Same Love

von mimi-maus
GeschichteRomanze / P18 Slash
Leo Baskerville Oz Vessalius
14.02.2016
27.03.2016
7
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Missmutig starrte Oz aus dem Fenster.
Musste es heute gewittern und stürmen? Die letzte Woche war schon frustrierend genung gewesen.
Nirgends hatte sie die junge Frau aus dem Bestattungsinstitut finden gekonnt.
Vielleicht suchte sie falsch. Vielleicht hätte sie wenigstens noch nach dem Namen fragen sollen. Vielleicht wollte sie nicht gefunden werden. Aus welchen Gründen auch immer.
Dabei wollte sie doch gerne mehr über sie erfahren.
Die junge Frau hatte etwas an sich gehabt, was sie interessierte, faszinierte, reizte.
Vielleicht lag es an ihrer starken Ausstrahlung, die im Gegensatz zum kreativ-sensiblen Inhalt ihres Kalenders stand.
Oz seufzte niedergeschlagen.
Jetzt musste sie auch noch in den Regen hinaus.
Sie hätte heute morgen besser den Wetterbericht hören sollen, anstatt mit ihrem großen Bruder ihre kleine Schwester zu ärgern. Das war wohl die Strafe dafür. Die kleinen Sünden bestraft der liebe Gott sofort, wie ihre Großmutter immer schmunzelnd zu sagen pflegte.
Der Gedanke trieb ein kleines Lächeln auf Ozs finsteres Gesicht, aber es hielt sich nicht lange.
Wenn sie noch länger hierbliebe, käme sie zu spät zum Essen. Ihre Mutter würde Kartoffelgratin machen, das wollte sie auf keinen Fall verpassen. Und wie es aussah, würde der Regen in nächster Zeit auch nicht nachlassen.
Missmutig schlurfte Oz zur Ausgangstür. Blieb dort noch einmal stehen und seufzte. Gleich würde sie fürchterlich nass werden.
„Haben Sie keinen Schirm?“, fragte eine leise, raue Stimme hinter ihr.
Oz wirbelte erschrocken herum. Da stand die junge Frau aus dem Bestattungsinstitut mit einem großen Schirm in der Hand und lächelte sie an.
„W-wie bitte?“, fragte Oz perplex.
Die junge Frau lächelte weiter.
„Wo müssen Sie hin? Vielleicht können wir uns ja meinen Schirm teilen.“
„Nur zur Bahn“, antwortete Oz immer noch perplex. „Ist nicht weit.“
Die Schwarzhaarige nickte und öffnete auffordernd die Tür.
„Das passt ja. Da muss ich auch hin.“
Sie spannte den Schirm auf.
„Kommen Sie.“
Oz nickte leicht überfordert und trat unter den Schirm.
„Warum?“, fragte sie leise.
Die andere zuckte mit den Schultern.
„Vielleicht um mich dafür zu revanchieren, dass Sie mir meinen Kalender wiedergebracht haben“, antwortete sie.
Oz lächelte schwach.
„Und ich habe Sie die ganze Woche über gesucht“, gestand sie leise.
„Echt? Warum?“, fragte die andere überrascht.
Unsicher sah Oz auf den Boden.
„Ich möchte Sie einfach kennenlernen. Da ist irgendetwas, was mich an Ihnen fasziniert.“
Sie erhielt keine Reaktion aus diese Aussage. Hatte sie etwas falsches gesagt? Die andere verärgert? Oder mit ihren Worten verschreckt, abgestoßen?
Sie hörte die junge Frau tief Luft holen.
„Wegen meines Bruders?“, fragte sie kalt, aber da schwang noch etwas anderes in ihrer Stimme mit. Etwas ängstliches, etwas verletztes.
Oz blinzelte irritiert.
War das schon passiert? Hatten andere Frauen die Schwarzhaarige benutzt, um an ihren Bruder zu gelangen?
„Nein“, antwortete Oz leise und ehrlich. „Ich interessiere mich für Sie. Klar, ihr Bruder sieht zwar gut aus, aber er ist überhaupt nicht... Mein Typ...“
Unsicher sah sie zu der anderen. Hoffentlich glaubte sie ihr. Schweigend sah die junge Frau sie an. Dachte sie nach? So schien es jedenfalls.
„Wie heißen Sie?“, fragte sie schließlich leise und zögerlich.
Ozs Augen leuchteten erleichtert auf. Die Frage schien ein gutes Zeichen zu sein.
„Ich heiße Oz“, stellte sie sich lächelnd vor. „Ozeana Vessalius. Und wie heißen Sie?“
„Leo“, sagte die andere leise und mit einem kleinen Lächeln. „Mit vollem Namen Leonarda Tanaka.“
Sie drehte leicht den Schirm in ihrer Hand herum.
Oz nickte bekräftigend.
„Natürlich können wir uns duzen“, bestätigte sie lächelnd. „Freut mich, dich kennenzulernen, Leo.“
Die andere nickte etwas.
„Mich ebenfalls, Oz.“

Zufrieden summend saß Oz an ihrem Schreibtisch, schaukelte mit den Beinen und sah die neue Handynummer auf ihrem Handydisplay an. Der Tag war doch nicht so mies geworden, wie er den Anschein gehabt hatte. Sie hatte die junge Frau aus dem Bestattungsinstitut wiedergetroffen, ihren Namen erfahren, mit ihr geredet und sogar noch Handynummern ausgetauscht. Ein rundum zufriedenstellender Tag. Dazu noch das Kartoffelgratin ihrer Mutter und Kuchen von ihrer Schwester. Beinahe perfekt.
Eine Weile spielte sie an ihrem Handy herum.
Ob sie Leo anschreiben sollte? Wäre das zu früh? Würde sie Leo überhaupt erreichen? Ausprobieren kostete nichts, oder?
Mit ungewollt zittrigen Fingern begann sie zu tippen.
Wurde sie krank? Oder war sie einfach nur unnötig nervös?
Sie knabberte an ihrer Unterlippe und sah ihre kurze Nachricht an.
Hey! Bist du gut nach Hause gekommen?
Eine dumme Frage, fand sie. Aber was sollte sie sonst schreiben?

Hallo, wie geht es dir?
Nein, das war noch blöder.
Einfach nur Hallo! ?
Nein, das ging auch nicht. Das war blöd und nichtsaussagend.
Unsicher drückte sie auf „senden“. Wog ihr Handy kurz in der Hand, legte es dann beiseite und drehte sich zur Ablenkung auf ihrem Drehstuhl herum. Sprang erschrocken auf, als ihr Handy lautstark vibrierte. Mit zitterner Hand griff sie danach und laß die Nachricht.
Ja, bin ich. Du bist auch einigermaßen trocken angekommen?
Erleichtert atmete Oz aus. Eine Antwort. Offenbar nervte sie Leo nicht. Und es war offenbar auch noch nicht zu früh.
Es hat zum Glück aufgehört zu regnen, als ich aus der Bahn gestiegen bin. Was machst du gerade?
Ihr Herz hüpfte glücklich in ihrer Brust und sie drehte sich wieder schwungvoll auf ihrem Drehstuhl herum, hielt ihr Handy dabei fest in der Hand. Bis es wieder vibrierte.
Für meinen Bruder und mich kochen. Und du so?
Sie lächelte sanft.
Leo schien eine liebevolle kleine Schwester zu sein.
Was kochst du denn? Und ich mache nichts besonderes...
Sie drehte sich einen kurzen Moment weiter herum, stand dann auf und holte sich ein Stück Kuchen aus der Küche.
Leo hatte ihr ein Photo geschickt. Salat und Steaks.
Nii-san gönnt uns mal was. Was ist „nichts besonderes“?
Oz schoss ein Photo von ihrem Kuchenstück.
Jetzt ist es Kuchen essen. Was bedeutet „er gönnt euch etwas“?
Genüsslich aß sie den Kuchen. Ihre Schwester konnte wirklich einfach hervorragend backen.
Sieht gut aus, hast du den gebacken? Da wir sehr selten Fleisch essen, besorgt Nii-san Bio-Fleisch, wenn wir es denn mal wollen.
Oz lächelte sanft.
Nein, meine kleine hat gebacken. Bio-Fleisch klingt hervorragend. Lasst es euch schmecken!
Wieso sprach Leo von ihrem Bruder eigentlich immer als „Nii-san“? Hatte das eine tiefere Bedeutung? Das müsste sie demnächst mal nachfragen.
Lass du dir deinen Kuchen auch schmecken. Werden jetzt essen. Wir sehen uns dann morgen.
Ozs Augen weiteten sich und ihr Herz hüpfte begeistert. Konnte der Tag noch besser werden?
Ich freue mich darauf~
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