Sklaven-Haustier

von K-S-H
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16
14.02.2016
14.02.2020
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Hi, meine Lieben!

Ich hoffe, ihr mögt das neue Kapitel, auch wenn ich mal wieder ewig gebraucht habe...

Viele liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen,
Kim


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Ein klein wenig unwohl legte Asox seine Decke auf seinem großen Bett ab. Die orange-rote Farbe bildete fast einen Kontrast auf der blassgrünen Bettwäsche, die sein Bett seit wenigen Tagen zierte. Natürlich war er nun wieder etwas gefasster und der Mayday-Moment bereits versiegt, aber... Ganz wohl war ihm nicht dabei, die schützende, kuschelige Decke, die eine weitere Barriere zwischen ihm und potenziellen Gefahren schuf, hier oben weit weg von ihm zu lassen.
Doch er zwang sich dazu, ebenso wie dazu seinen Bären wieder auf seinen Bett zu setzen und diesmal zu drapieren. Wenn er heute Abend ins Bett gehen würde, würde sein Bär auf ihn warten. Da war es schon viel einfacher sich umzudrehen.
Dabei fielen ihm jedoch die Armbänder auf, die noch immer an seinem Schreibtisch klebten. Kurz haderte er mit sich, dann ging er jedoch hinüber, löste das Klebeband und nahm sie mit den anderen Farben mit sich. Vielleicht wollte Avery unten weiter machen. Und vielleicht würde sein Papa auch Spaß daran haben. Probieren konnte man es doch einmal, oder?
Dann ging er in seinen Ankleideraum, wo er seinen Pullunder und das Hemd los wurde. Die waren zwar eigentlich noch okay, aber das Hemd landete trotzdem im Wäschekorb und der Pullunder wieder auf einem Kleiderbügel. Er sollte die getragenen Hemden immer wegtun und das tat er auch.
Dann sah er sich um. Was sollte er anziehen, wenn nicht das, was er gerade trug? Er sah zu seinen  Hoodies. Er hatte einige und dazu gefühlt jede Farbe, weil sein Papa nur die Sachen für Mädchen und die in einer falschen Größe wieder hatte zurückgehen lassen. Asox hatte sich einfach nicht aussuchen wollen, ob er von denen, die ihm passten, welche weggeben wollte oder nicht. Er war ja noch immer sehr dankbar für alles, was er bekam. Und vielleicht würde er bald alle davon gern anziehen.
Also versuchte er sich was auszusuchen, was er statt dem Hemd anziehen wollte. Er hatte Lust auf einen Hoodie. Das war schon einmal gut zu wissen. Nach ein paar weiteren Sekunden wurde ihm langsam kalt, wo er doch nun oberkörperfrei hier stand. Er griff nach einem Hoodie, den er erst ein paar Mal angehabt hatte. Wohl deshalb, weil er die Farbe schon recht auffallend fand. Eigentlich mochte er das nicht. Weil eine auffallende Farbe auch ihn auffallen lassen würde. Und das war ja noch nie gut gewesen... Doch als er ihn sich trotzdem anzog, weil ihm echt langsam etwas kalt wurde und er ja noch einmal tauschen konnte, bemerkte er, dass er diesen Hoodie eigentlich sehr mochte. Er war nicht zu locker geschnitten, war ihm reichlich lang und bedeckte damit fast sein gesamtes Hinterteil, war ein wenig mit einem sehr weichem Material gefüttert und zu guter Letzt mochte Asox auch die Farbe sehr, obwohl er nicht sagen konnte, ob das noch Gelb oder schon Orange war. Im Gegensatz zu anderen Hoodies hab es keine Kordel oder ähnliches an der Kapuze. Und die nervten manchmal echt gewaltig. Er entschied sich dazu diesen Hoodie anzubehalten. Und so schnappte er sich nur wieder seine Bändchen und Schnüre und ging wieder nach unten. Dieses Teil war wirklich bequem, vielleicht sollte er das Ding wirklich öfter tragen. Hier konnte er doch so viel auffallen, wie er wollte, ohne dass es unangenehm für ihn wurde. Er war hier Zuhause.
Wieder einmal fand er Ciel auf den Stufen spielen. Oder verrenken? Er war jedenfalls auf den Stufen. Asox kniete sich zu ihm hinunter und streichelte über seinen kleinen Kopf zu seinem schwarzen Bäuchlein hin, darüber und über seinen Schwanz, den der kleine Ciel ihm entgegen kringelte.
„Magst du mitkommen? Wir fänden sicherlich ein paar Hände, die dich streicheln könnten“, bot er seinem kleinen Freund an, der sich daraufhin strecke, gähnte und auf seine vier Pfötchen begab, um Asox tatsächlich zu folgen. Nun schon wieder etwas zufriedener setze er seinen Weg also fort.
Schon als er vorm Wohnzimmer stand, dessen Tür er nur angelehnt hatte, als er gegangen war, hörte er wie Avery und sein Papa miteinander sprachen. Klang nach einem recht normalen Gespräch.
Vorsichtig trat schob er die Tür noch ein wenig weiter auf und ließ erst seinen Kater hinein, ehe er ihm folgte und die Tür wieder schloss.
Linus wand sich der Tür zu, die er gerade hatte zuhören gehen. Asox stand ein wenig schüchtern kurz nach der Schwelle und hatte sich tatsächlich an seine Bitte gehalten und trug zu Linus' Überraschung einen Rapsgelben Hoodie. Dabei trug Asox ziemlich selten so auffällige Farben, auch wenn sie ihm standen. Normalerweise bevorzugte Asox gedeckte Farben. Warum war Linus aber noch immer ein Rätsel. Diese Farbe stand ihm nämlich phantastisch, wie Linus fand. Genauso wie Linus es überraschte, wie lang dieses Kleidungsstück war. Asox hatte es wirklich gern, wenn Sachen ganz genau passten. Merkwürdig. Wirklich merkwürdig, fand Linus.
„Na? Ist alles gut bei dir?“, wollte er auch gleich wissen und Asox nickte einmal mehr so schüchtern und verunsichert wie eh und je, wie meistens nachdem er einen seiner Anfälle gehabt hatte. Das kannte Linus mittlerweile schon und hatte sich auch bereits damit abgefunden.
„Ja, schon“, meinte der Kleine und kam wieder näher und mit ihm sein Katerchen, das noch immer wie ein Kitten aussah. Vielleicht war Ciel ein kleiner Spätzünder, wie es Asox auch zu sein schien.
„Magst du wieder her kommen?“, fragte Linus seinen Jungen, der noch immer irgendwie erstarrt an der Tür stand. Ein Nicken folgte und bald schon setzte sich der verhältnismäßig kleine Fuchsmensch wieder zwischen sie. Und zu Linus' Erstaunen sagte er auch direkt etwas – und zwar zu Avery, der noch immer neben ihm auf der Couch saß.
„Tut mir sehr leid, dass du das vorhin mitbekommen hast. Ich hoffe, du denkst jetzt nichts komisches von mir, ich... naja... ich weiß ja, dass das nicht ganz so normal ist. Es war wirklich lieb von dir, dass du da so ruhig und beherrscht reagiert und mich zu dem Pflaster versorgt hast. So langsam bekomme ich auch Kopfschmerzen, also hab ich ihn mir wohl volle Kanne aufgeschlagen. Also... danke“, erklärte 22Asox ein wenig schüchtern, aber Linus fand es von den kleinen Kerl trotzdem ganz schön tapfer und mutig, so was einfach mal zu sagen.
„Ist schon okay. Ist auch nicht schlimmer als meine Schwester, nur bei der weiß ich das mittlerweile. Du kannst ja nichts dafür. Ich nehm's locker“, erklärte sein neuester Freund tatsächlich erstaunlich locker. So locker, dass Linus sich sofort fragte, was seine Schwester haben musste, dass dieser junge Mann so locker auf eine Panikattacke von Asox reagierte. Die waren immerhin nicht ganz ohne und hatten ihn selbst schon ein paar Mal wirklich hilflos und betroffen gemacht.
Das Avery ihn jetzt nicht für komisch hielt und auch nicht so ansah tat Asox wirklich gut. Nun wieder etwas wohler lächelte er und beruhigte sich auch. Das war schon wirklich schön, das nicht nur Linus sich dann so liebevoll um ihn kümmerte, wenn er wirklich mal wieder in sein ach so tiefes Loch voller Angst und Verzweiflung fiel.
„Was hast du denn da in der Hand, mein Junge?“, fragte es hinter ihm und Asox wand sich seinem Papa zu, der ihn wie immer mit seinem besonderen, sanften Lächeln bedachte. Sein eigener Blick fiel wieder auf seine Hand und er erschrak fast ein bisschen darüber, dass er das ganz vergessen hatte.
„Oh! Ja! Ich hab die Freundschaftsarmbänder mitgebracht, die wir oben gemacht haben. Und... also ich wollte fragen, ob wir alle zusammen noch mal welche machen wollen. Du willst das für Gracie ja sicher zu Ende machen“, erklärte er an Avery gerichtet den ersten Teil dieses Satzes, ehe er sich seinem Papa zuwandt, „und ich wollte eh mal vorschlagen, für uns neue zu machen, weil ich langsam wirklich ein Problem bekomme, zwei Mal die Woche meins abzumachen und wieder dran zu fummeln, weil ich das ja beim Sport nicht dran lassen kann, falls wir mal was in Partnern machen. Ähm, aber das war nur eine Idee, also wir müssen das nicht machen, wenn ihr nicht wollt.“
Er wollte ja keinem etwas aufdrängen oder so... Aber es würde ihn schon freuen, wenn sie das alle gemeinsam tun würden, gerade auch weil es ihm ja so einen Spaß machte.
„Ah! Danke. Ich will es Gracie heute Abend geben bevor sie einschläft. Vielleicht hilft ihr das, wenn sie weiß, dass ihr großer Bruder immer an sie denkt“, erklärte Avery neben ihm und hielt ihm die Hand auffordernd hin. Asox legte also Averys angefangenes Band in dessen Hand, der auch direkt wieder die Hand darum schloss. Das freute Asox wirklich.
„Ich würd auch eins machen. Aber du musst mir zeigen, wie das geht. Das hab ich das letzte mal in der Grundschule oder so gemacht“, kam es auch von der anderen Seite und Asox sah zu seinem Papa hinüber, der diesmal derjenige war, der scheinbar von Schüchternheit erfüllt war.
„Das freut mich! Also, hm... das hier sind alle Farben, die ich von Johana bekommen habe. Such dir erst mal welche aus. Und ich mach schnell das für Avery zu Ende und dann zeig ich dir, wie das geht, ja?“, meinte Asox überglücklich.
„Ähhhh... Ich glaub, wir brauchen erst noch Klebeband. Das hier klebt nicht mehr richtig“, redete Avery dazwischen und hielt sein Band hoch, als Asox sich zu ihm umdrehte.
„Dann hole ich kurz Klebeband und bin sofort wieder da“, erklärte Linus und war nach einem kleinen Küsschen, dass er Asox auf den Kopf drückte, auch schon verschwunden.

Asox hatte sein erstes Band vollendet, dass Avery gehalten hatte, und hielt es jetzt seinem Freund hin.
„Was ist damit?“
„Das hab ich für dich gemacht. Ich hab dir ja gezeigt, wie das geht und hab geschaut wie du deine Farben setzt und es bei meinen auch so gemacht. Es passt zu dem von deiner Schwester“, erklärte Asox leicht lächelnd. Dann würden Averys Eltern vielleicht nicht fragen, woher es kam.
„Das ist nett von dir. Kannst du mir helfen es umzubinden? Wenn ich die Fäden jetzt loslasse, glaube ich, bekomme ich sie nie wieder geordnet“, lachte Avery leicht. Und so band Asox das Band locker Averys Handgelenk, führte die zwei Enden durch das Loch am Anfang und verknotete sie ein paar Mal, bis es sicher saß.
„Cool. Danke. Ich mag es. Jetzt weiß ich, warum du wissen wolltest, was meine Lieblingsfarbe ist. Das helle Grün und das schwarz zusammen sind wirklich cool. Ich versuch meins auch so gut zu machen“, erklärte er und begann wieder sein erst halbfertiges Band weiterzuknüpfen, als Asox ihm diesmal die Hand hinhielt, um das Band zu halten. Dann hörte Asox auch schon die Tür aufgehen und blickte hinter sich. Linus war wieder da. Mit dem Klebeband in der Hand um dem praktischen blauen Abroller, der immer auf seinem Schreibtisch im Arbeitszimmer stand.
„Bin wieder da“, ließ er auch gleich verlauten und war mit relativ wenigen Schritten wieder bei ihnen.
„Wir helfen uns gerade schon ganz gut gegenseitig“, lachte Asox ihm entgegen. Linus besah das Band an Asox' Finger.
„Das sehe ich.“, schmunzelte er, trennte ein großzügiges Stück Klebeband ab und reicht es Avery, „Hier, bitte. Ich brauch mal selbst meinen Lehrer. Einzelstunde ist zu Ende.“
Linus sah zu seinem Jungen, der sich darüber zu amüsieren schien, während ihr Gast das kleine rosa Band mit dem Streifen Klebeband am Couchtisch befestigte.
Die erste Aufgabe, die Asox stellte, war sich Farben auszusuchen. Linus griff zu Schwefelgelb, Rubinrot, Feuerrot, Ockerbraun, dem einzigen Orange, dass er finden konnte, und zu guter Letzt einem sehr dunklen Schokoladenbraun.
Für genau entgegen gesetzte Farben entschied sich Asox. Ultramarinblau, Himmelblau, Türkisblau, Nachtblau, Opalgrün, Minzgrün und dazu im Kontrast ein kühles Weiß. Das fand Linus dann doch ein wenig interessant. Normalerweise verdeutlichten diese Farben Beruhigung, Harmonie, Stabilität und Bestätigung, und nicht zu vergessen auch Autorität – zumindest war es das, was allgemein damit assoziiert wurde und was Linus so oft in etlichen Vorlesungen seiner Universität gehört hatte, wenn er mal wieder in eine der Kunstvorlesungen statt in die der Wirtschaftswissenschaften gegangen war. Heute Abend könnten sie ja mal darüber reden, wenn Asox das wollte.
„Bist du fertig mit aussuchen?“, wollte Asox wissen.
„Ja. Was machen wir jetzt?“, wollte er wissen und Asox zeigte ihm sehr geduldig, wie lang die einzelnen Fäden sein mussten und wie man denn zuerst die obere Schlaufe machte, durch die man die anderen Enden schließlich binden würde können. Das war eigentlich recht einfach, selbst wenn man  das noch nie gemacht hatte, nur Linus Finger waren durch den doch recht großen Größenunterschied ein wenig überfordert mit der Aufgabe.
„Meine Finger sind zu dick“, murmelte er angestrengt aus, während er das kleine Stück Garn immer wieder in kleinen Knoten um die anderen Fäden legte.
„Gar nicht. Du bist nur ungeübt. Das wird schon noch“, stärkte diesmal sein Kleiner ihm den Rücken und sprach ihm gut zu. Es wurde auch wirklich immer besser mit ihm. Erst als er die einzelnen Farben dann sortiert knüpfen sollte, wurde es schwierig. Rein logisch verstand er, was er tun sollte, nur seine Hände wollten das nicht so recht koordiniert bekommen. Nach dem Ocker kam das Feuerrot. Nur griff er nach dem Rubinrot und merkte es erst zu spät.
„Verdammt... Ähm... Herr Lehrer... Ich glaub, ich hab was falsch gemacht. Wie krieg ich denn so einen Knoten wieder weg?“, wollte er etwas verunsichert wissen. Kurz blickte der Junge zu ihm rüber und besah das kleine Band.
„Soll ich es dir auffummeln? Es ist wirkliche Fummelarbeit“, erklärte Asox und so überließ Linus es ihm. Hochkonzentriert löste Asox vorsichtig den fälschlich gesetzten Knoten und lächelte ihn an, als er fertig war.
„Was ganz gut funktioniert, ist alle Fäden in der richtigen Reihenfolge zwischen die Finger zu legen und dann wie … nachrutschen zu lassen. Verstehst du, was ich meine? Ansonsten hängen die Fäden ja recht gerade. Nach den ersten paar mal wird’s besser, das verspreche ich dir. Und am besten geht’s, wenn du die rechte Seite mit links machst. Du kannst auch alle Fäden zusammenhalten. Hier. So!“, wurde ihm erklärt und demonstriert. Linus sah zu, wie Asox sein Band ein wenig verlängerte.
„Ich geb mir Mühe. Aber das mit links wird schwer“, verkündete, ehe er sich wieder seinem zuwandt und mit einem Seitenblick auf Asox sein Band nach Anleitung weiter knüpfte.

Sie saßen noch eine ganze Weile da, ehe Avery mit seinem Bändchen fertig wurde. Das war Linus dann auch nur recht. Er hatte das Gefühl, dass seine Finger ihm weh taten.
„Wollen wir dann heute Abend weiter machen?“, bot Linus seinem Jungen daher an, außerdem würde so mehr Zeit für seinen Gast sein. Doch Asox schien fast ein wenig enttäuscht zu sein, so wirkte er jedenfalls.
„Ja, das fänd ich auch cool. Ich muss eh nach dem Abendessen dann mal los und so. Meine Schwester ist ja noch klein und ich habe ihr fest versprochen, dass ich ihr heute was vorlese. Wann esst ihr eigentlich?“
„Gegen Sieben. Wieso?“, fragte Asox nach.
„Ah...“, machte Avery und verzog das Gesicht, „Da geht meine Schwester ins Bett. Da will ich echt wieder Zuhause sein. Wir fahren bestimmt nicht so lange, Samstagabend ist hier hinten wohl nicht viel los, aber so ne halbe Stunde brauchen wir bestimmt trotzdem. Ich hab es ihr ja versprochen. Tut mir leid“, erklärte der Nachwuchsadlige und schaute ganz bedröppelt drein. Linus kam eine Idee.
„Ich kann Johana sicher fragen, ob wir zur Tea Time Sandwichs oder so was bekommen könnten und gegen sechs oder so können wir ja ins Auge fassen, dich Nachhause zu bringen. Da habt ihr noch zwei Stunden. Ich hab's noch nicht mit Asox geschafft, aber du scheinst am Singen gefallen zu finden. Ich hab da noch was im Schrank stehen“, spielte Linus auf die Playstation an. Nicht dass er von sich ablenken wollte, aber es war sicherlich wieder schön, wenn Asox sich beim Singen auslassen und Linus zusehen könnte. Und der Kleine mochte die Idee scheinbar, denn als dieser ihn ansahen leuchteten seine bernsteinfarbenen Augen geradezu.
„Du meinst...?“
„Jaa. Du kannst ihm ja mal den Schrank aufmachen“, schmunzelte Linus und deutete direkt dort hin.
„Wieso? Ich versteh nur Bahnhof“, erklärte Avery und Asox erhob sich, um sich unter den Fernseher vor den Schrank zu knien und winkte Avery wortlos heran. Avery würde sicherlich gleich Augen machen.
„Das haben wir noch nicht einmal gemacht, aber bestimmt machst du trotzdem gleich Augen“, erklärte Asox und gab den Blick frei auf die ganze Ladung Sing-Star-Spiele.
„Wow! Wie viele sind das?“ Ratlos zählte er schnell selbst nach.
„Vierzehn. Wir haben das hier zwar noch nie gespielt, aber ich hab es schon mal bei meinem Freund in Japan gespielt. Das war super cool. Also hättest du Lust?“
„Na klar! Ich wünsch mir seit Jahren ne PS, weil alle meine Freunde das Spiel auch haben. Aber ich krieg halt keine. Und es macht immer so super viel Spaß. Besonders auf Partys ist das immer der Renner! Ist das Ding eingerichtet?“, wollte Avery völlig euphorisch wissen. Diesmal musste Asox sich zu Linus umdrehen und ihn fragend anschauen.
„Die Playstation? Definitiv. Es war ein komplett neues Teil. Das Ding war teurer, als das neue, aktuelle Modell. Und die Spiele sind auch alle neu. Aber eingerichtet ist das Gerät“, erklärte sein Papa und Asox sah wieder zu Avery, der einen Daumen in die Höhe streckte.
„Prima. Ich zeig dir, wie man die Spiele bedient. Hast du sicherlich noch nicht allein gemacht, oder?“ Asox schüttelte den Kopf. „Nein. Aber wenn du's mir zeigen willst, wär ich dankbar“, erklärte er fröhlich lächelnd. Avery lächelte ebenfalls fröhlich zurück, ehe er sich wieder zu Linus wandt.
„Wireless oder kabelgebundene Controller?“
„Beides vorhanden“, erklärte Linus und Asox hatte keine Ahnung, was das bedeuten sollte, doch dafür offenbar sein Freund.

Linus hatte sich etwas zurück gezogen und ließ die zwei Jungs einfach noch ein bisschen Spaß im Wohnzimmer haben. Zumindest für ein paar Tage wäre es wohl das vorerst letzte Mal. Erst hatte er mit dabei gesessen und sich einfach daran erfreut, dass die zwei Jungs Spaß hatten, doch dann war er langsam gegangen. Es hatte sicherlich eh keiner von den beiden mitbekommen und so gönnte Linus sich erst mal einen Saft aus dem Kühlschrank. Er nahm sich vor gleich noch einmal ins Atelier zu gehen, um herauszufinden, was er morgen mit seinem Jungen machen wollte, der ja noch immer mit seiner Kreativität haderte. Wahrscheinlich lag das noch immer daran, dass Asox ein Perfektionist war, wenn er etwas tat. Wenn er schon dachte, er würde es nicht gut können, wagte sich Asox sich gar nicht erst es anzufangen. Und da Kunst am Anfang immer ungekonnt aussah und nur durch Übung Schritt für Schritt besser wurde, würde Linus wohl etwas finden müssen, was wirklich nicht zu schwierig war und was auch Kinder schon gut machen konnten. Naja, er würde schon in den Tiefen dieses Zimmers und seiner Gedanken was finden.

Nachdem Asox und Avery bestimmt drei ganze Spiele durch gesungen hatten, machten sie langsam doch schlapp. Immerhin waren sie heute schon beim Sport gewesen und Asox Panikattacke von vorhin war ja auch etwas anstrengend gewesen. Und während Asox dabei zusah, wie Avery fachmännisch die Konsole ausschaltete, das Spiel in die Hülle zurücklegte und alles wieder in den Schrank räumte, ging Asox ein Gedanke durch den Kopf. Es war schon Ende April. Der siebenundzwanzigste um genau zu sein. Am Dienstag müsste er eine Kurzgeschichte abgeben, mit der er so gar nicht zufrieden war. Nur etwas besseres fiel ihm auch nicht ein.
„Was schaustn du so?“, wurde er von Avery angesprochen. Etwas unzufrieden sah er zu seinem Freund.
„Ach, ich hatte so ne blöde Langzeithausaufgabe. Und normalerweise find ich Englisch wirklich cool, aber selbst was zu schreiben ist wirklich nicht meine Stärke, weißt du? Es hat so lange gedauert und Papa hat mir sogar geholfen, aber ich bin eigentlich super unzufrieden damit.“ Er konnte es ja sagen, jetzt wo sein Papa nicht hier war. Er hatte sehr wohl bemerkt, dass er schon vor einer ganzen Weile gegangen war. Sicherlich wollte sein Papa noch etwas im Büro machen oder was für morgen vorbereiten oder sagte gerade Johana, was ihr Plan für heute war. Asox war jedenfalls gerade froh drum, denn dann konnte er das aussprechen ohne das Gefühl zu haben, diesen so warmherzigen Menschen zu verletzen.
„Ich bin in Englisch einer der besten in meiner Klasse. Vielleicht magst du's mir mal zeigen? Vielleicht kann ich ein bisschen helfen. Natürlich nur, wenn du willst“, bot Avery ihm an. Und Asox nickte. Schlimmer würde es schon nicht mehr werden können.
Also schaltete er nun auch den Fernseher aus und ging mit Avery noch einmal nach oben in sein Zimmer, diesmal begleitete Ciel sie ab der Treppe, auf der er immer herumspielte. Einmal mehr erklärte Avery, dass er sich hier drin wohl ohne Asox verlaufen würde und Asox erklärte, dass er schon ein paar mal Räume vertauscht hatte, aber man sich langsam daran gewöhnte, welche Räume wo lagen, wenn man nur lange genug hier wohnte.
Angekommen ließ sich Avery auf dem Bett nieder und Asox reichte ihm seine kleine Geschichte, die sich Avery aufmerksam durchlas, während Ciel mal wieder einer der Stämme erklomm. Sei Blickte sagten Asox alles.
„Das lässt sich echt schwer lesen. Ich kann mir also vorstellen, wie schwer es sich hat schreiben lassen. Was war denn genau die Aufgabe?“ Schwer zu lesen... Nett ausgedrückt, fand Asox. Es war schon... ähnlich wie die Einfuhr zu Arthurs Haus – steinig...
„Ich sollte eine Kurzgeschichte oder einen inneren Monolog schreiben und muss es bis Dienstag abgeben. Generell versuche ich Probleme halt sehr... gerade aus zu lösen und auf dem schnellsten Weg, nicht auf dem kreativsten. Merkt man da halt. Ich hab aber auch keine Ahnung, was ich sonst schreiben soll. Das ist irgendwie das beste, was bei meinen Versuchen rum kam“, erkälte Asox sein Problem schon ziemlich enttäuscht von sich.
Avery schien angesichts dieser Offenbarung aber auch nur noch zu wissen wie man sich am Kopf kratzte, denn das war vorläufig alles war tat.
„Naja... Eine Idee hätte ich vielleicht. Wenn du das psychisch kannst, versteht sich“, erklärte er nach scheinbarer Minuten nur vorsichtig.
„Wie meinst du das?“, wollte Asox von seinem Bürosessel aus wissen.
„Naja, ich hab ja deine Panikattacke vorhin mitbekommen. Und... dann hast du mir ja auch ne Menge erzählt. Ich denke, du könntest eine X-beliebige Geschichte aus deinem Leben nehmen, das aufschreiben, was du damals dachtet, und hättest einen tollen inneren Monolog. Du bist ja wirklich nicht blöd. Aber andererseits will ich auch nicht dafür verantwortlich sein, dass du nur eine weitere Attacke bekommst, nur weil ich dir das geraten habe. Nur ich denke, so wie du über diese Zeit erzählt hast... würde am Ende echt was gutes bei rauskommen. Aber halt nur, denn du denkst, dass du das kannst.“
Auf die Idee war Asox noch gar nicht gekommen. Aber klar, es machte Sinn. Er dachte viel über sein Leben nach, schon immer. Auf seine Weise, aber er hatte schon immer viel nachgedacht. Das in einen Monolog zu fassen...
„Das... Das könnte funktionieren. Es ist gewagt, eben weil ich wirklich super ungern dran denke, wie du dir sicher vorstellen kannst... aber es könnte wirklich klappen. Ich hab mir schon immer viele Gedanken gemacht, glaube ich. Ich werd's mal versuchen, glaube ich. Danke, dass du es mir vorgeschlagen hast. Wenn's doch nicht klappt und ich mich unwohl fühle, dann kann ich ja noch immer wieder aufhören.“
Avery nickte.
„Genau. Sobald du dich unwohl fühlst, hörst du einfach auf. Und wenn du mal wen brauchst oder einfach irgendwie reden willst, meine Nummer hast du ja. Ich bin da. Vielleicht nicht sofort, aber sobald ich kann, werd ich antworten. Ich muss schon sagen, trotz deiner Probleme und allem drum und dann so... bist du so normal wie man nur sein kann, glaub ich. Ich mein das hier ist ein ziemlich normales Problem. Und ich kenn mindestens mal zwanzig andere Leute, die keine Geschichten schreiben können. Mach dir mal keine Gedanken. Das wird schon. Jeder hat Stärken und Schwächen. Ich bin in in Geographie halt mega schlecht. Und in Physik. Ehy all die Formeln kann sich doch keiner merken.“
Mit diesem Satz brachte es Avery zustande, was zuvor noch nicht einmal Linus oder Hiro geschafft hatten – und zwar Asox wirklich glauben zu lassen, dass er ziemlich normal war, was so einiges an ihm anging. Er mochte nicht immer so normal sein, wie er gern wollte, aber er schien doch normale Probleme zu haben und wenigstens ein gewöhnlicher Schüler zu sein. Für Asox war das wirklich schön und auf seine Weise beruhigend. Das war immerhin alles, was er noch wollte – normal und ja auch gewöhnlich sein.
„Ist das so was wie in Mathe? Physik meine ich. Wegen den Formeln“, wollte Asox wissen. Noch immer wollte er viel mehr lernen als er jetzt tat. Er konnte es kaum erwarten, endlich zur Schule gehen zu können. Vielleicht würde er dieses Fach dann auch haben?
„Ist schon ziemlich ähnlich, ja. Aber ich bin einfach nicht so gut in Naturwissenschaften. Ich weiß auch nicht. Ist einfach nicht so meins. Ich mag lieber kreative Sachen und Sachen mit denen man sich ausdrücken kann. Deshalb ja das Tanzen. Ich will auch nicht studieren. Ich mach mein A-Level und dann bin ich Achtzehn und mach was ich will. Ich will nach der Schule Tierpfleger werden. Biologie ist die einzige Naturwissenschaft, die ich kann und mag und die mich interessiert. Was würdet du mal machen wollen? Du willst doch einen Schulabschluss machen, oder?“ Irgendwie schien es Asox so, als würde Avery sehr durch die Themen springen, und zwar immer wieder auf seine Familie zu kommen, aber dann nie davon reden zu wollen. Das kam ihm schon etwas merkwürdig vor. Doch zuerst wollte die Frage beantworten.
„Oh... ähm... Naja... Ich will schon gern einen Schulabschluss haben. Dafür will ich ja auch auf die Schule gehen. Aber was ich dann damit machen will weiß ich noch nich. Vielleicht kann ich was studieren oder so. Ich würd schon gern später mal arbeiten gehen und alles und auch gern nen Beruf haben, der mir gefällt und den ich gern mach, aber... das weiß ich noch nicht. Aber ich hab ja noch Zeit,  das ist ne Schule mit sixth form und ich komme ja erst in die siebte Klasse“, erklärte Asox ein wenig verunsichert, weile er noch so planlos war. Und es ließ Avery die Augenbrauen heben.
„In die Siebte? Ich dachte die ganze Zeit, du kommst in die... Zehnte... mindestens mal die Neunte! Wieso kommst du denn ins erste Jahr der secondary?“ Dieser Umstand schien für den netten Adligen ganz unverständlich zu sein.
„Naja, ich hab ja erst seit ich hier bin richtigen Unterricht. Ich hab zwar davor mal Lesen und Schrieben und ein bisschen Rechnen gelernt, aber da war ich fünf oder so. Seit dem hat mir keiner mehr so was gelernt. Ich hab die ganze primary school ja verpasst. Und ich bin schon ganz zufrieden damit. Ich meine... wenn's klappt und ich mich nicht zu blöd anstelle, dann kann ich immerhin zur Schule gehen wie jeder andere. Das reicht mir. Ich muss das ja alles erst noch aufholen“, erklärt der kleinere Fuchsmensch aber einigermaßen zuversichtlich.
„Oh, okay. Naja, dann hoffe ich, dass du mit allen dann gut klar kommst und so. Hat auch was gutes, die kennen sich ja auch noch nicht alle und vielleicht ist dann die Akzeptanz für dich auch ein bisschen höher“, erklärte er und versuchte offensichtlich was gutes daran zu finden, was ihm ganz augenscheinlich etwas schwer fiel.
„Hm. Apropos klar kommen. Ich darf dich doch sicher mal was fragen, oder?“
„Ja, klar. Frag drauf los“, gestattete sein Freund ihm erneut und Asox durchdachte kurz, was er fragen wollte.
„Ähm... also... Mir fällt öfter was auf, also... wenn du redest, dann kommst du ganz schön oft auf deine Eltern speziell deinen Vater zu sprechen und wirst auch ganz schön... verstimmt will ich mal sagen. Und kaum merkst du das, entschuldigst du dich und lenkst mit nem anderen Thema ab. Ähm... Also ich hör auch dir gern zu, wenn du mal reden willst. Offenbar bist du ja nicht zufrieden mit der Situation und... naja, ich bin ne menge Scheiß gewöhnt, also versteh ich dich vielleicht sogar, wenn deine anderen Freunde das nicht so gut verstehen würden“, versuchte sich Asox ein bisschen selbstbewusster zu geben als er war und Avery ein genauso guter Freund zu sein, wie er ihm einer gewesen war.
Avery sah ihn ertappt und auch ein bisschen ablenkend-lächelnd an.
„Ja, tut mir leid. An Tagen wie heute passiert mir das ab und an und das bin ich schon mal am Schimpfen. Weil heute halt normalerweise nicht mir gehört hätte und mich das super aufregt. Ich bin ja auch nur ein Teenager, der mal Zeit für sich braucht, abgesehen vom Bratsche-Üben und der Schule mit Hausaufgaben, Vorträgen und Arbeiten, bin ich ja auch noch in einem Club meiner Schule und tanze. Das sind die einzigen Zeiten, wo ich mal ich sein kann und keinen Stress habe. Und um meine Schwester kümmere ich mich ja auch noch. Ich hab nicht mal für ne Beziehung Zeit. Naja und wenn dann irgendwie alles zusammen kommt, dann passiert so was. Ich steh halt irgendwie immer unter Strom. Mach dir keine Sorgen, mir geht’s ganz okay“.
Asox nickte verstehend, obwohl er das Gefühl hatte, dass Avery nicht gänzlich ehrlich mit ihm war. Doch jetzt, wo er angeboten hatte auch mal zuzuhören, war es für ihn okay, wenn Avery nicht reden wollte. Er wusste jetzt immerhin, dass er das tun konnte, wenn ihm danach war. Das reichte Asox erst mal.

Avery bedankte sich noch einmal bei Linus und Asox, dann öffnete er die Tür des Autos. Linus sah durchaus die leise Enttäuschung im Gesicht seines Jungen, als sie halb sieben seinen Freund bei sich Zuhause absetzten. An einem Haus, welches Linus schon fast zu klein für eine vierköpfige Adelsfamilie erschien.
„Wir schreiben uns und sehen uns am Samstag, ja? War cool bei dir. Das wiederholen wir, okay?“, fragte Avery in Asox Richtung, was Linus sehr gefiel. Zumal er selbst sich nicht unbedingt im besten Licht präsentiert und sein Kleiner einen seiner Anfälle gehabt hatte. Offenbar schien Avery überhaupt nicht davon beeindruckt zu sein. Erfrischend.
„Hm-Mh! Machen wir! Ich freu mich, dass du mal wieder vorbei kommen willst. Und vergiss nicht, deiner Schwester euer Freundschaftsband zu geben“, erinnerte Asox seinen Freund so herrlich kindlich-lieb, was diesen wiederum schmunzeln ließ.
„Mach ich. Ich schreib dir dann, wie sie's gefunden hat. Man sieht sich!“, verabschiedete sich Avery und Asox erwiderte das nur noch, dann winkte er noch kurz, ehe Linus auch noch kurz winkte um dann wieder den Heimweg... die Heimfahrt anzutreten.
Irgendwie wollte Linus nun gern mit Asox reden und mehr über seinen Tag erfahren, wo er sich doch so brav zurückgehalten hatte, doch Asox schien ihm fast ein wenig abwesend und enttäuscht. Und so schaltete er lieber das Radio an, erntete dafür ein liebes Lächeln seines Jungen, bevor dieser wieder in die Dunkelheit hinaus blickte. Vielleicht würde Linus' Überraschung ihn später aufheitern.

Während Asox sich auf seine Bitte hin auf die Couch ins Wohnzimmer begab, ging Linus in sein Arbeitszimmer. Als er heute Mittag diesen blöden Anruf bekommen hatte, war er zuvor noch kurz beim Schlosser gewesen. Schon gestern hatte er einen Ersatz-Hausschlüssel dort zum Nachmachen abgegeben, immerhin war das ja kein Standartschlüssel und brauchte daher bedeutend länger als ein paar Minuten.
Aus seiner Tasche, die er vorhin von Steven entgegen genommen hatte, nachdem er sie einfach hatte stehen lassen, nahm er den kleinen, wiederverschließbaren Plastikbeutel. Das hier war ne große Sache für ihn. Aber Linus vertraue Asox. Jeder Teenager besaß einen Hausschlüssel und Asox würde das mehr bedeuten als irgendwas anderes. Freiheit. Und das war immerhin einer der Sachen um welche er ihn schon so oft gebeten hatte.
Also befreite Linus den Schlüssel von dem Plastik und ging wieder nach unten, obwohl er dieses leicht unwohle Gefühl in seinem Magen nicht wegbekam. Asox war noch immer auch ein Teenager und die waren ja dafür bekannt, gern mal die geltenden Regeln zu strapazieren und zu brechen. Linus setzte darauf, dass Asox es nicht tun würde, denn er war ja sehr vernünftig und zu Linus' Glück auch noch sehr regeltreu.
Linus setzte sich zu Asox, der sich offenbar ein Programm ausgesucht hatte und diesem frönte. Sofort kuschelte sich der kleine Sonnenschein des Hauses an seine Seite und Linus legte wie immer seinen Arm väterlich um ihn. Einige Sekunden schauten sie gemeinsam die Sendung, die Linus nicht einordnen konnte, bis er sich endlich traue, das zu tun, wofür er in sein Arbeitszimmer gegangen war.
„Asox, ich hab da was für dich“, begann er zuerst leicht zögerlich und sah zu seinem Jungen runter.
„Oh? Was denn?“, wollte dieser wissen, doch die Freude war nicht ganz so ehrlich und stark wie sonst immer. Linus zögerte kurz, bis er seinem Jungen den Schlüssel hinhielt.
„Der ist für dich. Pass gut auf ihn auf“, erklärte er leicht nervös und etwas verdattert schien ihm Asox zu sein, als er das kleine Metallding an sich nahm.
„Für was ist der Schlüssel?“, wollte Asox jedoch wieder einmal so neugierig wie eh und je wissen. Das reichte dann tatsächlich auch schon, um Linus wieder ein Lächeln aus Gesicht zu zaubern.
„Du hast doch in Japan mit mir darüber gesprochen, dass du gern raus willst, und dir hier manchmal eingesperrt vorkommst, nicht? Naja, ich will dich zwar jetzt noch nicht alleine raus lassen, aber... aber vielleicht versuchen wir es nächsten Monat mal zu ein paar Konditionen und... Also das ist ein Hausschlüssel. Theoretisch kannst du jetzt kommen und gehen, wie du willst. Ich will dich ja nicht einsperren oder dass du dich auch nur so fühlst. Und offenbar klappt das mit der Tanzschule bisher gut.  Also denke ich, wir können in ein paar Tagen mal ein paar Regeln dafür aufstellen, wann und wie viel und bis wohin du raus darfst. Wenn du das willst, dann kriegen wir das schon hin, Kleiner. Du bist ja wirklich groß und alt genug dafür. Und ich denke, du kannst schon ganz okay auf dich aufpassen“, erklärte Linus und wurde mit jedem Satz entspannter und zufriedener mit dieser Entscheidung, bis er letztlich sogar wieder einmal Asox zwischen die Ohren fasste und ihn dort ein wenig streichelte.
Asox sah ein paar  Sekunden lang nur auf den Schlüssel in seiner rechten Hand. Er hatte das Thema schon fast wieder ad acta gelegt und gedacht, vor der Schule würde er damit niemals mehr rechnen können. Und nun lag da ein kleiner Schlüssel in seiner Hand, der so viel mehr Freiheit bedeutete, als er sich je ausgemalt hatte.
„Ein bisschen überwältigt, hm?“, wollte sein Papa wissen und Asox nickte, völlig unfähig zu sagen, was er gerade fühlte. Doch dann ließ er sich noch viel mehr an Linus fallen und vor Überwältigung flossen einmal mehr die Tränen.
„Danke. Ich danke dir so sehr. Kannst du mir später noch was vorlesen? Ich schätze, nach heute brauch ich das mal wieder“, bekam er dann tatsächlich noch heraus, seinen neuesten Besitz fest in seiner Faust haltend.
„Gern. Aber zuvor müssen wir noch unsere Armbänder fertig machen und essen.“
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