Das Dienstmädchen

GeschichteAllgemein / P12
Johanna Barker OC (Own Character) Richter Turpin
21.02.2016
21.02.2016
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Dieser Schlaf währte allerdings nicht lang. Noch bevor die Sonne aufging, wurde ich von einem Albtraum geweckt. Der Traum handelte von einem verheerenden Feuer, welches ganz London niederbrannte, alle Bürger im Schlaf überraschte und fast alle dem Feuer zum Opfer fielen, auch Johanna, Turpin und ich.
Auch wenn ich es mehrfach versuchte, konnte ich nicht mehr einschlafen und so entschied ich mich aufzustehen und mich anzuziehen.
Da alle noch schliefen und auch Mary noch nicht in der Küche anzutreffen war, machte ich wieder mal einen Spaziergang und nutzte die Gelegenheit um dabei noch einiges einzukaufen. Aufgrund dessen, dass wohl noch nicht all zu viele Londoner Bürger auf den Straßen anzutreffen wären, ließ ich die Zeichnung von Johannas Mutter im Buch versteckt liegen und nahm mir nur ein paar Pfund mit.
Ich verließ das Haus, schloss die Haustür so leise wie möglich, um nicht doch noch jemanden zu wecken und lief los, durch die nächtlichen Straßen.
Der Bäcker, zu dem ich wollte, lag einige Straßen entfernt und auch wenn es noch stockdunkel war, fand ich den Laden ohne Probleme, was allerdings auch kein Wunder war, wenn man bedenkt, dass ich diesen Weg wohl schon hunderte Male gegangen war. Auf haben Weg fiel mir ein, dass es eventuell schlauer gewesen wäre, eine Laterne oder wenigstens eine Kerze mitzunehmen. Doch ich wollte nun nicht mehr umkehren und da die Sonne sowieso in nur ein bis zwei Stunden aufgehen würde, lief ich geradewegs weiter Richtung innere Stadt. Es waren nur wenige Häuser am Rande der Straßen mit Kerzen beleuchtet. Die meisten waren dunkel und warteten auf den beginnenden Tag. Nach einiger Zeit stand ich vor einem alten Fachwerkhaus, welches in der unteren Etage den Laden von Bäckermeister Benedikt beherbergte. Ich trat ein und wurde sofort von der wohligen Wärme empfangen, die vom Backofen ausging.
„Guten Morgen Benedikt.“
„Guten Morgen Scarlett. Wie kann ich dir behilflich sein und vor allem so früh?“
„Ja, ich weiß, ich bin sehr früh dran, aber ich konnte einfach nicht mehr schlafen, Ich wollte noch etwas Brot  und einige Semmeln für die kommenden Tage kaufen.“
„Gerne doch, denkst du ein Laib Brot und fünf Semmeln reichen?...Weißt du was, ich schenke dir noch einen Hefezopf dazu. Ich weiß, wie sehr du dich bei Richter Turpin abmühst....“
„Ja, das sollte fürs erste reichen. Doch den Hefezopf kann ich nicht annehmen. Du nimmst ja kaum noch Geld ein, wenn du mir immer etwas schenkst.“
Ich war Benedikt sehr dankbar, doch er war für mich wie ein Vater und ich wollte ihn nicht in den Ruin treiben.
„Ich werde kein „Nein“ von dir akzeptieren.“, während er mir dies sagte, lächelt er allerdings über das ganze Gesicht und man merkte im an, dass er mir, wie schon so oft, nur Gutes tun wollte.
„Na gut, aber dann lass mich dir noch etwas zur Hand gehen. Wie ich sehe, ist dein Gehilfe David nicht da und du kannst doch nicht alles alleine machen. Ich habe noch viel Zeit bevor ich zurück muss, also keine Widerrede.“ Ich stelle den Korb mit den Backwaren in eine Ecke hinter dem Tresen und nahm mir Davids Schürze, die an einem Hacken nahe dem Ofen hing. Benedikt grinste noch breiter.
„Okay, aber nicht, dass du noch Ärger bekommst.“
„Werde ich schon nicht.“ Dann fing ich an mitzuarbeiten. Wir backten weitere Brote und Semmeln und als wir die Laiber im Ofen hatten, kehrte ich noch die Backstube aus.
Nach ungefähr einer Stunde kam Benedikt zu mir, nahm mir die Schürze ab und sagte: „Jetzt geh mal lieber wieder zum Haus des Richters zurück, sonst bekommst du noch Prügel oder eine andere Strafe. Den Rest schaff ich schon allein und Danke für deine Hilfe.“. Ich verabschiedete mich von ihm und ging noch zur Kirche, um Gottes Hilfe bei der Suche nach meinen und Johannas Wurzeln zu erbitten und um den Pastor zu sprechen. Denn Pastor Morgan war schon sehr lange in seinem Amt und vielleicht hatte Johannas Mutter ihm etwas anvertraut, bevor sie verschwand.
Als ich mein Gebet beendet hatte, kam Pastor Morgan auf mich zu.
„Scarlett, kann ich dir irgendwie helfen? Hast du Kummer? Ich habe mitbekommen, das du um den Beistand des Herrn gebeten hast.“
„Pastor Morgan“, ich stand auf und drehte mich zu ihm um: „Vielleicht können sie das. Ich suche eine Frau. Sie ist blond, mittelgroß und ist seit 15 Jahren verschwunden. Damals war sie ungefähr 25 Jahre alt.“
Pastor Morgan überlegte kurz, dann sagte er: "Verschwunden sagst du?....Da fällt mir auf die schnelle und auch bei der Beschreibung niemand ein. Hast du vielleicht ein Bild von ihr von der Zeit, bevor sie verschwunden ist? Denn deine Beschreibung würde wohl auf recht viele Damen zutreffen, abgesehen von ihrem Verschwinden. Meinst du nicht auch?"
"Ja, da habt ihr vielleicht Recht, aber ich habe leider kein Bild von ihr dabei. Ich habe eine Zeichnung von ihr, aber diese liegt noch in meinem Zimmer. Verflixt noch eins, warum habe ich die nicht mitgenommen?"
"Ärgere dich nicht mein Kind, bring die Zeichnung einfach bei deinem nächsten Besuch im Gotteshaus mit und ich werde schauen, was ich für dich tun kann."
"Danke Pastor Morgan." Ich verabschiedete mich von ihm und lief nun endlich zurück zum Hause Turpin. Die Sonne war nun bereits am Himmel zu sehen und ich musste mich beeilen um noch rechtzeitig zurück zu sein, damit mein Ausflug möglichst unbemerkt blieb.
Als ich das Haus erreichte, blieb mir fast das Herz stehen, denn gerade als ich um die Ecke bog, sah ich den Büttel, welcher mit einem fies drein blickenden Polizisten redete. Ich machte auf dem Absatz kehrt und lief zum Hintereingang, von dort sofort in die Küche und Mary direkt in die Arme.
"Wo warst du denn Kind? Der Richter lässt schon nach dir suchen." Sie nahm mir meinen Mantel und den Korb ab und brachte diese in die Speisekammer, um sie dort zu verstecken.
"Waren Richter Turpin oder Bamford schon hier?" In mir wuchs eine Idee heran, die mir die Chance gab, mich unschuldig zu stellen.
"Der Büttel hat kurz zur Tür herein gelugt, doch dabei konnte er wohl nicht alles erfassen. Und als er gefragt hat, ob du hier bist, habe ich gesagt, du wärst kurz in der Speisekammer, um ein paar Eier zu holen. Genaueres wusste er nicht."
"Vielen Dank, so kann ich nachher hinüber gehen und alles auflösen ohne nochmehr Arbeit zu bekommen oder eine schlimmere Strafe. Oh Mary, wie kann ich dir nur dafür danken?"
"Schon gut, mach soetwas bloß nie wieder, ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht. Übrigens hat der Richter nach dir gerufen und als du nicht reagiert hast, hat er wohl Verdacht geschöpft."
Als sie das aussprach, konnte man die Sorge in ihren Augen sehen.
"Versprochen! .... und den Richter werde ich schon hinters Licht führen können...."
Ich half nun noch in der Küche bei der Zubereitung des Frühstücks und als es ungefähr sieben Uhr war, ging ich hinüber ins Esszimmer und deckte den Tisch. Als ich auch damit fertig war, ging ich zum Büro von Richter Turpin und trat nach dem gewohnten Anklopfen ein.
"Richter Turpin, ich wollte nur Bescheid geben, dass...."
"Scarlett, wo warst du? Ich habe mehrere Leute losgesannt, um dich zu suchen." Ich stand einfach nur da, vor dem wütenden Richter und wusste nicht, was ich sagen sollte. Nach einigen, gefühlten Stunden machte ich den Mund wieder auf.
"Ich.....ich war bei....bei Mary in der Küche." Mehr bekam ich einfach nicht aus mir heraus.
"MARY!", schrie der Richter los und Mary kam sofort herbei gelaufen.
"Stimmt es, dass Scarlett den ganzen Morgen bei dir war?", fuhr er sie nun an.
"Ja Sir, sie hat mir bei den Vorbereitungen geholfen und dann noch die Speisekammer aufgeräumt." Ich selbst wusste, dass das alles eine Lüge war, doch ich setzte einen Blick auf, als könne ich kein Wässerchen trügen. In meinem Kopf jedoch ratterte es so doll, dass es fast hörbar sein musste. Noch vor einem halben Jahr, hatte Turpin sich keinen Deut darum geschert, wenn ich mal nicht zu finden war, doch seit einer Weile war er nun schon so. Turpin wies Mary wieder zurück in die Küche und ordnete mir an Johanna aus ihrem Zimmer zu holen. Er gab mir einen Schlüssel und ich lief los. Ich konnte es kaum glauben, dass es damit schon abgehakt war. Ich hatte noch Strafarbeiten erwartet, doch später zeigte sich noch, es war noch nicht vorbei.
Ich war inzwischen bei Johanna angekommen und öffnete die Tür. Johanna saß wieder einmal an ihrem Fenster und blickte sehnsüchtig hinaus.
"Scarlett, du bist wieder da!" Als Sie mich sah, sprang Sie auf und fiel mir um den Hals.
"Ich bin nie wirklich weg gewesen. Ich war nur etwas spazieren." Während ich dies sagte, holte ich den Hefezopf aus meiner Schürzentasche und reichte ihn Joanna, nachdem Sie mich wieder losgelassen hatte.
" Den hat mir der Bäcker mitgegeben. Nimm du ihn." Johanna huschte ein Lächeln übers Gesicht. Sie nahm den Hefezopf und versteckte ihn sofort hinter einem Kissen am Fenster, damit ihn weder der Richter noch Bamford bemerkten. Wir verließen das Zimmer und gingen nach unten.
"Hast du etwas über unsere Eltern herausgefunden?", fragte Johanna als wir gerade auf der Treppe waren und intuitiv blickte ich mich erst einmal um, ob denn Jemand etwas gehört haben könnte.
"Nein, leider nicht, aber ich werde nochmal mit Pastor Morgan sprechen und ihm das Bild zeigen. Vielleicht kennt er sie.", antwortete ich, als ich sicher sein konnte, dass Turpin und Bamford nicht darauf aufmerksam werden würden. Johanna ließ den Kopf etwas hängen und gemeinsam betraten wir das Esszimmer. Kurz darauf trat auch Richter Turpin ein und wir nahmen wie immer schweigend unser Frühstück ein. Nachher begann der gleiche Tagesablauf, wie an jedem anderen Tag. Johanna wurde wieder in ihr Zimmer eingeschlossen, ich erledigte meine Pflichten und der Richter ging zusammen mit dem Büttel zum Gericht.
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