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Ein falscher Mord

von Luischen
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
18.02.2016
08.03.2016
11
13.404
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06.03.2016 1.352
 
Ich erreichte meine Wohnung. Wie groß und leer sie mir vorkam. Ich war nie oft hier gewesen, bevor Andi ins Gefängnis gemusst hatte. Entweder war ich arbeiten gewesen, oder ich war zuletzt viel bei Andi gewesen. Ich stellte meinen Koffer ab und sah den Polizisten an, der in der Tür stand. „Wenn was ist, wir sind direkt hier vor ihrer Tür.“, sagte er und schloss lächelnd die Haustür. Ich schlich durch den Flur und die Zimmer, kam aber letztendlich wieder bei meinem Koffer an. Ich schleppte ihn in mein Zimmer und räumte meinen Schrank wieder ein. Erschöpft ließ ich mich auf mein Bett fallen. Morgen würde ich anfangen wieder zu arbeiten. Heute brauchte ich noch einen Tag um wieder zurecht zu kommen, außerdem wollte ich Andi sehen.

Im Gefängnis angekommen, war ich dann doch ein wenig nervös. Ich hatte Andi so lange nicht gesehen. Man brachte mich in den Besucherraum und ich sah wie Andi strahlte, bis er mich sah. Seine Miene sackte irgendwie ab und der Glanz war aus seinen Augen verschwunden. „Was machst du denn hier? Ich hatte eigentlich wen anders erwartet.“, sagte er und versuchte ein Lächeln vorzutäuschen. Doch ich kannte ihn zu gut um das nicht zu erkennen. Er wollte mich eigentlich gar nicht sehen. „Ich bin wieder in München. Ich wollte nur, dass du das weißt.“ „Du hättest mir doch auch einen Brief schreiben können, dann hättest du nicht her kommen müssen.“, lachte er, während mein Herz zerbrach. Er wollte mich nicht sehen. Deutlicher hätte er das nicht machen können. „Ich… Ich wollte dich sehen.“, sagte ich leise. „Das ist nett, aber ich erwarte noch anderen Besuch.“, sagte er und drängte mich quasi zu gehen. Es musste also eine  Frau sein.  Ich nickte nur langsam und stand wieder auf. „Ach noch etwas. Nils und ich haben uns getrennt. Viel Glück mit deiner neuen Freundin.“, sagte ich und ging. Nun hatte ich auch Andi verloren.

Der Laden hatte wirklich unter meiner Abwesenheit gelitten. Nicht dass das Team die Sache nicht auch alleine geschafft hätte, aber die führende Hand hatte eben doch gefehlt. Jetzt aber war ich wieder da und konnte mich wieder voll in die Arbeit stürzen. Ich arbeitete beinahe mehr, als dass ich irgendetwas anderes tat. Der Teil vom Team der noch da war stand voll hinter mir, arbeitete wirklich hart und baute mit mir all das wieder auf, was in den letzten Wochen wirklich gelitten hatte. Ich musste einen ganzen Teil an neuen Mitarbeitern einstellen, die Bewerber allerdings waren nach wie vor in großen Mengen vorhanden.
Es war gut so wie es war. Ich konnte mich endlich wieder auf die Arbeit konzentrieren und alles andere ausblenden. So hatte ich es schon immer gemacht. Bloß nicht über andere Dinge nachdenken. Immer nur arbeiten und den Laden am Laufen halten. So hatte mein Leben immer sein sollen und so war es nun wieder.

Schon seit Stunden hockte ich vor dem Computer, schrieb die neuen Pläne, kümmerte mich darum dass die Karte auf dem neusten Stand war, schrieb Abrechnungen, all solche Dinge. Es war vermutlich schon mitten in der Nacht, als ich vom Flur Geräusche hörte. Bei einem Blick auf die Uhr stellte ich fest, dass außer mir eigentlich Niemand mehr hätte hier sein dürfen. Ich stöhnte innerlich auf. Warum musste es immer wieder passieren? Wo war eigentlich meine Polizei Leibgarde. Die sollten mich doch eigentlich vor so etwas hier schützen. Ich schnappte mir die Schere aus meiner Schreibtischschublade und machte mich ein wenig klein. Ich wollte nicht gleich gesehen werden. „Versau es nicht wieder.“, knurrte eine Frauenstimme. Ich zog das Handy aus meiner Hosentasche und rief die Polizeistreife an, die vor dem Laden stand. „Hier ist Jemand im Laden.“, flüsterte ich „Wir kommen. Wo sind sie?“ „In meinem Büro.“, antwortete ich, als die Tür langsam aufgeschoben wurde. Ich legte sofort auf, wollte ich doch vermeiden, dass ich unnötige Geräusche machte.
Ich traute mich kaum zu atmen, während die Schritte langsam durch mein Büro hallten. Ich umklammerte die Schere. Ich würde mich wehren. Dieses Mal würde ich mich wehren. Die großen Füße kamen vor meinem Schreibtisch zum Stehen. „Sie hockt unter dem Schreibtisch.“, knurrte eine tiefe Männerstimme. Ich begann zu zittern, dann ging alles ganz schnell. Der Mann war um den Tisch herum und packte mich. Er zog mich unter dem Tisch hervor und hielt mir eine Waffe gegen den Kopf. Ich jedoch nahm die Schere und stach damit auf ihn ein. Er ließ mich fallen und drückte gleichzeitig die Waffe ab. Ich spürte wie sich die Kugel in meinen Bauch bohrte. Ich hatte nie solche Schmerzen ertragen müssen. Doch als der Mann wieder auf mich schießen wollte, rappelte ich mich noch einmal auf. Immer noch die Schere in der Hand. Ich stach ihm die Schere in den Arm und er ließ die Waffe fallen, als endlich die Polizei in mein Büro gestürmt kam.

Man hatte mich mit einer schweren Verletzung ins Krankenhaus eingeliefert. Zum Glück hatte die Kugel keine wichtigen Organe getroffen. Ich hatte nicht lange im Krankenhaus bleiben müssen und hatte meine Aussagen schon zwei Tage nach dem Angriff machen können. Dennoch hatte die ganze Aktion etwas Gutes gehabt. Man hatte nicht nur den Täter gepackt, sondern auch Julie. Ich hatte die ganze Zeit über recht gehabt. Sie hatte hinter der ganzen Sache gesteckt. Es hatte zwar einige Tage gedauert bis man das Geständnis aus ihr heraus geholt hatte, dennoch hatte man Andi noch am selben Tag aus der Haft entlassen. Ich war nicht zum Gefängnis gefahren. Er hatte mich nicht sehen wollen als ich ihn besuchen kam, da wollte er mich jetzt sicher auch nicht sehen. Ich war im Laden geblieben und hatte mich, soweit ich es konnte, um den Ablauf gekümmert. Auch wenn ich noch nicht wieder in den Service konnte, durfte ich doch kaum etwas heben, konnte ich mich immerhin um die Bürosachen kümmern. Es durfte nicht noch einmal so lange liegen bleiben.

Als mein Handy klingelte nahm ich etwas verwirrt ab, als ich „Nils“ auf dem Display las. Wir hatten seit unserer Trennung kaum Kontakt gehabt. Allein der Gedanke an ihn hatte mich geschmerzt. „Hi.“, sagte er als ich abnahm. „Hey Nils.“ „Wie geht’s dir? Ich habe gehört was passiert ist, war mir aber nicht sicher ob ich dich anrufen sollte.“ „Mir geht es gut und dir?“ „Auch alles bestens. Wie geht es Andi?“ „Weiß ich nicht.“ „Aber ich dachte er wäre heute raus gekommen.“ „Ist er auch, aber ich war nicht da.“ „Wie…?“ „Als ich ihn besuchen gegangen bin hat er mir mehr als deutlich gemacht, dass er mich nicht wirklich sehen wollte. Also bin ich heute auch nicht hin. Außerdem muss ich arbeiten.“ „Du stürzt dich voll in die Arbeit oder?“ „Was soll ich denn sonst tun?“, Nils schwieg einen Moment, bevor er tief durchatmete. „Vielleicht ist das jetzt nicht der richtige Augenblick dafür, aber ich weiß nicht wann ich es dir sonst sagen soll. Ich will dass du es von mir hörst und nicht von irgendjemand Anderem. Ich habe eine neue Freundin.“, jetzt war es an mir zu schweigen. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, riss mich dann aber schwer zusammen und flüsterte ein „Das freut mich sehr für dich.“. Er hatte mich schneller ersetzt, als mir lieb war, aber ich freute mich wirklich für ihn. Nils verdiente alles Glück dieser Erde.
„Ich… Ich wollte es dir selber sagen.“ „Danke.“, antwortete ich. „Du Nils ich muss wirklich weiterarbeiten. Wir reden wann anders weiter in Ordnung?“, fragte ich, denn eigentlich wollte ich nicht hören müssen, wie glücklich er ohne mich war. Da kam mir die Ausrede mit der Arbeit nur gelegen. „Gut… Wir reden wann anders. Ich hoffe du bist mir nicht böse.“ „Bin ich nicht Nils. Wirklich nicht.“, ich spürte wie sich Tränen in meinen Augen sammelten. „Wir hören uns.“ „Bis bald Luisa.“, antwortete er, dann legte ich auf. Auch wenn Nils und ich nicht zusammen sein konnten, tat es mir unglaublich weh, dass er mich so schnell durch eine Neue ersetzt hatte. Ich hätte geglaubt, dass er wenigstens eine Zeit lang traurig um das war, was wir verloren hatten. Dem war anscheinend nicht so.
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