Act 1 - Chinsinsi

von kweenron
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12
16.02.2016
16.02.2016
1
1615
 
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Kapitel 1: Anfang

„Ich bin der Kommandant der ersten Division, Ace. Ab heute steht ihr alle unter meinem Kommando.“ Der Mann, welcher vor den achtundzwanzig Jugendlichen stand war gewiss älter als sie, doch noch lang nicht alt. Seine rabenschwarzen Haare waren kinnlang. Drei lange Narben zierten sein Gesicht; sie zeugten von Erfahrung. „Sicher werdet ihr euch irgendwann einmal fragen, warum ihr ausgerechnet in diesem Trupp gelandet seid und die Antwort ist simpel: Heute ist der erste Juni. Im vergangenen Monat seid ihr alle in das Alter gekommen, dass es euch erlaubt an diesem Ort zu arbeiten. Ich freue mich euch hier auf der Mayflower begrüßen zu dürfen.“ Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lippen, doch es verschwand sofortig, als er erneut mit bestimmter Stimme weiterfuhr: „Ihr seid Trupp 10c, doch lasst euch von dieser Zahl nicht irritieren. Euer Trupp wird meine erste Wahl sein, die Zahl ist rein zufällig um den Feind zu verwirren – sollte er Funksprüche abhören. Doch über dies und alles anderes wird euch euer Truppenführer in Kunde setzten.“ Ein Mann trat neben Ace. Seine Haare waren dunkelbraun und kurz geschnitten. Die harten Züge seines Gesichtes ließen ihn streng wirken, ebenso die Brille, welche er trug.
„Mein Name ist Raul, freut mich sehr.“ stellte er sich knapp vor, die Arme hinter dem Rücken gekreuzt. Der Truppenführer schien älter als der Kommandant zu sein, auch wenn dieser einen höheren Rang bezog. „Nach einem abschließenden Wort von Kommandant Ace werde ich euch eine kurze Führung zu euren Schlafsälen geben, ehe wir uns der weiteren Einweisung annehmen. Bitte Herr Kommandant.“
„Vielen Dank Raul. Ich hoffe wir werden gut, und vor allem lang, zusammenarbeiten. Die Sterberate ist hier ja leider sehr hoch.“ Er legte eine kurze Pause ein, ließ seine dunklen Augen über die Jugendlichen schweifen, welche sich gegenseitig viel sagende Blicke zuwarfen. Als die Aufmerksamkeit dann wieder ganz ihm galt fuhr er fort: „Die weitere Kommunikation wird leider nur über Funk möglich sein, da ich im Hauptquartier bleiben werde. Ich wünsche euch viel Erfolg, Rekruten.“ Der groß gewachsene Mann salutierte und alle Anwesenden taten es ihm gleich. Die rechte Hand an die Schläfe gelegt, während der linke Arm, im rechten Winkel abgewinkelt, auf den Rücken gelegt wurde.
Nach dieser respektvollen Geste ging der Kommandant mit drei anderen Männern – welche zu seiner Leibgarde gehörten – mitten durch die Reihen der Rekruten, welche den Blick nach vorne gerichtete hielten. Blicke wanderten dabei über die Jungen und Mädchen. Wie unterschiedlich sie waren. Sein Blick blieb kurz an einem Mädchen hängen, deren Haare kaum ihre Schultern berührten. Durch die schwarzen Strähnen stachen ihre roten Augen umso mehr hervor. Ihr Blick folgte ihm ebenfalls für einen Moment, bevor er aus ihrem Sichtfeld trat.
Vielleicht sollte ich erwähnen, dass es in dieser Zeit völlig normal ist lila, rot oder gelb als Augenfarbe und blau, grün oder weiß als Haarfarbe zu haben. Wir schreiben das Jahr 40.120 und die Erde wie du und ich sie kennen gibt es längst nicht mehr – Länder und Kontinente, Gebirge und Täler, Flüsse und Seen, all das sind nur noch verschwommene Erinnerungen; Begriffe für etwas nun so unvorstellbares. Avalon und Euphoria sind die zwei konkurrierenden Reiche, und auch die einzigen. Sie werden vom Okina Boda, dem früheren Äquator, getrennt. Durch diverse Ereignisse und physische Bedingungen hat sich das Gesicht der Erde vollkommen verändert. Um den Okina Boda sammelte sich sämtliches Meerwasser. Das Bodameer ist das einzige große Überirdische Gewässer, natürliche Seen und Flüsse sind eine ausgesprochene Seltenheit.
Das Reich Avalon belegt das gesamte Gebiet nördlich des Okina Boda und dort befinden wir uns. Hier sieht man Euphoria als Bedrohung an. Seit Jahrtausenden versuchen sich die zwei Reiche gegenseitig zu zerstören – ohne Erfolg. Längst hat man vergessen wie es zu diesem Krieg kam. An Verhandlungen ist weder im Norden noch im Süden zu denken.
„Ich führe euch nun in den Speisesaal, dort werden wir uns einander vorstellen.“ Ergriff der Truppenführer das Wort, als Kommandant Ace das Schiff verlassen hatte. „Folgt mir bitte.“ Die Jugendlichen lösten dich aus ihrer starren Haltung und trotteten dem Mann, ohne bestimmte Reihenfolge oder Formation, hinterher. Der Weg führte über einige Treppen tief in den Bauch des Kriegsschiffes, welches nach einem der wichtigsten Schiffe einer Geschichte, welche noch vor unsere Zeit geschrieben worden war, benannt war. Im Speisesaal angekommen, erhielten sie die Anweisung sich auf die Stühle an den drei langen Tischen zu setzen. Truppenführer und Kapitän Raul stellte sich an das Ende der Tische, damit jeder eine gute Sicht auf ihn hatte und begann zu sprechen: „Ich heiße euch noch einmal herzlich willkommen auf der Mayflower. Ab heute wird dieses Schiff unter meinem Kommando und eurer Führung stehen. Deshalb möchte ich, dass wir einander vorstellen um schon erste Kontakte zu knüpfen. Das wird uns später nur Vorteile beschaffen. Ich werde direkt anfangen: Mein Name ist Raul und ich bin euer Truppenführer und oberste Offizier – der Kapitän – auf diesem Schiff. Wenn ihr mich sucht, solltet ihr zuerst auf der Brücke vorbeischauen.“ Mit einem Kopfnicken forderte er das Mädchen mit den auffallend roten Augen auf weiter zu machen.
„Mein Name ist Risako.“ begann sie mit zarter Stimme zu sprechen. „Ich stamme aus dem Gebiet des ehemaligen Japans und gehörte dem Bodentrupp an. Wenn wir keinen Einsatz außerhalb des Schiffes haben, findet ihr mich auf der Krankenstation, denn ich bin ebenfalls als Ärztin eingeteilt.“ Die nächste, die weiter machte, hatte orangefarbene Haare und dunkelgrüne Augen.
„Mein Name ist Lacie und ich bin der Fliegerstaffel zugeteilt.“ So stellten sich alle vor. Risako versuchte sich die Namen und Gesichter ihrer Kameraden einzuprägen, welche mit ihr auf der Krankenstation arbeiten würden. Sie hießen Phil, Finnian und Vinusa. Auf Grund der kleinen Besatzung übernahmen viele zwei Aufgaben, deren Posten nicht immer besetzt sein mussten. Bodentrupp, Gefächststation, Fliegerstaffel und Mechaniker übernahmen ebenfalls Aufgaben in der Küche, der Krankenstation, der Lagerkontrolle und der Säuberung des Schiffes. Die Personen am Radar, in der Taktik und der Assistenz des Kapitäns hatten einen vierundzwanzig Stunden Job und waren damit von zusätzlichen Aufgaben ausgenommen.
Es dauerte eine Weile bis sich der letzte, York, vorgestellt hatte. Er war der Gefächststation zugeteilt, ebenso wie der Lagerkontrolle.
„Nun begleitet mich bitte jeder, der dem Bodentrupp, der Gefächststation, der Fliegerstaffel oder den Mechanikern zugeteilt ist.“ ergriff Raul das Wort „Ihr werdet gemeinsame Schlafsälen im inneren des Schiffsbauches haben. Die anderen sind weiter oben, nahe der Brücke platziert.“ Und erneut begann eine Wanderung über den weißen Boden des Schiffes. Die Mayflower war auf dem neusten Stand der avalonischen Technik, dies war auch nötig, da Euphoria ebenfalls ständig aufrüstete. „So, hier sind die zwei Schlafsäle. Bis auf die strikte Trennung von männlich und weiblich habt ihr freie Wahl der Betten. Die Jungen bitte in diesen“ Raul deutete nach rechts „und die Mädchen in diesen.“ Der deutet auf den, welcher auf der gegenüberliegenden Seite des Ganges war. Während sich die Jugendlichen in die Säle verteilten, ging der Truppenführer zurück um den anderen sieben Mädchen den ihren zu zeigen. Risako folgte den Mädchen in den engen Schlafsaal. Zwölf Betten waren dort in die Wände gebaut. Sechs Hochbetten auf jeder Seite. Unsere Protagonistin entschied sich für das untere Bett, welches gleich links neben der Tür war. Sie setzte sich darauf und stellte den Rucksack neben sich. In diesen hatte alles passen müssen, was sie mit auf See nehmen wollten.
„Hey, Risako.“ Das Mädchen, welches auf dem Bett über ihr lag, streckte den Kopf zu ihr herunter. „Diese Nanami aus dem Radartrupp kommt doch aus dem gleichen Gebiet wie du, kennt ihr euch?“ Die Angesprochen schüttelte den Kopf.
„Ihr Name und ihr Gesicht kommen mir jedenfalls nicht bekannt vor. Woher kommst du doch gleich?“
„Britannien.“ grinste Venice und sprang von ihrem Bett um sich neben Risako niederzulassen. „Das ist das einzige richtige Land am Nordpol!“ Das Britannien dieser Zeit ist uns besser bekannt als Vereinigtes Königreich von Großbritannien. Es wanderte in den vergangenen 35.000 Jahren mit rasender Geschwindigkeit zum geschmolzenen Nordpol und als dieser vor 5.000 Jahren wieder gefror, wurde Britanniens Königin zur Schneekönigin ernannt.
„Komischerweise scheinen Rayla und ich die einzigen zu sein, die sich kennen.“ meinte Lacie und nickte in Richtung des Mädchens, welches mit ihr die Fliegerstaffel bildete.
„Ich dachte auch, dass ich hier jemand aus der Akademie treffen würde.“ mischte sich ein weiteres Mädchen ein, welches den Namen Viviana trug. „Ich komme aus Russland, genau wie Alejandra, und wir kennen uns auch nicht.“
„Ich scheine die einzige aus Finnland zu sein.“ meldete sich ein grauhaariges Mädchen zu Wort. So vertraut euch die Namen der Länder vielleicht vorkommen mögen, im 41. Jahrtausend sind es nur Gebiete, die danke Berechnungen und Geographischer Überwachung den Ländern einer vergangenen Ära zugewiesen werden konnten. Nicht alle Länder sind, wie Britannien und Japan, an einem Stück geblieben. Deutschland oder Russland wurden gespalten und die ehemals griechischen Inseln bilden nun das Schlachtfeld am Okina Boda, ebenso wie der Mount Everest, welche eine eigene Insel bildet. Es gibt sogar Länder, wie Ägypten oder Syrien, die sich auf Avalon und Euphoria verteilt haben. Du würdest diese Erde wohl als katastrophal und chaotisch bezeichnen, doch für diese Jungen und Mädchen ist die Erde unserer Zeit nur eine Zeichnung auf Papier.
Sie waren alle in Schweigen gehüllt, als Nikos die Türe öffnete.
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