Das Navi

von Pangirl
KurzgeschichteHorror / P12
OC (Own Character)
13.02.2016
13.02.2016
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1.498
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Hey, das ist meine erste Horrorkurzgeschichte. Freue mich immer über Reviews :)

"Wo ist die nächste Party?", Carla ließ sich neben ihre Freunde auf die hintere Sitzreihe fallen. "Könnt ihr euch bitte anschnallen", Lia saß vorbildlich hinterm Steuer. Sie hatte den ganzen Abend keinen Schluck Alkohol getrunken, im Gegensatz zu ihren Mitfahrern. "Mach dich mal locker, man", Carla beschwerte sich lautstark, griff jedoch nach dem Sicherheitsgurt und schnallte ihn fest. Eigentlich war es Lia nicht Recht gewesen, dass jetzt fünf Leute eingezwängt auf ihrer Rückbank saßen. Sie hatte sich nicht so viel Geld für den Führerschein geliehen, um ihn jetzt bei der ersten Gelegenheit wieder abgeben zu müssen. Sie startete den Navi. Hinter sich versuchte Carla gerade die Anderen zu motivieren, mit ihr auf eine weitere Party zu gehen. Zielort eingeben- Sie drehte sich fragend zu ihren Freunden um. "Wohin?" Carla schlug irgendeine Disco vor, Jens wollte nach Hause und der Rest hatte keine Ahnung. Wie üblich. Sie war müde und wollte nur noch nach Hause. Doch zuerst musste sie die Anderen absetzen. Die hatten sich inzwischen auf die Disco geeinigt, die in der Nähe von Jens Haus lag, sodass sie ihn davor noch absetzen konnte. Lia stöhnte. Die Disco lag genau in entgegengesetzter Richtung von ihrer kleinen Wohnung. Trotzdem ließ sie sich von Carla die Adresse geben. Was tat man nicht alles für seine Freunde. Nachdem die Route geplant war, startete sie den Wagen und parkte schwungvoll aus. Während sie fuhr, versuchte sie sich auf den Verkehr zu konzentrieren und das Gespräch hinter ihr auszublenden. Partys waren einfach nicht ihr Ding.
Etwas irritierte sie. Irgendwas war anders als sonst. Trotz der stickigen warmen Luft im Auto bekam sie eine Gänsehaut. Sie schaute sich suchend um. Alles wie immer. Kein Autofahrer im Rückspiegel, der sie bedrohte, kein Insekt, das sich nahe ihres Kopfes niedergelassen hatte. Nichts. Und trotzdem störte sie etwas. Es machte ihr Angst. Dann fiel ihr Blick auf den Navi. Die Straßenkarte war wie immer. Da vorne musste sie links abbiegen. Da wusste sie plötzlich, was sie so irritierte. Der Navi gab kein Geräusch von sich. An der nächsten Ampel überprüfte sie alle Kapel und Knöpfe. Doch die Lautstärke war an. Sicherheitshalber stellte sie es auf volle Lautstärke. Sie fuhr weiter dem Navi nach. Doch langsam wurden die Straßen dunkler. Es gab immer weniger Laternen. Schließlich fuhren sie an der letzten Straßenlaterne vorbei und völlige Dunkelheit umgab das Auto. "Carla, sind wir hier richtig?", erkundigte sich Lia. Erschrocken stellte sie fest, dass ihre Stimme zitterte. "Glaubst du, dass ist so eine Hinterhofsdisko oder was?", verspottete Carla sie, doch dann sah sie aus dem Fenster und erstarrte. "Wo hast du uns hingefahren Lia?", erkundigte sie sich beinahe panisch. "Der Navi..." "Fahr sofort zurück!", verlangte sie. Erleichtert wendete Lia den Wagen. Einen Moment lang flackerte der Navi, dann ging er ganz aus. Lia drückte auf die Knöpfe doch nichts passierte. Von draußen hörten sie ein lautes Scharren. Lia gab Gas. "Dreht um!", dröhnte eine laute Stimme durchs Auto. Erschrocken zuckte sie zusammen. Es war der Navi. Der Bildschirm hatte sich blutrot verfärbt und ein Totenkopf schien darauf zu wachsen. "Das ist ein Befehl", es war eine andere Stimme als sonst, Lia war sich ganz sicher. Diese hier klang tiefer und gruseliger. Sie bremste ab und sah sich um. Carla versteckte sich hinter ihrer Jacke. Jetzt kam Leben in sie. "Gib Gas!", schrie sie Lia hysterisch an. Diese gehorchte nur zu gerne. Erneut drückte sie das Gaspedal hinunter. Doch vor ihnen stand ein Verkehrshindernis. Es schien aus dem Boden gewachsen zu sein. Und dahinter standen Menschen. Große Menschen mit grotesken Masken und Stöcken in der Hand. Einer hatte sogar eine Axt, die er ihnen drohend entgegenhielt. Mit quietschenden Reifen wendete Lia und fuhr wieder in die ursprüngliche Richtung. Da ging der Navi an, als wäre nichts geschehen. Er zeigte wieder die normale Straßenkarte. Waren sie jetzt verrückt geworden. Carla hatte getrunken, viel getrunken, aber sie? Ohne jeden Alkohol? Sie musste sich konzentrieren. Vorsichtig sah sie auf den Navi. Die Straßenkarte leuchtete ihr aus der Dunkelheit in einem beruhigenden Licht entgegen. Sie beugte sich vor, um die Karte zu inspizieren. Sie mussten sich jetzt auf einer der kleineren Straßen befinden, direkt hinter der großen Kreuzung in der Nähe des Industriegebietes. Es musste ein Straßenname mit einem Tier sein. Davon gab es hier viele. Rehgasse, Otterweg oder Taubenallee- sogar eine Mausegässchen hatte sie hier schon einmal entdeckt. Sie suchte nach den Straßennamen. Einer sprang ihr ins Auge. Tiergasse- na also, sie hatte sich nicht geirrt. Auf ihre Orientierung war eben verlass. Totengasse, sprang es ihr förmlich entgegen, nicht Tiergasse, und daneben befanden sich Friedhofsalle, Geisterweg und Höllenpfad. Sie zwang sich auf die Straße zu sehen,doch nichts erhellte ihren Weg. Keine einzige Straßenlaterne war zu sehen und sämtliche Häuser, falls sie existierten, lagen im Schwarz der Nacht verborgen. Und diese Stille-nichts regte sich, kein Vogel, kein Babygeschrei, kein Auto. Nicht einmal eine Katze streunte in dieser Dunkelheit umher. Erneut spürte sie diese Vorahnung, diese Schwärze hielt nichts Gutes für sie bereit. Die Gespräche hinter ihr waren verstummt, doch sie traute sich nicht nich hinten zu blicken, aus Angst was sie dort erwarten mochte. Dort konnte alles sein und sich durch ihre Rückscheibe Einlass verschaffen. Überall konnte alles lauern. In diesem Moment merkte sie, dass sie nicht mehr fuhr, das Auto bewegte sich nicht mehr. Angsterfüllt suchte sie nach dem Zündschlüssel, und gab Gas, so viel, dass der Motor sofort abstab und verstummte. Die Scheinwerder des Autos verloschen und nichts trennte sie mehr von der Schwärze, die sie nun vollständig umgab. Sie hätte gern geschrien, doch sie durfte keine Aufmerksamkeit auf sich lenken, als unvermeidbar war. Sie musste diese Nacht überleben, und in diesem Moment gestand sie sich zum ersten Mal, dass sie Angst hatte, Todesangst. Sie hörte Geräusche, doch sie beruhigten sie nicht im Geringsten. Es klang, als ob sich große Kreaturen ihrem kleinen Wagen nähern würden. Plötzlich zitterte sie, eine beängstigende Kälte herrschte auf einmal im Auto. Ob sie eine Scheibe eingeschlagen hatten und sie nun von der kalten Nachtluft umgeben war? Doch es hatte sich nicht so angehört, nur hin und wieder ein Rascheln, kein Glas, dass zersprang. Sie wagte es nicht mehr sich zu rühren. Weder sah sie nach hinten, noch hatte sie den Mut, die Maschine erneut zu starten. Sie hätte fahren müssen, gleich nachdem ihr der Motor abgestorben war. Wieso hatte sie gewartet, bis es zu spät war? Sicher warteten sie schon vor dem Auto auf sie. Ihr Atem beschleunigte sich und sie musste an die gruseligen Menschen mit den Mistgabeln in der Hand denken. Hatten die sie verfolgt. Noch immer saß sie im Auto und schaute angestrengt durch die Windschutzscheibe in die Finsternis. Außer den kratzenden Geräuschen und ihrem lauten Atem, den man vermutlich meilenweit hören konnte, umgab sie Stille. Von der Rückbank ertönte kein Geräusch mehr, nicht einmal ein Atemzug. Das konnte doch nicht sein. Carla würde nie so ruhig auf der Rückbank sitzen. Auch nicht wenn sie Angst hatte. Lia nahm all ihren Mut zusammen und sah sich um. Sie sah nichts. Es war zu dunkel. Plötzlich ging das Navi an und das helle Licht blendete sie. Nachdem sie sich daran gewöhnt hatte, sah sie sich um und schrie auf. Das konnte doch nicht wahr sein. Hinter ihr war nichts. Nur eine leere Rückbank. Wo waren ihre Freunde hin? Sie konnten doch nicht einfach verschwunden sein, und Lia war sich ganz sicher, dass keine Wagentür aufgemacht oder geschlossen worden war. Es war doch die ganze Zeit so still gewesen. Plötzlich flog etwas Großes, Dunkles gegen die Vorderscheibe. Lia schrie erneut auf. Sie musste hier weg. Auch ohne ihre Freunde. Die saßen ja vielleicht schon Zuhause herum. Sie war entschlossen diese Nacht zu überleben. Hektisch schob sie den Zündschlüssel ins Schloss und startete den Motor. Beim zweiten Versuch klappte es endlich und Lia gab Gas. Mit quietschenden Reifen wendete sie und raste die Straße entlang. Sie hatte keine Ahnung wohin, doch als Erstes musste sie hier weg. Hinter sich hörte sie ein schauriges Lachen in der Dunkelheit. Sie keuchte auf und trat das Gaspedal ganz durch. Plötzlich verlor sie die Bodenhaftung. Es fühlte sich an als würde sie fliegen. Sie ließ das Gaspedal los und beugte sich vor, um mehr zu sehen. Gefühlte Stunden hatte sie nun schon den Asphalt unter sich verloren. Sie sah die silbernen Brückenpfeiler links neben sich aus dem schwarzen Wasser aufragen. Sie war an der Brücke vorbeigefahren. Unter ihr war nichts als Schwärze. Ihr nächster Gedanke beunruhigte sie nicht im Geringsten. Sie würde sterben. Heute Nacht. Hier. Alleine in der Dunkelheit. Sie lehnte sich im Autositz zurück und ließ den Tod kommen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, eine Frage von Sekunden. Sie war völlig entspannt, als das Auto frontal gegen einen der riesigen Pfeiler donnerte und schließlich im schwarzen Wasser versank.