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Kiss the cook

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Andreas Schweiger Frank Oehler Nils Egtermeyer OC (Own Character) Ole Plogstedt
23.02.2016
18.03.2016
14
26.406
1
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11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.03.2016 1.778
 
Tadaaaah! Neues Kapitel! Ich bedanke mich wie immer bei meinen treuen offensichtlichen und auch geheimen Lesern :) Ich freue mich immer über Favos, Reviews und Empfehlungen, aber das nur am Rande.
Viel Spaß beim Lesen!
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Ich streckte ihm die Zunge heraus. „Schau mich doch an. Wie könnte ein Mann wie er Gefallen an mir finden?“
Ich ahnte nicht, dass in der Küche gerade ein ähnliches Gespräch stattfand. „Habt ihr mir mit Absicht verschwiegen, was das für ein steiler Zahn ist?“ jammerte Ole. „Jetzt habe ich mich bestimmt total zum Brot gemacht!“ Fo kniff seinen Kollegen in die Flanke. „Meine Nichte ist übrigens Single!“
„und ganz geschmeidig 15 Jahre jünger als ich.“ „16“ gab Fo trocken zurück.
Andi schaufelte allen noch mehr Pizza auf die Teller. „Lasst das Mädel in Ruhe“, schimpfte er.
Jule tobte mit Timo und Emil durch die Wohnung. Die beiden Jungs waren begeistert von der hübschen Blondine, und ritten gerade auf ihrem Rücken durch Andis Zimmer. Fritz grinste mich an. „Tante Iris, ich bin übrigens echt sauer darüber, dass du mir meine Cousine so lange vorenthalten hast. Emma und Marie sind grässliche Nervensägen!“ „Du hast Lena vergessen“, merkte seine Stiefmutter genervt an. „Lena ist das Enfant terrible“, erklärte er mir lachend. „Sie hat lila Haare, und mehr Metall im Gesicht, als Onkel Andi lieb ist. Sie ist Sängerin in einer Metalband. Also hauptberuflich.“ Nun verstand ich auch Sabines Reaktion. Sie war eher ein Püppchen, und selbst ich passte nicht in ihr Weltbild, dabei hatte ich weder Piercings noch Tätowierungen, noch neigte ich zu sonstigen Verrücktheiten. Okay, ich war und bin Gin-Enthusiastin, und meine Sammlung umfasst allein 50 deutsche Sorten, aber ansonsten halte ich mich für normal, was meine Stief-Tante offensichtlich nicht tat.
Ole stand mit einem Teller, der bis oben hin mit Pizza beladen war, vor uns. „Mag noch jemand? Andi denkt wohl, ich verhungere!“ Fritz angelte nach einem Stück, aber ich hob abwehrend die Hände. Ich aß seit ich im Mayers gearbeitet hatte, unregelmäßig, und mein Körper war perfekt daran gewohnt. Mehr als zwei Mahlzeiten am Tag konnte ich nicht zu mir nehmen, ohne mich zu übergeben.
Fritz schaute mich fragend an. „Keinen Hunger mehr?“ „Nein“, antwortete ich schlicht, und ließ es zu, dass Ole neben mir auf die Couch plumpste. „Mein Gott, bist du ein Trampel!“ fuhr ich ihn an. Er schaute mich aus seinen blaugrauen Augen genervt an. „Was hast DU denn für ein Problem mit mir?“ ich zog es vor, nichts darauf zu sagen. Mein Cousin Emil erklomm auch just in diesem Moment meinen Schoss. „Kussi!“ forderte er, und schürzte seine Lippen. Ich gab ihm einen Kuss. Er strahlte. „Hab diss liep!“ verkündete er, und kuschelte sich an mich. „Weich!“ Frechdachs. Ole schaute zu mir herüber. „Was glotzt du so?“ Herrje, Nina, hör doch auf, den armen Mann so anzufahren, schalt ich mich innerlich. Er erhob sich, um sich neben Fo zu setzen. „Ist die immer so?“ Sabine rümpfte die Nase. „Naja, Benehmen hat sie keines, wie man merkt.“
Fritz zog mich in seine Arme, und lächelte mich lieb ab. Ich erwiderte das, und genoss es, meinen Cousin um mich zu haben. Immerhin war ich 26 Jahre lang ein Einzelkind gewesen, und nun bekam ich so viel Familie dazu! Ein viel größeres Glück könnte es für mich kaum geben.

Ein halbes Jahr war nun vergangen, und ich liebte die Arbeit im Schweigers. Jessy war von Anfang an eine gute Freundin für mich geworden, und Andi schimpfte manchmal spielerisch, dass ich wohl der Scheidungsgrund gewesen sei. Aber das war völliger Unsinn, da ich mich ebenso eng an ihn und Daniel gebunden hatte-ich liebte meine Mitbewohner sehr. Gerade war der Laden brechend voll, und Jessy wusste weder ein noch aus. Sie rannte umher wie ein aufgescheuchtes Huhn. „Setz dich, Jessy, du machst mich noch kirre!“ schimpfte Andi, der gerade seinen Kopf aus der Küche streckte. Ich pflichtete ihm bei. „Nina, Tisch 10 bitte!“ Er drückte mir vier Teller in die Hände, und ich bediente die Gäste routiniert. Nachdem ich noch Tisch 5 abkassiert hatte, klingelte das Telefon. „Das Schweigers, Nina am Apparat?“ „Ole hier, hi.“ Selbst von seiner Stimme bekam ich Schmetterlinge im Bauch, ja konnte das möglich sein?“ „Was willst du? Der Laden brummt!“ Wie immer wurde ich zickig, wenn ich mit ihm zu tun hatte. „Deinen Chef, wärst du so gut?“ Ich nickte, und brüllte in die Küche hinein. „Chef, dein Typ wird verlangt!“ Dann legte ich das Telefon wortlos auf den Pass.
An Tisch 5 waren neue Gäste angekommen. „Herzlich Willkommen im Schweigers, ich bin Nina, ihre sprechende Speisekarte!“ stellte ich mich vor. Die zwei jungen Männer lächelten. „Singen sie die Speisekarte auch?“ Meine Augenbraue wanderte nach oben. „Wenn sie das denn wünschen?“ Ich begann, mit begeisterter Stimme, die vorgesehenen Gänge gesanglich vor zu stellen. „Und wenn sie Änderungswünsche, Unverträglichkeiten oder Allergien haben, teilen Sie es mir bitte mit“, trällerte ich. Jessy stand am Tresen und rollte mit den Augen. Auch wenn Andi und sie immer behaupteten, unkonventionell zu sein, so traf das nur auf meinen besten Freund zu. Die beiden Jungs grinsten. „Keine Allergien, keine Unverträglichkeiten. Wir nehmen das Menü so, wie vorgetragen.“ „Darf es auch die passende Weinbegleitung sein?“ „Singen sie uns die auch vor?“ Ich schüttelte mit dem Kopf, und winkte Frank, unseren Sommelier, heran. „Das macht dann der junge Herr. Vielen Dank!“ verabschiedete ich mich fürs erste, und wackelte an den Pass. Andi schien immer noch mit Ole zu sprechen, also wandte ich  mich an seinen Küchenchef Mike. „Zweimal das Menü klassisch für Tisch 5 bitte!“  Der schwarz gelockte nickte, und gab die Instruktionen an die weiteren Köche weiter. Da packte mich eine zierliche Hand von hinten.
„Bist du bescheuert? Du kannst das Menü doch nicht SINGEN!“ fauchte Jessy. Ihre blauen Augen blitzten gefährlich. Ich sah meine Freundin ratlos an. „Aber die zwei Maximen des Ladens, der Kunde ist König, und wir sind das unkonventionellste Sternerestaurant Deutschlands?“ Sie schnaubte. „Aber nicht SO! Seit du da bist, haben wir nichts als Ärger!“ Verwirrung machte sich in mir breit. „Ich dachte, wir seien Freundinnen?“ „PAH! Ich wollte Andi in Sicherheit wiegen! Und außerdem ist er MEIN Mann, du blöde Kuh!“ Ich baute mich vor ihr auf. „Und MEIN Kumpel! Ich empfinde nichts als Freundschaft für ihn, Jesses Maria!“ Jessy kam bedrohlich näher. „Das will ich dir auch geraten haben, Mistvieh!“ Da klingelte es, und ich wandte mich wieder Mike zu. „Hauptgang für Tisch 2, und Dessert für Tisch 7“, erklärte er mir, und schickte mir einen fragenden Blick. „Nicht jetzt“, erwiderte ich tonlos, ehe ich mich ans auftragen machte.
Gegen 1.30 Uhr lehnte ich müde in der Küche, und mümmelte an meinem Salat, den Mike mir lächelnd zu geschoben hatte. Andi war schon nach Hause gegangen, ebenso wie Jessy und das restliche Küchenteam. Normalerweise genoss ich die Zeit, die der smarte Küchenchef und ich dann noch hatten, aber heute war ich unruhig. Nervös schob ich die verbliebenen Radicchio-Blätter auf dem Teller hin und her. Mike entwand mir diesen und strich mir über den Rücken. „Was ist los?“ „Jessy. Ich weiß nicht, wie viel von unserem Gespräch du mitbekommen hast, aber sie hat mir ihre Freundschaft nur vorgespielt.“
Der Koch zwinkerte mir zu. „Habe ich auch schon bemerkt. Aber mal etwas anderes…“ Durchdringend sah er mich an. Mir fiel auf, dass seine blauen Augen grau gesprenkelt waren, und er Sommersprossen auf der Nase hatte, genau wie Andi.  „Habe ich was im Gesicht?“ Er lachte verlegen auf. „Nein, du bist schön, wie immer. Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll…“ Vorsichtig griff seine Hand nach meiner, und sein Blick wurde weich. Er war definitiv ein schöner Mann, und ich hatte ihn auch sofort ins Herz geschlossen. Ole hatte ich durch meine Zickereien wahrscheinlich eh vergrault… Und dann ließ ich es einfach geschehen. Mein Herz klopfte wild an meine Brust, und ich merkte, dass meine Knie weich wurden. Mike erwies sich als fantastischer Küsser, und ich genoss es sehr.
Keuchend lösten wir uns von einander. „Wow, ähm…“ stammelte ich. Er grinste breit. „Sprachlos, Nina?“ Allerdings. Das traf es gut. „Ja. Das war wirklich….naja, ich bin nicht gut in so etwas. Und frisch getrennt bin ich obendrein, und…“ Ich merkte, dass meine Wangen rot leuchteten. „Ich bin nicht so ein Arsch wie dein Ex“, murmelte Mike, und küsste mich erneut. „Mike, wir sollten das lassen“, meinte ich traurig. Ich hatte irgendwie das Gefühl, Ole zu betrügen, obwohl ich zu ihm immer garstig war. Aber dieser Mann verunsicherte mich auch einfach zutiefst. Auf der einen Seite wollte ich ihn so sehr, wie nichts und niemanden anders auf der Welt, aber auf der anderen Seite hatte Benny derartige Selbstzweifel in mir gesät, dass ich mir vermutlich selbst im Weg stand.
Mike strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Vermutlich hast du recht. Und jetzt ab nach Hause, bevor der Chef einen Tobsuchtsanfall bekommt!“ Ich schmunzelte. Andi neigte tatsächlich dazu, mich übermäßig zu beschützen-unterstützt wurde er hierbei von Daniel. Und leider auch von meinem Onkel.  Ole war der einzige, der mich nicht in Watte packte, aber den stieß ich ja dauernd vor den Kopf. So ein Mist!
Ein halbe Stunde später versuchte ich, lautlos in die WG zu kommen, was mir durch einen Streit, der im Wohnzimmer in vollem Gange war, verpatzt wurde. „Du bist MEIN Mann, du hast kein Recht, diesem Flittchen (damit war wohl ich gemeint), hinterher zu gaffen!“ Jessy schien auf 180 zu sein. Nicht weniger leise gab Andi zurück „DEIN Mann? Du hast mich betrogen, du dämliche Kuh! Und falls du es noch nicht bemerkt hast, sind Nina und ich lediglich Freunde. Leider.“  Hatte ich das gerade richtig gehört? Erst Mike und jetzt Andi? „LEIDER?“ keifte Jessy auch schon los. „Ja leider. Sie ist eher eine kleine Schwester als eine gute Freundin-naja, eigentlich ist sie beides. Aber ich befürchte, sie teilt meine Empfindungen in dieser Hinsicht nicht.“ Ich atmete erleichtert aus, und trat hinter der Tür hervor. „Euch hört man bis nach Schwabing! Das mal zum ersten. Zum zweiten. Andi, ich liebe dich auch wie einen Bruder. Zum dritten: JESSY! RAUS!“ giftete ich die brünette an. „Es gibt Leute, die möchten zu Bett gehen, weil sie noch die Küche auf Vordermann gebracht haben, und jetzt dem entsprechend müde sind!“ Unsanft schob ich sie zum Ausgang. „Und nebenbei, meine Gute. Wir reden ab heute nur noch das Nötigste, klar?“  Jessy nickte, und verschwand erstaunlicherweise direkt, und ohne weiteres Aufsehen zu erregen.
Als sie gegangen war, umarmte ich Andi ohne Umschweife. „Willkommen in der Familie Schwarz-Oehler, großer Bruder!“ Er küsste mich auf die Wange. „Und dir ein herzliches Willkommen bei den Schweigers!“ Wir mussten lachen. „Schön, dass ich dich habe“, murmelte ich.
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