Wenn die Masken zerbrechen

von samphira
GeschichteAllgemein / P18
Itori OC (Own Character) Uta
15.02.2016
29.06.2019
54
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Die junge Frau rennt um die Ecke, hinter sich die fluchenden Männer.

„Bleib stehen, Miststück!“

Doch das spornt die Fliehende nur noch mehr an.

Ihre hastigen Schritte hallen laut von den engen Gassenwänden wider.
Ihr hektischer  Atem unterstützt die Panik nur, welche ihr die Füße wegzerren will.

Die drei Männer hinter dem Mädchen lachen auf, denn plötzlich sieht sie sich einer Mauer gegenüber.
Mit schockgeweiteten Augen dreht sie sich herum und ihr Körper weicht immer weiter zu dieser zurück, je näher die Verfolger ihr kommen.

„Jetzt haben wir dich!“

„Ich will noch ein bisschen Spaß haben“, meint einer mit lüsternen Lachen und grapscht nach ihrem Arm.

Die junge Frau versucht, noch weiter zurück zu weichen, was ihr aber nicht mehr gelingt.
Ein verängstigtes, panisches Fauchen kommt aus ihrem Mund, als sie ihren Arm doch losreißen kann und einem eine knallt.

Dieser verpasst ihr eine Ohrfeige, die Tränen in ihre Augen schießen lassen.

„Jetzt komme endlich her!“, befiehlt der Anführer, packt sie und zerrt sie zu sich.

Auf einmal erstarrt sein Gesicht und Blut bildet sich in seinen Mundwinkel, rinnt an diesen hinab.

Die Gefangene windet sich aus den verkrampften Händen und ihre Schritte weichen wieder bis zur Wand zurück.

„Was ist los?“
Der Sprecher keucht erschrocken auf, denn in der Brust seines Freundes ist ein großes Loch.

„Scheiße, was wird hier gespielt?“, fragt der Dritte panisch und packt die junge Frau in den Haaren, bevor sie einen weiteren Fluchtversuch unternehmen kann.

Das Mädchen wimmert schmerzerfüllt auf.

Der Tote klappt wie eine Marionette ohne Fäden zusammen.

Jetzt erkennen seine Kumpanen einen Fremden, welcher in seiner Hand das blutige Herz hält.
Sein Gesicht ist soweit ausdruckslos, nur seine Lippen sind zu einem sadistischen Grinsen verzerrt.

In seinen blutroten und schwarzen Augen schimmert es hungrig.

„Was ist denn das für ein Freak?“

„Dich machen wir fertig!“, schreit der eine, zieht ein Messer und schreit gurgelnd auf, bevor er zusammenklappt.

Der Fremde hat ihm nämlich, schneller als man schauen kann, die Hand in die Brust gerammt.

Mit einem satten, schmatzenden Geräusch zieht er auch  dieses Herz heraus.
Das Organ tut seine letzten, verzweifelten Schläge in der Hand und regt sich nicht mehr.

„Bleib ja da stehen, du Monster“, brüllt der Letzte und weicht mit dem Mädchen zurück.
Dabei hält er dieses wie ein Schutzschild vor sich.

Ihr ganzer Körper zittert wie Espenlaub und der Blick starrt den Fremden an.
Dieser mustert sie durchdringend, als er eines der Herzen verspeist.
Dann leckt er sich anzüglich über die Lippen.

„Du kannst die Schlampe haben!“

Der Sprecher schubst  die junge Frau blitzschnell nach vorne.

Erschrocken keucht sie auf und stolpert direkt in den Fremden hinein.

Ein klebriger Arm legt sich um ihren zitternden, vor Schock erstarrten Körper.

Laute Schritte erklingen und erzählen von dem Flüchtenden.

Plötzlich ertönt ein hohles Knacken.

Die Schritte sind verklungen und der Arm um ihren Körper verschwindet.

Sie schluckt mehrmals hektisch und hart, denn der letzte Angreifer liegt mit zerbrochenen Schädel auf dem Boden in einer Lache aus Blut.

Das Mädchen sackt auf die Knie.
Ihr Blick richtet sich auf den Fremden, ihren momentanen Retter.

Oder aber er entpuppt sich als noch schlimmere Bedrohung als die Verfolger.

Der Mann fängt an, seelenruhig Teile von den Leichen abzutrennen und in eine Art Beutel hineinzupacken.

Die dabei entstehenden Geräusche erinnern die junge Frau an eine Katze, die eine Maus verspeist.

„Werde ich jetzt auch sterben?“, traut sie sich nach einer ganzen Weile sehr furchtsam und leise zu fragen.

Der Fremde schaut zu ihr und mustert sie anscheinend abschätzend.

Leicht senkt sich die Fragestellerin den Kopf und Wispern erklingt von ihren Lippen, als er neben sie tritt: „Bitte, mache es kurz und schmerzlos.“

„Hast du einen Platz?“, erklingt auf einmal seine warme, wohltönende Stimme leise.

Verschreckt ruckt ihr Kopf  nach oben.
Die junge Frau schluckt, denn der Mund der anderen Person ist blutverschmiert.

Kurz will sie lügen, sagen, dass bereits ganz viele Leute nach ihr suchen, aber über ihre Lippen kommt die traurige Wahrheit: „Ich habe keinen festen Platz, wo ich hingehöre. Ich bin eine einfache Waise. Ohne Heim oder Familie.“

Der Fremde nickt, zieht sich eine Maske ohne Augen und Mund über das Gesicht und hält ihr die blutbedeckte Hand hin.

Ohne großartig zu zögern, ergreifen ihre Finger diese.

Er zieht sie hoch, nimmt den gefüllten Beutel und geht los.

Die Gerettete schaut ihm nach, nimmt kurz allen Mut zusammen und hebt eine abgetrennte Hand auf.

„Warte“, ruft sie und rennt zu ihrem Retter.

Dieser dreht den Kopf zu ihr und die junge Frau fragt sich, wie er denn was sehen kann, wenn nur zwei Kreuze anstelle von Augenlöchern in der Maske sind.

„Du hast etwas verloren.“

Damit hält das Mädchen ihm die abgetrennte Hand hin.

„Hast du einen Namen, kleine Mutige?“

„Nur einen Spitznamen“, antwortet die Angesprochene sehr leise und schüchtern, „nämlich Cie.“

„Dann folge mir, Cie“, spricht ihr Retter und geht weiter.

Schon erklingen leise Schritte neben ihm.

Sie verlassen den Schauplatz des Massakers im letzten Licht der untergehenden Sonne.
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