Im Feuersturm der Gefühle

von Feyana
GeschichteDrama, Romanze / P18
16.02.2016
07.05.2019
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Im Feuersturm der Gefühle


Neue Schüler

- Kapitel 1 -



Missmutig stand Lana an der Bushaltestelle. Die Ferien waren zu Ende und heute begann wieder die Schule. Zum Glück regnete es nicht an diesem Morgen, so dass sie wenigstens nicht total durchnässt in der Schule ankommen würde.
Als der Bus vorfuhr, stieg Lana langsam ein. Im Bus war es schon relativ voll und eine feuchte, warme Luft schlug ihr entgegen, so dass sie meinte fast ersticken zu müssen. Lana hasste Bus fahren. Sie hasste das Geschaukel, das ihr eine widerliche Übelkeit verursachte, auch konnte sie die Enge, die drinnen herrschte, nicht ertragen und es war ihr einfach immer zu laut.
Grundsätzlich fühlte sich Lana im Gedränge vieler Menschen äußerst unwohl. Sie war es gewohnt allein zu sein. Besonders hier in Forks hatte sie nicht viel Kontakt zu Gleichaltrigen. Einzige Ausnahme war ihre Freundin Nancy.
Genervt schob sie ihren schwarzen Stoffrucksack zurecht und hielt sich an einer der senkrechten Stangen im Bus fest. Der Bus setzte sich ruckelnd in Bewegung und Lana versuchte so wenig wie möglich mit anderen zusammen zu stoßen. Sie ärgerte sich darüber, dass sie heute so spät aufgestanden war. Wäre sie früher dran gewesen, hätte sie zu Fuß laufen können. Aber das nutzte ihr jetzt nichts. Sie musste es einfach ertragen.
Als der Bus etwas abrupt an der nächsten Haltestelle stoppte, wurde sie leicht nach vorn geschleudert. Um nicht hinzufallen, machte sie einen kleinen Schritt nach vorn und trat dabei einem Jungen auf den Fuß.
„Pass doch auf!“, fuhr er sie direkt an und schubste sie wieder zurück.
„Tschuldigung.“, sagte sie leise und senkte den Kopf. Sie klammerte sich noch fester an die Haltestange und hätte sich am liebsten tatsächlich unsichtbar gemacht. Nervös leckte sie sich über ihre trockenen Lippen, als sie merkte, dass sowohl der Junge, als auch sein Freund sie von oben bis unten musterten.
Ihre Blicke durchbohrten sie. Sie wirkten kalt, düster und bedrohlich auf das junge Mädchen. Eine unangenehme Gänsehaut breitete sich über ihren Rücken aus und ließ sie frösteln.
„Ey sieh dir das mal an!“, sagte der, den sie versehentlich getreten hatte und lachte dabei höhnisch als er auf sie zeigte. Sein Freund lachte ebenfalls.
„Oh man, die ist so hässlich, die pinkelt nicht mal ein Hund an.“, grölte er laut durch den ganzen Bus, so dass sich noch mehr Köpfe zu ihr umdrehten. Lana hörte, wie einige in das Lachen einstimmten.
Aus einem Reflex heraus, schloss sie die schwarze Sweatshirt Jacke und versteckte so ihr schwarzes Top mit dem neongrünen Bandaufdruck "Within Temptation", dass sie mal auf einem Konzert gekauft hatte. Sie zog die Jacke noch etwas enger um sich und senkte betreten den Kopf. Das junge Mädchen verschränkte die Arme vor ihrer Brust und versteckte so ihre deutlich weiblichen Rundungen. Ihr fielen die dunkelbraunen welligen Haare, die ihr bis zur Mitte des Rückens reichten, über die Schultern nach vorne und verbargen so den größten Teil ihres eigentlich hübschen Gesichts. Tränen bildeten sich langsam in ihren stahlblauen Augen, denn die Beschimpfungen der beiden Jungen hallten noch deutlich in ihrem Kopf wieder. Vogelscheuche, Pennerbraut hatten sie ihr verächtlich entgegen gebrüllt!
Ihr Blick fiel auf ihre roten ausgetretenen Sneaker. Das einstige weiß war schlammig braun und schmutzig. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie wohl ihre älteste Jeans angezogen hatte, denn der Saum war ausgefranst, an den Knien zeigten sich bereits die ersten kleinen Löcher und auch an anderen Stellen war der Stoff so dünn, dass er bald reißen würde. Das frühere schöne dunkle Blau war ausgewaschen und wirkte eher wie ein schmutziges Graublau.
Die beiden Jungen schüttelten angewidert den Kopf. Es tat ihr weh zu hören, was sie von ihr hielten und als hätten sie ihre Gedanken gehört, packte der Größere sie grob am Arm, so dass sie ihm erschrocken ins Gesicht sah.
"Wer dich fickt ist echt zu faul zum Wichsen!", die beiden Jungen fingen laut an zu lachen und wendeten sich dann aber ab von ihr. Ein quälender Schmerz zog von der Stelle aus über ihren ganzen Arm, doch die Worte verletzten sie mehr.
Noch mehr Tränen traten in ihre blauen Augen und liefen ihr langsam über die Wangen. Sie verschleierten zwar ihre Sicht, nur leider nicht den inneren Schmerz, den sie durch diese Demütigung nur allzu deutlich in ihrem Herzen fühlte. Der Verzweiflung nahe kramte sie mit zittrigen Händen in ihrer Jackentasche.
Endlich ertastete sie ihren alten verkratzten MP3-Player. Hastig steckte sie sich die Kopfhörer in die Ohren und startete das Gerät. Sofort dröhnte ihr der vertraute harte Klang von Schlagzeug und E-Gitarren ihrer Lieblingsband ACDC in den Ohren und machten es ihr möglich, ihre Umwelt nach und nach einfach auszublenden.

Lana hieß mit richtigem, vollständigem Namen Lashandra Danica Graham, wurde aber von allen eigentlich nur Lana gerufen. Nach der Trennung ihrer Eltern, war sie mit ihrer Mutter von Chicago nach Forks gezogen. Von der pulsierenden, lebendigen Großstadt in das ruhige beschauliche Kuhdorf.
Hier passierte nichts Aufregendes, naja eigentlich passierte hier nie auch nur irgendetwas.
Ihre Mutter Ruby stammte ursprünglich aus diesem Ort, war aber mit ihren Vater Adam nach deren Hochzeit nach Chicago gezogen, da er dort ein erfolgreicher Unternehmer war.
Doch leider war die Ehe der beiden nicht glücklich gewesen.
Und als sich ihre Eltern dann vor einem Jahr endgültig getrennt hatten, war Ruby mit Lana im Schlepptau, in ihre geliebte Heimat zurückgekehrt. Ruby fühlte sich hier viel wohler als in der großen Stadt, wie es allerdings ihrer Tochter damit ging, das hatte sie nie gefragt.
In Chicago hatte Lana ihre Freunde gehabt, mit denen sie viel unternommen hatte. Sie hatte sogar in einer Band gesungen, denn Lana hatte eine wirklich schöne Singstimme.
Nach dem Umzug allerdings konnte Lana nicht mehr singen, es gab keine Band für sie in Forks und auch ihre sogenannten Freunde hatten sich nicht ein einziges Mal bei ihr gemeldet, nachdem sie Chicago den Rücken gekehrt hatte. Anfangs hatte Lana noch versucht mit ihnen über Mail und Skype in Kontakt zu bleiben, aber da sie kaum Antworten von ihnen bekam, hatte sie es irgendwann aufgegeben.
Ihrer Freunde und ihrer Musik beraubt, fiel es dem jungen Mädchen sehr schwer Anschluss in der neuen Schule zu finden. Sie passte einfach nicht in das Leben einer kleinen Stadt. Es gab hier nichts für sie, was sie von ihrer inneren Leere ablenken konnte. Verlacht und gedemütigt von den Mitschülern, da sie sich optisch deutlich von ihnen unterschied, hatte Lana sich in sich selbst zurückgezogen und keinen mehr an sich heran gelassen. Nur Nancy, die anfangs mit viel Geduld und ihrer Hartnäckigkeit Lana immer wieder angesprochen hatte, akzeptierte sie dann in ihrer Nähe. Und daraus hatte sich tatsächlich eine tiefe Freundschaft entwickelt.

Endlich hielt der Bus an der Schule an und Lana floh aus dem stickigen Inneren des Gefährts. Die frische Luft tat ihr gut und Lana atmete tief durch.
Sie erklomm die ersten Stufen der breiten Treppe, die in direkter gerader Linie zum Schulgebäude hinauf führten, blieb dann aber auf der Hälfte der Treppe auf einem Absatz an der Seite stehen. Sie blickte sich um. Vor der roten doppelflügeligen Eingangstür des hellen Backsteingebäudes standen ihr noch eindeutig zu viele Schüler herum.
Sie hatte keine Lust auf die abwertenden Blicke und die dummen Bemerkungen mit denen sie immer von einigen Leuten empfangen wurde. Zum Glück läutete es aber genau in diesem Moment und die Schüler begannen in das Gebäude zu strömen. Lana klammerte sich mit der linken Hand an dem kühlen Geländer fest und beobachtete die Jugendlichen, die eilig auf das Gebäude zustrebten. Es gab ihr ein beklemmendes Gefühl wieder hier zu stehen. Der Ort, wo sie jeden Tag aufs Neue gezeigt bekam, dass sie nicht hier hin gehörte.
Nur das Wissen, dass es ihr letztes Jahr auf dieser Schule sein würde, hatte ihr an diesem Morgen die Kraft gegeben, überhaupt aufzustehen und hier her zu kommen.
Dann traten fünf Mitglieder der La-Push-Gang in ihr Blickfeld, die gemächlich auf das Gebäude zu schlenderten. Fünf große kräftige Jungs mit bronzefarbener Haut und schwarzen kurzen Haaren, denn sie waren indianischer Herkunft. Alle fünf waren nur mit T-Shirts und kurzen Hosen bekleidet. Sie liefen immer in diesem Aufzug herum, egal welches Wetter oder welche Jahreszeit war. Sie schienen wirklich nie zu frieren.
Lana kannte sie eigentlich nur vom Sehen. Sie waren, so wie sie selbst, öfter mal am Strand zu finden und dadurch, dass sie alle groß und kräftig waren und sich immer gemeinsam herum trieben, fielen sie einem auch immer sofort ins Auge.
Lana runzelte leicht die Stirn. Eigentlich gingen die fünf nicht hier auf die Schule, sondern auf ihre eigene im Reservat. Was also taten sie hier?
Sie beobachtete die Gruppe von Jungen eine Zeit lang, wie sie sich langsam dem Schulgebäude näherten, während sie sich lautstark unterhielten, lachten und scherzten. Lana spürte wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete und senkte verlegen den Kopf noch etwas mehr, damit niemandem auffiel, dass sie die Jungen beobachtete.
Nervös knetete sie ihre Hände vor ihrem Bauch, wie ein kleines Kind, das vor dem Nikolaus ein Gedicht aufsagen muss. Ihr Blick glitt wie magnetisch angezogen zu dem größten und kräftigsten von ihnen hinüber. Paul!
Lana schluckte trocken und merkte wie sich ihr eigener Herzschlag beschleunigte. Ein sanftes Kribbeln bildete sich in ihrer Magengegend und sie musste ihre Lippen fest aufeinander beißen um nicht laut aufzuseufzen.
Sehnsucht lag in ihrem Blick, als sie ihn so beobachtete. Groß, kräftig und athletisch gebaut war er. Sein markantes Gesicht hatte immer einen leicht mürrischen Zug, außer wenn er lachte, was er recht häufig tat. Dann strahlten seine tief dunkelbraunen Augen so, als ob sie alle Freude der Welt in sich bargen. Seine ebenmäßigen, weißen Zähne setzten sich deutlich von seiner bronzefarbenen Haut ab, die in der Sonne so schimmerte, als ob sie flüssiges Karamell wäre. Seine tiefe sonore Stimme schien ihr Herz berühren zu können, so als ob man bei einer Gitarre eine Saite anschlägt, die pures Glück verströmt.
Wie so oft trug er ein ärmelloses schwarzes Shirt, so dass Lana seine starken muskulösen Arme bewundern konnte. Auf dem rechten Oberarm prangte sein Tattoo, von dem sie allerdings nicht wusste, was es darstellen sollte. Es war ein runder Kreis, der mit verschiedenen Formen und Linien ausgefüllt war. Jeder der fünf trug dieses Symbol, auch genau an der gleichen Stelle. Was es wohl bedeutete?
Auch nach mehreren missglückten Rechchereversuchen kam Lana leider nicht hinter die offensichtlich indianische Bedeutung dieses Tattoos.
Als die fünf Jungen den Fuß der Treppe erreichten, hörte Lana eine kurze Bemerkung von einem der Jungen.
„Na mal gucken, was hier so los ist, wenn wir die nächsten Monate hier zur Schule gehen dürfen.“, sagte einer der Jungen, in dem Lana Embry erkannte.
„Müssen, Embry, müssen.“, warf Jared ein.
„Wir sollen uns im Sekretariat melden.“, nickte der den sie Jake nannten zustimmend.
„Ach, scheiß Brand. Ich habe überhaupt keinen Bock auf den Kack hier.“, moserte Jared und rümpfte theatralisch die Nase dabei.
Bei diesen Worten stieg in Lana eine Erkenntnis hoch. Sie erinnerte sich wieder an den Zeitungsbericht der auf der Titelseite der kleinen ortsansässigen Zeitung gestanden hatte. Vor zwei Wochen hatte es im Reservat gebrannt und einige öffentliche Gebäude waren den Flammen zum Opfer gefallen. Darunter war auch die Schule gewesen. Wahrscheinlich wurden deswegen alle Indianerkinder kurzerhand hier mit eingegliedert, denn laut den Zeitungsberichten würde es noch lange dauern, bis alle Gebäude wieder soweit hergerichtet waren, dass sie wieder benutzt werden konnten.
Am liebsten hätte Lana jetzt wieder kehrt gemacht und wäre nach Hause gegangen. Sie hoffte nur, dass keiner dieser Jungen zu ihr in die Klasse kommen würde, denn sie waren alle in ihrem Alter.
Fest umschlossen ihre kalten Finger das Metallgeländer. Die Kälte, die sich in ihrem Körper ausbreitete, ließ sie frösteln. Sie senkte den Kopf noch etwas mehr nach unten, um das Gefühl der Sicherheit noch etwas zu verstärken, ließ Paul dabei aber nicht eine einzige Sekunde aus den Augen. Als sie jedoch immer näher kamen, sah sie wie Paul den Kopf wendete und zu ihr hinüber sah.
Schnell drehte Lana sich um und blickte in die andere Richtung. Krampfhaft versuchte sie den Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte hinunter zu schlucken. Sie starrte auf einen Punkt am Horizont. Dann atmete sie dreimal tief ein und aus und versuchte ihre Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen und den Kloß in ihrem Hals durch heftiges Schlucken endlich los zu werden.
Sie schwärmte schon lang von ihm, auch wenn sie genau wusste, dass er sie noch nicht einmal wahrgenommen hatte.
Sie hatten noch nicht einmal ein paar Worte gewechselt. Sie hatte ihn immer nur gesehen, manchmal von weitem und selten auch mal von Nahem. Aber ein einziger Blick hatte bei ihr ausgereicht, dass sie sich extrem stark von ihm angezogen fühlte. Er wirkte immer so souverän, so selbstsicher. Sie hatte nie gesehen, dass ihm jemand widersprach und sie vermutete, dass er der Anführer der Gang war.
Aber was wollte so ein gut aussehender, kräftiger Mann mit so einem Mauerblümchen wie ihr? Es war einfach total absurd, dass sie irgendetwas an sich hatte, das er anziehend finden konnte. Aber dennoch träumte Lana oft von ihm. Und in ihren Träumen beachtete er sie. Er sah sie mit seinen wunderschönen dunklen Augen an und zog sie in seine starken Arme. Sie konnte ihm nah sein, ihn spüren, mit ihm reden und lachen. Aber es waren halt nur Träume.
In der Realität hatte er nicht einen einzigen Blick für sie übrig. Also versuchte sie ihre Hoffnungen auf Liebe und Glück mit ihm zu Grabe zu tragen. Aber das funktionierte leider nicht, denn jedes Mal wenn sie ihn sah, erhoben sich die tausend Schmetterlinge in ihrem Bauch und ihr schneller schlagendes Herz zeigte ihr ganz deutlich, dass es nicht so einfach war, den Gedanken an ihn wieder los zu werden.

Als die junge Frau sich wieder umdrehte, waren fast alle Schüler im Gebäude verschwunden. Sie würde sich jetzt sputen müssen, sonst würde sie zu spät kommen und wieder unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mit eiligen Schritten strebte sie die Treppe hinauf, trat in das Gebäude ein. Sie hetzte die Gänge entlang und betrat schließlich leicht außer Atem den Klassenraum. Mrs. Howland, ihre Klassenlehrerin war zum Glück noch nicht anwesend. Sie schaltete den MP3-Player aus und ging zu ihrem Platz in der ersten Reihe, direkt an der Tür. Sie saß gern dort. So konnte man immer nach dem Unterricht schnell die Klasse verlassen und entging so vielen spottenden Blicken und Bemerkungen.
Lana sah zum Platz von Nancy hinüber, die direkt neben ihr saß. Erleichtert stellte sie fest, dass ihre Freundin auch schon da war. Das Mädchen ließ ihren Blick über ihre Freundin gleiten. Nancy saß auf ihrem Stuhl und war ganz konzentriert am Zeichnen. Anscheinend hatte sie sich ihre sonst langen blonden Haare kurz geschnitten und trug jetzt einen leicht verwuschelten Bob. Dazu hatte sie sich eine lange blonde Strähne auf der rechten Seite Pink gefärbt. Ihre linken Augenbraue zierte ein kleines Piercing, das vor den Ferien noch nicht dort gewesen waren. Erst jetzt bemerkte sie Lana. Die sanften braunen Augen leuchteten freudig auf und sie schenkte Lana ein strahlendes Lächeln. Nancy erhob sich und umarmte Lana überschwänglich. Heute trug Nancy eine dunkle Jeans und dazu ein pinkes Shirt passend zu ihren Haaren. Nancy war nicht unbedingt dünn, sondern eher etwas pummelig. Aber sie war der liebste Mensch den Lana hatte.
Die blonde Frau drückte Lana so herzlich dass ihr fast die Luft weg blieb. Immer, wenn sie Nancy so nahe war, konnte sie ihren blumig süßen Duft wahrnehmen, den sie jeden Tag auftrug.
„Hey Lana sieh doch mal, ich hab mir in den Ferien neue Schuhe gekauft.“, präsentierte sie stolze ihre schwarzen Sneaker, von deren Seiten einem der neonpinke Bandaufdruck von „Nightwish“ fast entgegen sprang.
„Und nicht nur das, du hast deine Haare abgeschnitten. Cool, sieht echt heiß aus.“, erwiderte Lana lächelnd. Ihr gefiel die neue Frisur ihrer Freundin richtig gut. Sie wirkte dadurch einfach viel attraktiver und frecher als zuvor.
Lana stellte ihre Tasche neben ihren Tisch ab und ließ sich auf den harten Holzstuhl fallen. Sie zog ihre Ohrstöpsel aus ihren Ohren und ließ sie wieder zurück in ihre Jackentasche gleiten.
„Oh man, der Zombie ist ja immer noch hier.“, hörte sie die höhnische Stimme von Dean Thomas, einem ihrer Mitschüler und sie wusste sofort, dass sie gemeint war. Sie versuchte diese bissige Bemerkung zu ignorieren und kramte in ihrer Tasche herum um sich irgendwie zu beschäftigen. Wie ein Messerstich drangen diese Worte tief in ihr Herz und zeigten ihr sehr deutlich, warum sie nicht hier sein wollte. Die tägliche Folter der bösen Bemerkungen, die jeden Tag auf sie herein prasselte, würde also auch in diesem Schuljahr nicht verstummen.
„Hehe, ja auf dem Friedhof nehmen die halt auch nicht jeden.“, ertönte die hämische Äußerung von Aubrey Jenkins, die ihr darauf hin noch ein bösartiges Lächeln schenkte. Doch auch darauf hin, reagierte Lana nicht. Sie reagierte nie auf solche Bemerkungen. Es änderte nichts und je mehr sie dagegen aufbegehrte, desto mehr wurden die Beleidigungen. Das wusste sie aus leidvoller Erfahrung.
Kurze Zeit später betrat Mrs. Howland den Raum und begann mit dem Unterricht. Lana war froh darüber, nicht noch mehr Beleidigungen hören zu müssen und war Mrs. Howland überaus dankbar genau im richtigen Moment das Klassenzimmer betreten zu haben.
Als erstes schrieb die Lehrerin den Stundenplan für das erste Halbjahr an die Tafel, erklärte ihnen einige Neuerungen in der Kantine und teilte einige Listen aus. Dann erzählte sie etwas über die bevorstehenden Projekte. Sie war gerade fertig geworden als es an der Tür klopfte.
„Herein.“, rief sie laut und sofort wurde die Tür geöffnet.
Der Direktor, Mr. Norrington, stand dort und neben ihm erschien Jacob Black und Embry Call in der Tür. Lana zog scharf die Luft ein und merkte, wie sie sich verspannte.
„Diese beiden jungen Männer wurden ihrer Klasse zugeteilt.“, sagte er kurz angebunden.
Mrs. Howland nickte bestätigend. Lana vermutete, dass sie vorher schon Kenntnis davon gehabt hatte, dass ein paar der Reservatsschüler in ihre Klasse kommen würde.
„Ich denke sie werden alle Formalitäten regeln.“, sprach der Direktor weiter und als Mrs. Howland erneut nickte, verließ er sofort wieder den Raum. Wahrscheinlich musste er die anderen Schüler aus dem Reservat auch noch unterbringen und das würden einige sein.
Lana war in der ersten Sekunde bloß froh, dass es Jacob und Embry waren, die in ihre Klasse kamen und nicht Paul. Sie hätte nicht die ganze Zeit mit Paul in einem Raum sitzen können. Es hätte sie viel zu nervös gemacht.
Lana blickte stur auf ihr Heft um bloß nicht aus versehen im direkten Blickkontakt mit einem von den beiden Indianerjungen zu geraten. Am liebsten hätte sie sofort wieder ihre Ohrstöpsel in die Ohren gesteckt und die Musik angemacht, aber das ging natürlich nicht. Sie ließ sich ihre Haare noch etwas tiefer ins Gesicht fallen und spähte dann durch den dunkelbraunen Vorhang auf die beiden Neuankömmlinge. Ihr Herz pochte so heftig in ihrer Brust, dass es ihr schon fast weh tat und auch ihre Atmung ging schnell und flach.
„Gut, sagen sie mir bitte kurz ihre Namen?“, begann die Lehrerin direkt nachdem sich die Klassentür wieder geschlossen hatte.
„Jacob Black.“, erwiderte der größere von den beiden freundlich und lächelte sogar ein wenig dabei. Irgendetwas schien ihn zu amüsieren. Auch Embry lächelte als er seinen Namen nannte.
Ob sie über sie lachten? Aber dafür gab es eigentlich keinen Grund. Ärgerlich versucht Lana diesen Gedanken zu verdrängen.
„Gut, Jacob und Embry. Ich versuche es mir zu merken. Ich bin Mrs. Howland ihre Klassenlehrerin. Ich unterrichte Englisch und Geschichte. Suchen sie sich doch einfach einen freien Platz, damit wir dann mit dem Unterricht fortfahren können.“
Die beiden jungen Männer befolgten die Anweisung und nahmen irgendwo weiter hinten im Klassenzimmer platz. Nervös biss sich Lana auf ihre Lippen. Sie widerstand dem Drang sich umzudrehen, denn es konnte ihr gleich sein, wo sich die beiden hinsetzten, solange sie von ihnen in Ruhe gelassen wurde. Aber warum sollte Jacob oder Embry ihr auch Beachtung schenken. Nur weil sie in Paul verknallt war? Und warum zum Kuckuck machte sie ihre Anwesenheit so nervös? Sie presste ihre Handflächen fest gegeneinander und versuchte wieder ruhiger zu atmen und ihre Aufmerksamkeit auf Mrs. Howland zu richten. Der Unterricht zog sich endlos langsam dahin und Lana gelang es tatsächlich wieder ruhiger zu werden, auch wenn sie die Anwesenheit der beiden Jungen nicht eine einzige Sekunde vergaß.
Die folgenden Stunden verliefen genauso ereignislos wie die ersten. Und das sollte sie ein ganzes Schuljahr ertragen müssen? Missmutig kritzelte sie auf ihrem Block herum und als es schließlich zur Pause klingelte, sah die Schülerin kurz zu ihrer Freundin hinüber und beide gingen wie auf Kommando sehr schnell aus dem Klassenzimmer.
Die jungen Mädchen verließen eilig das Schulgebäude an der Seitentür. Eine große weitläufige Grasfläche lag vor ihnen, die teilweise von Wegen durchzogen wurde und auf der an einigen Stellen festmontierte Tische und Bänke standen. Auch einige große Bäume zierten diese Fläche, die an heißen Sommertagen einen angenehmen Schatten spendeten. Die beiden Schülerinnen setzten sich weit abseits vom hauptsächlichen Geschehen unter einen großen Baum in der Nähe des Zaunes, der das Schulgelände begrenzte. Hier gab es keinerlei Bänke oder Tische, doch das störte die beiden nicht. Sie setzten sich einfach auf den Boden und ließen sich ihr mitgebrachtes Essen schmecken. Sie gingen selten in die Kantine. Es war dort immer laut und voll. Außerdem wären sie dort auch auf engsten Raum mit den Leuten zusammen gewesen, denen sie am liebsten aus dem Weg gingen.
„Warum sind eigentlich die La Push Jungs hier?“, fragte Nancy gerade, die mit ihren Augen den fünf jungen Leuten folgte, die ebenfalls das Schulgebäude verlassen hatten.
„Ich vermute mal wegen dem Brand im Reservat. Aber von den Lehrern hat ja bisher keiner ein Wort darüber verloren.“
Nancy nickte nachdenklich.
„Ich schätze mal, dass wir sie dann wohl etwas länger bei uns in der Klasse haben.“, sinnierte die Blonde und sah ihre Freundin abschätzend an.
Lana nickte.
„Ja, das glaube ich auch. Solange sie mich in Ruhe lassen ist mir das gleich.“ erwiderte sie in gleichgültigen Ton.
„Ist dir das wirklich gleich? Immerhin ist Paul ja auch hier.“, fragte Nancy etwas erstaunt.
Lana nickte erneut.
„Wie gesagt, so lange er und die anderen mich in Ruhe lassen, kann er sogar neben mir sitzen.“, sagte sie leichtfertig. Aber das war natürlich glatt gelogen. Nicht ein einziges Wort davon stimmte. Zwar wusste sie, dass Paul sie mit Sicherheit in Ruhe lassen würde, aber gleichgültig war es ihr nicht. Manchmal kam es ihr so vor, als ob sie seine Anwesenheit fast körperlich spüren konnte. Und jetzt wo sie wusste, dass er hier ganz in der Nähe war, wollte ihr Herz sich überhaupt nicht mehr beruhigen.
Nancy beäugte ihre Freundin eine Zeit lang.
„Ist ja nett gesagt, Lashandra Graham, aber das kannst du vielleicht allen anderen weiß machen. Mir aber nicht. Ich weiß ganz genau, dass es schlicht und ergreifend einfach gelogen ist.“, sagte die Blonde schließlich.
Gequält verzog Lana ihr Gesicht. Ihre Freundin kannte sie einfach zu gut und leider hatte sie ihr einmal, als sie betrunken gewesen war, ihre Liebe zu Paul gestanden.
Zwar hatte Nancy sie verstanden, denn alle fünf Jungs sahen echt heiß aus, aber beide wussten auch, dass es eine hoffnungslose Liebe war. Lana bezeichnete es immer als Narretei des Herzens. Aber an ihren Gefühlen für diesen Jungen änderte das nichts. Eigentlich hatte Lana die Hoffnung gehabt, dass es von selbst aufhören würde. Überhaupt weil Paul ja eine Frau nach der anderen hatte. Aber weder dieser Umstand, noch dass er sie schon über ein Jahr nicht ein einziges Mal beachtet hatte, dämpfte ihre Gefühle für ihn.
„Wie läuft es eigentlich mit dir und Michel?“, fragte Lana schließlich, nur um ein Schlussstrich unter das Thema La-Push-Gang und Paul zu setzen.
Michel Hobbs war Nancys heimlicher Schwarm. Aber auch er hatte Nancy keine große Beachtung geschenkt. Er ging in ihre Klasse und war ein absolutes Mathe- und Physikgenie. Er war bei den Frauen aber nicht so beliebt, schon weil seine äußere Erscheinung nicht so ansprechend war. Michel war blond, groß und etwas pummelig und trug eine dicke Hornbrille auf der Nase. Er war recht still und während der Pausen las er meistens in irgendwelchen Büchern und beachtete seine Umwelt kaum. Die beiden Mädchen hatten noch nie beobachtet, dass er sich überhaupt für das weibliche Geschlecht interessierte und von daher hatte sich Nancy auch noch nie getraut ihn mal anzusprechen. Allerdings räumte Lana Nancy weitaus größere Chancen einmal mit ihm zusammen zu kommen, als sie sich selbst bei Paul.
„Unverändert.“, antwortete die Blondine resignierend.
„Ich habe immer noch nicht mit ihm gesprochen.“, gestand sie und verzog leicht das Gesicht. Die beiden Mädchen begannen eine Diskussion darüber, wie man die Aufmerksamkeit eines Mannes auf sich ziehen könnte und kamen auf immer witzigere und ausgefallenere Ideen. Leise kichernd und teilweise laut lachend schilderten sie sich gegenseitig die verrücktesten Ideen.
Als es wieder zur nächsten Stunde läutete, ließen sich die beiden Mädchen Zeit zurück zu ihrem Klassenraum zu gehen. Sie hatten es nicht eilig und Lust auf Unterricht hatten sie auch nicht. Mathe bei Mr. Porter. Lana mochte Mathe eigentlich recht gerne. Auch mit Mr. Porter kam sie gut aus, aber trotzdem merkte die junge Frau, dass es ihr schwer fiel sich zu konzentrieren. Immer wieder wurde ihr bewusst, dass die beiden Indianerjungen mit im Klassenraum saßen, denn sie beteiligten sich recht viel in dieser Stunde und allein durch ihre Anwesenheit wurde sie immer wieder an Paul erinnert, dessen Antlitz sie kaum mehr aus ihrem Kopf verbannt bekam.

Endlich klingelte es zum Schulschluss. Freudig packten die beiden Mädchen ihre Sachen zusammen und verließen das Gebäude um sich langsam auf den Heimweg zu machen.
„Wie war es eigentlich in Boston?“ wollte Lana wissen.
„Ach es war toll. Das Wetter war schön und total warm. Anders als hier. Also wenn ich später mal wirklich auf die Uni gehen will, könnte ich mir durchaus vorstellen dorthin zu gehen....“ Nancy fing das schwärmen an. Sie schilderte mit aller Detailtreue die alten Gebäude, die belebten Plätze und schwärmte besonders von den vielen Straßenmusikanten, die man dort abends beobachten konnte. Sie schlenderten in aller Ruhe aus dem Schulgebäude und Nancy erzählte so ziemlich alles, was sie in den Sommerferien erlebt hatte.
„Soll ich dich mit zu mir nach Hause mitnehmen?“, fragte Nancy, als sie den Parkplatz erreicht hatten. Sie hatte schon einen Führerschein und ein Auto. Es war zwar nur ein alter verbeulter blauer Chevy, genauer gesagt ein Chevrolet Celebrity aus dem Jahre 1984, der seine besten Tage schon lange hinter sich hatte, aber das war besser als nichts. Lana hatte weder einen Führerschein noch ein Auto, denn dafür war das Geld einfach nicht da.
Die junge Frau ließ ihren Blick über den Parkplatz gleiten und wie automatisch blieb ihr Blick an Paul hängen. Sie verfluchte sich fast selbst dafür, diesen Rundblick gemacht zu haben. Eigentlich hatte sie auch nicht wirklich damit gerechnet, dass er noch hier war. Aber er und seine Kumpels standen alle noch dort. Paul stand eng umschlungen mit Caren da und die beiden küssten sich leidenschaftlich. Lana spürte einen herben Stich in ihrem Herzen und krallte die Fingernägel ihrer rechten Hand in ihren linken Arm. Sie wusste selbst nicht warum es ihr so weh tat zu sehen, wenn Paul eine andere Frau küsste. Er hatte sie noch nie beachtet, noch nie mit ihr gesprochen. Sie wollte so gerne Luft für alle anderen sein, außer für ihn. Doch ausgerechnet er war eigentlich der einzige, der sie noch nie eines Blickes gewürdigt hatte. Noch nicht mal abfällig hatte er sie betrachtet, wie es so viele andere taten. Sie biss sich hart auf ihrer Zähne um sich irgendwie abzulenken und wandte schließlich fast schon angewidert ihren Blick ab.
„Wir könnten was zusammen essen und den Nachmittag über ein paar Filme ansehen.“
Normalerweise machte das Lana recht gerne, denn sie mochte die Gesellschaft von Nancy, die ihr immer so unbeschwert und sorgenfrei vorkam. Heute allerdings hatte sie genug von anderen Menschen und wollte lieber etwas allein sein.
Sie blickte ihrer Freundin leicht lächelnd in die Augen.
„Heute nicht, Nancy. Ich hab noch einiges zu erledigen.“
„Das ist eine ganz lahme Ausrede.“, erwiderte die Blonde postwendend.
„Ich habe deinen Blick ganz genau gesehen. Du solltest ihn besser vergessen. Er hat ja noch nicht einmal bemerkt, dass du existierst. Du wirst ihn nie haben können.“, fügte Nancy hinzu.
Leicht betreten senkte Lana den Kopf und nickte dann.
„Ich weiß“, seufzte sie und das Herz wurde ihr noch schwerer als es ohnehin schon war. Lana ballte ihre Hände zu Fäusten und spürte eine Verbitterung in sich aufsteigen.
„Aber trotzdem. Meine Mutter hat gestern den Abend zusammen mit Tom im Haus verbracht und die beiden haben ein ziemliches Chaos in der Küche hinterlassen.“, sagte sie dann leise als sie wieder ihren Kopf hob. Mit aller Macht versuchte sie die aufsteigenden Tränen hinter der hohen Mauer einzusperren, die ihre Gefühle recht zuverlässig vor der Außenwelt verbarg. Dick und hoch erhob sich diese Mauer in ihrem Inneren, die sie in all den leidvollen Jahren die sie durchleben musste, errichtet hatte. Sie sperrte die Menschen aus und die Gefühle ein und beides, war sehr wichtig für Lana, sollte doch niemand wissen, wie es wirklich in ihr aussah.
Natürlich war das mit ihrer Mutter wieder eine Ausrede und kein einziges Wort wahr davon. Aber sie hatte keine Lust sich noch weiteren Überredungsversuchen von Nancy auszusetzen. Sie brauchte Ruhe, sie musste ihre Gefühle ordnen, auch wenn sie das nicht einmal vor ihrer Freundin zugeben würde.
Jeden Tag, sie würde ihn ab jetzt jeden Tag sehen und sie wusste noch nicht wirklich, wie sie damit umgehen sollte.
Nancy seufzte leicht und verdrehte die Augen.
„Das du deiner Mutter den Dreck hinterher räumst ist echt ein starkes Stück. Kannst du das nicht einfach liegen lassen?“, fragte ihre Freundin leicht ärgerlich.
„Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass sie heute aufräumen würde. Ich würde wahrscheinlich im Müll und in dreckiger Wäsche ersticken, wenn ich es nicht machen würde.“, erwiderte sie leicht gereizt.
„Nun gut. Aber dann lass dich wenigstens von mir nach Hause bringen.“
Lana nickte. Es war ihr recht das Nancy sie nach Hause fuhr, so musste sie nicht noch eine halbe Stunde zu Fuß gehen, denn die Busse waren schon längst abgefahren.
Die beiden Mädchen schlenderten schweigend zu Nancys Wagen. Auch auf der ganzen Fahrt wechselten sie kein einziges Wort mehr. Und genau das war es, was Lana so absolut an ihrer Freundin schätze. Sie durfte schweigen und musste nicht permanent zuhören oder etwas erzählen. Natürlich quatschten die beiden Mädchen auch gern, aber Nancy schien immer zu merken wann es Lana lieber war, dass sie sich nicht unterhielten. Und derzeit war die Dunkelhaarige viel zu sehr in ihren beklemmenden Gefühlen gefangen, als dass sie sich gern unterhalten hätte.
Als sie vor dem kleinen Haus angekommen war, stoppte Nancy das Auto. Sie wandte sich Lana zu und sagte dann mit kritischer Stimme:
„Nur das dir eines klar ist, Lashandra Graham. Ich weiß sehr genau, dass die Küche vollkommen aufgeräumt ist. Sag doch einfach, dass du allein sein willst. Ich weiß, dass du das manchmal einfach brauchst. Deswegen würde ich dir nie den Kopf abreißen oder beleidigt sein.“
Lana sah ihre Freundin an und lächelte dann leicht. Es war ein wehmütiges Lächeln.
„Ach Nancy, ja du hast Recht. Wie immer hast du Recht. Du kennst mich einfach zu gut.“
Sie ließ ihren Blick kurz über die Straße wandern, denn sie fühlte wie auf frischer Tat ertappt. Dann umarmte sie sie fast schon stürmisch.
„Du bist einfach die beste.“, flüsterte sie ihr ins Ohr und als sie sich von ihr löste, standen ihr die Tränen in den Augen.
Nancy winkte leicht ab.
„Ach was. Und jetzt raus mit dir, bevor ich es mir doch anders überlege und dich einfach entführe.“, lachte sie schließlich.
Lana stimmte in ihr Lachen ein und öffnete schnell die Autotür. Als sie auf dem Bürgersteig stand, beugte sie sich noch einmal hinunter um in das Wageninnere blicken zu können.
„Holst du mich morgen ab oder soll ich wieder mit dem Bus fahren?“
„Ich hol dich ab... um genau 7.30 Uhr und keine Sekunde später.“, lachte die Blonde.
„Super, bis morgen.“
„Ja, bis mogen.“
Kaum hatte Lana die Autotür zugeschlagen, da gab Nancy auch schon Gas und fuhr davon.
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