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Tränen voller Blut

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Celebrimbor Sauron Thranduil
19.02.2016
07.01.2017
5
4.605
 
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06.01.2017 1.177
 
Emyn Muil

Níniel wanderte über die zerklüfteten Felsen von Emyn Muil. Sie sah sich aufmerksam um. Sie mochte diesen Ort überhaupt nicht. Langsam ließ sie ihren Blick über die Gegend schweifen. Die Emyn Muil war ein graues, gefährliches und raues Hügelland, das aus tiefen Schluchten, hohen Hügeln und scharfen Steinen bestand. Hier gab es außer Felsen nichts.
Níniel seufzte leise, doch da spürte sie ein sanftes Beben. Sie hob den Kopf und starrte in die Luft. Sie fühlte eine starke Unruhe und mit einem schnellen Spurt war sie auf einen Felsen gesprungen. Sie überblickte das Land, fand jedoch nichts. Sie ließ sich nicht beirren und kniete sich rasch hin. Eine schmale Hand schob sie auf den nackten Stein und schloss die Augen. Lange Zeit spürte sie nichts, doch dann erschrak sie.
"Orks oder Uruk-Hai? Was wollen die hier - hier ist totes Land. Nicht einmal für Orkse gibt es hier etwas zu holen..." Níniel schnaubte verächtlich. Sie verzog sich auf den höchsten Felsen, den es gab und legte sich auf den Rücken. Sie atmete kaum noch und verhielt sich komplett still.

Knurrend und schnappend bahnten sich fünfzehn Caragors mit Uruks auf dem Rücken durch die Felsklüfte.
"Könnt ihr es riechen? Der Duft des Mörders liegt in der Luft." grunzte einer der Uruk-Hai und ließ angriffslustig sein Schwert in der Hand drehen. Die Caragor hinterließen eine Spur von Schleim hinter sich, als sie kräftig sabberten.
Níniel kniff angeekelt die Augen zu und versuchte den betäubenden Gestank der Uruks zu ignorieren. Wobei das alles andere als leicht war - der brannte sich regelrecht ins Hirn. Sie neigte den Kopf leicht und hörte zu.
"Er ist weit gekommen - wir müssen den Mörder finden." knurrte ein weiterer Uruk.
Viele stimmten grunzend zu - keiner wollte den Herrn verärgern.
"Was glaubt ihr - wird der Herrscher ihn abstechen wie ein Schwein?" lachte plötzlich ein Uruk so laut los, dass Níniel erschrak und glaubte er würde direkt neben ihr stehen.
"Und ausbluten lassen!" stimmten zwei weitere ein.
Níniel spürte wie sie näher kamen, aber noch hatten die Caragor sie nicht endgültig gewittert. Es war ohnehin zu spät um zu fliehen - sie würde es nicht schaffen 15 von diesen Bestien zu töten. Sie hob ihre Handfläche und starrte auf das Mal darauf - nicht einmal wenn sie ihre Macht einsetzen würde. Sie seufzte innerlich, wo sie es doch geschworen hatte, es nicht mehr zu tun...
"Wer auch immer unsere Hauptmänner getötet hat, wird sterben!" knurrten einige Uruks und Níniel schluckte schwer.
"Seltsam - wieso sollten sie den Tod eines anderen Uruk rächen wollen? Das ist nicht normal für diese Kreaturen!" sie verhielt sich weiterhin still und wartete ab. Doch anstatt weiterzureden, knurrten die Uruks nur herum und ließen die Caragor wittern. Doch ein plötzlicher Ausruf erschreckte nicht nur Níniel.
„BLÖDES VIEH!“ brüllte einer auf und schlug dem Reittier auf den Kopf. Anscheinend hatte es etwas Unerlaubtes getan doch Níniel hielt sich weiterhin im Verborgenen.
„Los weiter – wir müssen uns beeilen. Der Herr verlangt Antworten!“ kam es nach einiger Zeit von einem Hauptmann und die anderen grunzten zustimmend. Sie verschwanden so schnell wie sie gekommen waren.
Níniel wartete noch eine Zeit lang ab und richtete sich anschließend auf. Sie blickte über das leer e Land vor ihr und schob nachdenklich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Sie spürte wie ein starker Wind aufkam und ihr Haar wieder verwehte. Sie blinzelte: „Wer – im Namen der Valar – will diese Monster rächen?“ Sie hob den Kopf und sah sich um. Ihre grünen Elbenaugen  konnten den Weg der Uruk-Hai nachvollziehen. „Sie kommen aus Mordor? Aber warum sollten sie von dort kommen? In Mordor ist nichts – die Ebenen verändern sich durch den Orodruin immer zu… dort lebt fast nichts, außer…“ sie verstummte. Ihre Augen wurden zu kleinen Schlitzen. „Könnte es sein, dass das Geschrei doch nicht nur erfunden ist? Kann es sein, dass es stimmt? Tut sich was im Osten?“ Níniel wandte sich rasend schnell um und ihre Augen glänzten noch hellgrüner auf, als sie ohnehin waren. Sie sah zwar einen blauen Himmel doch war ihr, als würden Wolken im Osten sich aufzutürmen beginnen. „Etwas wird kommen…“ Níniel schluckte.
Sie wanderte schneller weiter als zuvor und überwand die klüftigen Felsen gewandt und schnell. „Ich muss Celebrimbor aufsuchen…“ sie beeilte sich noch mehr.

Raurosfälle
Níniel war müde und beugte sich zu dem schäumenden Ufer hinab und nahm ein paar Schlucke des Wassers. Vor ihr ergossen sich die gigantischen Fälle von Rauros tosend und mit viel Schaum in das eiskalte klare Wasser des Flusses vor ihr. Sie wischte sich den Mund ab und ihre Ohren vernahmen einen kleinen Laut. Mit einem einzigen Dreh wandte sie sich um und zielte mit gespannten Bogen auf eine Gestalt.
„Tye ea alta men ho i mar!“ die alten elbischen Worte kamen aus dem Mund des Fremden und erfüllten Níniel mit Freude und gleichzeitig wurde ihr Blick kühler. (Du bist weit weg von der Heimat!)
„Ya tûr inye yando or tye eqe!“ war ihre kühle Antwort. (Das könnte ich auch über dich sagen)
Ein schelmisches Lächeln kam ihr entgegen und gleichzeitig legten sie die Waffen zur Seite und Níniel neigte den Kopf: „Ich grüße dich Thranduil – König des Waldlandreiches.“
„Seit wann kümmern dich Titel Níniel?“ fragte er lächelnd.
Níniel schüttelte den Kopf und er beobachtete wie ihre unwirklichen Haare in der Sonne in drei Farben wechselten.  Níniel  fragte: „Was tust du hier alter Freund?“
„Ich mache Grenzkontrollen meines Reiches.“ Sagte Thranduil und auf seinem Kopf saß die Krone seines Vaters Oropher. Passend zur Jahreszeit trug sie gerade Herbstblätter. Golden und wunderschön leuchtete sie im Licht. Er trug dennoch wie früher ein einfaches Beinkleid und Oberteil der Jäger seines Königreiches. Seine  Füße steckten in denselben Schuhe mit denen er mit Níniel durch die Wälder gerannt war, als sie noch Kinder waren.
„Du bist kein guter Lügner, Thranduil!“ sagte Níniel und schulterte ihren Bogen.
„In meinem Reich waren Uruk-Hai unterwegs, du weißt nicht zufällig warum?“ er hob eine perfekt geschwungene Augenbrauen.
Níniel zog die Schultern hoch: „Woher soll ich wissen was in deinem Land passiert?“ Sie wollte damit an ihm vorbeigehen doch auf Schulterhöhe fragte er ruhig: „Und die drei enthaupteten Hauptmänner sagen dir auch nichts…“
Níniel ging weiter und erst als sie einige Schritte entfernt war, drehte sie sich um und sagte: „Tu nicht schockiert, König. Wer hat mir denn das Kämpfen erst beigebracht!“ damit war sie im Wald verschwunden.
Der junge Elbenkönig sah ihr nach und sagte leise: „Kaltherzig bist du alleine geworden, Helyanwe.“

Am Abend erreichte Níniel „Cair Andros“. Die befestige Insel war ein Hauptaufgabenfeld der Herren von Gondor und Osgiliath. Sie war als Besatzung gedacht und für Leuchtfeuer ausgestattet um andere – insbesondere Osgiliath warnen zu können, in Zeiten der Not. Sie kam zu einem kleinen Gasthaus und nahm sich ein Zimmer. Müde vom Tag und der langen Reise, sowie auch emotional erschrocken von Thranduils plötzlichem Auftauchen, schlief die junge Jägerin schnell ein. Wieder einmal geisterte sein Gesicht durch ihre Träume, doch auch Uruk-Hai und ihr seltsames Benehmen gab ihr zu denken.
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