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Ein falscher Mord

von Luischen
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
18.02.2016
08.03.2016
11
13.404
1
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04.03.2016 1.303
 
Das Allgäu war wunderschön. So ruhig und schon fast ein wenig verschlafen. Dennoch traute ich mich nicht wirklich raus. Fo zwang mich aber auch nicht. Er und seine Frau, Eva, kümmerten sich rührend um mich. Sie sorgten dafür, dass ich bloß immer genug aß, dass ich endlich wieder ein wenig zur Ruhe kam. Trotzdem war ich immer auf der Lauer. Ich fühlte mich beobachtet und verkroch mich deshalb den größten Teil des Tages in dem Zimmer in dem ich schlief. Ich hatte einfach Angst. Mein Kopf allerdings war hier ein wenig freier als in Hamburg. Ich musste mich nicht dauerhaft meinem schlechten Gewissen gegenüber Nils und Andi stellen.

„Hey Kleines.“, lächelte Fo und steckte den Kopf durch die Tür. Ich lächelte zurück. Er setzte sich zu mir aufs Bett und nahm meine Hände in Seine. „Du siehst so erschöpft aus. Kann ich dir irgendetwas Gutes tun?“ „Gott Fo, du und Eva ihr seid schon viel zu gut zu mir! Ich sehe schon wieder viel besser aus.“, versicherte ich ihm und es war nicht gelogen. Ich hatte immerhin wieder ein bisschen an Farbe gewonnen. „Kann ich dich was anderes fragen?“, ich nickte. „Mit wem bist du jetzt zusammen? Mit Andi oder mit Nils?“ „Mit Nils.“, sagte ich und sah ihn an „Und was ist mit Andi?“ „Andi und ich… Wir waren nie wirklich zusammen. Wir hatten nur eine Affäre.“ „Liebst du ihn?“, fragte er. „Ja, aber auf eine andere Art als Nils.“ „Ich hätte immer darauf gewettet, dass ihr eines Tages zusammen kommt.“, ich sah Fo einfach nur an. Vielleicht hatte ich das auch irgendwann mal geglaubt. Aber das war jetzt vorbei.
„Hast du Andi denn gesagt, dass du mit Nils zusammen bist?“ „Ja ich habe es ihm geschrieben, auch wenn ich es ihm lieber gesagt hätte.“ „Das glaube ich dir. Er vermisst dich sicher sehr.“ „Ich ihn doch auch.“. Es war wirklich eine Weile her, dass ich ihn gesehen hatte. Andi war ein so wichtiger Teil meines Lebens und ich hatte ihn seit Wochen nicht gesehen. Fo zog mich in seine Arme und drückte mich an sich. „Es wird schon wieder werden.“, sagte er und zog mich enger an sich. „Du darfst den Kopf nur nicht hängen lassen.“, sagte er und ich nickte langsam „Ich versuche es ja. Wirklich. Aber ich bin so fertig. Und ich will doch Andi helfen und ich will mit Nils zusammen sein.“, antwortete ich. Doch so wie es im Moment lief, konnte ich Beides nicht wirklich ausfüllen. Ich sackte mit meinem Kopf gegen seine Schulter.
„Komm schon Kopf hoch Kleine.“, sagte er und zog mein Kinn hoch „Sieh mich an. Du bist so eine starke Frau. Du musst nicht mehr lange durchhalten, dann wird sich sicher ein Weg finden. Es gibt sicher irgendwelche Beweise, dass Andi unschuldig ist und es wird alles wieder gut werden. Du musst nur durch halten.“, ich nickte langsam. Ich wusste dass ich durchhalten musste.

Fo hatte mich gebeten ein wenig in seinem Laden auszuhelfen, ihm war eine Vollzeit-Service-Kraft ausgefallen und natürlich ließ ich ihn nicht hängen, immerhin hatte er mich auch nicht hängen gelassen. Und es tat mir wirklich gut wieder ein wenig zu arbeiten. Ja ich versuchte per E-Mail auch Andis Läden am Laufen zu halten, doch endlich wieder im Umgang mit den Kunden zu sein, war eine ungemeine Erleichterung. Zu meinem Glück erkannte man mich hier nicht. Ich konnte mich unter Leuten bewegen ohne gleich von jeder Seite einen Spruch gedrückt zu bekommen. Außerdem hatte Fo ein wirklich nettes Team, das mich wirklich gut aufnahm.
Ich war wirklich glücklich, trug die Tabletts und Teller raus und konnte endlich wieder das tun, was ich am besten konnte. Servieren. Denn das war wirklich meine Leidenschaft, so doof wie es klang. Ich liebte es einfach. „Na Kleine wie läuft es?“, fragte Fo als er mich vorbei laufen sah. „Wunderbar Chef.“, antwortete ich mit einem breiten Lächeln. Fo lächelte. Das war das Beste was er für mich hatte tun können. Mich wieder ans Arbeiten kriegen. Denn da konnte ich wirklich all diese Dinge vergessen, die mich gerade bedrückten. Vielleicht sollte ich nach München zurück gehen und mich wieder vor Ort um die Läden kümmern. Auch wenn Jemand versuchte mich umzubringen, vielleicht konnte man denjenigen dann wenigstens packen, wenn ich mich wieder in die Öffentlichkeit begab. Ich würde mit Nils darüber sprechen, denn ich konnte mir vorstellen, dass er nicht gerade glücklich darüber wäre.
Mir wurde auch jetzt erst bewusst, dass Nils und ich wirklich ein Problem hatten, wenn irgendwann alles wieder normal werden würde. Er war in Hamburg, ich war in München. Wir arbeiteten Beide in der Gastronomie und würden uns vermutlich nur selten sehen können. Mein Herz wurde schwer bei diesem Gedanken, hatte ich mich doch wirklich in Nils verliebt. Er war wirklich gut zu mir, war für mich da. Aber was sollten wir tun, wenn uns beinahe ganz Deutschland trennte und wir Beide doch kaum Freizeit hatten? Auch darüber würden wir früher oder später reden müssen.

„Du willst was?“ „Nils ich brauche das. Ich will wieder arbeiten.“ „Aber was wenn du dabei draufgehst?“ „Die Polizei schwirrt doch ständig um mich herum. Vielleicht kriegen sie den Täter dadurch eher.“ „Aber das ist doch lebensmüde! Du kannst dich nicht als Zielscheibe hinstellen.“ „Nils ich will aber wieder arbeiten.“ „Und ich hätte dich gerne wieder hier in Hamburg.“, ich atmete tief durch. „Ich wäre auch gerne bei dir, aber… Nils irgendwann fange ich wieder in München an, das stand nie zur Debatte. Ich gehe nicht aus München weg. Und du nicht aus Hamburg.“, ich konnte auch ein tiefes Durchatmen von ihm hören. „Eines Tages musste das kommen.“, sagte er und ich nickte. Auch wenn er es nicht sehen konnte, würde er vermutlich wissen, dass ich das genauso sah. „Und was machen wir jetzt?“, fragte er „Ich weiß es nicht.“, antwortete ich und spürte wie die Tränen zu laufen begannen. Ich wollte mit nicht eingestehen, dass wir Beide wussten was passieren würde.
„Luisa ich will dich nicht verlieren.“ „Und ich will dich nicht verlieren.“ „Ich glaube aber auch, dass ich es nicht ertrage, wenn du immer bei Andi bist und ich dich eigentlich nie zu Gesicht bekomme.“ „Nils ich will nicht dass es so endet. Ich liebe dich.“, das hatte ich vorher noch nie gesagt. Ich konnte hören wie Nils einen Moment schwieg. „Scheiße man.“, war seine Antwort und ich begann wieder zu weinen. „Ich würde das jetzt zu gerne erwidern, aber ich kann es nicht. Ich will es nicht sagen, wenn ich weiß dass es eigentlich schon wieder vorbei ist.“, ich schwieg, wusste ich doch nicht was ich darauf antworten sollte. „Luisa es tut mir so leid.“ „Glaubst du mir nicht? Ich hatte so sehr die Hoffnung das mit uns könnte wirklich etwas werden.“ „Ich auch, weil du mir wirklich viel bedeutest.“ „Du mir auch.“ „Wir bleiben aber Freunde?“ „Ja. Ich will dich nicht ganz verlieren.“, meine Stimme klang dünn. Ich konnte den Gedanken, dass ich jetzt wieder alleine war unerträglich.

Und so schnell war meine Zeit im Allgäu auch wieder vorbei. Ich hatte meine Entscheidung gefällt. Ich würde nach München zurück fahren, gleich morgen früh. Meine Wohnung wurde bereits von der Polizei untersucht. Sie wollten sicherstellen, dass wenn ich zurück kam, ich dort auch sicher war. Sie würden mich rund um die Uhr bewachen, sodass sie sicher stellen konnten, dass man mich nicht wieder einfach so angreifen konnte. Immerhin wollten sie nicht dafür verantwortlich sein, dass ich hinterher noch von dem Täter gepackt und umgebracht wurde. Viel fehlte dazu sicher nicht mehr. Man würde mich dieses Mal besser bewachen. Trotzdem war ich aufgeregt. Ich war seit Andis Inhaftierung nicht mehr alleine in München gewesen. Nils war immer an meiner Seite gewesen, doch jetzt musste ich die ganze Sache wieder alleine stemmen. Ich musste wieder alleine zurechtkommen und nebenbei den Laden weiterführen.
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