Same Love

von mimi-maus
GeschichteRomanze / P18 Slash
Leo Baskerville Oz Vessalius
14.02.2016
27.03.2016
7
8343
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Goldenes Sonnenlicht fiel durch die großen Fenster der Universität und gab den hölzernen Böden und Wandverkleidungen der Flure eine einzigartige warme Ausstrahlung.
Langsam ging Oz durch die Gänge. Sie liebte es, nach ausführlichen Gesprächen mit ihrem Professor durch die menschenleeren, von Sonnenlicht erfüllten Gänge zu streifen. Dann hatte sie das Gefühl, als würde die ganze Universität nur ihr gehören. Oder als würde sie in einer anderen Zeit leben.
Hin und wieder hob sie ihre Polaroidkamera und schoß ein Photo. Von einem leeren Gang. Aus einem der Fenster heraus.
Manchmal hüpfte oder tanzte sie auch durch die Gänge und summte die Melodie ihres aktuellen Lieblingsliedes. Dabei immer auf der Suche nach etwas, was ihre Aufmerksamkeit find und sie zum Photographieren animierte.
Mit ausgebreiteten Armen drehte sie sich durch einen der lichtdurchfluteten Gänge und summte dabei fröhlich vor sich hin.
Geriet aber abrupt ins Stocken, als sie etwas auf dem Boden liegen sah.
Ein Buch.
Einsam und allein im Sonnenlicht.
Einige Zettel lagen verstreut darum herum.
Verwundert aber auch neugierig trat Oz zu dem Buch und hockte sich vor dieses.
Es war kein Buch. Eher ein reichlich zerflettertes Notizbuch oder ein Kalender mit abgegriffenen Ledereinband. Und die Zettel waren Photos.
Jemand musste seinen Kalender hier verloren haben.
Vorsichtig sammelte Oz die Photos ein, konnte dabei aber nicht wiederstehen, sich die Bilder anzusehen. Einige zeigten ein Partnergrab im Sonnenlicht. Ein marmorierter weißer Grabstein mit schwarzen Lettern. Andere zeigten zwei Katzen. Vor Fenstern, auf einem Klavier, auf diversen Möbelstücken. Und wieder andere zeigten einen jungen Mann mit langen, silbrigen Haaren und intensiven, beinahe schon von allein leuchtenden grünen Augen. Trotz der langen Narbe, die sich durch sein Gesicht zog, sah er gut aus.
Behutsam schob Oz die Photos zusammen und hob das Buch hoch.
Langsam blätterte sie durch die Seiten und überflog den Inhalt. Termine für Arztbesuche, für Vorlesungen, Seminare und einen Nebenjob. Zitate aus Büchern und Liedern. Grobe Skizzen von Möbeln, Tieren und Pflanzen. Hier und da ganze Seiten gefüllt mit Noten auf selbstgezogenen Linien.
Auf der ersten Seite stand eine Adresse.
Vielleicht konnte sie den Kalender zurückbringen.
Der Inhalt hatte sie neugierig gemacht, wer sich hinter den Notizen und Skizzen verbarg. Ein Kunst- oder Musikstudent vielleicht oder jemand, der einfach nur ein sehr kreativer Kopf war.
Sie hon ihre Kamera und schoss ein Photo von der Adresse, verstaute dann Kamera und Kalender in ihrer Tasche. Nahm ihr Handy und suchte sich den Weg zu der Adresse heraus.

Irritiert starrte Oz das Gebäude an. Blinzelte, überprüfte die Adresse auf dem Photo mit der Wegangabe auf ihrem Handy und mit ihrem Standpunkt.
Ohne Zweifel war sie hier richtig.
Aber wieso war in dem Kalender die Adresse eines Bestattungsinstitutes angegeben?
Eines Bestattungsinstitutes für wohlhabenderes Klientel, wie die Fassade vermuten ließ.
Arbeitete der Besitzer des Kalenders hier vielleicht? Oder erlaubte er sich einen Scherz mit demjenigen, der den Kalender im Falle eines Verlustes fand?
Sie seufzte leicht, wahrscheinlich machte sie sich wieder zu viele Gedanken. Nachfragen kostete doch nichts.
Sie öffnete die Tür zum Bestattungsinstitut. Ein leises Glockspiel erklang. Neugierig sah Oz sich um. Ihr erster und auch unfreiwilliger Besuch in einem Bestattungsinstitut.
Aus dem hinteren Teil kam eine Person auf sie zu. Ein junger Mann im schlichten, schwarzen Anzug. Im ersten Moment hatte sie das Gefühl, einem Geist gegenüberzustehen. Seine Haut war so hell, dass sie das Gefühl hatte, durch sie hindurchsehen zu können.
„Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“, fragte er leise, ein sanftes Lächeln auf den Lippen.
Oz musterte ihn schnell. Lange, silberne Haare in einem Zopf. Intensiv grüne Augen, die tatsächlich zu leuchten schienen. Ohne Zweifel war er der junge Mann von den Photos.
„Ja“, sagte Oz und zog den Kalender aus ihrer Tasche. „Gehört dieser Kalender Ihnen? Die Adresse des Institutes steht auf der ersten Seite.“
Irritation spiegelte sich auf den Gesichtszügen des jungen Mannes wieder und er musterte den Kalender in ihren Händen.
„Sieht aus wie der meiner Schwester“, murmelte er. „Wenn Sie kurz warten könnten...“
Er verschwand wieder in den hinteren Teil des Institutes.
Oz nickte leicht und wippte auf den Füßen hin und her.
Der junge Mann wäre ein interessantes Photomodel. Er war lang und schlank und schon fast unbeschreiblich gut aussehend mit seinem markanten Gesicht, vollen Lippen, dichten weißen Wimpern und den schmalen Augenbrauen. Hinzu kamen die einzigartige Augenfarbe und die Narbe. Da müsste nichts noch aufwendig gestyled werden.
Sie begann wieder leise zu summen und wippte etwas stärker.
Wenn sie könnte, würde sie jederzeit überall alles und jeden photographieren, der sie interessierte und faszinierte.
Sie stockte ihr sanftes Wippen, als der junge Mann in Begleitung einer zweiten Person wiederkam.
Sagte er nicht, er wolle seine Schwester holen? War die Person in der weiten Kleidung weiblich? Musste jede Fau Kleidung tragen, die ihr Geschlecht deutlich zeigte? Manchmal fühlte sie sich in ausgebeulten Jogginghosen und einem weiten Pullover auch wohler.
„Gehört der Ihnen?“, fragte Oz höflich und zeigte der jungen Frau den Kalender.
Diese nahm ihn an und öffnete ihn. Lange, schlanke Finger blätterten durch die Seiten und die Photos.
„Ja, das ist meiner. Vielen Dank. Habe gar nicht bemerkt, dass ich ihn verloren habe“, sagte sie leise.
Ihre Stimme war unerwartet rau und tief.
„Wo haben Sie ihn gefunden?“
„Auf einem der Flure der Universität“, antwortete Oz lächelnd. „Sie studieren auch?“
Die andere nickte. Das dichte schwarze Haar, das ihr ins Gesicht fiel und es bis zur Nase bedeckte, wippte dabei sanft hin und her, gab den Blick auf ihr Gesicht aber nicht frei.
„Musik im dritten Semester. Und Sie?“
Oz lächelte munter.
„Photographie. Auch im dritten Semester.“
Ein kleines Lächeln erschien auf den Lippen der Schwarzhaarigen.
„Macht es Ihnen Spaß?“
Oz konnte nur kräftig nicken.
„Sehr sogar. Es gibt fast nichts besseres auf der Welt als Photographie!“
Die Schwarzhaarige legte den Kopf schief.
„Was ist denn noch besser?“
„Meine Familie und meine Freunde.“
Wieder nickte die Schwarzhaarige leicht.
„Familie ist wichtig“, murmelte sie zustimmend.
Irgendwo im Betstattungsinstitut erklang das Gongen einer Uhr. Laut und tief. Irgendwie ein nostalgischer Klang.
Oz zuckte erschrocken zusammen.
„Schon so spät?! Ich muss nach Hause! Abendessen!“
Sie eilte zur Tür, öffnete diese, drehte sich aber noch einmal um.
„Wir sehen uns in der Uni!“
Ohne eine Entgegnung abzuwarten verließ sie das Betsattungsinstitut und eilte zum Bahnhof.
Review schreiben