Die zweite Chance

GeschichteFantasy / P16
Annette De Witt Catherine Kathleen "Cat" Crawfield Crispin "Bones" Phillip Arthur Russell III OC (Own Character)
17.02.2016
30.08.2018
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17.02.2016 803
 
Seine grünen Augen funkelten selbst im dunklen Licht der Bar. Diesmal würde ich nicht leer ausgehen. Ich nahm seine Hand und zog ihn zur Tanzfläche. Er erzählte mir von seinem Plan ganz Amerika zu besichtigen. Dabei würde er unter dem freien Himmel schlafen und jeden Tag genießen als wäre es sein letzter. Er hatte ja keine Ahnung wie schnell sich dieses überaus romantische Wunschdenken erfüllen konnte. Eng umschlungen tanzten wir zu der viel zu lauten Musik. Nur noch eine Kleinigkeit fehlte- mir zumindest. Ihm anscheinend nicht, seine Freude war spürbar.
Jetzt reichte mir diese scheinbare Vollkommenheit jedoch. Mit meiner Hand zog ich den nun doch etwas verdutzten Mann aus der Bar in eine kleine Nebengasse. Draußen war die Luft eisig und der Mann begann leicht zu zittern. Er meinte, er wolle mich wärmen, drückte mich gegen die Wand und küsste mich. Ich hatte ihn tagelang beobachtet und so schnell bei der Sache war er bisher noch nie gewesen. Zu meiner Überraschung küsste er wirklich sehr gut, nicht zu aufdringlich, aber auch nicht zu zart, der Mann wusste, was er tat. Trotz seiner beeindruckenden Künste suchte ich nicht nach dieser Art von Befriedigung.
Ich stieß mich mit beiden Beinen kräftig von der Wand hinter mir ab und legte ihn flach. Langsam wurde ihm bewusst, dass ich nicht eines seiner sorgfältig selektierten Opfer war. Zu meiner Belustigung versuchte er sich mit Händen und Füßen gegen mich zu wehren.
<<Heißt du wirklich Paul?>>, fragte ich ihn, als er vor lauter Anstrengung immer röter im Gesicht wurde. Ein einzelner Schweißtropfen rann seine Stirn herab, aber er blieb stumm.  <<Ich werde dir vielleicht sehr, sehr dolle wehtun und das willst du doch wirklich nicht,...oder?>>  <<Du dreckige Schlampe, was willst du von mir?>>, schrie „Paul“ nun und hörte auf sich gegen meinen Schenkeldruck zu wehren. Vielleicht wurde ihm klar, dass es sinnlos war oder er wollte wirklich wissen, welchem glücklichen Umstand er seine Lage zu verdanken hatte. <<Nur dich, Paul, nur dich>> antwortete ich und beugte mich nun frustriert an seinen Hals. Wahrscheinlich würde er mir seinen wahren Namen nicht mehr verraten, aber eigentlich war mir der egal, solange mein Verlangen nach dieser Begegnung gestillt wäre. So strich ich mit meinen Lippen über seinen Hals und murmelte vor mich hin: <<So zerbrechlich, und doch so stark.>>
Meine kauernde Haltung ausnutzend, warf  Paul seine Beine hoch und riss mich von sich, sodass ich auf dem Boden landete. Seine Stärke beeindruckte mich, denn das hatte noch keines meiner Häppchen geschafft. Er rappelte sich auf und rannte los. Dabei konnte ich die volle Pracht seines nicht zu verachtenden Hinterteils begutachten. Aber weit sollte er nicht kommen. Innerhalb eines Sekundenbruchteils sprang ich auf, holte ihn ein und pinnte ihn erneut an den Boden.  Warum ich es mir jedes Mal so schwer machte, wusste ich nicht. Hypnose fand ich irgendwie schon immer unfair gegenüber meiner Beute. Außerdem muss ich zugeben, dass ich die kleinen Kämpfe genieße... Männer, die es wirklich nicht anders verdient hatten, als auch endlich mal von einer Frau besiegt zu werden, waren schließlich meine einzigen Opfer. Es könnte sein, dass ich darauf etwas empfindlich reagiere. Von wegen gebranntes Kind und so. Und nachher lasse ich sie alles über meine Existenz vergessen. Das einzige, was ihnen von der Nacht noch bleibt, ist ein Brummschädel und das ein oder andere Stimmchen in ihrem Kopf, was ihnen sagt, dass sie sich in Gegenwart des weiblichen Geschlechts zukünftig mehr wie ein Gentleman verhalten sollen.
<<Ganz schön frech, Kleiner, dein Mut ist bewundernswert, aber in diesem Falle wird dir das nichts nützen.>>, flüsterte ich ihm beinahe zärtlich ins Ohr und endlich schlug ich ihm meine Zähne in den Hals.

<<Schöner Fang, Süße, aber kannst du auch teilen?>> vernahm ich eine Stimme hinter mir. Ehe ich mir dessen Bedeutung wirklich bewusst machen konnte, wurde ich von einer groben Männerhand von Paul oder wie auch immer er hieß, weggezogen.
Ich trat nach hinten aus, aber der andere Vampir war um einiges älter und somit von der Kraft meines Trittes nicht einmal annähernd beeindruckt. Er schlug mir mehrmals gegen die Schläfe und durch den Überraschungsmoment, sowie meinen Frischblutmangel- der liebe Paul war oder wäre meine erste Befriedigung seit drei Wochen- hatte er schnell die Oberhand und ich merkte, wie mir langsam die Lichter ausgingen. Irgendetwas konnte da nicht stimmen, aber ich war nicht in der Lage klar zu denken. Im Augenwinkel sah ich noch, wie Paul in der Nähe der Bar in einer Menschenansammlung, die uns glücklicherweise noch nicht bemerkt hatte, mit seiner offenen Halswunde verschwand. Damit blieb mir nur der kümmerliche Triumph, dass mein Angreifer ihn wenigstens nicht bekommen würde.
Dann gab ich mich der angenehmen Dunkelheit hin.
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