Same Love

von mimi-maus
GeschichteRomanze / P18 Slash
Leo Baskerville Oz Vessalius
14.02.2016
27.03.2016
7
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Leise summend räumte Leo die Spülmaschine ein. In der Luft lag noch der angenehme Geruch ihres Abendessens. Doch als sie die Spülmaschine einschalten wollte, stockte sie. Wie sie ihren Bruder kannte, hatte dieser noch massenhaft Geschirr in seinem Zimmer.
Mit einem leisen Seufzen verließ sie die Küche, ging zum Zimmer ihres Bruders und klopfte energisch an der Tür. Als sie keine Antwort erhielt, trat sie einfach ein.
„Hey!“
Sie sah sich in dem Raum um.
Ihr Bruder lag schlafend vor seinem Laptop auf dem großen Bett. Neben ihm stand ein Teller, auf dem Fußboden standen ebenfalls Teller, Schüsseln und Gläser.
Leo seufzte noch einmal.
„Wenn du so weitermachst, Nii-san, dann hast du bald mehr Geschirr in deinem Zimmer als wir in der Küche haben.“
So leise wie möglich sammelte sie das Geschirr ein, trug es aus dem Raum, räumte es in die Spülmaschine und schaltete diese an. Dann ging sie leise in das Zimmer ihres Bruders zurück, schloss die Tür hinter sich und setzte sich neben ihren Bruder auf das Bett.
Behutsam strich sie ihm durch das lange, silbrig-weiße Haar.
„Pass auf, dass du dich nicht überarbeitest, Nii-san“, wisperte sie, beugte sich zu seinem Laptop, speicherte sein Manuskript ab, fuhr das Gerät herunter und stellte es weg.
Eine Weile saß Leo schweigend neben ihrem Bruder und kraulte ihm sanft den Kopf. Einer seiner Arme legte sich im Schlaf um sie und drückte sie an sich. Mit sanften Lächeln legte sie sich neben ihn, schaltete das Licht aus und kuschelte sich an ihn. Sein Körper war wie immer angenehm warm und sein Geruch wirkte beruhigend auf sie.
Langsam entspannte sie sich und schloss die Augen. Ihr Bruder bewegte sich etwas und drückte sie etwas an sich. Mit leichtem Lächeln versteckte Leo das Gesicht an seiner breiten Brust und atmete seinen Geruch tief ein.
Ahnte er eigentlich, wie sicher sie sich bei ihm fühlte? Wie sehr sein Geruch und seine Wärme sie beruhigten? Wahrscheinlich. Er kannte sie besser als sie sich selbst.
Behutsam struch sie über seine Arme und spürte einige der zahlreichen Narben, die er hatte, unter ihren Fingerspitzen.
Was wäre nur aus ihm geworden, wenn es nicht ihren Adoptivvater Tanaka mit seiner unerschöpflichen Geduld, den besten Freund ihres Bruders und sie gegeben hätte? Hätte er seinen riskanten Lebensstil beibehalten? Hätte er ihn überhaupt entwickelt? Wie lange war sein letzter Krankenhausaufenthalt her? Zwei Jahre etwa. Weil er ohne auf seine Umgebung zu achten über eine große, stark befahrene Kreuzung gelaufen war. Immerhin nicht wieder wegen seiner wahnwitzigen „Anatomieerforschungen“ am eigenen Körper.
Warum hatte er nicht einfach Medizin studiert und sich dann auf Rechtsmedizin spezialisiert.
Weil er das Bestattungsinstitut von ihrem Adoptivvater übernehmen würde.
Und er hatte das Schreiben, was ihm sichtlich guttat.
Manchmal wunderte sie sich, wie er es schaffte, Bestseller-Horrorromane zu schreiben, ohne je in seinem Leben selbst einen gelesen oder einen Horrorfilm gesehen zu haben. Und manchmal sorgte sie sich genau deshalb um seinen psychischen Zustand.
Aber andererseits liebte sie seine Geschichten. Wie er mit den Worten spielte, Atmosphären erschuf und einem splatterfrei einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen ließ. Also noch wirklicher Horror.
Sie schmiegte sich enger an ihren Bruder. Versuchte ihren Geist entspannen zu lassen.
Aber es gelang ihr nicht. Ihre Gedanken kreisten um ihren Bruder. Und paradoxerweise auch um die junge blonde Frau, die ihr den Kalender wiedergebracht hatte.
Warum hatte sie sich die Mühe gegeben, den Kalender persönlich abzugeben? Sie hätte den Kalender doch auch im Fundbüro der Universität abgeben können. Wozu also der Aufwand? Und was sollte „Wir sehen uns in der Uni“ bedeuten? Meinte sie es ernst? War es nur eine Phrase? Glaubte sie etwa wirklich, dass sie sich auf dem großen Universitätsgelände wiedersahen? Ohne zu wissen, wie die andere hieß und wann sie Seminare und Vorlesungen hatte?
Leo grummelte leise.
Die grünen Augen der jungen Frau hatten sie fasziniert. Sie mochte grüne Augen. Vielleicht lag es an den Augen ihres Bruders. Grüne Augen verband sie mit Sicherheit und Geborgenheit. Und diese junge Frau hatte außergewöhnlich schöne Augen.
Ein leises Knurren entfuhr Leo.
Warum dachte sie so intensiv über die Augenfarbe einer anderen Frau nach? Obwohl sie zugeben musste, dass die junge Frau sie optisch ansprach. Sie mochte blonde Haare und grüne Augen. Und ihr Lächeln war wirklich schön.
Aber wie sie ihr Glück kannte, würde sie die junge Frau nicht wiedersehen, nicht mit ihr zurechtkommen oder die andere würde sich nur für ihren Bruder interessieren.
Manchmal fragte sie sich, ob sie überhaupt jemanden finden würde, mit dem sie ihre Zukunft verbringen wollte.
Ihr Bruder war bisher erfolglos gewesen. Keine seiner Beziehungen hatte bisher ein halbes Jahr angehalten. Wenn es denn überhaupt zu einer Beziehung gekommen war und sich nicht alles nach dem Kennenlernen im Sand verlaufen hatte. Vielleicht war er einfach kein Typ für lange Beziehungen. Und erst recht nicht fürs Heiraten oder gar Vater werden. Wobei er mit der zwei-jährigen Tochter seines besten Freundes wundervoll umging. Die kleine Emily liebte ihn.
Frustriert brummelte Leo gegen die Brust ihres Bruders.
Er bewegte sich leicht und drückte sie an sich.
„Leo?“, fragte er leise und verschlafen.
Sie zuckte erschrocken zusammen.
„Tut mir Leid, habe ich dich geweckt?“
Beruhigend strich er ihr über den Rücken.
„Nein, keine Sorge. Bin von alleine aufgewacht.“
Erleichtert atmete sie aus.
„Dann ist ja gut. Du bist wieder beim Schreiben eingeschlafen.“
Langsam massierte er ihren Rücken.
„Ich weiß. Danke fürs Wegräumen, Kleine.“
„Kein Problem. Wollte eigentlich nur das Geschirr hier herausholen.“
„Was wäre ich nur ohne dich?“
Sie lachte trocken.
„Ein Junggeselle mit schmutziger Wohnung und keinem Geschirr in der Küche.“
Er seufzte geschlagen.
„Wo du Recht hast, hast du nun einmal Recht.“
Sie nickte.
„Ich kenne dich doch, Nii-chan. Du bist zu faul für Hausarbeiten.“
Er lachte leise.
„Erwischt, erwischt. Aber du hast mich trotzdem lieb.“
Sie piekste ihm in den Bauch.
„Bilde dir darauf bloß nichts ein. Du bist durch unsere Verwandschaft und meine Gene privilegiert.“
Sie spürte, wie er ihr einen sanften Kuss ins Haar gab.
„Das stört mich wenig. So muss ich dich wenigstens mit keinem anderen Mann teilen.“
Ein leises Schnauben und ein schwaches Lachen entfuhren ihr.
„Du bist unmöglich, weißt du das?“
Er legte eine Decke um ihren Körper.
„Wer wäre ich sonst?“
Er gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn.
„Und jetzt entspanne dich und schlaf. Das wird dir guttun.“
Sie schmiegte sich vertrauensvoll an ihn.
„Gleichfalls.“
Zur Antwort massierte er ihr lediglich den Rücken und summte eine altbekannte, vertraute Melodie. Kurz darauf schlief Leo ein und träumte von sonnenblonden Haaren, einem fröhlichen Lächeln und großen, grünen Augen.
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