie reserviert?“ fragte eine hübsche junge frau mit dunkelblonden Haaren. „Nein, ich bin Herrn Oehlers Nichte, und wollte ihn überraschen.“ Sie schaute mich an. „Dann sind sie die Tochter von Thomas? Sie sehen genauso aus wie ihr Vater.“ Ich blinzelte verwirrt. „Naja, meine Mutter war die Lehrerin von Thomas, ich kenne ihn in der Hauptsache von Fotos. Und jetzt folgen sie mir bitte!“ Sie wandte sich um, und einige Minuten später fand ich mich in der Küche wieder. An der Wand hing ein großer Gong, und die junge Dame haute mit einem Schlagstock (oder wie nannte man das?) dagegen. Ein hübsche dunkelhaariger tauchte auf. „Luisa, ich hatte fast einen Infarkt, was ist denn…oh!“ meinte er nur, als er mich sah. „Du musst Nina sein, ich bin Markus, der Küchenchef hier.“ Ich gab ihm die Hand. „Folge mir unauffällig, ich bringe dich zu deinem Onkel!“  Meine Verwirrung wurde immer größer. „Woher kennt ihr mich denn alle?“ fragte ich Markus. Der wandte sich lächelnd zu mir um. „Fo gibt pausenlos mit dir an, daher!“ „Mein alter Onkel soll mehr kochen, und weniger angeben“, gab ich zurück, und der charmante Schwabe lachte. „Aber er preist deine Schönheit zu wenig, wäre ich nicht verheiratet, ich würde dich glatt anbaggern!“ In einem hinteren Teil der Küche saß mein Onkel und meditierte. Ich ließ mich neben ihn gleiten, und nahm ebenfalls den Lotossitz ein. Auch ich hatte mich vor Jahren von der christlichen Welt losgesagt, und mich dem Zen-Buddhismus verschrieben-ebenso wie Fo. „Der Weg liegt nicht im Himmel. Der Weg liegt im Herzen“, meinte mein Onkel da unverwandt. Ich hielt inne. Was war denn nun wieder mit dem los? „Wer liebt, vollbringt selbst Unmögliches“, antwortete ich nach einigen Minuten der Stille. Er öffnete die Augen und lächelte mich an. „Dann vollbring das Unmögliche, mein Schatz. Du kannst nicht immer vor deinen Gefühlen weglaufen. Ole im Übrigen auch nicht.“ Wir erhoben uns, und verbeugten uns leicht vor einander. Dann fiel ich ihm um den Hals. „Langsam, mein Mädchen, ich werde auch nicht jünger“, gluckste er. „Gehen wir zu Thomas?“ Mit Kulleraugen schaute ich ihn an. „Gleich, mein Schatz. Aber erst wird gegessen. Andi berichtet mir immer wieder von deiner grausamen Esskultur.“ Diese Petze, dachte ich, ließ mich aber widerstandslos zu Markus zurückbringen, der mir einen Teller Nudeln in die Hand drückte. „Lass es dir schmecken“, meinte er nur. Ich bedankte mich, und nahm einen Bissen. Das Gericht schmeckte wirklich sagenhaft, aber ich hatte einfach keinen Hunger. Also stellte ich den Teller wieder zurück. Markus schaute mich fragend an. „Schmeckt es nicht?“ „Doch, sehr. Aber ich bekomme nichts herunter-ich will doch endlich zu Thomas!“
Der junge Mann schüttelte nur mit dem Kopf. „Wie kann man nur so wenig essen?“

Im Hotel bei den anderen drei:
„Ole, mal ehrlich! Wenn du nicht die Initiative ergreifst, wird das NIE was!“ meinte Nils, und grapschte nach den Erdnüssen, die in einer Schale auf dem Bett standen. Die drei Freunde hatten es sich in Oles Zimmer bequem gemacht. „Aber sie mutiert doch direkt zur Giftspritze wenn sie mich sieht“, gab der Hamburger resigniert zurück. Nicht einmal damals, als er seine Noch-Frau zum ersten Mal gesehen hatte, war es ihm so ergangen, wie bei Nina. Andi schaute ins Leere. „Mei, Nils, wenn die zwei das nicht selber hinbekommen, dann nützt auch deine Kuppelei nichts“, bemerkte er etwas zu scharf. Ole schaute ihn an. „Sag bloß, da will jemand nicht nur das Brüderchen sein?“ „Das geht dich einen Scheißdreck an!“ schnappte der Bayer und rauschte aus dem Raum.  Nils hielt sich den Kopf. Das würde ja etwas werden.

Ich stand nun seit einer gefühlten Ewigkeit am Grab meines Vaters. Onkel Fo hielt meine Hand, und wir sagten beide kein Wort. „Nina?“ flüsterte er da auf einmal. „Ja?“ „Weißt du, was komisch ist?“ „Nein?“ „Ich habe das Gefühl, dass Thomas direkt neben uns steht.“ Wir drehten uns zur Seite, und tatsächlich,  da stand ein ca. 18 jähriger, mit halblangen schwarzen Haaren, und braunen Augen. „Schau nicht so, Bruderherz“, wandte er sich an Fo. „Und zu dir, meine wunderschöne Tochter“, begann er. „Du bist mein ganzer Stolz.“ Er legte eine Hand auf meinen Bauch. „Und was immer auch passiert, mein Enkelkind wird es auch sein. Noch ist es nicht da, aber bald, mein Engel. Es wird die blauen Augen seines Papas haben!“ Ich schnappte nach Luft. Einen Wimpernschlag später war er fort. „Was war das?“ wandte ich mich verstört an Fo. „Thomas, nehme ich an.“ Ich winkte dem Grab zu. „Mach’s gut Papa. Bis bald!“
Hand in Hand verließen wir den Friedhof. „Was meinte er mit seinem Enkelkind und blauen Augen? Mike, Andi, Nils UND Ole haben blaue Augen. Und Benny! Ach nee, die sind braun.“  Fo strich mir durch die Haare. „Und was ist das mit Andi und dir? Die gute Freunde-Nummer glaubt euch nun wirklich keiner.“ „Nichts ist mit Andi“, gab ich zurück.
Als ich wieder im Hotel ankam, stand schon ein wütender Andi vor meinem Zimmer. „Wo WARST du?“ „Bei Papa“, gab ich zurück, und schob ihn unsanft zur Seite. „Ich habe mir Sorgen gemacht!“ „Leck mich!“ Er schaute mich entrüstet an. Nils kam, von unserem Gezanke angelockt, aus dem Zimmer nebenan. Hinter ihm trat Ole ins Bild. „ACH WISST IHR WAS? LECKT MICH ALLE DREI!“ donnerte ich, und warf meine Zimmertür geräuschvoll zu. Es klopfte. „Verpisst euch!“ schimpfte ich. „Darf ich reinkommen?“ Es war Ole. Ich zögerte. Ausgerechnet er stand nun vor meiner Tür. „Ja, warte. Aber wenn das ein Trick ist, Gnade dir Gott!“ Sein Lachen erklang, und mein Herz klopfte schneller. Ich öffnete, und er schob sich direkt nach drin. „Mach wieder zu, die beiden anderen stehen noch da!“ Ich kam dem nach, und hörte noch, wie die zwei Köche entrüstet nach Luft schnappten.
„Was verschafft mir die Ehre?“ schnappte ich. Ole setzte sich einfach auf mein Bett, und klopfte auf den Platz neben ihm. Ich setzte mich. „Ich bin es ja gewöhnt, dass du mich anfährst-ehrlich gesagt erwarte ich das auch schon fast, wenn wir uns sehen. Aber diese beiden Klappspaten da draußen sind doch normalerweise dein ein und alles, was ist da los?“
Ich seufzte tief. „Willst du die Wahrheit hören?“ Er nickte. „Also: Als du zu uns in die WG kamst…Ach scheiße, ich bin nicht gut in so etwas. Zumal mein Ex ein mieser Fremdgeher ist, und mein Selbstwert seitdem bei 0. Und überhaupt, du wohnst in Hamburg, und ich in München…Und drei Kinder hast du auch, habe ich mir sagen lassen. Das ist doch alles für den Arsch!“ Ole hatte nicht einmal gesprochen. Er hörte geduldig zu. „Ich verstehe kein Wort, Nina“, meinte er sanft. Aus dem Nachbarzimmer erklangen dumpfe Stimmen. Ich klopfte wütend gegen die Wand. „Ihr IDIOTEN!“ schrie ich. Die Stimmen verstummten.
„Nun, nachdem ich die Lauscher beseitigt habe: Was ist daran nicht zu verstehen? Ich habe mich rettungslos in dich verliebt!“ platzte es nun aus mir heraus. Ich vergrub mein Gesicht zwischen meinen Händen. Tränen rannen mir die Wangen herunter. Jetzt würde gleich kommen, dass ich zwar ganz nett sei, aber. Ich kannte das schon. Ole löste meine Hände von meinem Gesicht, und nahm sie fest in seine. „Schau mich an“, bat er sanft. Ich schaute ihn an, und ich sah Aufrichtigkeit in seinem Blick. „Mir geht es ganz genau so wie dir. Aber deine abweisende Art hat es mir nicht gerade leicht gemacht, mich dir zu offenbaren. Nils hat immer auf mich eingeredet, wie auf einen lahmen Gaul.“ Ich lachte. „Onkel Fo auch auf mich, okay, Andi auch, aber mit dem rede ich nicht mehr.“ Blaue Augen warfen mir eine Frage zu. „Naja, er meinte, Onkel Fo sei unterwegs, und deswegen könntest nur du mit uns drehen-dabei haben die beiden doch bestimmt die Kuppler gespielt?“ Ein „hey“ erklang vor der Zimmertür. Ich sah in einem Schälchen neben der Minibar einige Zitronenscheiben liegen. Na wartet, dachte ich, und nahm eine davon. Diese hielt ins ans Schlüsselloch und drückte zu. „AUA!“ fauchte da Andi. „dann lauscht halt auch nicht! Und mit DIR rede ich nicht mehr! Und wenn Nils jetzt deinen Platz einnimmt: Ich habe noch mehr davon!“ Ole lachte nun aus vollem Hals. „WAS?“ rüpelte ich, in alter Manier. Er stand auf, und zog mich in seine Arme. „Küsst du mich jetzt eigentlich mal?“ Ich schaute ihn herausfordernd an. „Macht nicht der Mann den ersten Schritt?“ Ole legte nun einfach seine Lippen auf meine. Ich hatte das Gefühl, meine Beine würden nachgeben. Zuerst war der Kuss fast keusch, aber inzwischen lag so viel Leidenschaft darin, wie ich sie noch nie gespürt hatte. „Was machen die? Lass mich auch gucken!“ kabbelten sich Nils und Andi vor der Tür. „Lass sie“, flüsterte Ole, und wir ignorierten die beiden bis zum nächsten Morgen.
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