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Tränen voller Blut

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Celebrimbor Sauron Thranduil
19.02.2016
07.01.2017
5
4.605
 
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19.02.2016 991
 
„Komm schon her, du blöder dämlicher Hirsch!“
Zwei äußerst hellgrüne – stechend hell – Augen blinzelten zwischen dem dichten Geäst hervor und starrten angestrengt auf einen großen goldenen Hirsch mit prächtigem Geweih. Langsam stakste dieser über eine winzige Lichtung. Viele Rehe und zahlreiche Rehkitze umgaben den edlen Anführer der Gruppe.
Sie zog den Pfeil auf und fühlte wie sich die stark gespannte Sehne mit ihrer Hand streckte. Das sanfte Eichenholz gab keinen Laut von sich und die alten Runen, die auf ihm verewigt waren, funkelten kurz von einem Sonnenstrahl berührt auf.
Klack!
Der Hirsch bäumte sich schwer verletzt auf und ging durch. Er bockte und sprang qualvoll herum, die Rehe und Rehkitze rannten aufgeschreckt davon. Schließlich blieb der Hirsch stehen und schwankte elendig. Wie eine Raubkatze stürzte sich eine relativ kleine, schmale Gestalt auf ihn. Ein Zischen erfüllte die Luft und die Kehle des Hirschs war von einem schmalen Dolch durchbohrt. Tot kippte er banal um und blieb liegen.
„Gute Jagd!“ kommentierte die zarte Frau ihren Fang und zog unbeeindruckt den Pfeil aus dem Hals. Sie wischte das Blut von der Klinge und dachte ein wenig schadenfroh nach: „Wobei ich mindestens einen Elbenprinzen kenne, der jetzt etwas anderes behaupten würde. Ach Thranduil – du bist und bleibst ein Narr!“ kicherte die Frau. Sie band die Beine ihrer Beute zusammen und zog sie hoch auf einen Ast hinauf. Sie sicherte das Seil und stach fest in die hintere Rückenpartie des Tieres. Blut rannte relativ gleichmäßig zu Boden. Sie hob den Kopf und spürte eine drohende Präsenz näher kommen.
Sie grinste: „Gut – sie sind auf dem Weg!“
Mit einem schnellen Sprung war sie hoch in die Wipfel eines Baumes verschwunden. Dort wartete sie und es dauerte nicht sehr lange bis drei gewaltige Caragors aus dem tiefgrünen Wald auftauchten. Auf ihnen saßen große Uruks, in schweren Lederrüstungen und Knochenpanzerungen. Sie blieben bei dem aufgehängten Hirsch stehen, wobei das Blut die Caragors noch mehr aufzuschrecken schien, als sie ohnehin waren.
„Dämliches Vieh – steh still!“ brüllte einer der Uruk-Hai.
„Was soll das?“ einer deutete auf den Hirsch.
„Keine Ahnung – aber wir wären blöd, wenn wir ihn nicht mitnehmen würden!“ lachte der Letzte von ihnen.
Die grünen Augen leuchteten grell auf und wie ein Blitz stürzte sich die junge Jägerin erneut hinab. Sie warf einen der Uruk-Hai zu Boden und schnitt ihn mit einer Bewegung die Kehle durch. Ohne zu zögern setzte sie sich auf den freigewordenen Caragor und stürmte auf die beiden anderen zu. Ein Schwert blitzte auf und vier Köpfe fielen zu Boden.
Ihr Reittier bockte und tat alles um die neue Reiterin abzuwerfen, doch sie blieb unbeeindruckt im Sattel. Schließlich rammte sie ihm ebenfalls das Schwert in den Kopf.
„Ich habe euch doch gesagt, niemand klaut mir einfach meine Beute. Das war gestern sehr unhöflich von euch!“ sagte sie und hob einen abgetrennten Kopf vom Boden auf. „Gott – ihr seid echt hässliche Gestalten. Nicht einmal eine Mutter könnte so ein Gesicht lieben…“ Sie stopfte die Köpfe in einen alten ausgebeulten Sack. Die restlichen Körper und Caragor-Leichen ließ sie liegen. „Auf ins Dorf!“ sagte sie müde. Die Sonne stand bereits sehr tief.

Esgaroth, Schenke „Unter dem Berge“

„He‘ Jägerin! Warst du erfolgreich?“ fragte der alte Wirt mit den schwarzen Haaren. Mit einem leisen Plopp landete ein Sack auf den Tresen.
„Frag das ihre Köpfe!“ sagte sie und trank das weiße Bier mit einem Schluck aus. Sie wischte sich elegant den Schaum von den Lippen und streckte sich.
„Ich glaube es dir auch so…“ brummte er etwas angewidert und sie nahm den Sack wieder herunter: „Wer hat dich dieses Mal angeheuert?“
„Niemand – war eine Rechnung, die die Burschen mit mir gemacht haben. Sie waren gestern ein wenig zu frech. Sie haben meine Hasen geklaut, die ich zum Essen gejagt hatte.“ Sagte die Grünäugige und fuhr sich durch die langen Haarsträhnen ihres auffälligen Haares.
„Wie auch immer – dein Zimmer ist fertig. Wann wirst du morgen aufbrechen?“ fragte der Wirt. Sie streckte sich müde: „Zu Sonnenaufgang – ich gehe nach Osgiliath. Dort wartet ein Schiff auf mich…“ seufzte sie und sprang elegant vom Hocker auf den Boden.
„Zieht es dich wieder nach Hause?“ fragte der alte Wirt und wischte nachdenklich ihr Glas ab und räumte es weg.
„Welches Zuhause alter Narr?“ murmelte sie und ging die Treppen nach oben zu ihrem Quartier. Sie betrachtete den Sack: „Du wirst mir einen schönen Batzen Geld einbringen – so viel ist sicher…“ Sie legte sich voll angezogen auf das Bett, streifte gerade noch die Schuhe ab und schlief tief und fest. In ihren Träumen jagte sie mit einem viel jüngerem Elben durch die Wälder und sie hörte das Lachen des jungen Prinzen noch sehr lange in ihrem Ohr nach.

Esagaroth – Bootsverkäufer

Am nächsten Tag stahl sich die Grünäugige ein kleines altes Boot aus der berühmten Seestadt und fuhr Flussabwärts. Nach einigen Tagen der unbeschwerten Reise, die sie höchstens zum Schlafen und Essen unterbrach, kam sie schließlich bei einem Feldweg an, der sie direkt nach Osgiliath brachte. In einer kleinen Dorfschenke kaufte sie sich ein Pferd und bezahlte mit dem Geld, das sie für die Uruks-Köpfe bekommen hatte.
Mit einem gewaltigen Goldbeutel befüllt jagte sie nach Osgiliath.

Barad-dûr – Abendstimmung

„Herr – Ihr seid zurück?“ ein Ork nahm die ihm dargereichten Gewänder an und hastete dem Herrn nach. Seine dunkle Gestalt hinterließ überall Finsternis und Angst.
Auch wenn er so schön und strahlend aussah – so wusste jeder, er war das Böseste auf der Welt.
„Geh!“ sagte er kurz.
Fluchtartig verließ der Diener die Räumlichkeiten des Anführers.
Müde legte er sich auf sein reiches Bett und starrte aus einem Fenster. Noch war es grün und reich an Vielfalt in seinem Reich. Noch war Barad-dûr eine friedliche Festung – noch. Doch bald würde es so weit sein. Dieser Narr von Schmied tat alles was er wollte – bald würde er genug Neugier gesät haben, damit dieser Dummkopf richtig handelte.
„Bald werde ich unzerstörbar sein!“
Mit einem grausamen Zug um die schönen Lippen schlief er ein.
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