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Ein falscher Mord

von Luischen
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
18.02.2016
08.03.2016
11
13.404
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22.02.2016 1.251
 
Der Morgen kam und ich hatte immer noch nicht geschlafen. Mein Kopf hämmerte, doch der Schlaf mied mich einfach. Ich drehte mich auf die Seite und beobachtete Nils wie er schlief. Er hatte die Angewohnheit entwickelt bei mir zu schlafen, weil er sah wie viel Angst ich hatte, wie viele Gedanken mich trieben. Er hatte geglaubt sie durch seine Anwesenheit vertreiben zu können. Und auch wenn er es nicht tat, ich war froh in dieser Zeit nicht alleine sein zu müssen. Er war einfach nur da. Oben in Hamburg wartete sicher eine Menge Arbeit auf ihn, doch er sagte mir immer wieder, er würde erst fahren, wenn er sich sicher war, dass ich nicht zusammenbrach, wenn er die Tür hinter sich schloss.
Doch ich fühlte mich schlecht. Andi saß hinter Gittern, unschuldig, während ich hier draußen war. „Du denkst schon wieder zu viel.“, flüsterte Nils und zog mich näher an sich heran. „Du ziehst die Stirn immer so kraus, wenn du so viel denkst.“, sagte er und küsste meine Stirn. „Hast du überhaupt geschlafen?“, ich schüttelte langsam den Kopf. „Was soll ich denn mit dir machen?“, fragte er und ich war wohl ebenso ratlos. Nils zog mich nun ganz an seine Brust und legte seine Lippen auf meinen Scheitel. „Ich lass dich nicht alleine, bis du nicht wieder klar kommst.“, sagte er wieder „Ich will nicht schuld sein, wenn du hier zusammenbrichst und dir Niemand hilft.“. Ich war mir sicher, dass ich ohne ihn schon zusammen gebrochen wäre, er war im Moment der Einzige, der mich noch aufrecht hielt. „Ich weiß.“, antwortete ich.
Wir saßen am Frühstückstisch, als die Post kam. Ich bekam in letzter Zeit immer mehr Hassbriefe. Man wollte mich in den Mord mit hineinziehen. Andauernd schwirrten Interviewanfragen rein. Meine Handynummer hatte ich schon ändern müssen, weil mein Handy gar nicht hatte aufhören wollen zu klingeln. Auch jetzt holte ich die Post, wie jeden Tag. Ich warf sie auf den Tisch und ging durch. Brief für Brief landete auf einem Haufen, bis mir ein Brief auffiel. Der Umschlag war schwarz, ohne Adresse, ohne Absender. Ich schnaufte tief durch, während ich ihn öffnete. Vermutlich wieder einer dieser Hassbriefe.

Hallo Schlampe!
Ich habe sein Leben zerstört, jetzt bist du dran! Aber du wirst mehr leiden. Du hast es verdient, jetzt wo er aus dem Weg ist. Ich werde dich fertig machen. Am Ende wirst du nichts mehr haben. Ich werde schon dafür sorgen.
Stirb Schlampe!


Ich schob den Brief zu Nils rüber. Er nahm den Brief und begann zu lesen, als draußen ein lauter Knall die Luft zerriss. Eine Frau stand schreiend neben meinem Auto, oder naja das was von meinem Auto noch über war. Es schien als wäre es explodiert. Ohne zu zögern lief ich nach unten. Ich hörte in der Ferne schon die Sirenen der Feuerwehr, oder Polizei. „Was ist passiert?“, fragte ich die Frau atemlos „Mein Hund!“, schrie sie „Mein Hund! Das Auto ist explodiert!“, sie schrie, weinte. Ich stand einfach nur da, als Polizei und Feuerwehr ankamen.
„Das war kein Hater-Brief.“, keuchte ich fast atemlos, als ich Nils‘ Hand auf meiner Hüfte spürte. „Die macht ernst.“ „Wer ist die?“ „Juli. Andis‘ Ex-Frau. Die wird nicht aufgeben, bis ich tot bin, oder im Knast. Die wird nicht aufgeben.“, ich drehte mich zu Nils um, der mich völlig entsetzt ansah. „Du musst den Polizisten den Brief zeigen, ihnen von deiner Vermutung erzählen.“, sagte er und zog mich ein bisschen enger an sich. „Und was wenn die mir wieder nicht glauben?“.
Ich hatte so Recht. Man fand an dem Brief außer Nils und meinen Fingerabdrücken nichts. Unter dem Auto hatte ein kleiner Sprengsatz geklebt, der eigentlich hätte hoch gehen sollen, wenn sich Jemand ins Auto setzte, oder die Tür zuschlug. Der Hund musste sie wohl berührt haben. Doch man warf mir vor, ich hätte sie dort angebracht und mir den Brief selbst geschickt, um Andi aus dem Gefängnis zu bekommen. Niemand wollte mir glauben.

Ich war völlig am Ende mit meinen Nerven. Doch ich wollte es mir nicht anmerken lassen. Wir waren zu Besuch bei Andi im Gefängnis und ich wollte ihn nicht mit noch mehr Sorgen belasten. Er sah wirklich schlecht aus, auch wenn ich vermutlich noch schlechter aussah. Seit dem Brief und der Sache mit meinem Auto schlief ich eigentlich gar nicht mehr. Doch jetzt saß ich Andi gegenüber und spürte wie mir die Tränen in die Augen stiegen.
„Du fehlst mir.“, sagte er traurig und ich nickte „Du mir auch.“, ich konnte die Tränen kaum zurück halten. Ich wollte einfach nur, dass alles ein Ende fand, dass ich wach würde und alles nur ein schrecklicher Traum wäre. Ich griff nach seinen Händen und hielt mich an ihm fest. Ich wollte ihm von all den Dingen da draußen erzählen, doch ich wollte ihn nicht noch mehr belasten. Er sah so müde und so angespannt aus. „Wie geht es dir?“, fragte er, doch ich schüttelte nur den Kopf. „Was ist los Kleines?“, fragte er und schob mein Kinn vorsichtig hoch. „Jemand droht mir. Ich weiß nicht wer es ist, aber ich bekomme jeden Tag neue Briefe. Mein Auto ist in die Luft geflogen. Jemand will mich aus dem Weg schaffen.“ „Du musst damit zur Polizei gehen!“ „War ich doch. Die glauben ich erfinde das nur um dich hier raus zu holen.“ „Aber…“ „Ich weiß wer dahinter steckt. Es kann nur Juli sein. Ich weiß du willst das nicht hören, aber wer sollte sonst unsere Leben zerstören wollen?“, ich wusste dass auch Andi mir in diesem Punkt nicht glauben würde.
Er zog meine Hände zu sich „Aber Juli würde doch Niemanden töten, nur weil sie eifersüchtig ist.“ „Aber wer soll es denn sonst sein?“ „Ich weiß es doch auch nicht! Meinst du mir macht es Spaß hier drin zu sitzen und dir nicht helfen zu können.“, knurrte er mich an. Wütend entzog ich ihm meine Hände „Wenigstens will dich hier drin keiner umbringen! Ich habe Angst auf Schritt und Tritt und wenn Nils nicht Tag und Nacht bei mir wäre, würde ich die Wohnung vermutlich gar nicht mehr verlassen!“ „Ach Nils ist also immer noch bei dir? Hast du mich etwa schon ersetzt? Ging ja schnell. Dann brauche ich mich auf dich als Hilfe wohl auch nicht mehr verlassen.“, fuhr er mich rau an. Jetzt stieg in mir die Wut auf „Ich stehe immer an deiner Seite! Ich kümmere mich um all deinen Scheiß, der liegen bleiben würde und du dankst es mir so?“, ich sprang auf „Du solltest dir wohl besser überlegen, ob du die Frau verscheuchst, die an deiner Seite steht!“, ranzte ich ihn an und verließ den Besucherraum.
Ich kannte Andi schon lange, doch ich war bisher immer gegangen, wenn er so angefangen war. Ich hatte mich nicht von ihm anschreien lassen, noch nie. Jetzt erst recht nicht. Ich verließ das Gefängnis und machte mich auf den Weg zu Nils Auto. Er war so gut gewesen, es mir auszuleihen. Ich wollte gerade die Tür aufschließen, als Jemand von hinten kam und ich plötzlich ein Seil um den Hals hatte. Man begann mich zu würgen. Ich versuchte in der Scheibe des Autos ein Gesicht zu sehen, doch wer auch immer hinter mir stand, trug eine Skimaske. Ich würgte, keuchte und versuchte mich nach Kräften zu wehren. Doch wer auch immer hinter mir stand, war um einiges stärker. Ich spürte wie mir langsam aber sicher schwarz vor Augen wurde. Ich würde auf dem Gefängnisparkplatz sterben, das war mein letzter Gedanke, bevor ich endgültig das Bewusstsein verlor.
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