In Kains Schatten

von Nightlord
GeschichteAllgemein / P16
Kain OC (Own Character) Vorador
16.02.2016
06.08.2016
5
15014
 
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Prolog - Wie alles begann

Während ich meinen Blick über Nosgoth schweifen lasse, tragen mich meine Gedanken in meine Vergangenheit. An den Ort, an dem alles begonnen hatte... Konnte ich den Talkessel, in dem ich einst geboren worden war, als Heimat bezeichnen? Vielleicht. Die hohen Bergflanken erschienen vor meinem geistigen Auge... nur durchbrochen von den wenigen Pfaden, die durch die gewaltigen Berge führten, vor denen sogar Vampire Respekt hatten.

Die Schatten - die Wächter, die Boten, Racheengel der Clans - sie hatten viele Namen. Es waren Vampire, die ihre Fähigkeiten in den Dienst des großen Herrschers Kain gestellt hatten und im Gegenzug ihre Heimat vor der Wut seiner Truppen hatten retten können, das war die Version die sie uns Anfangs erzählten...die Wahrheit sollten wir erst viel später erfahren. Eines Tages kamen sie zu uns. Mein Zwillingsbruder Azrano und ich waren keine vier Sommer alt gewesen, als sie uns mitnahmen. Warum gerade uns? Nun wir wussten es nicht, wie so viele Dinge, nicht damals.

In den Tagen danach lernten wir die anderen kennen. Einen Jungen und ein Mädchen, Krono und Ashisa. Gemeinsam wuchsen wir auf und lernten. Wir wurden in verschiedenen Sprachen Nosgoths unterrichtet, im Kampf mit Waffen und Kampftechniken, der Kunst des lautlosen Tötens und der Tarnung. Uns wurde gelehrt, dass wir eines Tages Kain dienen würden, als Boten und Wächter. Unsere Aufgabe würde vielfältig sein, doch viele davon würden von uns verlangen zu töten. Eines Tages würden wir uns so vielleicht die Möglichkeit verdienen, Vampire zu werden. Das war es, was uns von Beginn an in Aussicht gestellt worden war, wenn wir bereit und willens sein würden.

Zehn Jahre lang wurden wir ausgebildet und zwischen uns baute sich eine Bindung auf, die stärker war als bloße Freundschaft: wir waren fast wie Geschwister. Wir konnten uns immer aufeinander verlassen und meisterten jede Prüfung, die man uns stellte, gemeinsam; doch mit jedem Sommer, der verstrich, veränderten wir uns und ich begann einige Dinge mit anderen Augen zu sehen. Ich fühlte mich zu Ashisa stärker hingezogen als ich es wollte, doch ich sagte es ihr nicht aus Sorge, dass mein Zwilling ebenso empfand.
Dann kam der Tag, an dem uns Samana erneut zu sich rief - doch diesmal sollte es kein Training sein.

Samana war die Anführerin der Schatten. Außer ihr gab es nur noch zwei andere. Barastir, ihr Gefährte, und Zairi. Alle drei hatten uns im Laufe der Jahre ausgebildet. Ashisa hatte an manchen Tagen von Zairi gesonderte Lehrstunden erhalten, hatte uns jedoch nie erzählt was diese enthielten.


„Ihr werdet euren ersten Auftrag erhalten. Es ist eine einfache Aufklärungsmission; sollte sich jedoch die Möglichkeit ergeben, wird es ein Attentat werden“, erkläre Samana und musterte uns alle aus ihren gelblichen Augen. Sie war schlank, hoch gewachsen und hatte langes braunes Haar. Barastir räusperte sich auf ihre Worte hin.
„Ihr werdet das Anwesen eines Händlers, Gelal,  untersuchen“. Seine Stimme war tief und wenn man ihn ansah, wirkte er selbst bedrohlich. In schwarze Kleidung gehüllt, an die zwei Meter groß und ein Auge immer von einem Stirnband verdeckt, hätte man Angst vor ihm haben können. Er war ein strenger Lehrer, aber er konnte auch anders sein. Und da ich meinen leiblichen Vater nie wirklich kennengelernt hatte, kam er diesem am nächsten.
„Er hat hohe Kredite an Dorfbwohner vergeben und wenn diese dann nicht zahlen konnten, ihre Kinder an sich gerissen und sie als Sklaven verkauft. So ein Verhalten kann nicht geduldet werden“, erklärte Zairi, die jüngste der Drei. Ihre Worte versetzte mich in Zorn. Wie konnte man nur so niederträchtig sein?

Unter Beobachtung Zairis rüsteten wir uns in der Waffenkammer selbständig aus. Ich sah zu den anderen. Krono wirkte so wie immer, einen Kopf größer als ich, beinahe schlaksig, und beständig schien ein Lächeln seine Lippen zu umspielen. Er grinste vor sich hin und die blauen Augen leuchteten beinahe so hell wie seine schulterlangen blonden Haare. Azrano war so still wie immer. Seine schwarzen Haare waren ebenso geschnitten wie meine: kurz und beinah stachlig standen sie von seinem Kopf ab, die grün und braun gefärbten Augen wirkten matt und leer, nur jene, die ihn kannten, wussten wie heißblütig er sein konnte und wie sehr sich seine scharfen Züge verziehen konnten wenn ihn die Wut packte. Mein Blick schweifte weiter zu Ashisa. Sie schien es zu bemerken und ihre blauen Augen sahen in meine. Ich schluckte unwillkürlich. In ihren Augen war immer dieses Leuchten, und sie standen in einem herrlichen Kontrast zu ihren schwarzen Haaren. Sie war schlank, ihr Gesicht fein geschnitten wie das eines Engels. Sie war etwa einen halben Kopf kleiner als ich. Schnell wandte ich den Blick wieder ab und kümmerte mich um meine Ausrüstung als ich bemerkte, wie meine Wangen wärmer wurden.

Ich nahm ein Katana, einen Lederharnisch mit dazugehören Arm- und Beinschienen, einen Wurfhaken und mehrere Dolche. Das Katana befestigte ich in seiner Scheide auf meinem Rücken, den Haken und die Dolche steckte ich in meinen Gürtel. Mein Blick wanderte wieder zu den anderen. Krono hatte sich seinen Lederharnisch genommen und einen Köcher mit Pfeilen auf den Rücken geschnallt, an dem er den Bogen befestigte. Er führte noch einiges an Dolchen im Gürtel mit sich. Azrano rüstete sich ähnlich aus wie ich, nur anstelle des Wurfhakens nahm er zwei Kletterhandschuhe mit. Sie waren mit Metall umfasst und in der Handfläche befanden sich starke Haken, mit deren Hilfe man sich in den Spalten zwischen Steinquadern festhalten konnte. Mit diesem Hilfsmittel ließ sich eine Mauer schnell und lautlos überwinden. Ashisa nahm zwei Wazikashis, verkürzte Versionen eines Katanas, und befestigte sie an ihrem Gürtel. Sie trug ebenso eng anliegende Kleidung wie wir anderen und einen Lederharnisch, der in meinen Augen ihre aufblühende Weiblichkeit noch unterstrich. Ich sah schnell wieder weg und hoffte, dass sie meinen Blick nicht bemerkt hatte.

Zairi erklärte uns noch einmal, dass wir den Kaufmann nur dann töten sollten, wenn sich eine Chance dazu ergab. Unsere vordringliche Aufgabe sei das Ausspähen des Anwesens.
„Warum werden wir eigentlich alle geschickt, wenn wir nur erkunden sollen?“, fragte ich. Zairi sah mich an, antwortete jedoch nicht. Ich verstand so langsam. Man erwartete, dass wir uns selbst eine Chance verschafften, den Kaufmann für seine Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Samana erklärte uns den Weg zu seinem Anwesen und wünschte uns Glück, Barastir schloss sich ihr an. Die Sonne schob sich langsam hinter die Berge als wir loszogen.

Wir wussten, dass Gelals Anwesen eine knappe Tagesreise per Pferderücken entfernt war, daher schlugen wir uns einfach querfeldein. Es war der kürzeste und der unauffälligste Weg. Als der Mond bereits hoch am Himmel stand, schlugen wir unser Lager auf. Azrano entzündete ein kleines Feuer und ließ sich dann neben Ashisa zu Boden sinken.
„Also, wenn ich das richtig verstanden habe, wird von uns erwartet, dass wir uns eine Möglichkeit verschaffen“, sagte ich in die Stille.
„So habe ich es auch verstanden“, stimmte mir Krono zu und setzte sich mir gegenüber ans Feuer. Ein kalter Wind fegte über das Land und ließ mich frösteln, Ashisa schlang die Arme fest um den Leib. Azrano sah sie an, dann wollte er einen Arm um sie lege, doch sie schob ihn beiseite. Ich wusste nicht warum, und obwohl er mein Zwilling war, spürte ich Erleichterung. Dann erhob sie sich und kam zu mir, was Azrano einen wütenden und zugleich enttäuschten Blick in die Augen trieb.

Wachen wurden eingeteilt. Azrano übernahm die erste, dann Krono, und schließlich ich. Ashisa würde dafür am Morgen das Frühstück machen.

Ich brummte leise, als Krono mich mit seinem üblichen Lächeln aus dem Schlaf riss. „Du bist jetzt dran mit der Wache“, sagte er gähnend.
„Leg dich schlafen“, meinte ich nur zu ihm. Er nickte und rollte sich in eine dünne Decke gehüllt auf dem Waldboden zusammen. Gähnend streckte ich mich und ging einige Schritte weit vom Lager weg, tiefer in die Schatten und Büsche, die uns umgaben. Sollte jemand auftauchen, würde ich so nicht sofort entdeckt werden und würde ihn überraschen können. Eine Weile saß ich einfach so da und lauschte der Umgebung, dann hörte ich ein leises Rascheln. „Dharleth?“, fragte eine Stimme flüsternd. „Hier“, sagte ich und sah erstaunt zu Ashisa. „Ich dachte mir, dass du vielleicht etwas Gesellschaft haben möchtest“. Sie setzte sich lächelnd neben mich.
„Solltest du nicht eigentlich schlafen?“, fragte ich. „Missfällt dir meine Anwesenheit?“. Ein beinahe verletzter Ton schlich sich in ihre Stimme, zumindest glaubte ich das einen Moment lang. „Nein... ich empfinde sie sogar als sehr angenehm“, gestand ich leise und sah weg. Ich spürte, wie sie ihren Kopf an meine Schulter lehnte, ihr weiches Haar kitzelte mich etwas am Hals. Ich sah sie an und legte einen Arm um ihre Schultern, in ihren Augen erkannte ich das stille Einverständnis. Den Rest der Nacht blieben wir so sitzen und schwiegen. Als der Morgen graute, half ich ihr, Krono und Azrano zu wecken und das Frühstück fertig zu machen. Es gab nur etwas Brot und Wasser, aber es war immerhin etwas.

Den Tag über schlugen wir uns weiter querfeldein und erreichten am Nachmittag das Anwesen des Kaufmannes. In einiger Entfernung, hinter Büschen und Bäumen verborgen, schlugen wir unser Lager auf und warteten auf die Nacht. Ashisa hielt sich die meiste Zeit dicht bei mir, was Krono und Azrano natürlich auffiel, und im Falle meines Zwillings scheinbar sehr missfiel.
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