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Zwei Jahre sind eine lange Zeit

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12
10.02.2016
10.02.2016
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~~~Wiedersehen~~~


Endlich, endlich war es so weit. Coco war sich sicher, diesmal würden sie die Barriere umgehen können. Bald könnten sie wieder bei ihnen sein. Beinahe zwei Jahre hatten sie sich nicht mehr gesehen. Wie sie wohl jetzt aussah? Bestimmt war sie noch hübscher geworden.
Diese und ähnliche Gedanken gingen ihm durch den Kopf, während er durch die Gänge des Schlosses streifte um zur Bibliothek zu gelangen. Natts war ganz sicher dort und las, etwas anderes hätte ihn schwer verwundert und tatsächlich saß sein bester Freund umgeben von Büchern auf einem Stuhl und schlug eines davon gerade zu, als Coco den Raum betrat.
"Es ist soweit." Mehr sagte er nicht, musste er aber auch nicht. Natts folgte ihm in den Garten und Coco erschrak.
"Sag mal, wann hast du das letzte Mal geschlafen?" Sein Freund sah ihn an und strich sich über die Augen.
"Wann hast du das letzte Mal was gegessen?" Volltreffer. Betrübt betrachtete er seine schmal gewordenen Hände. Aber wie sollte er essen, wenn er ständig einen Stein im Magen hatte? So zumindest fühlte es sich an.
Syrup und Kurumi, die nur noch bei diesem Namen gerufen werden wollte, warteten bereits. Wie sie hatten auch die Beiden es sich angewöhnt, beinahe ununterbrochen in Menschengestalt herumzulaufen, da sich keiner von ihnen als Fee mehr richtig wohlfühlen wollte. Wobei Coco aufgefallen war, dasss Syrup sehr oft als Riesenvogel unterwegs war. Er drehte lange Kreise, dann überschlug er sich plötzlich, raste zu Boden und wurde dort zum Menschen während er sich in die Richtung drehte, aus der er gekommen war. Was das nur sollte? Aber das war jetzt unwichtig. Entschlossen sahen die Freunde sich an.
"Bereit?"
"Bereit."
Ein helles Licht erstrahlte.



Karen öffnete gerade in dem Moment die Tür zum Laden, als ein gleißendes Licht erstrahlte. Überrascht lief sie zum Vorratsraum, aus dem es gekommen war und riss die Tür auf. Heraus purzelten die vier Personen, mit denen sie am Allerwenigsten gerechnet hatte. Ein Jauchzen entglitt ihrer Kehle und gleich darauf hatte sie Kurumi fest an sich gepresst.


Leise fluchend richtete Natts sich auf und sah sich um. Er kannte diesen Ort. Das war sein Laden! Sie hatten es also tatsächlich geschafft. Nicht, dass er nach Karens Knuddelattacke auf Kurumi noch weitere Beweise gebraucht hätte. Plötzlich fühlte er sich müde. Richtig müde, so, wie er seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen war. Er gähnte herzhaft, was ihm einen irritierten Blick von Coco einbrachte, wünschte seinen Freunden eine gute Nacht und ging dann hoch zu seinem Zimmer. Karen rief ihm noch irgend etwas nach, aber das hörte er nicht mehr richtig. Egal, das konnte sie ihm sagen, wenn er ausgeschlafen hatte.
Als Natts sein Zimmer betrat, bemerkte er, dass es sich kaum verändert hatte. Lediglich der Schreibtisch war überladen mit Zetteln und auch das eine Regal wirkte ein wenig voller als zuvor. Sein Blick glitt zum Bett, dann begann er sich umzuziehen. Irgend etwas irritierte ihn. Es war nicht der Schreibtisch und auch nicht das Regal, was war es... das Bett! Ruckartig drehte der blonde Mann sich um und schaute genauer hin. Dort, in seinem Bett, lag tief schlafend Komachi. Leise trat er näher heran und betrachtete sie. Ihre Haare waren länger geworden und sie sah erschöpft aus, aber als er bemerkte, dass sie seinen Schlüssel umklammert hielt, erwärmte sich sein Herz. Natts spürte eine tiefe Ruhe in sich, so dass er sich neben das Mädchen legte, einen Arm um sie schloss und bald darauf einschlief.


Unten in der Küche saß Karen mit ihren anderen Freunden zusammen. Das Mädchen beendete gerade ihren Bericht über die vergangenen beiden Jahre.
"Ich bin so froh, dass ihr wieder hier seid. Ihr werdet doch nicht wieder gehen?" Zweifelnd sah sie ihre Freunde an und Kurumi schüttelte den Kopf.
"Nicht mal wenn wir in Ketten weggeschleift werden sollen. Warum bist du eigentlich zu so einer späten Uhrzeit hier? Und warum schläft Komachi in Natts' Bett?" Karen lächelte betrübt.
"Als ihr weg wart, haben wir beschlossen, dass jeder einen Schlüssel für den Laden bekommt damit wir immer einen Rückzugsort haben. Komachi und Nozomi schlafen sehr oft hier und da euer Verschwinden um Mitternacht zwei Jahre her war, habe ich angenommen, dass sie beide hier sein werden. Ich wollte nur kurz den Kühlschrank auffüllen und nach ihnen sehen. Ach übrigens, Syrup", wandte sie sich an den Jungen mit den dunkelblonden Haaren, der unruhig mit dem Fuß wippte, "Urara ist heute Nacht von einem Konzert aus dem Ausland zurückgekommen. Du solltest mal auf dem Glockenturm nachsehen." Kaum hatte sie ihren Satz beendet, war der Junge auch schon zur Tür hinaus und sie nur noch zu dritt. Karen schmunzelte leicht.
"Nozomi wird oben sein. Coco, kannst du dann kurz nach ihr schauen? Und Kurumi, willst du heute Nacht vielleicht bei mir schlafen? Die Limousine kommt gleich." Das andere Mädchen nickte und gemeinsam gingen sie hinaus um zu warten.


Coco hingegen lief nach oben und öffnete leise die Tür zu seinem alten Zimmer. Alles sah noch genauso aus wie damals, bis auf eine neben dem Stuhl stehende Tasche und Nozomi, die zusammengerollt auf seinem Bett lag. Nachdenklich setzte er sich auf die Bettkante und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Ihre Haare waren länger geworden und statt zwei seitlichen Zöpfen trug sie nun einen hinten, aber noch immer auf die gleiche Art. Coco hatte recht gehabt, sie war tatsächlich noch hübscher geworden. Sie murmelte etwas und er beugte sich näher heran, um sie besser zu verstehen. Sein Name! Sie sagte im Schlaf seinen Namen! Träumte sie etwas von ihm? Anscheinend, aber es war kein sonderlich schöner Traum. Plötzlich schrie sie und richtete sich ruckartig auf.
"Cocauuuu!" Sein Name ging in einen Schmerzschrei über, als sie mit dem Kopf gegen seine Stirn knallte. Reflexartig hielt er sie fest.


"Hey, ich bin hier." Nozomi rieb sich die Stirn. Dass auch immer ihr so etwas passieren musste! Gegen was oder wen war sie da überhaupt geknallt? Noch immer die Hand an der Stirn und den Kopf gesenkt versuchte sie, die Stimme zuzuordnen. Plötzlich kam die Erkenntnis und das Mädchen riss die Augen auf, traute sich aber nicht, hoch zu sehen.
"Coco? Bist du das wirklich oder träume ich schonwieder?" Eine Hand berührte ihr Kinn und hob es an, so dass sie in seine strahlend blauen Augen sehen konnte.
"Kein Traum, Nozomi. Die Wirklichkeit." Sie starrte ihn an. Dann fing sie an zu weinen. Schon wieder. Er war erschreckend dünn, aber er war es, daran gab es keinen Zweifel. Schluchzend warf sie sich in seine Arme und er hielt sie fest.
"Ich hab dich so vermisst." Beruhigend strich er ihr über den Kopf, dann schob er sie ein kleines Stück von sich weg, um sie anzusehen.
"Es tut mir Leid, dass ich so lange gebraucht habe, um zurück zu kommen." Sie lächelte, dann küsste sie ihn. Sie konnte nicht anders und ihm schien es genauso zu gehen, da er den Kuss sofort erwiederte.

Arm in Arm lagen sie da und redeten, bis die Sonne aufging. Endlich waren sie nicht mehr einsam. Endlich war das Warten vorbei. Keiner von ihnen sagte, wie sehr er den anderen liebte denn das wussten sie schon lange.
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