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Tränen voller Blut

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Celebrimbor Sauron Thranduil
19.02.2016
07.01.2017
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21.02.2016 1.315
 
Barad-dûr – Früh am Morgen

"Bewegt euch ihr dreckigen Marden - unser Gebieter verlangt nach einem Mahl!" herrschte ein großer, äußerst hässlicher Uruk-Hai mit einem schweren Panzer auf seiner Brust.
Viele kriecherische kleine Orks bewegten sich mit vollgeladenen Platten - reich belegt mit Brot, Speck und vielen anderen Leckereien - in die Richtung des gewaltigen Speisesaals der Festung.
Kalt, nass und finster war es, doch genauso mochte der Herr dieser Burg seine Umgebung. Es sollte nicht einladend sein, nicht herzlich oder warm. Das waren Gefühle, die er nicht nachvollziehen konnte. Und das war wirklich so.
"Zieht euch zurück!" kam es aus seinem schönen Elbenmund.
Die Orkse und der Uruk-Hai verneigten sich und verschwanden so schnell wie sie gekommen waren. Gelangweilt nahm der edle Herr einen Glaskrug und schenkte sich einen Becher Wein ein. Er betrachte die rote Flüssigkeit und stütze sich dabei auf seine andere Hand.
"Ich bin bald am Ziel- endlich hat dieser dumme Schmied eingewilligt zu arbeiten. Bald werde ich mächtiger als irgendjemand in ganz Mittelerde." Er lächelte ein grausames Lächeln, das allerdings sein schönes Gesicht nicht verunstaltet. Im Gegenteil, dadurch wirkte er noch attraktiver und schöner. Plötzlich öffnete sich eine Tür.
Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen und seine Stimme wurde eisig kalt: „Was lässt dich glauben, mich stören zu dürfen, Wurm?“
Der Uruk-Hai von vorhin verneigte sich tief und ging sogar auf die Knie: „Dunkler Herr – es gab einen Anschlag.“
Er hob eine Augenbraue und betrachtete das Glas mit der roten edlen Flüssigkeit: „Ein Anschlag?“
„Drei unserer Hauptmänner wurden getötet.“ Ertönte sofort die Antwort.
Er nahm einen Schluck und sah lange vor sich hin. Dann hob er erneut den Kopf: „Wann?“
„Vor ungefähr acht Tagen, in der Nähe von Esgaroth. In den Wäldern des Düsterwaldes…“ der Uruk-Hai hielt den Blick stets zu Boden gesenkt. Er wagte es nicht seinen Herrn anzusehen, selbst er, Barash, die Bestie, war nicht gefeit von der Angst, die der große dunkle Herr ausstrahlte.
„Hat sich etwa dieser kleine erbärmliche Prinz namens Thranduil eingemischt?“ fragte er und trank den Wein aus. Er stellte das Glas neben sich und starrte auf die vollbedeckte Tafel vor ihm.
„Nein Herr – es trug nicht die Handschrift eines Elben. Die Leichen wurden – entehrt….“ Sagte Barash unwohl.
„Geschändet? Interessant, inwiefern?“ fragte er und neigte den Kopf zur Seite.
„Sie wurden enthauptet und ihre Leichen waren mit den Körpern ihrer Caragors gemeinsam auf einem Feuer verbrannt worden. Man fand den Helm von Lughorn, dem Bösartigen. Hauptmann der ersten Wache. Ihr gabt ihm den Auftrag nach dem Düsterwald-“
„-zu sehen… meine eigenen Befehle kenne ich gut genug, Narr!“ kam es eiskalt zurück.
Barash verstummte sofort.
Einige Zeit herrschte Stille, dann fragte der dunkle Herr: „Wer hat die Leichen von Lughorn, Frûshkul und Sagrûrz gefunden?“
Barash war erstaunt, dass der Herr sich tatsächlich die Namen gemerkt hatte, so viele Uruk-Hai, die ihm unterstanden und er wusste es. Er antwortete dunkel: „Der Häuptling, Dagam-bûrz.“
„Schick ihn her!“
Barash eilte so schnell es ging und nur wenige Minuten später kniete Dagam-bûrz neben Barash am Boden und schwieg.
„Berichte!“ kam es kühl vom dunklen Herrn.
„Wir waren auf Patrouille. Als Ablösung für die Ausgesandten. Wir fanden sie vor acht Tagen im Düsterwald. Es waren keine Elben. Thranduil wird gerade zum König gekrönt – die Feierlichkeiten dauern bei den Elben lange.“
Er schwieg und starrte auf das leere Weinglas vor sich. Der dunkle Herr sprach weiter: „Wer hat sie getötet?“
Der Häuptling und Barash schwiegen unwohl und Dagam-bûrz brach heraus: „Wir wissen es nicht Herr – es war zu grausam für die Elben, zu intelligent für Zwerge und zu einfallsreich für die Menschen.“
Darauf folgte lange eine Stille. Furchtbar zäh und einschüchternd. Schließlich stand der dunkle Herr auf und nahm einen langen Stab, der neben ihm geruht hatte, in die Hand. An der Spitze war eine furchtbare Dornen-Hammer-Waffe angebracht. Er hob ihn hoch, als wäre er leicht wie eine Feder. Lautlos ging er auf die am Boden liegenden Wesen zu.
„Niemand tötet meine Hauptmänner. Findet den Mörder und bringt ihn zu mir. Niemand andere legt Hand an ihn – er soll spüren was es bedeutet, den großen Sauron zum Feind zu haben.“
Sowohl Barash als auch Dagam-bûrz zuckten bei dem Namen des dunklen Lords zusammen und verzogen sich so schnell es ihnen möglich war zurück. Die Tür fiel lautlos zu und Sauron drehte sich um. Seine Augen waren rot vor Zorn und seine sonst so schöne Gestalt, die bei anderen als Annatar, Herr der Geschenke bekannt war, hatte sich grausam versteift. Das Leben der Uruk-Hai war ihm gleichgültig. Was bedeutete ein Leben dieser Würmer schon? Doch niemand tötete seine Untergebenen ohne dass derjenige mit seinem eigenen Leben bezahlte.

Braune Lande
Müde wischte sich die junge hübsche Frau über ihre Stirn. Langsam nahm sie einen Schluck aus den Quellen. Viele Entfrauen arbeiteten an ihren wunderschönen Gärten und ärgerten sich über manches Unkraut.
Lächelnd fuhr sich die Jägerin über die nassen Lippen.
Eine Entfrau neigte sich zu ihr: „Ihr seht müde aus, meine Kleine!“
„Windenast – schön dich zu sehen. Deine Haine blühen ja prächtig!“ erwiderte die schöne Jägerin freundlich.
Die Entfrau nickte: „Ja – unsere Gärten haben an Pracht gewonnen seit deinem letzten Besuch hier. Du kommst viel zu selten auf eine Plausch vorbei, Níniel!“
Diese lächelte nur breit und wurde mit einem Blätterregen belohnt, als Windenast ihre goldgefärbten Blätter über der Frau ausbeutelte: „Oh wie schön!“ Lachend genoss Níniel das Gefühl der glatten Blätter auf ihrer leicht gebräunten Haut.
„Jetzt hast du sie in den Haaren!“ lachte Windenast und griff sehr zartfühlig – mit ihren doch beachtlich großen Pranken – in Níniels Haare und zog ein goldenes Blatt heraus.
„Hab Dank!“ Níniel  verneigte sich respektvoll vor altehrwürdigen Entfrau: „Wie geht es deinem geliebten Baumbart?“
Die Entfrau verzog ihr Rindengesicht und lächelte: „Sehr gut – wir sehen uns jetzt seltener, aber unsere Liebe ist voller Freude.“
„Das freut mich für dich. Baumbart ist ein guter Ent!“ nickte die Jägerin. Sie sah den Entfrauen beim Ernten von Obst zu und fragte plötzlich interessiert: „„Sag mal – gibt es eigentlich Entkinder?“
Windenast schwieg lange und antwortete mit langsamen, wohl gewählten Worten: „Entings gibt es schon sehr lange nicht. Weißt du Níniel – die Ents und die Entfrauen haben sich entfremdet. Nur sehr wenige sind noch so verbunden wie Baumbart und ich. Meist leben wir von einander getrennt. Und seither gibt es nur mehr wenige Entings.“
„Schade – die sehen sicher sehr lieb aus. Wie wärs mit Nachwuchs bei dir und Baumbart?“ grinste sie frech.
Windenasts Holz wurde eine Spur dunkler und mit einem Ruck wandte sie sich ab: „Du bist so naseweis Níniel.“
Diese seufzte: „Ja das sagt Thranduil auch immer über mich!“
„Der Elbenkönig?“ Windenast sah wieder zu ihr und pflückte währenddessen frische Kirschen von den Bäumen. „Ich habe gehört er wurde vor wenigen Tagen gekrönt. Warst du nicht dort?“ fragte sie langsam.
Níniel  ließ sich nach hinten in das weiche Gras der grünen Wiesen fallen und starrte in den Himmel: „Auf gewisse Art war ich dort. Ich habe Uruk-Hai gejagt.“
Windenast hob ihre Augenbrauen: „So hoch im Norden sind sie selten? Was wollten sie dort?“
„Ärger… sie haben mir meine Beute gestohlen. Bereut haben sie es mit ihrem Leben. Diese dummen widerlichen Wesen sind ekelhaft.“ Níniel schüttelte sich.
„Pass auf meine kleine Blume. Nicht das dein Name zu deinem Schicksal wird – die Jagd auf Uruk-Hai ist sehr gefährlich.“ Sagte die Entfrau beunruhigt. Níniel lächelte, ja ihre Eltern hatten ihr den Namen Tränenmaid gegeben. Ein Name, den Níniel selbst nicht verstehen konnte.
„Keine Sorge Windenast. Ich bin auf dem Weg nach Osgiliath. Ich will dort wieder beim Schmied arbeiten. Wir haben ein Treffen vereinbart!“ sagte Níniel ruhig. Sie schulterte ihr Schwert, und band sich einen Umhang um.
Windenast hob den Kopf: „Celebrimbor ist in Osgiliath? Grüß ihn lieb von mir. Er begegnete mir einst im Düsterwald.“
Níniel lächelte: „Werde ich – lebewohl Windenast – auf bald!“
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