Mein Weg in die Freiheit

von tigerbi
GeschichteDrama, Romanze / P16
10.02.2016
11.02.2019
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Nach tagelanger Bettruhe wird mir endlich erlaubt, dass ich aufstehen und ein wenig herumlaufen kann. Ich bin fast verrückt geworden vor Langeweile, aber auch von meinen Besuchern. Irgendwer hat herumgetratscht, was ich für witzige Sachen unter Drogen erzählt habe. Ich werde von allen damit aufgezogen, jeder grinst mich breit an, einige spielen sogar ein ganzes Schauspiel vor meiner Nase ab. Ich wusste gar nicht, dass Piraten so schlimm sein können! Die sind sogar schlimmer als Waschweiber.
Wenn ich ihnen das vorhalte, dann winken sie nur ab und machen weiter. Ich bin schon kurz davor gewesen, meine Geduld zu verlieren, da hat mich Ben netterweise aufgeklärt. Die ersten Wochen auf dem Schiff als neues Mitglied wird man von allen Seiten aufgezogen. Diese Erkenntnis hat mich hart getroffen. Ich bin kein neues Mitglied, das ist mir klar, aber sie akzeptieren mich. Sie zählen mich dazu, so wie sie Koko dazu zählen. Mein Herz ist danach aufgegangen. Ich habe sie nicht mehr wütend angestarrt, sondern gelächelt.
Es steht auch schon fest, dass ich mit Koko auf Michandra zurückkehren werde. Shanks hat anscheinend bereits ein paar Kontakte spielen lassen. Ich darf jetzt ein kleines Haus mein Eigen nennen, welches direkt am Hafen steht und wir somit jeden Morgen einen perfekten Blick aufs Meer haben. Koko freut sich schon darauf, endlich auf die Insel zu kommen, da sie unbedingt das Haus erkunden will. Außerdem freut sie sich auf ihr Leben mit mir. Insheim – das hat sie mir anvertraut – hofft sie darauf, dass ihr Vater dann öfter auf die Insel kommt, weil er jetzt zwei Gründe hätte. Ich kann dagegen nichts sagen.
Ich habe mich gegenüber ihn entschuldigt. Mir tut es wirklich Leid, dass ich Henry damals eiskalt abgestochen habe. Der erste Kontakt mit Shanks und dem Barmann werde ich wohl nie vergessen können. Der Rote hat mir tatsächlich verziehen. So ganz will ich das nicht glauben, aber er sieht es wohl anders. Er meinte, im Prinzip war ich einfach eine andere Person. Ich war geblendet von der Weltregierung, dafür konnte ich nun wirklich nichts. Ohne Namen, ohne Familie und ohne Vergangenheit.
Jetzt habe ich eine Familie, leider immer noch keine Vergangenheit oder einen richtigen Namen. Ich kann mir zusammenreimen, dass ich eine lange Zeit in Mary Joa bei Dr. Vegapunk verbracht habe. Ich stellte sein Versuchskaninchen dar, einige Forschungen hat er wohl mit mir durchgeführt. Was davor war... das brennende Dorf aus meinen Träumen schiebt sich mir immer wieder in den Kopf. Ich kann es nicht genau sagen, aber dort kann ich zu Hause gewesen sein.

Ich schüttele den Kopf und ziehe mir ein hellblaues Hemd über. Es ist mir ein wenig zu groß, aber das stört mich nicht. Solange es alles verdeckt, ist es mir egal. Die Knöpfe sind schnell geschlossen. Eine Hose trage ich bereits, sie passt fast perfekt. Ich will gerade aufstehen, da wird der Vorhang weggeschoben und Ben tritt zum Vorschein. Fragend hebe ich eine Augenbraue. Ich habe den Vorhang extra zugezogen, sodass ich mich in Ruhe anziehen kann. Dass ausgerechnet der Grauhaarige diesen Fakt ignoriert, muss etwas heißen.
Ich spüre seinen intensiven Blick auf mir. Er bleibt stumm, auch als er seine rechte Hand hebt und zwei Gegenstände wortlos auf mein Bett legt. Ich drehe mich ein wenig und mustere den schwarzen Hut mit der roten Feder, genauso wie Istralion, das Drachenschwert. Ich hebe meine Hand und nehme den Hut an mich. Langsam lasse ich meine Finger über die Feder gleiten, dann über das lederne Band, welches sie hält. „Ich dachte, Shanks hat die Sachen ins Meer geworfen oder so“, murmele ich abwesend. Mit einem Seufzer lässt sich der Vize auf das Bett sinken. Er sieht nachdenklich drein, sein Blick schweift etwas im Raum umher, bis er bei mir landet. „Wollte er, bis ich die Sachen erkannt habe. Woher hast du sie?“ Ich zucke mit den Schultern. „Von Vegapunk. Er meinte, dass der Hut eine Art Geburtstagsgeschenk sei. An das Schwert sei er dank ein paar Kontakte dran gekommen.“ Ich wende mein Auge gen Boden. Meine Kraft schwindet in den Fingern und der Hut gleitet mir aus. „Ich will sie nicht. Sie erinnern mich daran, was ich einst tat.“ Ben hat bis dato nichts gesagt. Er hat sich auch nicht geregt. Ich finde das ein wenig verdächtig. Meine Vermutung stimmt auch. Beinahe ehrfürchtig greift er den Hut und dreht ihn immer wieder in seinen Händen.
„Ich habe genau diesen einen Hut vor 20 Jahren meiner Nichte geschenkt.“ Seine tiefe Stimme löst eine Reihe Bilder in meinen Kopf aus. Ich krümme mich ein wenig, halte mir mit meiner rechten Hand den Kopf und blinzele die Bilder eines brennenden Dorfes, toten Bürgern, Kanonenkugeln und der Flagge der Marine weg. Ich atme etwas schwerer, bis ich wieder in der Lage bin, aufzusehen. Sein Blick liegt auf mir. Ich bin nicht in der Lage, seine Gefühle genau einzuordnen. „Das Schwert wurde der Familie Beckman von Generation zu Generation weitergegeben. Ich wollte es nie, deshalb hatte es meine Schwester als Letzte im Besitz.“ Ich schlucke den Klos in meinen Hals nur schwer herunter. Kann es sein … ?
Ben wendet sich mir komplett zu. Seine Stimme tropft nur so von Trauer und Reue, als er mir die folgenden Worte beinahe entgegen wirft. „Meine Schwester wohnte auf einer Insel mit dem Namen Flower. Die Insel war bekannt für ihre seltenen Blumen, den Heilkräutern und dem Blumenfest. Wir kommen ursprünglich aus dem West Blue. Ich ging in die Welt um Pirat zu werden, sie verliebte sich in einen Marinesoldaten und zog mit ihn auf die Grandline, in die Nähe seines Stützpunktes. Ich habe sie dennoch geliebt und sie hat nie ein böses Wort über mich verloren. Es musste Schicksal sein, als wir uns nach Jahren wieder auf dem Blumenfest trafen. Meine Bande zählte mittlerweile zu den Rookies, meine Schwester hatte geheiratet, war schwanger geworden und bekam ein kleines, schwarzhaariges Mädchen mit dem Namen Shira.“
Ich keuche. Mir wird die Luft zum Atmen genommen, als sich eine schwarzhaarige Frau in meine Erinnerung schiebt. Sie lächelt mich breit an, während ich mich mit meinen kleinen Ärmchen nach ihr strecke. „Shira!“, säuselt die Frau glücklich und hebt mich hoch. Ich schüttele mich, umfasse meinen Oberkörper mit meinen Armen und blinzele. „Das kann nicht sein“, flüstere ich mit erstickter Stimme.
Ben ergreift mit beiden Händen meine Schultern. Ich heben den Kopf, nur um seine strahlenden Augen zu erkennen. „Du bist es, oder? Meine verlorene Nichte, die damals während eines schweren Angriffs einer Piratenbande gestorben sein soll, so wie alle anderen Bewohner.“ Eine Träne verirrt sich aus meinen verbliebenen Auge. Ich nicke schwach. „Ich kann mich erinnern“, wispere ich erstickt, „an meine Mutter, an meinen Vater.“ Die Bilder tauchen vor meinen geistigen Auge auf, als wären sie nie weg gewesen. Ich verliere die Fassung. Hemmungslos laufen mir die Tränen aus dem Auge. Sanft werde ich an Bens Brust gezogen. Er legt seine Arme um mich und streichelt mir beruhigend über den Rücken. „Wie...“, schniefe ich. „Ich weiß es nicht. Aber ist es nicht egal? Du lebst, das ist alles, was zählt“, antwortet er. Ich nicke und trenne mich ein wenig von ihm. Ich lächele ihn breit an, mein Herz wird wärmer, als ich eine vereinzelte Träne über seine Wange laufen sehe. „Danke.“

Später stehe ich an der Reling und lasse mir mit geschlossenem Auge den Wind um die Nase wehen. Genießerisch lege ich meinen Kopf in den Nacken. Meine Arme sind dabei auf das Holz gelehnt, mein Körper völlig entspannt. Ich denke an nichts, nur an das Gefühl grenzenloser Freiheit. Ich kann es immer noch nicht fassen, immer noch nicht verstehen. Ich habe keine Verpflichtungen mehr, ich muss meine Hände nicht mehr in Blut tränken. Ich bin frei von allem. Ich habe eine Familie, eine Vergangenheit, einen Namen. Meine Freiheit. Der Weg dahin ist nicht leicht gewesen. Ich habe mich verirrt, bin davon abgekommen, aber durch Liebe bin ich in der Lage gewesen, wieder auf den richtigen Pfad zu kommen. Ich, Shira Beckman, habe meinen Weg zur Freiheit gefunden und bin am Ziel angekommen. Auf den Weg dorthin habe ich vieles mehr gefunden, als ich je für möglich gehalten hätte. Ich habe etwas viel wichtigeres gelernt fürs Leben.


Genieße die Umwege. Mit ganzen Herzen. Weil man dabei Dinge findet, die viel wichtiger sind, als das, was man sucht.



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So endet meine neugeschriebene Story.

Ich wollte ein abgerundetes Ende haben, somit ist der zweite Teil „Mein Weg zur Vergangenheit“ als ein alternatives Ende zu betrachten.

Bedeutet, es kann gelesen werden, muss aber nicht, da jetzt einiges abweicht ^^°


Ich wollte mich bedanken, bei den Lesern, den Favos, den Empfehlungen aber vor allem bei


LadyWolf-


Danke für die ganzen Reviews, danke für die Fehlersuche und danke für all die netten Worte!

Oft hat mich das inspiriert, dass ich weiterschreiben kann :D


man ließt sich

tiger :3
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