Yugos Tagebuch

von Blader Dj
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
18.02.2016
06.12.2019
39
210.994
5
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18.02.2016 4.418
 
Hallo, mein Name ist Yugo.
Ich bin 17 Jahre alt, habe hellblaue, nach rechts gekämmte kurze Haare, dessen Spitzen größtenteils Orange gefärbt sind und hellgrüne, klare Augen. Oh und eine kleine Narbe die sich von dem rechten Auge oben, durch die Braue zieht und unterm Auge auch etwas. Das Auge selbst ist aber noch in Takt. Trotzdem kenne ich mich selbst erst seit einiger Zeit denn...
ich habe auch erst seit einiger Zeit... mein Leben begonnen. Ich weiß das klingt komisch aber es ist nun mal so. Ich habe mein Gedächtnis verloren und dadurch sämtliche Erinnerungen an mein früheres Leben. Ich habe beschlossen dieses Buch hier zu schreiben, um mich zu erinnern was ich in meinem neuen Leben so alles erlebt habe, falls das Ganze nochmal passieren sollte. Das ist zwar statistisch gesehen nicht sooooo wahrscheinlich wie manch einer sagen würde, aber ehrlich gesagt ist mir das egal. Ich will ganz sicher gehen. Und nach all dem was ich bisher erlebt habe brauche ich etwas um mich mal zurück zu lehnen und mich zu entspannen. Außerdem konnte ich so überprüfen ob mir Lins Nachhilfe wirklich half. Und ja das tat sie in den muoisten Fällen. Aber fangen wir ganz von vorne an. An dem Tag an dem alles anfing. Denn das macht man so bei einer Geschichte. Man fängt am Anfang des Anfangs an. Also fange ich jetzt an mit dem Anfang. Dem Tag meiner (Wieder?-)Geburt.

Ich wachte in einer Art Rettungskapsel auf. Um mich herum war alles schwarz. Doch dann erhellte sich vor mir urplötzlich ein blaues Licht. Langsam gewöhnten sich meine Augen daran und ich erkannte die Buchstaben der leuchtenden Schrift... „Login-ID: Elma“, stand dort. Darunter ein unkenntlich gemachtes Passwort und darunter wiederum der Schriftzug: ,,Individual Recognition Attestation". Kurz darauf verschwand das Geschriebene und ein Fenster ploppte auf. Mim Stasis Unit Operation System... initializing... Dann verschwand das Fenster und alles wurde wieder schwarz. Wenige Sekunden später hörte ich eine weibliche, computergenerierte Stimme:
,,Warnung! Externer Zugriff bestätigt! Stasis wird beendet in 10... 9... 8... 7... 6... 5... 4... 3... 2... 1...“

Erst jetzt wachte ich richtig auf. Ich sah mich um, aber konnte wieder nur Schwärze erkennen. Bis auf das kleine Fenster von gerade eben. Es flackerte, nun viel kleiner, etwas weiter entfernt vor mir. Ich hörte nur ein Piepen und meinen schweren Atem. Ich starrte kurz durch den... Raum? Nachdem ich mich ans sehr geringe Licht gewöhnte, schaute ich auf meine rechte Hand. Dann auf den Boden. Da leuchtete etwas hellblau auf. ,,Luke wird freigegeben", sagte wieder die Stimme, ,,Bitte zurückbleiben." Ich schaute nach rechts. Eine Luke wurde, wie es die Stimme sagte geöffnet. Ich sah nur weißes Licht. Es blendete mich sehr stark und ich musste mir schützend die Hände vors Gesicht halten um nicht zu erblinden und kniff dazu die Augen zu. Es war ein komisches Gefühl. Nach kurzer Zeit öffnete ich sie wieder und zog meine Hand weg. Das Licht kam von einer Art Taschenlampe. Und gehalten wurde sie von einer Frau mit silberweißen Haaren und blauen Augen. Sie trug eine rote, irgendwie metallische Rüstung, die im Bereich des Bauches einem hellen Violett wich und sie hatte auch schwarze Handschuhe an. Ihre Haut war etwas dunkler als meine und sie war mit Sicherheit älter als ich. Außerdem wirkte sie recht freundlich. Natürlich konnte ich das damals nur sehr schwer und verschwommen wahrnehmen.

,,Hey", sagte sie. ,,Sieht aus als bist du noch in einem Stück."
Sie leuchtete noch ein wenig um mich herum in der Kapsel. Ich selbst bewegte mich auf sehr wackeligen Beinen zu ihr hin, hielt mich dabei an den Seiten der Luke fest und brach nach zwei Schritten zusammen.
,,Vorsichtig...", sagte die Frau, als sie mich auffing. ,,Mach langsam ok? Bis deine Fünf Sinne wieder da sind dauert es kurz."
Ich tat was sie verlangte. Regungslos lag ich mit dem Kopf auf ihrer rechten Schulter und sah mich um. Auch hier draußen dominierte die Dunkelheit und ich konnte erst nach einigen Sekunden erkennen, dass wir von Erde und Pflanzen umgeben waren. Danach folgten noch ein paar Bäume und Pflanzen. Nachdem ich meinen Körper wieder halbwegs spüren konnte, stand ich auf. Die Silberhaarige tat es mir gleich und musterte mich dabei etwas.
,,Deine Kapsel war die einzige in der ganzen Gegend die intakt geblieben ist", erklärte sie. ,,Gut das ich dich gefunden habe."
,,K...Kapsel?", begann ich langsam zu sprechen.
Die Frau legte ihre linke Hand auf die Brust und stellte sich vor: ,,Mein Name ist Elma. Möchtest du mir auch deinen verraten?"
Ich guckte auf den Boden. ,,Mein... Name?"
Als ich kurz darauf wieder zu ihr hochguckte sah sie besorgt aus.
,,Du erinnerst dich nicht mal an deinen eigenen Namen?" Mit der rechten Hand kratzte sie sich am Kinn. „Muss an der Stasis liegen... Das ist gar nicht gut. Versuch dich zu konzentrieren okay?"
Ich überlegte. Meine Gedanken waren total durcheinander, wie ein Zimmer voller Chaos. Doch nichts war da, was auf ein früheres Leben von mir hindeuten würde. Dann kratzte ich mich mit der linken Hand am Hinterkopf. Eine einzige Sache kam mir letztendlich hoch. Aber sicher war ich mir nicht. Ob es nur Wunschdenken war?
,,Vielleicht...", begann ich unsicher, „Y...Yu...go...Yugo? Ja... mein Name ist Yugo."
Die besorgte Miene wich einem erleichtertem Lächeln. ,,Gut, schon besser. Woran erinnerst du dich noch?"
„Woran noch... ähm... also... ich erinnere mich an gar nichts..."
„Das kommt schon wieder. Bis dahin werde ich dich so gut es geht auf den neusten Stand der Dinge bringen. Wie geht es deinem Körper? Kannst du dich einigermaßen bewegen?"
Nach kurzer Überlegung schüttelte ich den Kopf. ,,Ich fühl mich so als würde ich gleich zu Brei werden..."
„Ist ok. Wir machen einfach langsam, bis dein Körper wieder voll funktionstüchtig ist. Eins nach dem anderen ok?"
Ich nickte. „Ich tue mein bestes."
„Gut", sie griff an ihren hinteren Gürtel. „Als allererstes brauchst du eine Waffe", sie übergab mir ein Sturmgewehr und ein Messer. „Das hätten wir. Dann wollen wir mal." Sie ging ein paar Schritte vor, schaute dann zu mir über die Schulter und ich folgte ihr, nachdem ich das Messer an den Gürtel meiner schwarzen Hose gesteckt hatte. Das Gewehr fand an einem Gurt am Rücken Platz, der um mein weißgelbes T-Shirt geschnürt wurde.

Wir gingen durch die düstere Umgebung und nach und nach konnte ich Pflanzen, teilweise auch Blumen und Felsen die uns wie in einer Art Kessel festhielten und zwangen den festen Weg nach vorne zu gehen erkennen. Als der Weg durch die Felsen schmaler wurde, blieb ich stehen. Ich entdeckte eine Maschine, die genauso aussah wie die Kapsel aus der ich kam. Elma hatte das wohl gemerkt und ging mir hinterher als ich mich dem Ding näherte.
,,Was ist das?", fragte ich.
,,Auch eine Lebenskapsel des weißen Wals, wie deine. Aber die meisten haben den Aufprall nicht überlebt. Wie die hier", etwas ernster schaute sie mich an. ,,Du zählst zu den Wenigen die Glück hatten."
Ich schaute sie auch an, natürlich verwirrt. ,,Weißer Wal?"
,,Ach so... An den Weißen Wal erinnerst du dich auch nicht, oder? Du weißt schon: Schiff L-002? Auf dem wir von der Erde geflohen sind? Du... erinnerst dich doch an die Erde oder?"
Sie machte eine Pause, in der Hoffnung es wäre so. Aber ich musste mir in dem Moment selbst gestehen das ich keinen blassen Schimmer von dem hatte was sie mir da sagen wollte. Leicht beschämt blickte ich auf die Kapsel.
,,Der Planet Erde?“, fuhr sie fort. „Dein Heimatplanet? Oder zumindest... war sie das mal..."
Ich sah auf und wieder zu ihr rüber.
,,Unglücklicherweise geriet sie zwischen die Fronten eines Kriegs zweier xenoformen Rassen... und wurde dabei zerstört." Sie selbst dacht  zurück, an die schrecklichen Bilder die sie gesehen haben muss und an die für mich damals noch unvorstellbare Grausamkeit, mit der diese zustande kamen. ,,Klingelt da was?"
Wieder kramte ich noch einmal in meinem Unterbewusstsein herum. Aber ich musste den Kopf schütteln. „Nein... ich kapiere nicht ein Wort..."
„Du brauchst dich nicht schlecht fühlen. Diese Erinnerung zählt zu denen die ich gerne vergessen würde."
Irgendwie sah sie dabei traurig aus, doch es wurde von etwas anderem überschattet, was ich nicht deuten konnte. Ich hatte viele Fragen, wollte aber nicht mehr in der Wunde bohren, als ohnehin schon. Doch auch ohne diese Einsicht wäre ich unterbrochen worden. Ein komischer Laut kam aus dem Gras hinter uns und etwas zischte vorbei. Ich zuckte zusammen. Elma sah hingegen recht gelassen aus.
„Ich weiß. Sie hat mich schon eine ganze Weile lang verfolgt", schwungvoll und elegant zog sie schnell zwei Pistolen von ihrem Rücken und hielt sie fest in den Händen, bereit zu Schießen. „Ich wollte dich nicht beunruhigen. Aber wir werden uns verteidigen müssen. Schaffst du das?"
„Ich werde es versuchen…", sagte ich zögerlich als ich das Gewehr an meinem Rücken zog und dann dieses übergroße, komische Ding sah, das, wie ich heute weiß einem Insekt der Erde ähnelte, auf uns zu kam.
Zuerst kreischte es fürchterlich und schlug wild mit den Flügeln. Ich zielte auf seinen Kopf und behielt einen relativ großen Abstand bei. Elma schoss dagegen auf die Flügel und nachdem meine Munition leer war und ich nachgeladen hatte, waren diese auch schon hässlich zerfetzt.
„Wirf´ es um!", rief Elma mir zu.
„Wie denn?"
„Na mit deiner Waffe!"
„Aber die ist doch... Ok..."
Ich schlug mit meiner Waffe zu, bei der ich ein paar orangene Partikel erst bemerkte nachdem ich das Vieh damit traf. Tatsächlich zeigte es eine große Wirkung und warf das Wesen um. Auf dem Rücken liegend, zappelte es mit seinen hässlichen behaarten Beinen herum.
„Den Rest mach ich", sagte Elma, sprang in die Luft, steckte dabei die Pistolen weg und zog zwei kurze, breite Schwerter. ,,Backslash!", rief sie, die Klingen leuchteten Orange auf und bohrten sich mit einer coolen Drehung von ihr in der Luft in den Körper des Wesens, welches daraufhin tot zu Boden sackte.
Elma zog die Waffen raus und steckte sie zurück in ihre Schwertscheiden. Auch ich packte mein Gewehr zurück und betrachtete den Leichnam. Dann wandte sie sich mir zu.
„Gar nicht mal schlecht für einen, der gerade die Stasis hinter sich hat..."
Ich kratzte mich am Hinterkopf. ,,Naja eigentlich hast du die ganze Arbeit gemacht."
„Wir haben in der Stadt jede Menge Arbeit für Leute, die mit Waffen umgehen können weißt du?"
Ich zog eine Augenbraue hoch. ,,Echt jetzt?" Dabei grinste ich ein bisschen.
„Hättest du Interesse? In diesem Fall habe ich den perfekten Ort für dich. Aber über die Details reden wir später noch. Gehen wir erstmal weiter."



Ich tat was sie mir sagte und folgte ihr weiter durch die für mich sehr faszinierende Landschaft. Sie mündete in eine Art See, wo ein paar Wesen namens Potamus, die laut meinem Nachholstoff bezüglich Erde Nashörnern am nächsten kämen, schliefen. Die weckten wir lieber nicht auf. Nach einer Weile laufen, kamen wir raus aus dem von Gestein eingekesseltem Gebiet und ich spürte eine kleine Brise Wind, die mir durch die Haare wehte. Ich sah ein paar Bäume und komisch angeordnete Felslandschaften, überwuchert von Gräsern in der Ferne. Jetzt merkte ich auch den Regen, denn ein paar Tropfen plätscherten mir auf den Kopf.
,,Bah!“, schreckte ich auf. „Was ist das?“
„Das ist doch nur Wasser", beruhigte mich Elma und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ihr Blick wanderte zum Himmel. „Vom Regen… Der lässt auch langsam nach. Perfektes Timing zum Sonnenaufgang. Folg mir. Ich verspreche dir, dass wirst du lieben."
„Du bist der Boss", antwortete ich achselzuckend und folgte ihr wenige Schritte weiter, bis wir an einem Abhang standen von dem man in ein von Nebel verschlucktes Tal blicken konnte. „Also... Ich sehe da nichts..."
„Hab ein bisschen Geduld“, bat sie.

Langsam schien Licht durch die dichten Wolken von oben und der Nebel wurde von einer starken Windböe langsam fort getragen. Und verborgen hatte der eine ganze Menge! Überall wo ich mit offenem Mund und geweiteten Augen hinsah, erblickte ich grünes Gras, weite Wiesen, Felslandschaften. Wasser, Flüsse, Seen. Lebewesen die mit einander lebten und sich bekämpften. Wie aus der dunklen, grauen Nacht, der farbige, schöne Tag wurde. Unter uns bebte es. Ich schreckte auf und blickte nach unten. Eine riesige Kreatur, VIEEEEL größer als Elma und ich hob ihren Kopf mit den Augen links und rechts an der Seite seines flachen Schädels und komischen Dingern aufm Kopf drauf. Es schüttelte ihn ein wenig und man konnte einen langen Hals erkennen, verbunden mit einem ebenfalls riesigen Körper. Beeindruckt schaute ich ihn hinterher als es wegstapfte. Und ehe ich was sagen konnte, hörte ich ein Dröhnen hinter mir und drehte mich um. Eine ebenfalls große, wenn auch ein wenig kleinere Kreatur mit Flügeln flog hinter uns entlang. Gefolgt von noch einem. Und noch einem! Sie flogen einfach durch die Gegend, frei und  Laute von sich gebend.
,,Beeindruckend nicht wahr?"
Ich wandte mich kurz vom fantastischen Blick ab und sah zu Elma. ,,Ja! Das ist... Wow!"
„Soweit wir wissen sind das alles einheimische Kreaturen. Wir sollten sie nicht reizen. Immerhin wäre ein friedliches Zusammenleben das Beste."
Wieder widmete ich mich der atemberaubenden Landschaft. Rudel von Tieren die  sie schnell laufend durchstreiften, in ihren Gewässern plantschten oder ihren Himmel durchflogen. Wasserfälle riesiger Berge, Höhlen und noch mehr. Wohin man auch sah, man entdeckte überall etwas Neues.
„Wir haben diesen Planeten Mira genannt", sagte Elma. ,,Man findet ihn nirgendwo auf irgendeiner noch so großen Sternenkarte... Aber er ist unser neues Zuhause."
Ich schaute mich weiter um... bis ich weiter hinten etwas entdeckte, was überhaupt nicht ins Konzept passte. Etwas Massiges... Etwas... Klobiges aus Metall. Unter ihm wurde irgendetwas eingedrückt. Dicke, türkise Stacheln ragten von der Unterseite heraus. und Rauch stieg von dort in den Himmel auf.
,,Erkennst du die Wohneinheit wieder?", fragte mich Elma. ,,Da wollen wir hin." „Alles klar... dann mal lo..."
„Vorsicht!", ich rutschte nach einem Schritt nach vorne aus und fiel mit dem Blick auf in Richtung tiefen Bodens. Elma packte meinen Arm und rettete mich gerade so noch. Ich hing da ein bisschen rum. Bei dem atemberaubenden Ausblick hatte ich doch glatt vergessen, dass wir am Rand einer Klippe standen.
Die Silberhaarige zog mich hoch. ,,Pass auf wo du hintrittst."
Verlegen kratzte ich mich am Kopf. ,,Sorry und danke..."
„Wir könnten auch springen“, erwiderte sie, „dass würden wir überleben."
„WAS?! Den Sprung?! Ne... da bin ich raus..."
„Gut“, warm lächelte sie, „denn die einheimischen Kreaturen da unten würden wir zwei alleine ganz sicher nicht packen. Da sind ein paar ziemlich fiese mit dabei. Dem Pfad da zu folgen wäre vergleichsweise sicherer."
Der Pfad den sie meinte war weit oben gelegen, verbunden mit dem Punkt wo wir gerade standen. Er führte nach einer kurzen Rechtskurve direkt in die Richtung des großen, unpassenden, klobigen Dings, was Elma Wohneinheit nannte. Am Pfad war auch ein kleines Lager aufgestellt.
,,Dann gehen wir lieber da entlang", erwiderte ich.
„Gute Entscheidung.“

Während wir den sichereren Weg entlangtraten, ließ mich eine Frage nicht los. Erst als wir das nahe Lager fast erreicht hatten, stellte ich sie ihr: ,,Was war das eigentlich für ein Leuchten vorhin?“
„Hm?“, sie blickte über ihre Schulter. „Was meinst du?"
„Naja als du dieses... Ding getötet hast, haben deine Schwerter geleuchtet. Und mein Gewehr hat auch kurz geleuchtet als ich damit zugeschlagen habe."
„Ach das. Tja da gibt es eine einfache Erklärung. Skell-Technologie."
„Skell?" ,,Ach ja... das hast du bestimmt auch vergessen.“ Sie holte aus. „Also: Jede Waffe die wir benutzen ist auf dem neusten technologischen Stand und damit zu einigen starken Manövern fähig, wenn derjenige der sie einsetzt ebenso dazu fähig ist."
„O...k... und weiter?"
Sie blieb stehen. „Ich glaube eine bildliche Veranschaulichung wäre in diesem Fall praktisch. Gib mir mal kurz dein Gewehr." Stumm gab ich ihr die Waffe und sie nahm sie entgegen. ,,Class Switch: Novice“, sagte sie daraufhin. Am Ende des Satzes leuchtete blitzte ihre linke Hand grün auf und ihre Halterungen für Pistolen und Schwerter am Rücken verschwanden. „So, jetzt haben wir die gleiche Klasse."
„Klasse? Ich verstehe nur Bahnhof..."
„Ok von Anfang an. Wenn du eine Waffe führst, musst du zu der jeweiligen Klasse gehören um sie vollständig nutzen zu können. Allerdings kannst du das gerade noch nicht. Dir fehlt da noch etwas Wichtiges. Fürs erste wirst du also nur die Basistechnicken benutzen können. Und dazu zählt alles was ein Novize kann. Und dazu wiederum zählt auch der Assault Hammer. Oder besser gesagt der Schlag mit dem Gewehr, der die Blattla umgeworfen hat. Und eine weitere Technik ist...“, suchend blickte sie sich nach einem geeigneten Ziel um. „Siehst du diesen Stein da?" Mit dem Kopf deutete sie auf einen großen Stein in der Nähe.
„Ja, den sehe ich. Was ist mit dem?"
„Schau einfach zu." Mit dem Sturmgewehr in beiden Händen stellte sie sich vor das große Ding und atmete kurz durch. Dann griff sie in eine kleine Box an ihrem Gürtel und holte etwas gelb Leuchtendes heraus. Das steckte sie dann zu der Munition ins Gewehr. „Fslame Grenade", sagte sie, sprang hoch und schoss eine große Kugel, bestehend aus Feuer aus der nun gelb leuchtenden Waffe ab. Diese traf den Stein mit voller Wucht und ließ ihn in Rauch untergehen. Als sich dieser verzog war die obere Hälfte des Steins verschwunden und die restliche Oberseite angeschwärzt. Am Boden gelandet blickte sie mit der Waffe über die linke Schulter gelegt zu mir rüber, während der Wind ihre Haare sanft bewegte. „Nicht schlecht oder?"
Abwechselnd wanderte mein Blick zu ihr und dem Stein. Ich wusste nicht was in diesem Moment beeindruckender war. Sie oder das Werk der Waffe. Nachdem sie mir mein Gewehr wieder gab und dann mit einem roten Leuchten an der Hand wieder ihre Schwerter und Pistolen ausrüstete erzählte sie mir noch etwas darüber: „Je öfter du mit einer Waffe kämpfst, desto besser wirst du damit. Klingt eigentlich logisch oder?"
„Ja. Und das was du gemacht hast und der Schlag vorhin... Das kann ich auch?"
„Ja. Du musst nur noch ein bisschen üben. Und wenn du das tust kannst du dich auch irgendwann fortbilden. Sofern du damit deine Tage verbringen willst."



Nach einem kurzen Wortaustausch im Lager und einem kräftigen Schluck Wasser ging es dann weiter Richtung Wohneinheit, vorbei an diesen wunderbaren Landschaften und Tieren. Ein paar von denen, Elma nannte sie Suiden, stanken ein wenig streng. Zudem sahen sie nicht besonders sympathisch aus. Die Zeit verflog, während ich mich umblickte, immer mehr in die Umgebung verliebte und viele weitere Dinge sah, die ich hier unmöglich alle auf einmal aufzählen kann. Schneller als gedacht jedoch standen wir direkt vor unserem Ziel. Die zu diesem Zeitpunkt noch geschlossenen Tore des wie bereits erwähnten klobigen, unpassendem, riesigen  Metalldings.
„Ganz schön groß, wenn man so direkt davorsteht nicht wahr?"
Ich nickte. ,,Ja. Sehr groß."
„Und das hier war immerhin nur die Wohneinheit des weißen Wals. Das Schiff im Ganzen war noch um einiges größer."
Ich weitete meine Augen. ,,Größer als das? Heilige..."
„Naja... er war es bevor wir hier abgestürzt sind. Wir befinden uns gerade am West-Tor. Aus Sicherheitsgründen wurde es erstmal abgeriegelt."
„Und wie kommen wir dann da rein?"
„Es gibt einen alten Lastenaufzug. Den haben wir ein bisschen... umgebaut." Plötzlich spannte sich ihre Haltung an. Verdächtig schaute sie sich um.
,,Was hast du?", wollte ich wissen. Ein Jaulen beantwortete die Frage. Wir blickten zu einem, im Vergleich zur Wohneinheit und dem Rest hier zumindest, kleinen Hügel. Auf ihm hockte ein weiteres Wesen, mit grauer, leicht gepanzerter Haut auf allen Vieren.
„Grexe?", fragte sich Elma selbst, ,,Sie sind wütend..."
“Äh... Elma...", ich deutete auf zwei weitere Exemplare dieser Viecher die langsam angepirscht kamen, zusammen mit dem Vieh auf dem Hügel. Mit einem großen Satz sprang es elegant hinunter und näherte sich fauchend.
Elma hatte bereits ihre Schwerter gezückt und einen ernsten Blick aufgesetzt. „Die können wir nicht ignorieren. Sie sind viel zu nah am Stadteingang. Wir müssen sie erledigen. Sie sind zwar noch Jungtiere, aber stärker als eine einfache Blattla... Bist du bereit?"
„Tja... ich kann jetzt schlecht nein sagen oder?" Als alle drei im Kanon jaulten, zog ich mein Sturmgewehr und nahm zunächst den vordersten ins Visier.
,,Ich lenke die anderen ab", erklärte Elma ihre Taktik.
,,Zwei gegen Eine ist aber ein bisschen unfair oder?", hinterfragte ich.
„Ich komm schon klar!“ Mit einem großen Rückwärtssalto sprang sie über eines dieser Viecher hinweg und schnitt ihm dann mal eben den aufgestellten Schwanz ab. Mit einem Hieb.
„Naja, wenn ich so drüber nachdenke..."
„Aufpassen!"
Knapp konnte ich zur Seite rollen und so dem stinkenden Maul meines Gegenübers ausweichen. Doch ich war damals noch nicht so gut in Form und landete im Dreck. Also im Prinzip rollte ich nicht zur Seite sondern warf mich mehr hin. Als ich mich aufrappelte, waren sowohl meine linke Gesichtshälfte, als auch meine Uniform von Dreck bedeckt. Ich wollte mich aufrappeln, doch das Vieh stand direkt neben mir und brüllte mir ins Gesicht. Ein kurzer Schockmoment, doch ich wusste ihn zu nutzen und schlug ihm mit meinem Gewehr kräftig in die linke Seite seines Gesichts. Aufgeschreckt flog es zur Seite um und ich konnte aufstehen. Dann tat ich das Gleiche wie Elma beim Stein vorhin, holte schnell aus einer kleinen Box an meinem Gürtel etwas gelb Leuchtendes heraus, steckte es zur Munition und zielte auf das am Boden liegende Tier. ,,Flame Grenade!"
Die Feuerkugel warf mich mit einem ordentlichen Rückstoß nach hinten. Unglaublich das Elma das konnte ohne zurückzufallen. Die Kugel traf das Vieh direkt an der nun freien, nicht gepanzerten Stelle am Bauch und verwundete es stark. Schwerfällig strampelte es ein wenig, ehe es tot und regungslos liegen blieb. Erleichtert seufzte ich und sackte auf eines meiner Knie runter. Das Ganze war noch ungewohnt und schwer für mich. Ich blickte zu Elma rüber. Die hatte eines der beiden übrigen Viecher zu Fall gebracht und war gerade voll und ganz auf das Letzte fokussiert. Doch dass angeblich Tote Wesen mit fehlendem Schwanz zuckte und stand zähnefletschend auf. ,,Elma, Achtung!"
Sie hörte mich und sah nun auch wie das Vieh einen ordentlichen Satz in ihre Richtung machte, doch sie hielt gerade mit voller Kraft das Andere davon ab sie zu beißen. Ich sprintete hin und rammte ihm mein Messer in die Seite. Es sorgte dafür dass es jetzt auf mich losging. Mit einer Klaue hielt es mich am Boden und mit der anderen wollte es mir das Gesicht zerfetzen. Doch Elma zeigte in diesem Moment mal wieder wie gut sie doch im Kämpfen war und  rollte den ganzen Druck gegenüber ihrem Angreifer abbrechend zur Seite. Der Angriff der sie hätte treffen sollen, schubste jetzt mit voller Wucht denjenigen der mich anfiel weg und zerfetzte ein wenig dessen Rücken. Kurz darauf fielen sich die Raubkatzen gegenseitig an und Elma konnte ihnen mit ein paar Schüssen in die Köpfe den Rest geben. Ein wenig hustend rappelte ich mich auf.

„Alles ok?", sie half mir auf. „Das war ganz schön riskant. Du kannst froh sein das sie noch unerfahren waren."
„Und ich kann froh sein das du so gut bist..."
Kurz lachte sie auf. Doch es verflog, als sie sich unser Werk anschaute. „Es ist nicht schön, dass wir ausgerechnet hier, wo so viele Kreaturen leben, landen mussten", seufzte sie.
„Sind etwa alle so aggressiv drauf, wie die?"
„Nein, zum Glück nicht. Die Schweine-artigen, du weißt schon, die Suiden, die so furchtbar stinken sind nur als Jungtier und Weibchen aggressiv. Zumindest in dieser Gegend. Und die kleinen Ovis und die Lepyxe sind ebenfalls von friedlicher Natur. Trotzdem können sie manchmal ziemlich wütend werden und wissen sich zu verteidigen. Größer sind sie alle mal." Das stimmte. Wenn ich so zurückblickte hatte ich bis auf diese teilweise recht niedlichen Wesen mit weißem, rundem Fell tatsächlich keine Spezies gesehen die kleiner oder gleich groß waren wie wir. „Die Grenze zwischen Selbstverteidigung und Provokation ist hier manchmal sehr dünn", fuhr sie fort.
„Hab ich gemerkt", wieder hustete ich.
Sie nickte. „Aber wir müssen lernen damit umzugehen. Gut, hier scheint alles ruhig zu sein. Gehen wir rein. Vielleicht hilft das deinem Gedächtnis ja auf die Sprünge."
„Wer weiß", zuckte ich mit den Schultern.


Über eine große Treppe, links am Tor stiegen wir auf eine Plattform mit einem Steuerungsterminal. Elma tippte dort etwas ein, dann ging es auch schon nach oben. Dort angekommen stiegen wir über ein Gerüst eine weitere Treppe hinauf und dann einen Gang entlang, hinein ins Innere der Wohneinheit. Ich schaute mich erneut gründlich um. Das war alles neu und faszinierend für mich. Und dann sah ich sie. Die Stadt, in der ich von nun an leben sollte. Elma stützte sich ans Geländer und genoss ein wenig den leichten Wind, der ihr Haar durcheinander wirbelte. Eine Strähne hinters Ohr streichend sprach sie: ,,Da wären wir. Nicht schlecht oder? Für ein bruchgelandetes Raumschiff zumindest. Aber das hier ist unsere neue Heimat."



Ich gesellte mich nun auch ans Geländer und lehnte mich etwas darüber. Auch wenn es von außen total bekloppt aussah, von innen hatte es seinen Charme. ,,Was ist das hier?", wollte ich wissen.
„Die Stadt der Wohneinheit des weißen Wals. Es war wie die der anderen Schiffe einer Stadt auf der Erde nachempfunden", sie schaute zu mir rüber. „Daher auch der Name: New Los Angeles. Kurz NLA. Willkommen Yugo."
„NLA...“, wiederholte ich als ich sie ansah und dann wieder auf den gewaltigen Gelände-, Brücken- und Stadtkomplex blickte. „New Los Angeles…“ Autos wie sie hießen fuhren über die Straßen. Hubschrauber durchflogen den Himmel. Dies sollte mein zukünftiger Heimatort sein.



Ich war am Tag meiner Wiedergeburt beeindruckt und zugegeben leicht verängstigt. Ich wusste nicht was noch auf mich zukommen würde. Und der Kick, das Verlangen mehr zu sehen gab mir einen Antrieb. Ich wollte wissen was diese Welt noch alles vor mir verborgen trug. Aber es würde ein Kampf ums Überleben werden, dass stand fest. Und so begann er, der Tag an dem alles anfing. Der Tag, an dem ich mein Leben begann...
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